Fragen ohne Antwort #162

Weg vom unnötigen Sie hin zum persönlichen Du. Wenn Ihnen das nicht passt, hamse halt Pech gehabt.

Dieses Mal dreht sich alles um Bücher. Ein Grund mehr, mal wieder Ginas Fragen ohne Antwort zu beantworten.

1. Nach welchen Kriterien suchst du ein Buch generell aus?

In erster Linie nach Genre. Es gibt da so Dinge, mit denen ich nicht viel anfangen kann. Romantik (weil schnulz), Erotik (obwohl ich unbedingt mal so ein Dinosaurier-Erotik-Buch lesen muss, einfach aus Prinzip), historische Romane (weil mir das meist einfach zu viel Blahblah ist) … Ich mag eher so Sachen wie Fantasy oder Science-Fiction, die sich aber jeweils auch nicht zu ernst nehmen sollten. Hin und wieder tut es auch mal ein Krimi, wenn ich Bock auf Spannung habe.

2. Liest du vertrauensvoll jede Veröffentlichung deiner Lieblingsautoren?

Es sollte ja kein Geheimnis mehr sein, dass mein All-Time-Favorite ganz klar Terry Pratchett ist. Und ich habe durchaus vor, alles von ihm zu lesen. Da es aber nun mal trauriger Fakt ist, dass da nichts mehr kommen wird, spare ich mir die paar Bücher, die ich noch nicht kenne, erstmal auf. Von meiner Nummer 2 Douglas Adams habe ich aber so ziemlich alles gelesen, denke ich.

Ich bin nebenbei aber auch niemand, der einer neuen Veröffentlichung entgegen fiebert und dann nicht abwarten kann. Ich bin da geduldig. Bei Buch wie beim Film wie bei allem anderen auch. Eine Geschichte wird schließlich mit der Zeit nicht schlechter.

3. Welche Freunde dürfen dir Lesestoff empfehlen?

Nur meine imaginären Kumpels, die in meinem Kopf existieren und mit denen ich mich vorm Buchkauf immer abspreche … was sagst du? Ich soll mir endlich die Dinosaurier-Erotik zulegen? … okay, okay, nerv mich nicht, ich setze es ganz oben auf die Liste …

4. Wie weit interessieren dich Buchbesprechungen?

Lese ich mir ganz gerne durch. Vor allem bei Büchern, wo ich eher das Gefühl habe, dass das nichts für mich ist. So kann man die ein oder andere Perle schon mal entdecken. Dinosaurier-Erotik beispielsweise.

5. Und wenn man einfach aus dem Bauch heraus kauft?

Dann kauft man im Bauchladen. Hahahahahha. Tihihihihi. Muhuhuhuhu. Okay, ich höre ja schon auf. Nächste Frage bitte.

6. Wie wichtig ist der Titel?

Mir eigentlich relativ egal. Wobei ein Titel natürlich schon so ein bisschen die Richtung angeben kann. Aber bei Terry Pratchetts Buchtiteln würde man teilweise zum Beispiel auch eher von High Fantasy ausgehen. Kann also auch irreführend sein. Von mir aus kann ein Buch genau so gut „Todesduell“ heißen, oder auch „Jeremy Meiers tödlicher Kampf gegen die Killeropossums von der Venus“. Der Inhalt zählt.

7. Womit dich ein Cover begeistern?

Fehlt da nicht ein Wort in der Frage?

Ich mag moderne Cover ja meist nicht. Mir ist das zu steril und glattgebügelt. Ich mag Cover, auf denen man was entdecken kann. Leider sind die ja ausgestorben, weil man jetzt alles auf den kleinen Vorschaubildern in den Online-Shops erkennen muss. Und deshalb sieht alles gleich aus und man kann es auf den kleinen Vorschaubildern gar nicht voneinander unterscheiden. Tolle Entwicklung. Bleh.

8. Wo und wann liest du am liebsten?

Ganz langweilig abends im Bett. Ich finde sonst einfach nicht die Ruhe zum Lesen. Tagsüber habe ich einfach zu viel Ablenkung, um mich einfach mal hinzusetzen und zu lesen. Da klingelt das Telefon, draußen hämmert jemand an irgendwas rum und schreit, weil er sich auf den Daumen hämmert, dann kommt der Hund rein und will spielen, irgendwo fackelt mal wieder was ab und die Feuerwehr fährt durchs Dorf … wie soll man sich denn da konzentrieren? Ruhe jetzt!

9. Liest du manchmal die ersten Seiten und dann gleich die letzten?

Wer macht denn sowas? Da kann ich mir ja gleich eine kurze Inhaltsangabe durchlesen und fertig.

10. Liest du manche Bücher mehrmals?

Meine Lieblinge auf jeden Fall. Ich habe die ersten Pratchetts mehrmals gelesen und auch von Adams alles schon mindestens zweimal.

11. Liest du, um mehr über das Leben zu lernen oder um es zu vergessen?

Leben? Lernen? Ach, hör doch auf …

12. Identifizierst du dich eher mit makellosen oder fehlbaren Protagonisten?

Makellose Figuren sind die reine Langeweile. Uh, toll er hat alles, kann alles und weiß alles. Wo ist denn da der Konflikt. Verreck halt, du Supertyp. Mir doch egal.

13. Suchst du eine Darstellung der wirklichen Welt, oder flüchtest du in eine fiktive?

Fiktive Welten sind spannender. Von der realen Welt sehe ich auch so genug. Außerdem finde ich es viel interessanter, wenn eine Welt durch die Geschichte eine eigene Form annimmt. Deshalb bin ich auch absolut kein Fan von diesen ganzen Lokal-Romanen, die im immer gleichen Kaff oder der immer gleichen Stadt spielen. Sorry, aber Hamburg ist mir einfach kackegal. Wenn die Welt nicht wirklich wichtig für die Geschichte ist, dann stört es mich aber nicht. Wobei ich selten etwas lese, in der die Welt nicht auch irgendwie eine Rolle spielt. Ich betrachte die Orte und Umgebungen gerne als einen eigenen Nebencharakter, der die Geschichte erweitert. Quasi wie der Erzähler, bei dem ja auch viele nicht so ganz kapieren, dass auch der nur eine Figur ist und nicht der Autor.

14. Welche Stilmerkmale zeichnen deine Lieblingsautoren aus?

Humor, der auf eine eigene Art und Weise der Gesellschaft den Spiegel vorhält und so auf den ganzen Wahnsinn aufmerksam macht, der eigentlich um uns herum abgeht.

15. Ist es dir wichtig, dass schmerzhafte Themen humorvoll abgehandelt werden?

Ja, siehe 14.

16. Oder ist Ernsthaftigkeit unerlässlich?

Nein, siehe 14 und 15.

17. Fallen dir abends nach ein paar Seiten die Augen zu? Oder liest du immer weiter, weil du die Zeit vergisst?

Kommt auf die Geschichte an. Wenns mich nicht packt dann ZZZZZZZZZZZZ. Ansonsten ist Zeit relativ.

18. Kannst du dich stets genau erinnern, an welcher Stelle du aufgehört hast zu lesen?

Durch die Macht des Lesezeichens, ja.

19. Müssen deine Bücher makellos aussehen, oder dürfen sie Gebrauchsspuren zeigen?

Ich kaufe auch viel gebraucht, da kann dann auch mal ein Fleck auf Seite 42 sein, oder ein Knick auf Seite 69. Stört mich nicht, solange man noch alles lesen kann. Ich hatte nur einmal den Fall, wo eine Seite komplett mit Kaffee oder sowas eingesifft war. Das war nicht so geil. Ich trinke keinen Kaffee.

