Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Charaktere beschreiben

Wisst ihr noch damals? Also vor 2 Wochen oder so? Als ich euch hier erklärt habe, wie ein selbsternannter Schriftsteller statische Elemente beschreibt? Nein? Auch egal. Denn heute zeige ich euch, wie man nichtstatische (unstatische? nonstatische?) Elemente beschreibt. Also finstere Typen und eigenartige Gestalten. Oder in unserem Fall eben Peter, der Sohn des Hausmeisters und der schwarze Magier Lord Edgar.

Nur noch mal zur Information die Ausgangslage: Peter steht am Stall und Edgar am Galgen auf dem Burghof. Und das Wetter ist so richtig schön Sintflut.

Also weiter. Wir wollten die Charaktere beschreiben. Beginnen wir also mit Peter, dem Sohn des Hausmeisters. Als Sohn des Hausmeisters hat Peter selbstverständlich eine Latzhose an. Das ist aber auch das einzige Kleidungsstück, dass sich der Sohn eines Hausmeisters leisten kann. Das ist natürlich ein bisschen wenig, aber mit etwas Vorgeschichte kann man da sicher was drehen. Sagen wir beispielsweise, dass sich Peter vor dem finalen Kampf eine Rüstung besorgte, die er jetzt angelegt hat.

Die dicken Regentropfen klopften auf den Eimer, der auf Peters Kopf saß. Die zersägten Dachrinnenstücke an Armen und Beinen verhinderten zumindest teilweise, dass seine Latzhose nass wurde. Die Ofenklappe saß etwas locker an seiner Brust. Peter zog das dünne Seil, das um seinen Hals hing, fester und rückte den improvisierten Brustpanzer mit seinen knochigen Fingern zurecht. Durch die zwei Löcher, die er zuvor in den Eimer gebohrt hatte, blickte Peter mit seinen blauen Augen zum Galgen hinüber.

Ich schätze, damit sieht unser Held erst mal dämlich genug aus. Und, dass er blaue Augen hat haben wir auch noch erfahren. Das bringt zwar überhaupt nichts, aber ich habe festgestellt, dass die Augenfarbe aus irgendeinem Grund unfassbar interessant für viele Leser zu sein scheint, also baue ich sie einfach mal so nebenbei ein.

Damit steht unser Held also bereit. Fehlt noch der Antagonist. Erste Regel: „er sah böse aus“ ist wirklich nur verwendbar, wenn euch gar nichts besseres einfällt. Und falls das der Fall sein sollte, sucht euch ein anderes Hobby.

Regentropfen bahnten sich einen Weg durch das Gewirr von Edgars langem Bart und tropften auf seine Kutte. Edgar ignorierte das herabfallende Wasser. Die schwarze Kapuze schützte seinen haarlosen Kopf vor dem Schauer. Seine langen Fingernägel spielten an seiner Gürtelschnalle mit dem Totenkopf herum. Mit seinen grünen Augen starrte er den lächerlichen Ritter am Stall an.

Augen, ist klar ne? Ansonsten natürlich ein paar Klischees, aber das kann man schon mal machen. Hauptsache da steht nicht „er sah böse aus“. Dazu kriegt man auch mal einen kleinen Einblick in einen direkten Gedankengang, denn Edgar hält seinen Gegner für „lächerlich“. Mit anderen Worten, er glaubt, dass er leichtes Spiel haben wird. Das kann noch wichtig sein, wenn er seinen Gegner unterschätzt. Aber mal schauen …

Was man noch machen könnte, wäre Peter eine Waffe zu geben. Wie einem Ritter eben. Aber das ist auch wieder abhängig davon, wie der Kampf verlaufen soll.

Das sehen wir dann im letzten Teil dieser Beschreibungsreihe, wenn wir die vorhandenen Beschreibungen zu einer Szene zusammensetzen und die Action so richtig starten kann. Uiuiui, das wird aufregend …

Könnt ihr es auch kaum erwarten? Und findet ihr nicht auch, dass es viel zu wenige Beschreibungen von Augen gibt? Dabei sind die so vielseitig: Blau, Braun, Grün, Blind, Ausgestochen …

WERBUNG

Jetzt denkt ihr euch sicher: Toll, kaum ist der Spaten aus seiner Sommerpause zurück, versucht er uns schon irgendwelchen Müll zu verkaufen, den keine Sau braucht, wie diese Lackaffen im Fernsehen, die immer in diesen kleinen Kurzfilmen zwischen den spannenden Reality-TV-Shows über Schokolade, Stromanbieter und Slipeinlagen palavern.

KEINE PANIK

Ganz so schlimm wird es natürlich nicht. Immerhin bin ich kein Werkzeug der Medienindustrie, das seine Seele verkauft hat, um seinen treuen Lesern – allen 5 – das hart verdiente Geld aus der Tasche zu ziehen. Zumindest noch nicht.

Nein, ich will diese Gelegenheit nur nutzen, euch auf eine kleine Website aufmerksam zu machen.

KREATIVKIND – Lektorat und Schreibwerkstatt

Eine Freundin hat diese Seite ins Leben gerufen, um sich als Lektorin ihren Traum von der Villa auf Tahiti zu erfüllen. Oder der Holzhütte im Wald. Oder dem Wohnwagen auf einem Campingplatz in Holland. Wer weiß schon genau, was die Leute so für Träume haben.

Jedenfalls hat sie mir sehr geholfen, bei meinem Roman … ja, ja, der kommt irgendwann raus. Ich schwöre es auf alles was mir heilig ist … okay, mir ist nichts heilig, aber der Roman kommt trotzdem. Versprochen. Und er kommt nur, weil mir Sandra sehr geholfen hat, die Geschichte zu verbessern und somit das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Und da ich diesen Blog habe, der eine treue Leserschaft – ihr 5 wisst wer ihr seid – hat, die sich stetig vergrößert (also hoffentlich schon bald auf 6), gibt es im Gegenzug für ihre Hilfe hier jetzt etwas Reklame für ihre Website.