20. Unterstreichen Sie manchmal Passagen in einem Buch?

Nein. Nur bei meinen eigenen Arbeiten, wenn ich überarbeite. Ansonsten finde ich das irgendwie nicht so toll, da ich das Buch eventuell ja noch mal lesen will und dann überall rumgekritzelt wurde. Ich würde dann vor allem wahrscheinlich auch noch überall Notizen an den Rand schreiben, die ich später nicht mehr lesen kann. Sowas im Sinne von „Diese Figur könnte ich in Projekt XYZ auf den Kopf drehen und dann als Antagonist einführen …“ Das alles so klein geschrieben, dass ich hinterher nur noch das XYZ erkenne. Wenn überhaupt. Wer mal meine überall herumliegenden Notizzettel gesehen hat, weiß, was ich meine. Was steht da? Grupfenzupfengru? Was zur Hölle soll das bedeuten?

21. Kannst du dich daran erinnern, wann eine Lektüre dich zum letzten Mal wirklich überrascht hat?

Ja, neulich. Negativ. John Bibles „MEGA“. Ein Buch über einen prähistorischen Riesenhai, der alles frisst, was er im Wasser findet. Nur, dass kaum jemand im Wasser zu finden war. Außer dann am Ende, wo alle im Wasser waren und trotzdem nur so zwei Leute gefressen wurden. Schon ein Kunststück, eine Geschichte über einen Riesenhai so langweilig zu schreiben. Irgendwie hat es mich dann aber doch bei der Stange gehalten, weil ich die Figuren alle so kacke fand, dass ich lesen wollte, wie sie alle gefressen werden. Hätte ich mal vorher gewusst, dass es davon 4 Teile gibt. Dann wäre ich wohl darauf vorbereitet gewesen, dass die fast alle überleben.

Wenn ihr die Fragen ohne Antwort auch beantworten wollt, schaut doch mal bei Gina auf Passion Of Arts vorbei. Ihr dürft sie jetzt auch duzen.

Advertisements

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Eigene Kreaturen

Wie angekündigt geht es diese Woche um ein wirklich spaßiges Thema. Das Kreieren von eigenen Wesen. Ich finde ja, dass Zwerge, Orks, Vampire und Zombies ziemlich ausgelutscht sind. Das heißt natürlich nicht, dass man sie nicht nutzen kann, wenn es angebracht ist. Aber es schadet absolut nicht, wenn man auch mal was Frisches in den Mix schmeißt. Denn Konfuzius sagt: „Die Mischung machts.“ Und er muss es wissen, schließlich herrscht in so einem konfusen Verstand jede Menge Verwirrung und Abwechslung.

Wir erinnern uns, wie Lord Edgar beim letzten Mal seine Armee von Schlangofanten unter der Führung von Krump losschickte, um das Schloss des Königs abzufackeln. Über die Schlangofanten haben wir also schon ein bisschen was erfahren und das soll uns erstmal reichen. Auf ihrem Weg zum Schloss treffen sie allerdings auf eine andere Rasse, die ihnen nicht friedlich gesinnt ist.

Im Wald der toten Bäume, der so hieß, weil die Bäume und Pflanzen hier wirklich mal etwas Wasser vertragen konnten, herrschte stets eine bedrückende Atmosphäre. Selbst Krump entging diese Atmosphäre nicht, dabei hatte er als Schlangofant absolut nichts für Atmosphäre übrig. Langsam marschierte die Schlangofantenarmee zwischen den abgestorbenen Bäumen und Sträuchern mit dürren Ästen hindurch. Krump hob eines seiner langen Ohren. Ein Knurren hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Er hob eine Hand. Die Armee stoppte ihren Marsch.

Im Unterholz lauert also eine Bedrohung. Und hier kommt der schwierige Teil. Wenn man eine Kreatur, ein Wesen, eine Gestalt, oder Ähnliches einführt, dann muss man sich bei der Beschreibung etwas anstrengen, um das Bild im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Jeder hat ein Bild von einem Zombie oder einem Drachen im Kopf. Aber wenn ich von einem gestreiften Krallenwusel spreche, passiert da erstmal nicht viel. Also muss ich dieses Wesen möglichst ausführlich, aber eben auch möglichst aufregend, beschreiben, um ein Bild zu zeichnen, ohne dabei Langeweile aufkommen zu lassen und mich in Details zu verlieren. Und ich will ehrlich sein: Diese Aufgabe fällt mir nicht sonderlich leicht. Aber Übung macht bekanntlich den Meister, also starten wir mal einen Versuch.

Zwei gelbe Punkte erschienen in der Dunkelheit zwischen den toten Bäumen. Die Punkte wurden größer und näherten sich langsam der Armee. Krump zog sein Schwert, das so viele scharfe Kanten und spitze Ecken hatte, dass er sich selbst jedes Mal verletze, wenn er es in die Hand nahm. Dafür bot es sich hervorragend an, um Gegner auszuweiden. Das Augenpaar verließ die Dunkelheit und ein gestreifter Krallenwusel erschien vor der Armee. Der Armee entwich ein erleichtertes Seufzen. Der gestreifte Krallenwusel reihte ihnen gerade bis zu den Knöcheln. Sein schwarz weiß gestreiftes Fell sah so kuschelig aus, dass man direkt versucht war, es als Kopfkissen zu benutzen. An seinen kleinen Pfoten zeigten sich winzige Krallen, die kaum dafür ausreichten, die Haut anzukratzen. Es legte die spitzen Ohren in den Nacken und fauchte. Das Fauchen wirkte nicht gerade angsteinflößend. Einer der Schlangofanten ging auf den gestreiften Krallenwusel zu. Der zeigte seine kleinen spitzen Zähne. Der Schlangofant hob den gestreiften Krallenwusel auf und wog ihn in seinen Armen. Er streichelte ihm über sein kuscheliges Fell. Die anderen Schlangofanten schauten zu und lachten. Dann baute der gestreifte Krallenwusel schlagartig seine Muskeln auf, wuchs zur doppelten Größe heran und biss dem Schlangofanten den Kopf ab. Das Lachen erlosch und weitere gelbe Punkte erschienen in der Dunkelheit.

Man sieht also, der erste Eindruck muss nicht immer der richtige sein. Aber der Eindruck, der beim Leser entstehen soll, muss ausführlich genug sein, um bei ihm ein Bild entstehen zu lassen. Ich denke, das ist mir hier wenigstens so einigermaßen gelungen. Man könnte sicher noch etwas mehr ins Detail gehen, aber ich mag es einfach nicht, wenn die Beschreibungen zu ausschweifend werden, wie ich ja auch schon mal erwähnt habe. Deshalb versuche ich mich immer auf das Wichtigste zu beschränken.

Beim nächsten Mal schauen wir uns dann mal an, wie eine kleine Schlacht in einem dunklen Wald zwischen zwei Phantasiewesen so aussehen könnte.

Wie beschreibt ihr selbst erfundene Kreaturen? Wann wart ihr eigentlich zuletzt alleine in einem dunklen Wald? Und mutiert eure Hauskatze auch manchmal einfach so zum ausgewachsenen Puma?

„Mach was!“ – mit Frühstück

Es ist mal wieder Zeit bei diesem Mitmachprojekt – nun ja – mitzumachen. Die Pö hat sich dieses Mal das Thema Frühstück ausgesucht und ich habe natürlich mal wieder eine kleine Geschichte dazu geschrieben. Wenn ihr auch mitmachen wollt, findet ihr alle wichtigen Informationen mit einem Klick hier.

 

DER OBERE APFEL

Eine friedliche Stille lag über dem Schloss, dessen hohe Türme in der aufgehenden Sonne glänzten. Um diese Zeit bewegte sich im Schloss für gewöhnlich niemand, außer wenn sich jemand von einer auf die andere Seite drehte, um noch eine Stunde weiter zu schlafen. Schließlich hatte man im Schloss um diese frühe Stunde nichts zu tun. Die Arbeit wurde in der Stadt und auf den Feldern vom armen Volk erledigt, dessen Alterserwartung ohnehin im niedrigen zweistelligen Bereich lag. Der Adel und der Hofstaat waren da besser dran und sahen gar nicht ein, warum sie durch Arbeit ihre Alterserwartung senken sollten, wenn die Armen doch ohnehin nichts hatten, wofür es sich zu leben lohnte.

Ein dicker Mann schnarchte laut in einer Ecke, während ihm die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf die breite Brust fielen. Er drehte sich von einer Seite auf die andere, um noch eine Stunde weiter zu schlafen. Sein Name war Edward. Jeder Mann im Schloss hieß Edward. Das war eine der Einstellungsanforderungen von König Edward, der seinen Namen so sehr liebte, dass er keine Männer an seinem Schloss duldete, die nicht Edward hießen. Wenn ein Nicht-Edward sich um einen Job am Schloss bewarb, verlor er dafür am nächsten Namenstag seinen Kopf. Und König Edward feierte seinen Namen jeden Tag. Dieser Umstand führte oft zu Verwechslungen und Verwirrungen am Schloss, wodurch ein Großteil jedes Tages damit verbracht wurde, dass sich die Leute am Schloss gegenseitig suchten, da niemand wusste, wo welcher Edward sich gerade aufhielt und wer gerade welchen Edward suchte.

Edward lag auf der Seite und genoss die Stille, die in diesem Moment unterbrochen wurde und für die übliche Verwirrung sorgte.

»Wo ist Edward!« Die Stimme des Königs hallte durch das Schloss und wurde von den kahlen Steinwänden in jede Ecke und jeden Winkel getragen, an dem sich in diesem Moment ein Edward aufhielt.

Edward wachte auf. Er wusste nicht, welcher Edward gemeint war, aber es war immer gut, wenn man dem Ruf des Königs folgte.

»Ich habe Hunger!« Die Stimme des Königs stellte klar, welcher Edward gemeint war.

Edward sprang auf und lief so schnell es sein überschüssiges Gewicht zuließ in den Speisesaal des Schlosses. Als königlicher Vorkoster war es seine Aufgabe, dem König seine Mahlzeit zu ermöglichen. Und der König liebte seine Mahlzeiten. Vielleicht noch mehr als den Namen Edward. Um genau zu sein, tat der König den ganzen Tag nichts anderes als zu essen und den Namen Edward anzupreisen.

Vorkoster Edward erreichte schnaufend den Speisesaal und stützte sich an eine Wand, um nicht zusammenzubrechen. Er war solche Sprints nicht gewohnt. König Edward saß bereits am Kopf des langen Tisches, auf dem die Speisen darauf warteten, verzehrt zu werden. Er schaute Vorkoster Edward wütend an. Der Vorkoster wusste, dass der König gerade beim Frühstück nicht viel Geduld mitbrachte und schleppte sich zum Tisch.

»Ich verhungere hier«, sagte der König und schlug sich auf den fetten Bauch. »Los, fang an zu essen. Ich verstehe diese ganze Vorkoster-Sache ohnehin nicht. Ein König sollte essen können, wann und was immer er will. Wer sollte mich schon vergiften wollen?«

»Nun ja, euer Hoheit«, sagte der königliche Berater Edward, »Ihr regiert ein ganzes Land voller Menschen, die Euch für einen fetten faulen Sack halten und glauben, dass sie ohne Euch viel besser dran wären.«

König Edward schaute das Gerippe in Form des königlichen Beraters an. Dann schaute er über den Tisch, an dem die anderen Gerippe saßen, die zu seinem Hofstaat gehörten. Außer dem König und dem Vorkoster bekam am Schloss kaum jemand die Gelegenheit Nahrung zu sich zu nehmen. Für gewöhnlich entbrannte ein Kampf auf Leben und Tod um die wenigen Reste, die Vorkoster und König zurück ließen. Dieser Kampf war selten spektakulär, da sich die Beteiligten vor Schwäche kaum auf den Beinen halten konnten. Selbst die Wachmänner waren nicht in der Lage ihre Schwerter und Speere zu heben, um sich einen Vorteil zu verschaffen. So ging das übrige Salatblatt meist an denjenigen, der es als erster kriechend erreichen konnte.

»Das ist eine unglaubliche Unverfrorenheit!«, rief der König. »Wenn dein Name nicht Edward wäre, würde ich dich auf der Stelle hinrichten lassen.«

»Verzeiht, euer Hoheit«, bibberte der Berater, sodass man seine Knochen nicht nur unter der Haut sehen, sondern auch klappern hören konnte, »ich gebe nur wieder, was das Volk denkt.«

»Das Volk? Die sollen froh sein, dass sie so einen gutmütigen König haben, der sie regiert. Ich könnte sie alle hinrichten lassen, weil sie nicht Edward heißen.«

»Ich weiß nicht, ob das nach dem Gesetz möglich wäre, euer Hoheit.«

»Ich bin das Gesetz in dieser Stadt!«, brüllte der König und schlug mit der Faust auf den Tisch. »Und ich sage das Frühstück ab. Mir ist der Appetit vergangen.«

Ein lautes Stöhnen von ausgehungerten Menschen ging durch den Saal. Der König wühlte sich umständlich von seinem Stuhl und ergriff die Hand der Königin. »Komm, Edlin. Wir gehen meinen Namen feiern und weitere Edwards machen.« Er zog die dürre Königin hinter sich her, die sehnsüchtig das Essen auf dem Tisch anstarrte.

Die anderen Anwesenden warteten, bis der König durch die Tür verschwunden war und machten sich bereit, sich auf die Speisen zu stürzen. Der König kam zurück. »Werft das Essen weg. Wenn der König nicht isst, dann isst niemand. Wenn jemand auch nur einen Bissen nimmt, wird ihm der Magen herausgeschnitten.«

»Blöhrch«, seufzten alle Bediensteten am Tisch enttäuscht und begannen, das Essen vom Tisch aus dem Fenster zu werfen.

Vorkoster Edward schlief unruhig in der folgenden Nacht. So wie jeder andere im Schloss auch. Das laute Gestöhne und Geächze des Königs, das von den Schlossmauern widerhallte, hielt alle wach. Die Angestellten saßen lange vor dem König am Frühstückstisch und versuchten, nicht mit dem Kopf auf dem leeren Teller vor sich einzuschlafen. Vorkoster Edward gesellte sich zu ihnen und stützte den schweren Kopf auf seinen dicken Arm. Alle wurden schlagartig wach, als König Edward den Saal betrat und unter schmerzverzerrtem Gesicht zu seinem Platz am Kopf der Tafel schlich. Mühsam setzte er sich hin.

»Seid ihr jetzt zufrieden?«, fragte er. Er erwartete keine Antwort. »Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages und nur wegen euch habe ich darauf verzichtet. Und mein Tag war die Hölle. Beim Versuch, neue Edwards zu machen, habe ich mir direkt den Rücken verrenkt. Auf leeren Magen liegt es sich schlecht.« Er griff nach einem Apfel.