Vielleicht arbeitet der ein oder andere meiner treuen Leser – von 5 bestimmt mindestens 1 – an einem Projekt, bei der er ihre Hilfe in Anspruch nehmen kann.

Wenn ja, geht es hier zur Seite KREATIVKIND. Klickt euch einfach durch und ihr werdet das passende für euch finden.

Und wenn nicht, geht es hier trotzdem zur Seite KREATIVKIND. Klickt euch zum Kontakt und dann erklärt Sandra mal, warum ihr ihr nicht helfen wollt. Und die Ausrede „ich schreibe gar nichts“ lasse ich nicht gelten …

So, das reicht jetzt aber auch. Ich hasse Werbung. Unterstützt das KREATIVKIND.

Ende der Sommerpause

Ja, da bin ich wieder. Ich habe die Sommerpause genutzt, um einige Projekte zu beenden, die ich viel zu lange aufgeschoben hatte und kann mich jetzt wieder etwas mehr auf das Bloggen konzentrieren. Mal sehen, wie lange es dauert, bis ich mich wieder mit Projekten vollmülle und die nächste Pause ansteht. *hust Winter is coming hust*

Der erste Blogpost nach einer Pause ist ja immer recht schwierig. Über was soll man da schreiben? Ich weiß es nicht. Deshalb habe ich euch entscheiden lassen.

löcher
Mir hätte klar sein sollen, dass ich mir mit der Auswahl keinen Gefallen tue.

Aber gut, da muss ich jetzt wohl durch, schätze ich.

Ich habe keine Ahnung von Löchern. Aber ein Teil des Jobs eines selbsternannten Schriftstellers ist natürlich die Recherche. Mal gucken, was man so auf die Schnelle über Löcher herausfinden kann:

Oh, wie spannend. Chucks haben Löcher an den Seiten. Also die Schuhe „Chucks“. Nicht Chuck Norris und Chuck Berry. Wie geil wäre wohl ein Film, in dem Chuck Norris Chuck Berry spielt? Es könnte eine Art Martial Arts Musical werden, in dem Chuck Norris noch passenderweise den Rock ’n‘ Roll erfindet, kurz bevor er den Oberschurken mit einer Gitarre erschlägt.

Ach ja, Chucks. Also die Schuhe. Die haben also Löcher an den Seiten. Und das ist mir sowas von egal, dass ich doch nicht nach geguckt habe, wofür die gut sein sollen. Vermutlich, damit Kieselsteine leichter in den Schuh kommen, um einem beim Laufen tierisch auf die Nerven zu gehen.

Viel spannender ist die Geschichte des IKEA-Duschstuhls „Martin“. Der ist nämlich voller Löcher. Und wenn man als Mann nicht aufpasst, rutscht das Gehänge beim Duschen in eines dieser Löcher und wenn man dann aufsteht, hängt einem der Sack plötzlich unten an den Kniescheiben. Schmerzhaft. Fragt mal den Norweger, dem genau das passiert ist.

Aber viel wichtiger ist ja wohl die Frage, warum man einen Stuhl zum Duschen braucht. Sind die Menschen wirklich so faule Säcke, dass sie nicht mal mehr beim Duschen stehen können? Ist unsere Spezies etwa wirklich dazu verdammt, irgendwann evolutionsbedingt nur noch über den Boden zu kriechen, weil sich durch die unfassbare Faulheit der aktuellen und kommenden Generationen die Beine zu nutzlosen Stumpen zurück entwickelt haben?

Aber würde ja zu den Löchern im Gehirn der meisten Leute passen, die den ganzen Tag Reality-TV gucken und dabei so dermaßen verblöden, dass sie und ihre Nachbarn es selber nicht mehr merken. Können sie ja auch nicht, denn ihr Horizont ist ja gleichermaßen auf diesen Schwachsinn beschränkt und so haben sie eben auch nur das eine Gesprächsthema, wenn sie sich am nächsten Tag zufällig an der Mülltonne vorm Haus über den Weg laufen und somit den ersten zwischenmenschlichen Kontakt der laufenden Woche genießen. Am Freitag Mittag.

Also wird es irgendwann hier von Idioten wimmeln, die mit ihren fetten, von Schokolade verschmierten Armen ihre fetten Ärsche mit den kurzen Stumpen, die mal Beine waren, über den Boden ziehen.

„Muss Mülltonne erreichen. *hechel* Da ist noch ein halber Schokoriegel drin. *keuch* Muss mich beeilen. *stöhn* Werbung ist bald vorbei. *ächz* Oh nein, mein verfettetes Herz … *zusammenbrech*“

Tolle Zukunftsaussichten. Die letzte Hoffnung liegt wohl auf den Physikern dieser Welt. Die müssen einfach endlich eine Möglichkeit finden, wie man mit Hilfe von schwarzen Löchern durch die Zeit reisen kann. Dann reist jemand von uns zurück und verhindert die Erfindung des Telefons. Denn damit begann das ganze Drama doch damals. Plötzlich musste keine Sau mehr vor die Tür gehen, um sich mit dem Nachbarn von nebenan über die neue Mieterin von unten das Maul zu zerreißen.

„Die hatte einen kurzen Rock an. Unmöglich sage ich dir.“ „Ach, komm. Du willst doch unbedingt unter ihren Rock.“ „Ja, klar. Aber sie lässt mich ja nicht ran.“ „Schlampe.“ „Ja, schlimm. Es ist 1865 und die Weiber benehmen sich, als hätte sie was zu melden.“ „Wo soll das nur hinführen.“ „Die Gleichberechtigung der Frauen.“ „MUAHAHAHAHA! Der war gut.“

Klatsch und Tratsch gabs nicht mehr mit einem Stück Kuchen im Mund sondern mit der Muschel am Ohr.

„Elsbeth, gut, dass ich dich treffe. Ich wollte dich zu einem Stück Kuchen einladen.“ „Kuchen? Das ist doch sowas von achtzehntes Jahrhundert, Elsbeth. Kauf dir ein Telefon.“ „Gute Idee, Elsbeth. Dann kann ich dir erzählen, was ich über Elsbeth von nebenan gehört habe.“ Ja. Und vielleicht können wir dann darüber philosophieren, warum wir alle den gleichen Namen haben.“

Und wo das hinführte wissen wir alle. Heute sitzen alle wie die Trottel mit ihren Smartphones (der Name von dem Kackgerät alleine macht schon klar, dass die Macher ihr Gerät für schlauer halten als ihre dämliche Kundschaft; und sie haben absolut recht) an der Bushaltestelle um Pokemon zu fangen, während das eigentliche Leben komplett an ihnen vorbei zieht.

Nur die Physiker nicht. Die sitzen an ihren Tafeln und kritzeln mit ekelhaft quietschender Kreide Formeln hin, um herauszufinden, wie man die Menschheit mit Hilfe der schwarzen Löcher retten kann. Offensichtlich keine leichte Sache. Ich kann da leider nicht helfen.

Physik – Mangelhaft.

Mathematik – Mangelhaft.

Löcher – Ungenügend.

Müssen sie wohl alleine schaffen. Ich hoffe, sie beeilen sich.

PS: Wie zur Hölle habe ich es geschafft, nicht ein einziges Mal das Wort „Arschlöcher“ zu benutzen? Ein großer Tag für mich.

Blogstock: Just For Fun, Nix Ernstes …

Wir unterbrechen die Sommerpause aus gegebenem Anlass:

Die erste Nominierung für einen Blog ist schon eine besondere Sache. Ich weiß noch genau, wie damals mein Filmschrottplatz – für den ich hier ständig billige Werbung mache – zum ersten Mal nominiert wurde. Das war nämlich … also … es ging um … ihr wisst schon … na gut, erwischt. Es ist gelogen. Ich musste erst mal nachgucken. Und wie es der Zufall so will, war damals meine erste Nominierung ein Blogstock mit 11 Fragen, die ich beantworten sollte. Ihr ahnt schon, wo das hier hin geht, was? Richtig. Sam von Introspektiv hat mich ebenfalls nominiert und 11 Fragen rausgehauen, die ich jetzt beantworten soll. Bevor ich jetzt noch ewig um diese Aufgabe herumschwadroniere, sage ich einfach lieb „Danke“ und lege los.

1.) Du fährst im Auto eine Straße entlang. Im Gegenverkehr machst du einen großen Lastwagen aus, dahinter einen weiteren. Rechts neben dir, steht abseits der Straße ein Kind, das Eis isst. Plötzlich startet der hintere LKW ein Elefantenrennen, scheint dich nicht zu sehen und fährt auf deine Spur, um den vorderen LKW zu überholen. Kurz: weichst du nach links aus, bist du tot, bleibst du, bist du tot (ja, wir gehen davon aus, dass beide LKW-Fahrer UND du zu schnell fahrt, als dass man das noch mit guter Reaktion retten könnte, hier wird nicht gemogelt!), wenn du rechts ausweichst, überfährst du das Kind. Was tust du?

Sind wir doch mal ehrlich: Ich bin ein Mensch. Menschen sind selbstsüchtige Saftsäcke. Ergo: Das Kind ist nicht zu retten. Es hat keine Chance. Ich mache das Blag platt.

Das klingt jetzt vielleicht etwas böse, aber so ist es gar nicht gemeint. Ich würde selbstverständlich niemals ein Kind absichtlich über den Haufen fahren. Unabsichtlich vielleicht schon, da ich überhaupt keinen Führerschein habe. Jedenfalls stelle ich mir das Szenario etwa so vor:

Ich fahre cool die Straße entlang. Ihr wisst schon. Sonnenbrille. Zigarette. Arm aus dem Fenster gelehnt. Das Radio aus dem Fenster geworfen, weil es nur generische Kacke spielt. Der Fahrtwind weht mir durch mein prächtiges Haar. Am Kinn. Und auch auf dem Kopf. „Wow, dieser Fahrtwind bei 250 Sachen ist echt erfrischend“, denke ich, während die Umgebung verschwommen an mir vorbeizieht. „Wow, ich bin ganz schön schnell“, denke ich. „Ich sollte nicht so schnell fahren. Moment, ich habe keinen Führerschein, ich sollte gar nicht fahren. Was zur Hölle mache ich hier, bei 250 Sachen ohne Führerschein und mit prachtvollem Barthaar? Bin ich denn bekloppt?“

Während ich weiter vor mich hingrübel taucht vor mir ein LKW auf. Ich sehe den LKW und lache. Es ist ein Dildotransporter. Ich überlege, ob ich ihn anhalten soll, aber ich habe keine Freundin, die einen Dildo brauchen könnte, also entscheide ich mich dagegen. Plötzlich taucht ein weiterer LKW auf, der den Dildokraftwagen überholen will. „Was macht denn der Lastkondomwagen da?“, denke ich. „Ist der denn bekloppt?“

Die Sextransportgefährte nähern sich schnell, was unter anderem daran liegt, dass ich immer noch nicht langsamer geworden bin. Aber auch die Sextrucker geben gut Gas.

Aus den Augenwinkeln sehe ich ein kleines Kind, das an einem Eis leckt, am Straßenrand stehen. „Was zur Hölle macht ein Blag mit Eis hier mitten am Arsch der Welt? Ist das denn bekloppt?“

Ich muss schnell denken. Eine meiner absoluten Stärken, wie ich gerne selbst behaupte. „Äh … hmmm … tja nun … ähm …“, denke ich. Die Lastwagen kommen unaufhaltsam näher. Mir bleibt nicht mehr viel Zeit. „Wenn ich nach links ausweiche sorge ich dafür, dass die Mädels ihre Dildos nicht kriegen. Und die sind doch so schon immer kacke drauf. Wie schlimm wäre es dann wohl, wenn sie ihre Dildos nicht kriegen?“ Nach links ausweichen ist keine Option.