»Euer Hoheit«, sagte der königliche Berater, »der Vorkoster hat noch nicht vorgekostet.«

»Ich kann nicht mehr warten, Edward. Und es ist nur ein Apfel. Was kann schon passieren?«

Der königliche Berater wollte die Frage beantworten, aber König Edward ließ ihn mit einer Handbewegung verstummen. Der König biss in den Apfel. Alle hielten den Atem an. Der König kaute genüsslich und schluckte. Er stockte. Er hustete. Alle atmeten erschrocken ein. Der Kopf des Königs lief rot an. Er schlug sich auf die Brust. »Nur verschluckt«, sagte er. Alle atmeten auf. Der König gönnte sich einen weiteren Bissen vom Apfel. Er kaute genüsslich und schluckte. Er stockte.

»Sollen wir Euch den Apfel vielleicht zu einem Brei klein stampfen, Euer Hoheit?«, schlug der königliche Berater vor.

Der König schaute ihn röchelnd an. Er ließ den Apfel fallen. Das Obst rollte unter den Tisch. Der König rutschte von seinem Stuhl hinterher. Alle schauten sich an.

»Meint ihr, er macht nur einen Spaß?«, fragte Hofnarr Edward.

König Edward war nicht für seine Späße bekannt. Der königliche Berater schaute unter den Tisch. Blut lief aus der Nase des Königs. Er regte sich nicht. Der königliche Berater stieß sich den Kopf an der Tischplatte. »Gift«, sagte er und rieb sich den kahlen Schädel, der ihn noch mehr wie ein wandelndes Skelett aussehen ließ.

Alle atmeten erschrocken ein und begannen, sich gegenseitig zu beschuldigen. »Es war Edward«, sagten sie alle und jeder meinte einen anderen Edward.

Vorkoster Edward hörte sich die Anschuldigungen eine Weile an und versuchte, aus dem Gewirr an Schreien, Erklärungsversuchen und sinnlosem Gemurmel etwas herauszuziehen, dass den Fall klären konnte. Er verstand kein Wort, also stand er auf und bat die Anwesenden, sich zu beruhigen, damit sie gemeinsam dem Mord auf den Grund gehen konnten. Alle verstummten. »Es war Edward«, rief der Hofnarr und zeigte auf den Vorkoster.

Aus Mangel an Alternativen stimmten alle zu. Jemand, der versuchte, einen Fall mit Nachdenken zu klären galt prinzipiell als verdächtig und wollte sicher nur von sich selbst ablenken.

»Ich war es nicht«, sagte Vorkoster Edward abwehrend.

»Wer denn sonst?« Der Hofnarr zog seine bunte Hose hoch, die ihm regelmäßig über die abgemagerten Hüften rutschte. »Du wolltest das ganze Essen für dich, damit du noch fetter wirst.«

Alle waren der Meinung, dass dieses Motiv Sinn ergab. »Köpft ihn!«, riefen alle in Einigkeit und griffen nach ihren Brotmessern.

»Ich fürchte, mit diesem stumpfen Besteck würde es ewig dauern, ihm den Kopf abzuschneiden«, sagte der Hofnarr enttäuscht. »Wo ist der Henker? Er hat eine scharfe Axt.«

Henker Edward trat vor und griff nach seiner scharfen Axt. Das Gewicht des Hinrichtungsinstruments übermannte ihn und zog seinen dürren Körper zu Boden.

»Können wir das vielleicht ausdiskutieren, bevor ihr alle einen Schwächeanfall erleidet?« Vorkoster Edward appellierte an die Vernunft des Hofstaates und stieß auf Abweisung. Vernunft war zu keiner Zeit weit verbreitet im Schloss gewesen. Die wütenden Gerippe kamen näher. Vorkoster Edward griff nach einer Weintraube und hielt sie abwehrend vor sich. Der knochige Mob hielt inne.

»Ganz ruhig, Edward.« Hofnarr Edward betrachtete sich als Anführer des Hinrichtungskomitees. »Leg die Weintraube weg.«

»Nein«, sagte Vorkoster Edward entschlossen und warf die Traube. Dann noch eine. Und noch eine. Weintrauben prallten von den ausgehungerten Angestellten ab. Eine der Trauben flog in einem Bogen und landete direkt im Mund des königlichen Beraters.

Edward spuckte die Traube aus und kratzte sich mit den Fingern auf der Zunge rum. »Du willst uns alle töten«, nuschelte er mit den Fingern im Mund. »Moment mal.« Er nahm die Finger aus dem Mund. »Die Weintrauben sind nicht vergiftet.«

Alle schüttelten verwirrt den Kopf. Dann erkannten sie ihre Gelegenheit und sammelten die Weintrauben auf, um endlich ihre leeren Mägen zu füllen.

»Ich verstehe das nicht«, sagte der Hofnarr kauend, »warum wurde nur der eine Apfel vergiftet? Wer konnte wissen, dass der König ausgerechnet den Apfel ganz oben aus der Obstschale essen würde.«

Der obere Apfel. Ein Gedankengang formte sich im Gehirn von Vorkoster Edward. Der obere Apfel. König Edward aß nie den oberen Apfel. Der obere Apfel. Vorkoster Edward sprang auf, wenn man bei seinem Gewicht von springen sprechen kann. »Der giftige Apfel war für mich!«, rief er.

»Wer sollte dich schon vergiften wollen?«, fragte Hofnarr Edward.

»Nun ja«, begann Wache Edward, »der Vorkoster isst eine ganze Menge. Wenn er weg wäre, bliebe vermutlich mehr für uns alle übrig.«

»Nein, so funktioniert das nicht«, sagte der königliche Berater. »Es muss immer einen Vorkoster geben. Aber es wäre natürlich trotzdem besser, ihn zu ermorden, als den König. Die Strafe für Königsmord ist eindeutig schlimmer als die Strafe für Vorkostermord.«

»Was ist die Strafe für Vorkostermord?«, wollte Hofnarr Edward wissen.

»Man muss seinen Posten übernehmen, damit direkt ein neuer Vorkoster da ist.«

»Hat Vorkoster Edward auch jemanden ermordet, um an seinen Posten zu kommen?«

»Nein, der vorherige Vorkoster starb bei dem Versuch, Taubeneier aus einem Nest zu stehlen. Man sollte denken, bei seinen Ausmaßen wäre er im Fenster stecken geblieben. Aber die Fenster hier sind breiter als sie auf den ersten Blick erscheinen.«

»Du scheinst ausgezeichnet informiert zu sein«, stellte Vorkoster Edward fest.

»Natürlich. Information ist mein Beruf.«

»Wie wird man neuer König?«, fragte der Hofnarr.

»Es gibt eine Thronfolge. Aber da der König keine Kinder hatte, die er Edward hätte nennen können, also ist sein Bruder der nächste König.«

»Der König hatte einen Bruder?«

»Ja, aber niemand weiß, wo er sich aufhält.«

»Ich dachte, du weißt alles.«

»Er ist sicher ausfindig zu machen.« Der königliche Berater fühlte sich auf einem Wissenshoch und wollte jetzt nicht einbrechen, wo er doch die Gelegenheit hatte, mit seinen Informationen den ganzen Hofstaat zu beeindrucken.

»Wie würdest du dabei vorgehen?«, fragte Vorkoster Edward.

»Ich würde in Erfahrung bringen, wo er sich zuletzt aufgehalten hat und von dort eine Spur verfolgen, die mich zu ihm führt.«

»Wirklich schlau. Würdest du ihm etwas mitbringen? Zum Beispiel einen Kuchen? Wie backt man einen Kuchen?«, wollte Hofnarr Edward wissen.