„Wenn ich auf meiner Spur bleibe, kriegen die ganzen Paare ihre Kondome nicht und sie zeugen noch mehr Kinder, die völlig sinnlos mit ihrem Eis in der Walachei am Straßenrand stehen.“Auf der Spur bleiben kann ich nicht verantworten.

„Das Eis sieht lecker aus.“ Ich reiße das Lenkrad im letzten Moment nach rechts. Es knallt laut, als ich das Kind erwische und es über das Autodach davon fliegt. Ich gucke in den Rückspiegel und sehe, wie der LKW sein Überholmanöver erfolgreich beendet. Mit dem aus dem Fenster gelehnten Arm fange ich das Eis. „Bäh, Schoko“, denke ich und werfe es weg, um mir cool noch eine Zigarette anzuzünden.

In Wahrheit sähe es wohl eher so aus:

WAAAAAAAAAAAAH! LKW! WAAAAAAAAAAAAAAAAH! NOCH EIN LKW! WAAAAAAAAAHHHHH! AUSWEICHEN! WAAAAAAAAAAHHHHH! EIN KIND! WAAAAHHHHH EIS AUF MEINER WINDSCHUTZSCHEIBE! WAAAAAAAAAAH! ICH KANN NICHTS SEHEN! WAAAAAAAAAAAAHHHH! ICH BIN VOR EINEN BAUM GEFAHREN UND DIE KARRE BRENNT UND ICH GEHE IN FLAMMEN AUF UND … schoko? WAAAAAAAAAAAAAAHHHHH!

2.) Das war ziemlich mies als Einstieg, gell? Dafür jetzt eine leichtere: stell dir vor, du dürftest dich bis an dein Lebensende nur noch von einem Gericht ernähren. Dafür aber von Profiköchen und nur mit den besten Zutaten zubereitet. Und um eventuellen Vitaminmangel auszugleichen bekommst du ernährungsergänzende Tabletten. Für welches Gericht würdest du dich entscheiden?

Das ist leicht: Eine Pizza mit folgendem Belag: Salami, Schinken, Thunfisch, Zwiebeln, Ananas, Käse, Spaghetti Bolognese, Pommes Frites und Schnitzel.

3.) Angenommen du stirbst (zB durch LKWs) und auf dem Weg ins Jenseits stellst du fest, dass erst alle 100 Jahre die Seelen in Zweierpaaren von der Welt abtransportiert werden. Die Reise würde eine gute Woche dauern und du wartest mit Millionen von Seelen auf die nächste Abfahrt. Plötzlich heißt es, dass du dir sogar eine von drei Seelen aussuchen darfst, mit der du die Reise antreten wirst. Als dir die Auswahl präsentiert wird, bist du darüber nicht mehr so entzückt: Mao Zedong, Adolf Hitler und Joseph Stalin. Mit wem trittst du die Reise an? Ihr könnt euch während dessen Anschweigen, miteinander unterhalten, aber ihr seid nicht stofflich, demnach könnt ihr euch nicht physisch anfallen.

Ich warte 100 Jahre, bis ich ausgewählt werde. Bevorzugt von einem netten Mädchen, das gerne schwachsinnige Stories hört. Der würde ich dann von dem einen Mal erzählen, als ich zwischen Mao Zedong, Adolf Hitler und Joseph Stalin wählen sollte.

Wenn ich aber muss, dann nehme ich Mao Zedong. Der kommt immerhin aus einer interessanten Kultur.

4.) Wie wir wissen geht die Erde vor allem daher zugrunde, weil wir zu viele Menschen sind. Angenommen, du könntest auf einen Knopf drücken, der plötzlich drei Dimensionen erstellt und in jeder wäre die exakte Kopie unserer Dimension – nur, würde die Menschheit rein zufällig auf diese Dimensionen verteilt werden (aber an den selben Ort in der jeweiligen Dimension!), würdest du drücken?

Klar. Warum denn nicht? Es wäre doch jeweils eine exakte Kopie der Welt,oder verstehe ich da was falsch? Ich will als Knopfdrücker aber natürlich in Welt Nummer 1, als alleiniger Herrscher, der das Volk unterdrückt und zusammen mit hochkarätigen Wissenschaftlern an einem Dimensionstor baut, um in die anderen Dimensionen zu gelangen, um diese zu versklaven, damit sie mir dann alle zusammen eine Statue auf dem Mond bauen. Wo ist jetzt dieser Knopf noch mal?

5.) Denken wir mal in Extremen, weil wir das ja bisher noch nicht getan haben. Bist du tendenziell eher ein Freund des Kommunismus oder der Kapitalismus?

Das wird mir zu politisch hier. Ich gehe Hundewelpen streicheln …

Ihr seid immer noch da? Okay, dann sage ich mal folgendes dazu: Politik interessiert mich einfach zu wenig, um mich damit wirklich auseinanderzusetzen. Ich schnappe hin und wieder natürlich das übliche Blah-Blah auf, das die Politikpisser so von sich geben, aber im Endeffekt geht es eh nur darum, dass sie reicher werden und ich ärmer, also können sie mich alle mal am Arsch lecken.

Zur eigentlichen Frage: Ich habe ehrlich gesagt nie wirklich verstanden, wie ein kommunistisches System genau funktioniert. Naja, und Kapitalismus … sind wir doch ohnehin alle ein Opfer von, oder?

6.) Angenommen, eine wählerische Fee würde dir das Angebot machen, dir die Gabe zu verleihen, Gedanken deutlich zu hören. Von anderen Menschen. Du könntest das nicht abschalten, es wäre eben so, wie wenn die Personen ihre Gedanken aussprechen würden. Würdest du auf das Angebot der Fee eingehen?

Nein. Ich kriege schon meine eigenen Gedanken nicht sortiert, da kann ich nicht noch die von anderen gebrauchen. Ich würde nebenbei nicht mal auf das Angebot eingehen, wenn ich es abschalten könnte. Ich will gar nicht wissen, was die Leute so denken, denn ich bin ziemlich sicher, dass es nichts Gutes ist. Die Fee könnte mich stattdessen mit einer anderen Superkraft ausstatten: Dem fehlerlosen Geschichtenschreiben zum Beispiel.

7.) Stell dir vor, die Schwester der Fee würde auch noch antanzen und dir folgenden Deal vorschlagen: „Wenn du mir das Leben nach dem Jenseits gibst, werde ich dafür sorgen, dass du zu Lebzeiten nie mehr unglücklich sein wirst. Du wirst Spaß am Leben haben, darin Erfüllung finden, für deine Mitmenschen ein Segen sein und mindestens neunzig Jahre alt werden!“ – auf Fragen deinerseits, ob es denn tatsächlich ein Leben nach dem Jenseits gibt, würde sie jedoch nicht eingehen. Würdest du darauf eingehen?

Ja. Da ich nicht an ein Leben nach dem Tod glaube, sondern daran, dass wir dann nichts weiter als Wurmfutter sind, kann sie die Würmer gerne haben. Und ich kann nur noch das tun, worauf ich Bock habe. Wo soll ich unterschreiben?

8.) Gibt es deiner Auffassung nach „Terror“? Und was ist deiner Auffassung nach die Hauptursache von Terror?

Das Thema nervt mich zwar nur noch, aber ganz kurz:

Definition von Terror: Vollidioten ohne jegliches Denkvermögen töten Leute, einfach weil sie meinen, das wäre richtig so.

Ja gibt es.

Hauptursache: Menschen sind strunzdoofe Arschlöcher und Religion das größte Übel, dass sie sich jemals auferlegt haben.

9.) Nehmen wir an, du bist in einer Situation die juristische Gewalt, in der entschieden wird, ob ein junger Vater von zwei kleinen Kindern, der am verbluten ist, ansonsten aber kerngesund ist, eine Bluttransfusion erhält. Du müsstest vor keinem autoritären Gericht auf Erden Rechenschaft für deine Entscheidung ablegen, jedoch warnt dich die Ehefrau: sie sagt, in ihrer Glaubensauffassung ist die Seele verloren, wenn man fremdes Blut eingeflößt bekommt. Sie beteuert, dass ihr Mann dies ebenfalls glaubt und bittet dich darum, ihn lieber sterben zu lassen, er würde das so wollen.

Bullshit. Pump den Typ voll Blut.

10.) Glaubst du, dass die Menschen in Deutschland allgemein besser dran wären, wenn das Volk durch regelmäßige und signifikante Volksabstimmungen mehr direkte Macht hätte?

Kommt wohl auf die Themen an, die abgestimmt werden. Gerade momentan merkt man ja doch, wie viele Hirnamputierte noch hier rumrennen, die immer noch gerne im Stechschritt marschieren würden, wenn sie dafür „ihr Land“ wieder kriegen würden. Ich weiß nicht, ob ich die wirklich entscheiden lassen will, wie die Zukunft dieses Landes auszusehen hat.

Andererseits hätte man so zumindest mal das Gefühl, dass diese sogenannte „Demokratie“ wirklich bedeutet, dass das Volk was zu melden hat. Bisher ist Demokratie nämlich eigentlich nur: Wählt denjenigen, den ihr verhältnismäßig weniger zum kotzen findet, und er sagt euch dann, was das richtige für das Land ist. Überzeugt mich ehrlich gesagt nicht so, das System.

11.) Glaubst du, dass die Lieblingsfarbe etwas über den Menschen aussagt?

Klar!

Rot – Massenmörder

Blau – Immer besoffen

Grün – Gärtner

Gelb – Asiate

Pink – Mädchen

Rosa – Mädchen ein Jahr älter

Schwarz – Satanist

Weiß – Aus der Irrenanstalt entflohener, sich für einen Engel haltender, Psycho

 

Vielen Dank für die Nominierung und die Fragen. War mir zwar ne Ecke zu politisch, aber ich habe das Beste draus gemacht, denke ich.

Ich nominiere bei diesen Späßen nebenbei selber nie jemanden, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass diese Dinger dadurch zu Endlosschleifen werden, die dann 42 Mal zu einem zurück kommen und beginnen zu nerven. Deshalb überlasse ich das Verbreiten den anderen und kann hinterher behaupten, dass ich alles getan habe, um eine Blogstock-Epidemie zu verhindern,

Sommerpause

Der Sommer ist da. Mit anderen Worten: es ist mal zwei Tage am Stück nicht nass draußen. Da der Sommer prinzipiell eine recht ruhige Zeit ist, was das Bloggen und generell das Internet angeht (zumindest bei mir) geht auch dieser Blog in eine kleine Pause. Wollte das nur mal kurz hier erwähnen, damit die 5 Leser hier sich nicht wundern, wo denn der Bekloppte geblieben ist, der ständig diesen Quatsch schreibt, den er offenbar selbst für ganz besonders lustig hält. Wir lesen uns dann nach der Pause.

„Mach was!“ – Mit Blitz und Donner

Nach langer Zeit bin ich mal wieder bei diesem kleinen Mitmachprojekt von Herba und Pö dabei. Zuletzt waren die Themen nichts für mich und ich habe deshalb ausgesetzt. Naja, und weil ich nicht wirklich Zeit hatte, mir mal wieder eine unfassbar passende Geschichte aus den Fingern zu saugen, die ständig Gefahr droht, das Thema komplett zu verfehlen. Der heutige Beitrag lässt da allerdings keine Wünsche offen.

Das Thema lautet passend zum Sommerwetter „Blitz und Donner“.