»Ein Kuchen ist immer ein gutes Geschenk. Ihn zu backen ist gar nicht so schwierig. Man braucht nur die richtigen Zutaten und einen heißen Ofen.«

Henker Edward trank einen Schluck Wein. »Weißt du auch, wie man Wein macht?«

»Natürlich weiß ich das.« Der königliche Berater lehnte sich lächelnd in seinem Stuhl zurück und genoss den Wissenserguss, den er über die anderen ausgoss. »Man zerstampft Trauben und mischt Alkohol bei.«

»Wie mischt man tödliches Gift?«, fragte der Vorkoster.

»Nun, das ist gar nicht so schwer. Alles Notwendige dafür findet man in der Küche.« Der königliche Berater brach ab.

»Du weißt also, wie man Gift mischt und wie man an den Posten des Vorkosters kommt«, kombinierte Vorkoster Edward.

Alle hatten aufgehört zu kauen und schauten den königlichen Berater an.

»Was ist die Strafe für Königsmord, Edward?«, fragte Hofnarr Edward spöttisch.

Die Vierteilung des königlichen Beraters wurde vom Volk auslassend zelebriert. Es gab viele Speisen und Getränke und alle waren fröhlich. Fortan galt der Name Edward als verrufen und durfte im ganzen Land nicht mehr genutzt werden. Vorkoster Edhelm, Hofnarr Edwud und alle anderen Angestellten behielten ihre Posten und wurden für die Aufklärung des Königsmords ausgezeichnet. Der neue König mochte glücklicherweise keine Äpfel und überließ die Obstkörbe stets seiner Gefolgschaft.

Fragen ohne Antwort #157

Ich bin ja niemand, der zum Jahresanfang irgendwelche Vorsätze fasst, die dann ohnehin nicht eingehalten werden. Wenn ich mehr Sport machen will, kann ich an dem Vorsatz schließlich auch genau so gut im Sommer scheitern. Wozu also direkt das eigene Jahr versauen?

Aber schon vor längerer Zeit habe ich mir vorgenommen, den Blog hier mal etwas in Schwung zu bringen. Bisher fehlen mir dazu aber auch weiterhin die zündenden Ideen. Immerhin habe ich aber im letzten Jahr der lieben Gina von Passion Of Arts zugesagt, hin und wieder mal bei ihren Fragen ohne Antwort mitzumachen. Ich mag ja solche Frage-Antwort-Dinger, weil es Spaß macht, sie auszufüllen und meine Leser dabei auch noch etwas über mich und meine wirren Gedanken erfahren. Und deshalb mache ich heute mal mit bei dem Spaß und tue Gina damit auch noch einen Gefallen, da sie sich schon so lange wünscht, dass mal der ein oder andere aus ihrem Blog-Umfeld die Fragen beantwortet. Na, wenn das mal alles nicht perfekte Gründe sind, um hier die 20 Fragen (ich bin immer noch der Meinung, dass 10 völlig ausreichen und weniger Arbeit für Fragensteller und -beantworter machen würden und dadurch vielleicht weniger abschreckend wirken) zu beantworten. Bei weiteren Fragen zu dem ganzen Ding – zum Beispiel, was zum Kuckuck eigentlich die VOGUE mit dem ganzen Kram zu tun hat – wendet euch an Gina. Ich habe nämlich absolut keine Ahnung. Also los:

1. Macht Ihnen das Älterwerden etwas aus?

Nicht wirklich. Im Prinzip ist es ja auch gar keine so schlechte Sache. Klar, alle sagen immer, dass als Kind alles einfacher war, aber dafür musste man täglich in diese komische Institution namens Schule tapern und sich da den langweiligen Krampf anhören, den die Nasen vorne an der Tafel so erzählten und so tun, als ob einen die ganze Scheiße wirklich interessiert. „Oh ja, erzähl mir mehr von Agrarwirtschaft in Timbuktu, Herr Lehrer.“ Erdkunde ist so ein Knallerfach. Spannung pur. Und man hat so viel gelernt. Ich bin zwar immer noch nicht in der Lage, den Rhein auf einer Landkarte zu finden, aber immerhin weiß ich wie man Kartoffeln in Timbuktu anbaut. Von Fächern wie Religion oder dem immer wieder einfach nur grauenhaften Sportunterricht fange ich besser gar nicht erst an. Älterwerden rockt. Ich weiß jetzt trotzdem eine Menge Scheiß, den kein Mensch wissen muss, aber immerhin sind es Dinge, die mich interessieren.

2. Unsterblichkeit als Motiv – Können Sie Schurken verstehen?

Nun ja, ist Unsterblichkeit nicht ein durchaus erstrebenswertes Ziel? Schließlich haben ja nur die Wenigsten so richtig Bock darauf, irgendwann unter der Erde zu verrotten. Gut, die Antagonisten müssten beim Versuch, die Unsterblichkeit zu verlangen natürlich nicht immer gleich das ganze Universum in unmittelbare Implodiergefahr bringen. Aber jede Forschung hat nun mal so seinen Preis. Wobei, was wäre eigentlich, wenn der Antagonist wirklich unsterblich wird und dann das Universum implodiert? Überlebt er das dann auch?

3. Wie würden sie reagieren wenn sie einen Benjamin Button zum Bruder oder Sohn hätten?

Ich würde pennen gehen. Der Film war so sterbenslangweilig, das im wahren Leben zu ertragen ist keine Option.

4. Wenn Sie den Stein der Auferstehung besäßen, würden Sie ihn nutzen? Oder hätten Sie doch lieber ein anderes Heiligtum des Todes in Ihrem Besitz?

Ist das nicht auch irgendwie die Frage nach Unsterblichkeit? Wiederauferstehung kommt ja irgendwie aufs Gleiche raus. Außer, dass dabei vielleicht das Universum nicht direkt implodiert.

5. Angenommen eine Zeitreise wäre für Sie möglich, würden Sie die Chance nutzen oder wäre Ihre Angst vor den Konsequenzen viel zu groß?

Pfft, Konsequenzen … ich bin weg hier und gucke mir dann später an, was ich angerichtet habe. Sind wir ehrlich: Viel schlimmer als momentan kann es doch ohnehin kaum werden. Ich frage mich ja ohnehin, ob man dabei wirklich so viel Schaden anrichten könnte. Wäre es wirklich so eine große Katastrophe, wenn der ein oder andere nicht geboren worden wäre, nur weil ich versehentlich in der Vergangenheit seine Ur-Oma überfahren habe? Übernimmt seinen Job halt jemand anderes, der es genau so gut versauen kann. Macht doch keinen Unterschied.

6. Sie wüssten, dass Ihr Vater nach einer Reise im All kaum gealtert zurückkehren würde, Sie dafür aber Ihr ganzes Leben schon gelebt haben – Würden Sie ihn davon abhalten zu gehen?

Wie oft hat man denn bitte die Möglichkeit ins All zu reisen? Und wer bin ich denn bitte, dass ich jemanden von dieser Reise abhalten würde? Grüß mir die Venus!

Mal davon abgesehen, wäre ich zwar bei seiner Rückkehr alt, aber ich könnte dann erzählen, wie ich es vom Selbsternannten Schriftsteller zum absoluten Mega-Autor, der die Welt regiert, gebracht habe. Hat vermutlich was mit Unsterblichkeit zu tun. Hm, wenn ich hier auf der Erde dafür sorge, dass das Universum implodiert und mein Vater ist nicht auf der Erde, wer würde dann eher draufgehen?