»Man beginnt nicht mit dem Wetter.« Das war der erste Rat den Yvonnes Mutter ihr gegeben hatte, als sie auf ihre erste gemeinsamen Dinnerparty gegangen waren. Yvonnes Mutter hatte einen ausgeprägten Hass gegen Smalltalk entwickelt. Wenn jemand in ihrer Nähe über banale Dinge wie das Wetter, das Mittagessen, oder die neuesten Modetrends zu reden begann, verdrehte sie die Augen und entfernte sich kommentarlos so weit wie möglich von ihrem Gesprächspartner. Yvonne hatte sich immer gefragt, warum ihre Mutter überhaupt auf diese Partys ging. Sie war keine gesellige Frau gewesen. Aber es ging um Bekanntschaften. Zumindest hatte sie das immer gesagt. In ihrer Tätigkeit als Autorin war es offenbar wichtig, die richtigen Leute zu kennen.

Yvonne sah das anders. Sie war introvertierter, als es ihre Mutter jemals hätte sein können. Sie ging jedem menschlichen Kontakt aus dem Weg. Die meiste Zeit saß sie in dem kleinen selbst eingerichteten Büro in ihrer Dachgeschosswohnung und tippte laut auf den Tasten ihrer alten Schreibmaschine herum.

»Man schreibt nicht am Computer.« Das war der erste Rat den Yvonnes Mutter ihr gegeben hatte, als sie stolz verkündete, dass sie in ihre Fußstapfen treten und Schriftstellerin werden will. Yvonnes Mutter hatte eine eigene Art gehabt, Freude zum Ausdruck zu bringen. Sie drückte die Zigarette im überfüllten Aschenbecher aus und zündete sich einen Joint an, den sie immer neben der Schreibmaschine liegen gehabt hatte, um bei möglichen Schreibblockaden gewappnet zu sein. Sie behauptete, der Joint ordne ihre Gedanken. Und Yvonne hatte oft erlebt, dass ihre Mutter nach dem Rauchen besonders viel zu Papier brachte. Allerdings quoll einige Tage später der Mülleimer meistens über von den vielen Papierfetzen, die ihre Mutter fabriziert hatte, nachdem die Leseprobe im nüchternen Zustand wohl nicht sehr erfolgreich gewesen war. Es war immer der gleiche Ablauf. Yvonne hatte sich oft gefragt, wovon ihre Mutter ihren Lebensunterhalt bewerkstelligte. Als Schriftstellerin hatte sie nie einen Cent verdient. Sie hatte niemals etwas veröffentlicht.

»Man muss immer selbstkritisch sein.« Das war der erste Rat, den Yvonnes Mutter ihr gegeben hatte, als sie ihr ihre erste eigene Schreibmaschine geschenkt hatte. Es war ein altes Modell und Yvonne war sich absolut sicher, dass sie die Schreibmaschine für einen Euro auf dem Flohmarkt erstanden hatte. Nach genauerem Überlegen war es sogar möglich, dass ihre Mutter die Schreibmaschine geklaut hatte. Denn woher hätte sie den Euro haben sollen?

Yvonne hatte schnell die Entscheidung getroffen, nicht so werden zu wollen wie ihre Mutter. Sie wollte eine Geschichte veröffentlichen. Nein, sie wollte viele Geschichten veröffentlichen. Sie wollte ihre Gedanken mit der Welt teilen. Und gab es einen besseren Zeitpunkt als jetzt? Sie trug noch das schwarze Kleid, das sie auf der Beerdigung ihrer Mutter getragen hatte. Sie wollte die Gefühle, die sie über den Tag gequält hatten, so schnell wie möglich zu Papier bringen. Und womit begann sie? Mit dem Wetter. »Donner grollte, als der Sarg meiner Mutter in das Loch hinab gelassen wurde.« Was für ein dämlicher erster Satz. Oder doch nicht? Konnte die Wahrheit überhaupt dämlich sein? War Yvonne doch zu selbstkritisch? Sollte sie einfach weiterschreiben? »Ein Blitz zuckte vom Himmel und ließ den Friedhof für den Bruchteil einer Sekunde hell aufleuchten.« Wahr. Aber spannend? Würde jemand das lesen wollen? Wen interessierte es überhaupt, was sie zu sagen hatte? Und wen interessierte ihre Mutter? Niemand kannte ihren Namen. Niemand hatte jemals etwas von ihr gelesen. »Die Grabsteine schienen sich für einen Moment zu bewegen. Sich zu verschieben.« Den Grabstein für ihre Mutter auszusuchen, war recht einfach gewesen. Yvonnes Mutter war eine bescheidene Person gewesen. Also hatte sie auch einen bescheidenen Grabstein bekommen. Eine simple Tafel mit ihrem Namen darauf. Darunter das Geburtsjahr und das des Ablebens. Auf irgendwelche schlauen Sprüche hatte Yvonne bewusst verzichtet. Ihre Mutter hätte er ohnehin nicht gefallen. Yvonne hatte sich zuvor einige Gedanken gemacht, aber keiner der Sätze schien ihr gut genug. Sie kramte in einem Zettelgewirr auf ihrem Schreibtisch herum und zog ein Blatt Papier hervor. Darauf standen mit Bleistift geschrieben und teilweise durchgestrichen mehrere Grabsteinsprüche, die in die engere Auswahl gekommen wären, wenn sich Yvonne doch noch umentschieden hätte.

Das Licht flackerte in dem kleinen Büro. Yvonne betrachtete die Glühbirne, die über ihrem Kopf baumelte. Der Draht schien kurz vorm Verglühen zu sein. Er leuchtete ein letztes Mal hell auf, wie eine Wunderkerze, kurz bevor sie erlischt. Statt zu erlöschen leuchtete der Draht immer heller. Yvonne musste sich die Hand vor die Augen halten, um nicht geblendet zu werden. Zusätzlich schützte die Hand vor den umherfliegenden Glassplittern, als die Glühbirne explodierte. Yvonne öffnete die Augen und sah nichts als völlige Dunkelheit. Sie stand auf und tastete sich vorsichtig am Schreibtisch entlang, um zur Tür zu gelangen, hinter der das Licht aus dem Flur wartete. Bevor sie die Tür erreichte, wurde der Raum durch anderes Licht erhellt, das in Blitzen von der Bürodecke zu Boden zuckte. Yvonne hob die Hand wieder vors Gesicht. Weniger, weil das Licht so grell war, sondern weil Blitze von der Zimmerdecke ein eher ungewöhnliches Phänomen darstellten.

»An diese Hitze werde ich mich nie gewöhnen«, sagte eine Frauenstimme, die Yvonne sehr bekannt vorkam.

Yvonne nahm die Hand runter und blickte auf ihre Mutter, die leuchtend mitten im Zimmer stand und eine kleine Flamme an ihrem Kleid ausklopfte. Yvonne fand keine Worte. Ihre Mutter fand den Zettel mit den Grabsteinsprüchen. Sie hob ihn auf und las.

»›Liebende Mutter, noch liebendere Buchautorin‹. Ernsthaft?«

»Es war nur ein Entwurf.«

»Du hättest ihn wegwerfen sollen.«

»Mama?«

»Ja?«

»Was machst du hier?«

»Oh, ja, stimmt. Das muss ein kleiner Schock für dich sein. Und ich sollte auch eigentlich nicht hier sein. Aber ich konnte dich doch nicht einfach so zurücklassen, ohne dir die Erkenntnisse zu überliefern, die ich erlangt habe, nachdem ich gestorben bin.«

»Du scheinst dich jedenfalls stark verändert zu haben.«

»Danke. Das will ich doch hoffen. Immerhin bin ich jetzt eine Wettergöttin. Entschuldige übrigens die Blitze. Ich bin noch nicht gut darin, meine Kraft zu kontrollieren. Es könnte also unter Umständen gleich anfangen, hier drin zu schneien.«

»Es ist Sommer.«

»Pfft … als Wettergöttin interessiert mich das doch nicht. Wenn ich Schlittschuhlaufen will, kann ich das ganz schnell einrichten.«

»Also gut«, sagte Yvonne und setzte sich, mit dem unguten Gefühl, dass die Veränderung ihre Mutter weitaus anstrengender im Umgang gemacht hatte, als es zu Lebzeiten ohnehin schon der Fall gewesen war, auf ihren Stuhl, »warum bist du eine Wettergöttin geworden?«

»Nun, wenn man stirbt ist das noch lange nicht das Ende. Jeder hat eine Aufgabe und sie hängt damit zusammen, wie du gestorben bist. Wenn du zum Beispiel vom Bus überfahren wirst, ist dein Job höchstwahrscheinlich Seelenbusfahrer. Du weißt schon, ein Bus, der die Seelen an ihren Bestimmungsort bringt. Kann ja nicht jede Seele weiter hier rumhängen. Manche müssen weit weg, um dort ihre Jobs zu erledigen. Erinnerst du dich noch an Kathrin von nebenan, die vor ein paar Jahren von der Reklametafel für Hawaiiurlaub erschlagen wurde? Die ist jetzt Hulagirl auf der Todseeinsel. Soll ein echtes Urlaubsparadies sein. Hoffentlich komme ich da auch mal hin.« Sie schaute ihre Tochter an, die sich nicht rührte in ihrem Stuhl. Sie fasste das als verstehendes Schweigen auf. »Nun, da ich in meinem Skiurlaub vom Blitz erschlagen, anschließend von einer Lawine begraben und dann von Wölfen gefressen wurde, hatte ich die Wahl zwischen Wettergöttin, Todesbergführerin und Werwolfbändigerin. Die Entscheidung fiel mir ziemlich leicht.«

»Das ist doch völlig verrückt. Was ist, wenn ein Bus voller Nonnen von einer Klippe fällt? Wie viele Seelenbusfahrer kann man im Jenseits schon brauchen?«

»Was glaubst du, wie viele Seelen täglich da ankommen?«

Sie schwiegen beide für einen Moment.

»Du überlegst gerade, wie du am liebsten sterben würdest, oder?«

»Wie kriege ich im Jenseits einen Job, der etwas mit Katzen zu tun hat?«

»Am besten stirbst du im Urlaub in Ägypten, indem du von einer Sphinxkatze zu Tode erschreckt wirst. Aber ich glaube, das kommt eher selten vor. Katzen sind nicht gruselig genug. Wenn man von einem Löwen gefressen wird, hat man zumindest mit Raubkatzen zu tun.«

Yvonne sah ihrer Mutter zu, wie sie durch das Zimmer schlich und sich umsah. Sie hatte Yvonnes Zimmer zu Lebzeiten selten aufgesucht und in ihrer Wohnung hatte sie Yvonne nur ein einziges Mal besucht. Den Tag vor ihrem Skiurlaub. Yvonne überlegte, wie ihre Mutter den Urlaub wohl hatte finanzieren können.

»Du solltest nicht zu viel darüber nachdenken«, sagte ihre Mutter.

Yvonne dachte kurz darüber nach, ob Tote wohl Gedanken lesen können.

»Komm mit. Ich will dir etwas zeigen.« Yvonnes Mutter öffnete die Zimmertür und ging auf den Flur hinaus.

Yvonne stand auf und folgte ihr.

Sie standen vor einem Garagentor. Yvonne war nie zuvor in der Gegend gewesen. Sie war nicht traurig darüber. Die Umgebung machte den Eindruck, als würde sie sich am liebsten selbst zerstören und als ob mit diesem Prozess bereits begonnen worden war.

»Warum führst du mich in diese Gegend? Willst du, dass ich von irgendeinem Irren abgestochen werde? Ist das, wie ich sterbe? Oh nein, ich werde Messerschärferin im Jenseits, nicht wahr? Oder Skimaskenwascherin.«

»Beruhige dich. Ich war hunderte Mal hier und ich habe es überlebt. Halte dich aus den Skigebieten fern, dann droht keine Gefahr.«

»Also, was wollen wir hier?« Yvonne blickte sich nervös um. Ihre Mutter war natürlich die Ruhe selbst. Sie hatte auch nichts mehr zu befürchten. Selbst wenn sie angegriffen würde, könnte sie ein paar Blitze um sich schießen. Und sterben konnte sie ohnehin nur ein Mal. Zumindest vermutete Yvonne das.