7. Zeit kann viel Veränderung bringen. Wie wünschen Sie sich eine Zukunft in etwa 300 Jahren?

Weniger geisteskranke Arschlöcher in hohen Positionen … oder nee, wartet, gar keine hohen Positionen mehr. Jeder gleichgestellt und alle geisteskranke Arschlöcher. Hui, das wäre ein Spaß. Da ich nicht unsterblich bin, muss ich mich dann ja nicht mit dem Chaos rumschlagen, das dieser Umstand mit sich bringen würde.

8. Der älteste Film, den Sie gesehen haben?

Puh, schwierig. Vermutlich ein Kurzfilm von Laurel und Hardy aus den 20ern. Spielfilm müsste „The Most Dangerous Game“ von 1932 sein. Fantastischer Film nebenbei.

9. Würden Sie auch gerne mal, wie Indiana Jones, auf ein Abenteuer gehen und uralte Schätze finden?

Theoretisch ist das bestimmt spaßig, aber ich bin ein zu fauler Sack, um in alten Tempeln rumzuhüpfen und gegen Nazis zu kämpfen. Ich schicke dann lieber andere vor und lasse mir was Schönes mitbringen.

10. Ihr persönlicher Binge-Watching-Rekord?

Keine Ahnung. Ich bin kein Binge-Watcher. Ich mag nach wie vor das System mit einer Episode pro Woche. Manchmal auch mal mehr, aber es kommt sehr selten vor, dass ich wirklich mehr als 2 Folgen einer Serie am Stück gucke.

11. Zeit heilt alle Wunden. Welche ist ihre bisher schlimmste Verletzung gewesen?

Ich bin nicht anfällig für Verletzungen und hatte in fast 35 Jahren noch keine ernsthafte Verletzung, die über „O, es blutet ein bisschen“ hinausgeht. Vielleicht bin ich tatsächlich unsterblich und unverwundbar. Oder ich habe einfach nur ne Menge Glück, was das angeht. Und bei allem anderen als Ausgleich dann eben Pech.

12. Welcher ist der älteste Gegenstand in Ihrem Besitz?

Besitz? Ist das dieses Ding, wo einem Gegenstände gehören? Sowas kann ich mir nicht leisten.

13. Könnten Sie mit jemandem befreundet sein, der mehr als doppelt so alt ist, wie Sie?

Mathe ist nicht so meine Stärke, deshalb weiß ich gerade nicht, wie alt das wäre, aber ich glaube, das wäre kein Problem, solange die Person mir nicht tierisch auf den Sack geht, wie 90 % der menschlichen Spezies es tut. Also stehen die Chancen gar nicht mal so gut.

14. Und wie wäre es mit einem Roboter, wäre da eine Freundschaft drin? Vorausgesetzt dieser gäbe einen täuschend echten Menschen ab.

Wenn ein Roboter, dann Marvin der manisch depressive Roboter aus „Per Anhalter durch die Galaxis“. Wir könnten uns dann gegenseitig bemitleiden.

15. Sind Sie ein geduldiger Mensch?

Ja. Wo bleibt Frage 16?

16. Und täglich grüßt das Murmeltier – Ist die Vorstellung von Gefangenschaft in einer Zeitschleife für Sie auch furchtbar unangenehm?

Ist doch toll. Man kann tun und lassen was man will und seinen Mitmenschen mal so richtig eins in die Fresse hauen, wenn sie einem mal wieder tierisch auf den Sack gehen. Wird vermutlich irgendwann langweilig, aber am Anfang ist es bestimmt super.

17. Wenn Sie wüssten, dass Sie in naher Zukunft alles vergessen werden, welche Maßnahmen würden Sie ergreifen?

Alle guten Bücher und Filme schon mal rauslegen, damit ich die dann nochmal zum ersten Mal erleben kann. Es gibt ja solche Werke, die einen so richtig vom Hocker gehauen haben. Aber wenn man sie dann kennt, ist es natürlich beim zweiten Mal nicht mehr die selbe Erfahrung.

18. 12 Uhr mittags findet ein Duell statt und Sie sind einer dieser Duellanten – Sind sie pünktlich?

Vermutlich nicht. Ich komme so um halb 2, wenn mein Gegner bereits gelangweilt in einer Ecke sitzt, niete ihn schnell überraschend um und gehe mich im Saloon besaufen.

19. Fänden Sie es schön, wenn man das Leben mit einer Fernbedienung vor- und zurückspulen könnte?

Wäre mir zu anstrengend. Ich wäre vermutlich nur am hin und her spulen und wüsste irgendwann gar nicht mehr, wo ich mich befinde. Was wäre eigentlich wenn man zu weit spult? Bis nach seinem Tod zum Beispiel. Dann ist man im Arsch und kann nicht wieder zurückspulen. Und was ist wenn man bis in die Schulzeit zurückspult und der Schulschläger die Fernbedienung klaut? Dann muss man die ganze Erdkundekacke noch mal ertragen. Danke, ich passe.

20. Würden Sie wollen, dass man Dinosaurier züchtet, wenn die Möglichkeiten gegeben wären?

Es sollte doch ziemlich klar sein, wie das ablaufen würde. Professor Jura forscht in seinem Labor und hat plötzlich die leuchtende Idee. „Juhu, ich habe einen T-Rex erschaffen!“ Rooooooaaaaaaaaaaar! Und Haps. Professor Jura ist Dino-Futter. Und der Rest der Menschheit ist als nächstes dran. Vermutlich keine so gute Idee. Wobei so ein Triceratops als Haustier ja schon ganz cool wäre. Aber die Futterkosten kann man sich ohnehin nicht leisten.

Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #20 – Das Finale

Zu Teil 19

 

Wie ich ja schon mal erwähnt habe, sind mir leider meine Notizen zu diesem Projekt abhanden gekommen. In meinem Chaos gar nicht mal so überraschend. Vermutlich habe ich die Datei einfach versehentlich gelöscht. Da ich das ganze aber nicht einfach abbrechen wollte, habe ich mir vorgenommen, die Geschichte zumindest noch zum Abschluss zu bringen. Zwar etwas halbherzig, aber immerhin ein Ende. Und das gibt es jetzt. Vielleicht starte ich im neuen Jahr eine neue fortlaufende Geschichte hier im Blog. Mal schauen.

 

Ich werde mich wohl nicht mehr daran gewöhnen unter Wasser herumzulungern und dabei zu versuchen nicht abzusaufen. Ich sehe Fey vor mir. Sie versucht sich von ihren Fesseln zu befreien. Der Sheriff war wohl mal in der Marine, oder sowas. Die Knoten geben jedenfalls nicht ein Stück nach. Wir sinken auf den Grund. Über uns die Kiele von alten Schiffen. Unter uns eine Ansammlung von Müll und Schrott, der regelmäßig von den Leuten über die Hafenkante gekippt wird. Ersaufen im Müll. Wie passend für einen Chaoten wie mich.

Die Tatsache, dass ich noch in der Lage bin, diese Zeilen zu schreiben, verrät wohl schon, dass wir nicht absaufen werden. Zwischen den alten Schiffen über uns leuchtet eine Flammenfontäne auf. Dann fällt etwas schwarzes ins Wasser, was aussieht, als könnte es mal der Sheriff gewesen sein. Jetzt ist es nur noch ein verkohlter Klumpen, der zwischen Fey und mir zum Müll hinunter sinkt. Er bleibt zwischen einigen zerbrochenen Flaschen liegen. Ich denke mir nichts dabei, da mir langsam die Luft ausgeht und ein Bier mich hier nicht retten kann. Fey schaltet schneller. Wie gewöhnlich. Sie taucht zu den Scherben runter und schneidet damit ihre Fesseln durch.

Wir tauchen auf und ich schnappe nach Luft wie nach einem Hustenanfall, wenn ich mal wieder zu viele Zigaretten hintereinander geraucht habe. Ah, eine Zigarette wäre jetzt wirklich was. Das Feuer hätte ich auch schon, da der halbe Hafen in Flammen steht. Mittendrin stehen Rullon und der Drache. Dazwischen Nick in seinem Käfig.

»Was hast du getan?« Rullons Stimme bewegte sich in einer Schwebe zwischen Verwirrtheit und Bestürzung hin und her. »Er war unser Verbündeter.« Er sprach vom Sheriff, dessen Stern angekokelt in Rullons Hand lag.

»Ich habe getan, was ich tun musste.« Der Drache wirkte überraschend ruhig für jemanden, der gerade einen anderen Mann abgefackelt hat. Vermutlich gewöhnt man sich daran, wenn es zum Alltag gehört. »Ich habe das Richtige getan.«

»Das Richtige?« Rullon warf den Sheriffstern nach dem Drachen. »Das Richtige ist, mich zum Gott zu machen! So wie es immer der Plan war.«

»Niemand sollte so viel Macht haben.«

»Und ich dachte, wir wären auf der selben Seite.« Rullon klingt enttäuscht. Wie ein Kind, dem die Eiskugel aus der Waffel auf die Straße gefallen ist. »Also muss ich mir auch deine Macht selbst holen. Bedauerlich«, sagt Rullon und geht zum Angriff über.

Wenn ein Mantikor, wie Rullon einer ist, zum Angriff übergeht, ist das für alle Anwesenden ein beeindruckender Anblick. Natürlich ist es besser, sich an dem Anblick während des Weglaufens zu erfreuen, damit man nicht zum ersten Opfer des Mantikors wird. Rullon geht in die Knie und springt hoch. Sehr hoch. So hoch, dass er über die Dächer der umstehenden Lagerhallen gucken kann. Und dann schwebt er für einen Moment in der Luft. Flügel wachsen aus seinen Schulterblättern und er schaut auf uns herab. An seinen Händen erscheinen scharfe Krallen und aus einem Hosenbein baumelt ein langer Schwanz mit giftigem Stachel heraus. Er sieht nicht so aus, als wolle er uns nur eine kleine Lehrstunde in Mythologie geben. Das macht sich spätestens in dem Moment bemerkbar, als er giftige Pfeile aus seiner Mähne schießt. Die Schuppenhaut des Drachen ist so fest und dicht, dass die Pfeile einfach an ihm abprallen. Aber natürlich hat Rullon noch einige Asse im Ärmel. Ein epischer Kampf unvorstellbaren Ausmaßes entbrennt am brennenden Hafen, den in Worte zu fassen ich nicht in der Lage bin, was vor allem daran liegt, dass Fey und ich damit beschäftigt sind, uns irgendwo in Sicherheit zu bringen, während Giftpfeile und Flammenfontänen über den Hafen fliegen wie Bodenluftraketen an einem schlechten Tag im Militärtestgelände nahe der Stadt.

Der Drache mag das Feuer beherrschen, aber der Mantikor ist zu mächtig. Rullon beißt sich mit seinen drei Zahnreihen durch die Schuppenhaut des Drachen. Blut spritzt aus den Wunden des Drachen und er geht schwer atmend zu Boden.

Rullon steht über dem Drachen und schaut ihn verachtungsvoll an. »Wir hätten zusammen die Welt regieren können«, sagt er. »Du hättest nur tun müssen, was ich dir aufgetragen habe. Du hättest nur Nick suchen müssen.«

»Ich habe Nick gesucht«, röchelt der Drache. »Um mich mit ihm gegen dich zu verbünden. Die Macht ist dir komplett zu Kopf gestiegen.«

»Nun«, Rullon grinst, »wer Macht hat, kann es sich leisten, dass sie ihm zu Kopf steigt.«

Rullon wischt sich das Blut vom Mund und beugt sich zu dem Drachen hinunter. Er legt ihm die Hand auf die Brust. Ein gleißendes Licht durchfährt den Körper des Drachen. Danach regt er sich nicht mehr. Rullon steht auf und lacht dreckig. »Ich bin mächtiger als je zuvor«, sagt er und wendet sich Nick zu. »Jetzt fehlt nur noch deine Kraft.«

Fey schaut mich an. »Wir müssen etwas tun.«

Ich kann ihr keine Bitte ausschlagen. Aber eine Idee habe ich natürlich auch nicht. Mich einfach dem Mantikor entgegenzustellen klingt nicht nach einem guten Plan. Fey ist meiner Meinung und schlägt vor, dass sie sich ihm entgegenstellt, was ich für eine noch schlechtere Idee halte. Aber natürlich hat sie einen Plan. Sie will Rullon ablenken, damit ich Nick aus dem Käfig befreien kann. »Er ist der Einzige, der Rullon besiegen kann«, sagt sie.

Ich bin mir nicht sicher ob der Plan wirklich durchdacht ist, aber aus Mangel an Alternativen gehe ich darauf ein.

Falls wir diese Sache überleben sollten, sollte Fey dringend mal mit dem Minotaurus über die Qualität seiner Arbeit sprechen. Der Käfig ist so schief und verzogen, dass es nicht mal ein Vorhängeschloss bräuchte, um die Tür für immer geschlossen zu halten. Ich rüttele an dem Käfig herum, während Fey einige Meter entfernt mit Rullon diskutiert. Der Mantikor ist natürlich nicht so dumm, dass er auf unseren ausgeklügelten Plan hereinfällt. Vermutlich hat mein auffälliges Käfiggerüttel zusätzlich dazu beigetragen, dass Feys Ablenkung gescheitert ist. Rullon dreht sich zu mir um. Seine Augen glühen von der Kraft des Feuers. Seine Flügel schlagen wild durch die Kraft des Windes. Die scharfen Krallen an seinen Pfoten demonstrieren die Kraft der Erde, indem sie sich in selbige graben.

»Ihr könntet euch wenigstens etwas anstrengen«, sagt er. »Aber ich bin ein vernünftiger Mann. Man kann mit mir reden. Wenn ich mich erklären lasst, werdet ihr verstehen, dass ich nur gute Absichten habe.«

»Das siehst nur du alleine so«, sagt Fey und lenkt seine Aufmerksamkeit wieder auf sich.

»Meine liebe Fey, du hast selbst erlebt wie schwach die Wächter sein können. Wegen ihrer Schwäche gab es schon etliche Kriege. All das ließe sich verhindern, wenn ein Mann – ich – über alles wacht. Es würde Frieden bedeuten. Ich wäre das mächtigste Wesen der Welt und könnte für Ordnung sorgen.«

Ich rüttele weiter erfolglos an dem Käfig herum.

»Du bist größenwahnsinnig«, sagt Fey, um mir Zeit zu verschaffen.