»Ich will dir mein Leben zeigen.« Mutter öffnete das Garagentor.

Yvonne schaute in die Garage. Darin stapelten sich Kartons, beschriftet mit Filzstift. Simple Worte standen darauf. »Jugend«. »Kindheit«. »Blitz und Donner«. »Mutter«. »Allein«.

»Was ist das?«

»Das sind all meine Manuskripte.« Mutter öffnete einen der Kartons und holte einen Stapel beschriebenes Papier daraus hervor. Sie blätterte durch die Seiten. »Alles, was ich jemals geschrieben habe, steht hier.« Sie legte die Seiten zurück in den Karton. »Geschichten von meiner Kindheit. Aus meiner Jugend. Vom Mutter sein. Vom allein sein.« Sie schaute einen bestimmten Karton an. »Oh, guck mal. Geschichten von meiner Angst vor Gewittern. Irgendwie ironisch, dass ich eine Wettergöttin bin, nicht wahr.« Sie rückte etwas näher an Yvonne heran. »Unter uns: Es wird hier nicht mehr viele Gewitter geben. Nur so ein oder zwei im Jahr, damit es nicht auffällt. Aber du kannst dich auf viel Sonnenschein einstellen.« Mutter lächelte.

»Das müssen hunderte Geschichten sein.«

»Ich habe viel geschrieben, schätze ich.«

»Warum hast du sie alle hier gelagert?«

»Weil ich ein Idiot war.« Sie setzte sich auf eine der Kisten und seufzte. »Mein ganzes Leben lang habe ich nur einen Gedanken gehabt: ›Ich bin nicht gut genug‹. Immer wieder habe ich mir das eingeredet. All die Zeit, die ich verschwendet habe, um diese Geschichten zu schreiben. Und nichts habe ich daraus gemacht. Es war alles umsonst.«

»Es ist nicht zu spät. Ich könnte sie für dich veröffentlichen.«

»Nein danke. Ich will keinen posthumen Erfolg. Ich habe die Gelegenheit verpasst und damit muss ich jetzt leben … du weißt schon wie ich das meine.« Mutter stand auf und verließ die Garage. »Komm«, sagte sie. »Lass uns gehen.«

Yvonne folgte ihrer Mutter nach draußen.

»Der Tod hat mir die Augen geöffnet.« Mutter lächelte. »Erinnerst du dich noch an die Ratschläge, die ich dir gegeben habe?« Sie hob die Hand und schnippte mit den Fingern.

Ein Blitz bahnte sich einen Weg vom Himmel. Wie ein betrunkener Autofahrer, glitt er im Zickzack hinab. Wie ein betrunkener Autofahrer, der im letzten Moment einem Baum ausweicht, bog der Blitz knapp über den Köpfen von Mutter und Tochter ab und schlug in das Innere der Garage ein. Die Kartons mit den Manuskripten fingen Feuer. Für die Flammen war das trockene Papier wie eine Partymeile. Es besuchte jede Ecke, um nichts zu verpassen. Schnell stand die ganze Garage in Flammen.

»Vergiss alles, was ich gesagt habe.« Mutter packte Yvonne an den Schultern und sah ihr in die Augen. »Du bist gut genug.« Sie lächelte. »Erfülle dir deine Träume.«

Yvonne wischte sich eine Träne aus dem Auge.

»Ich muss weiter«, sagte Mutter. »Der Wetterbericht hat drei Tage Regen in der Nachbarstadt angekündigt. Ich muss mich dafür sorgen, dass sie nach drei Wochen mal wieder richtig lagen. Ist vertraglich so festgelegt. Ich glaube, Petrus hat irgendeinen Deal mit denen.«

Sie verschwand in einer Wolke, die sich langsam vor Yvonnes Augen auflöste. Yvonne ging nach Hause und setzte sich an ihre Schreibmaschine. Sie starrte das Blatt Papier darin an. Dann schrieb sie weiter über Blitz und Donner.

 

Montagsfrage: Fiktion VS. Non-Fiktion

Nach längerer Zeit habe ich mal wieder eine Montagsfrage beim Buchfresserchen gefunden, die ich beantworten kann. Diese Chance lasse ich mir natürlich nicht entgehen.

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Wie ist bei dir das Verhältnis zwischen Fiktion und Non-Fiktion, wenn du dein Leseverhalten betrachtest?

An sich eine leicht zu beantwortende Frage, denn generell lese ich eigentlich nur fiktive Stoffe. Zumindest wenn es um Bücher geht. Früher habe ich zwar viele Schreibratgeber gelesen, aber das habe ich aufgegeben, weil ich einfach das Gefühl hatte, dass die ohnehin alle das Gleiche erzählen.

Wenn  man das Lesen allerdings ausweitet auf das Internet kommt doch ein ganzer Schwall an Non-Fiktion in Form von nutzlosen Informationen zusammen, durch die ich mich regelmäßig wälze. Ich bin ja beispielsweise großer Filmfan (die billige Eigenwerbung für meinen Filmblog könnt ihr euch ja wegdenken) und lese liebend gerne Filmtrivia, Geschichten über Filme und die Produktion an sich und auch viel über die Historie dieses Mediums. Teilweise auch zur Recherche für neue Blogposts oder andere Projekte, die ich gerne irgendwann verwirklichen würde.

Deshalb ist es wahrscheinlich relativ ausgeglichen bei mir. Man könnte sagen auf Papier nur Fiktion, auf dem Bildschirm nur Information.

Wie ist das bei euch? Lest ihr auch mal ein Sachbuch? Und seit ihr auch gerade dabei, die alten „Was ist Was“-Bücher aus dem Keller zu kramen?