»Es ist schade, dass du das so siehst. Aber gut. Du willst es ja so.«

Rullon schwingt herum und bevor ich reagieren kann, kommt sein gigantischer Skorpionstachel auf mich zu. Der Stachel zielt direkt auf meine Brust. Aus den Augenwinkeln sehe ich Fey auf mich zu stürmen. Sie stößt mich zur Seite und ich pralle gegen den Käfig. Durch die Erschütterung springt die Tür auf. Fey fällt auf mich rauf und ich schlage mit dem Hinterkopf auf dem Boden auf. Für einen kurzen Moment dreht sich alles. Als die Welt um mich herum wieder zur normalen Rotation zurückgekehrt ist, stürmt Nick aus seinem Käfig. Er stürzt sich auf Rullon und rollt mit ihm über den Boden. Rullon schnappt mit seinen Zahnreihen nach Nick, aber der kennt seinen Bruder zu gut. Er greift ihn am Kinn und hält seinen Mund so auf Distanz. Rullons Mähne schlingt sich um den Hals von Nick. Als Wasserwächter hat Nick offenbar wenig Probleme damit, die Luft anzuhalten. Und genau das gehört offenbar zu seinem Plan. Er rollt mit Rullon zur Hafenkante. Rullon merkt, was sein Bruder vorhat und versucht seinen Skorpionstachel in den Boden zu rammen. Aber Nick ist schneller. Er spuckt Rullon einen Schwall Wasser in die Augen. Rullon schreit auf. Die Kraft des Wassers brennt in seinen feurigen Augen. Nick packt Rullon so fest er kann und zieht ihn über die Hafenkante ins Wasser. Eine Fontäne schießt in den Himmel und wie ein Wasserfall ergießt sich das dreckige Hafenwasser über uns.

Fey liegt in meinen Armen. Ich weiß, dass ich sie nicht retten kann. Das Gift des Skorpions verbreitet sich in ihrem Körper. »Ich wünschte, ich wäre an deiner Stelle«, sage ich leise.

Fey lächelt mich an. »Diesen Wunsch kann ich dir leider nicht erfüllen.« Sie schließt die Augen und ihr Kopf sinkt zurück auf den harten Betonboden. Nick steht an der Hafenkante und schaut zu, wie ich Fey aufhebe und davon trage. Er hebt die Hand zum Abschied und springt ins Wasser.

Meine Wohnung sieht immer noch aus wie nach einem Bombenanschlag. Mit meinen verdreckten Klamotten passe ich gut ins Bild. Fey im matschigen Boden zu vergraben hat seine Spuren hinterlassen. Ich habe keine Lust aufzuräumen. Keine Lust meine Klamotten zu waschen. Ich lasse mich auf das Sofa sinken. Vor mir steht mein Laptop. Ich wische den Müll vom Tisch und klappe den Laptop auf. Die Datei mit einem ersten Blogpost ist immer noch leer. Ich lasse die Geschehnisse der letzten Zeit nochmal durch meinen Kopf wandern. Ich lege die Finger auf die Tastatur und schreibe:

Hätten Walter, der Typ den man immer in diesen Kinderbüchern suchen musste und die böse Hexe aus dem Westen ein Kind gezeugt, wäre wohl so etwas wie Nick dabei herausgekommen.

Vielleicht interessiert es ja auch hier den ein oder anderen wie ich zum Bloggen kam und was ich für grandiose Bloggertipps auf Lager habe:

Awards waren ja eine Zeit lang der richtig heiße Scheiß im Bloggerumfeld. Irgendwann war dann jeder ein Dutzend Mal an der Reihe und man hat entschieden, dass es auch mal reicht. Und das ist auch gut so. Denn so hat dann eine Nominierung auch wieder einen gewissen Stellenwert und man muss sich nicht alle drei […]

über Blogger Recognition Award — Filmschrott

Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #19

Zu Teil 18

Der Drache landet am Strand und schleudert bei der Landung den Sand hoch, der leise auf mich herunter rieselt. Der Drache verwandelt sich zurück in seine menschliche Gestalt. Er schaut sich den Käfig an.

»Sieht stabil aus«, sagt er knapp. »Geh rein.«

Ich schaue ihn verdutzt an. »Nein danke, die Ehre hatte ich bereits.«

»Ich werde den Käfig mitnehmen. Wenn du mit willst, steigst du besser ein.«

Ich lasse mich überreden. Auch wenn mir die Vorstellung eines Flugs in einem wackeligen Käfig in der Kralle eines Drachen nicht unbedingt zusagt. Aber anders komme ich wohl nicht hier weg.

Wir landen auf dem Zirkusplatz. Auch wenn ich nie zuvor geflogen bin, glaube ich kaum, dass es jemals einen unbequemeren Flug in der Geschichte der Menschheit gegeben hat. Ich torkele aus dem Käfig und falle in den Sand. Froh darüber, wieder auf der Erde zu sein, ruhe ich mich erstmal aus.

Fey kommt angelaufen und schließt mich in ihre Arme.

Rullon stapft langsam heran. Er stemmt die Arme in seine schwabbeligen Hüften und grinst.

»Jetzt, wo wir alle wieder beisammen sind, lasst uns aufbrechen.« Er schaut Fey an. »Führe uns zu Nick«, sagt er.

»Du weißt, wo Nick ist?«, frage ich.

»Wenn man es sich wünscht, weiß sie alles und kann alles.«

Ich gucke Fey verwirrt an.

»Es tut mir leid«, sagt sie. »Anders hätte ich dich nicht von der Insel gekriegt.«

Ich kapiere immer noch nicht, was hier los ist.

Als wir am Hafen stehen und Rullon Fey losschickt, um Nick zu holen, geht mir langsam ein Licht auf. Oder die Sonne brennt mir zu heiß auf die Stirn. Der Käfig steht bereit und Rullon wartet ungeduldig. Als Fey mit Nick im Schlepptau um die Ecke kommt, macht er sich vor Aufregung fast in die Hose.

»Gute Arbeit, Fey«, lobt er die Fee.

»Was ist hier los«, fragt Nick und sieht mal wieder aus, als hätte er mehrere Tage unter einer Brücke in einer Pfütze von Erbrochenem gelegen.

»Wir werden diese Sache ein für allemal beenden«; erkärt Rullon ruhig.

Nick schaut mich an. »Du arbeitest doch nicht etwa mit ihm zusammen? Weißt du überhaupt, wer das ist?«

Ich weiß natürlich gar nichts. Nicht mal, ob ich mit Rullon zusammenarbeite. Oder warum wir hier am Hafen herumlungern. Ich schaue hoch. Auf einem Dach in der Nähe steht eine vermummte Gestalt und sieht sich uns interessiert zu.

Nick wird in den Käfig gesperrt. Jetzt sieht er aus, als hätte er die Nacht in der Ausnüchterungszelle verbracht.

»Nun, Nick, es gibt zwei Möglichkeiten«, sagt Rullon. »Entweder du gibst mir das Wasser, oder ich nehme es mir.«

»Du weißt ganz genau, dass ich das nicht tun kann. Niemand sollte so viel Macht haben.«

»Ich bin der Mantikor«, sagt Rullon. »Ich habe Macht. Ich brauche Macht. Ich bin der Löwe, der das Land regiert. Der Geflügelte, der die Luft regiert. Ich habe den Drachen, der das Feuer regiert. Und ich werde auch das Wasser regieren. Die Frage ist nur, was dir deine Macht wert ist.«

Ich werde von hinten gepackt und meine Hände werden gefesselt. Ich fühle die haarigen Arme vom Sheriff auf meiner Haut. Anschließend packt er sich Fey und fesselt ihre Hände hinter dem Rücken.

»Du hast dich mit dem Werwolf zusammen getan?« Nick rüttelt am Käfig. »Du bist noch wahnsinniger als ich dachte.«

»Nicht wahnsinnig, Nick. Schlau.« Rullon grinst. »Man kann niemals genug Verbündete haben.«

»Er hat mehrere Mädchen getötet.«

»Die wird kaum jemand vermissen.« Rullon tritt näher an den Käfig heran und schaut zu uns herüber. »Du kannst ihre Leben retten. Du musst dich mir nur anschließen.«

»Niemals.«

»Wie du willst.«

Rullon nickt dem Sheriff zu. Der stößt mich und Fey über die Hafenkante ins Wasser.

FORTSETZUNG FOLGT