„Mach Was!“ – Mit Schnee

Die Pö und Herba veranstalten nun schon seit einiger Zeit das kleine Mitmachprojekt „Mach was!“ in dem man sich kreativ ganz frei austoben kann. Nachdem ich schon ein paar Mal auf meinem anderen Blog (billige Schleichwerbung kann ich) dabei war, steige ich jetzt wieder ein und verlege den Spaß hier in meinen Autorenblog, einfach weil es besser passt als auf den Filmschrottplatz (zu aufdringlich? Na gut, ich höre schon auf.)

Das Thema lautet SCHNEE. Das ich kein großer Winterfan bin, nicht unbedingt meine Lieblingskategorie. Aber ich habe mir mal was aus den Fingern gesogen. Viel Spaß beim Lesen:

Tim pinkelte seinen Namen in den Schnee. Seit seiner Kindheit nutzte er jede Gelegenheit, um dieses Kunststück vorzuführen. Über die Jahre hatte er sogar den Punkt über dem I perfektioniert. Stolz hielt er seinen »Schlauch«, wie er ihn nannte, in der Hand und zog eine gerade Linie vom M aus unter seinen Namen.
Matthias stand neben Tim und schüttelte die letzten Tropfen ab. Als Kind war er immer neidisch darauf gewesen, dass Tim seinen Namen in den Schnee schreiben kann. Egal wie viel er trank, Matthias schaffte es nie über das zweite T hinaus. Mittlerweile hatte er anderen Grund für Neid auf seinen Freund seit Kindertagen. Der Neid bezog sich auf ein Körperteil, dessen Größe offenbar nicht mal von der Kälte beeinträchtigt wurde.
Das Geräusch einer Autohupe erinnerte die beiden Freunde daran, dass sie nicht den ganzen Tag Zeit hatten, den Schnee gelb zu färben.
»Wir müssen weiter.« Matthias zog den Reißverschluss seiner Hose hoch. »Hannah wartet nicht gerne.«
Tim ließ seinen »Schlauch« an der frischen Winterluft und kramte eine zerknitterte Zigarettenschachtel aus der Hosentasche. »Hannah ist immer nervös.« Er zündete eine Zigarette an und atmete tief ein. Mit einem Seufzer blies er den Rauch in Matthias’ Gesicht. »Sie muss sich entspannen, sonst geht unser Plan nicht auf.«
»Wenn wir hier stehen bleiben, geht unser Plan auch nicht auf.« Matthias ging Richtung Auto. »Ich habe keinen Bock, wegen öffentlichen Urinierens erwischt zu werden.«
»Ihr seid beide wirklich nicht die Richtigen für diesen Job.« Tim schnippte die Zigarette weg.
»Entschuldigen Sie.« Eine Stimme hielt Tim auf, als er zum Auto gehen wollte. »Finden Sie das in Ordnung?«
Matthias hörte die Stimme ebenfalls und drehte sich um. »Oh nein«, sagte er zu sich selbst und schloss die Augen. Er wusste, was passieren würde. Tim war kein Mann, der sich lange mit dem Gesetz herumschlug. Für ihn gab es nur kurze Prozesse. Matthias hörte den Schuss, der durch die winterliche Umgebung hallte. Er öffnete die Augen. Der Polizist lag in einem Schneehügel, an dessen Fuß sich eine rote Pfütze ansammelte.
»Lass uns fahren«, sagte Tim und steckte die Waffe in seine Jackentasche. »Jemand könnte vorbeikommen und dann hätten wir Probleme.«
»Was du nicht sagst.« Matthias zog ein Messer aus der Tasche. »Ich habe dir schon tausend Mal gesagt, wenn du öffentlich Leute umnieten musst, dann mach es wenigstens leise.« Er hielt Tim das Messer hin. Die Klinge glänzte in der Wintersonne, die tief am Himmel stand, als wolle sie möglichst schnell hinter dem Horizont verschwinden, um sich um angenehmere Dinge zu kümmern, als zwei Idioten beim Streiten zuzuschauen.
»Mit dem Teil kannst du doch nicht mal nen nackten Arsch rasieren«, sagte Tim und schob den Arm mit dem Messer von sich weg.
»Mit dem ›Ding‹ könnte ich jemanden in alle Einzelteile zerlegen.«
»Damit könntest du nicht mal einen Fingernagel schneiden.«
»Ich kann damit was ganz anderes abschneiden …«
Die Autohupe, die jetzt im Sekundentakt ertönte, unterbrach den Streit. Sirenen erklangen in der Ferne und wurden lauter. Tim und Matthias sprangen auf die Rückbank des Autos.

Hannah trat auf das Gaspedal und der Wagen fuhr mit quietschenden Reifen los. Hannah drehte sich um und sah Tim mit ihren grünen Augen an.
»Es war nicht meine Schuld«, wies Tim jede Verantwortung von sich. »Matthias wollte nicht, dass wir wegen öffentlicher Pisserei verhaftet werden.«
Hannah riss das Lenkrad zur Seite und der Wagen schlitterte über die Nasse Straße um eine Häuserecke.
»Beruhige dich, Hannah.« Tim lehnte sich nach vorne und legte seine Hand auf Hannahs Schulter. »Alles ist in Ordnung. Niemand weiß, wo wir hin wollen. Schon bald sind all unsere Probleme vergessen.« Tim bereute seine Worte eine Sekunde später, als eine Gewehrkugel die Rückscheibe des Wagens durchschlug, nachsah, was im Inneren des Autos so vor sich ging, und es durch die Windschutzscheibe wieder verließ. Weitere Patronen, die offenbar der ersten Kugel nicht zutrauten, den ihr aufgetragenen Job zufriedenstellend zu erledigen, folgten ihrem Beispiel.
Glassplitter verteilten sich im Auto. Metall riss außen am Auto. Andere Wagen verteilten sich um das Auto.
»Scheiße«, kommentierte Tim die Situation richtig und zog seine Waffe. Er sah Matthias an. »Was willst du jetzt mit einem Messer anstellen?«
Matthias zog ein Messer und sah Tim an. Er nahm Maß und warf das Messer. Es wirbelte durch den Wagen, an Tims Ohr vorbei, durch das zerschossene Fenster und blieb in der Stirn eines Mannes stecken, der im Auto nebenan gerade mit einem Gewehr auf Tims Hinterkopf zielte. Der Mann sackte zusammen, das Gewehr fiel aus seinen Händen aus dem Fenster. Ein Schuss löste sich und zerfetzte einen Hinterreifen des fahrenden Wagens. Der Fahrer verlor die Kontrolle und der Wagen geriet ins Schleudern. Er traf noch ein mal das Heck von Hannahs Fahrzeug, dann driftete er von der Bahn ab und überschlug sich mehrmals, bevor er in Flammen aufging.
Tim nickte anerkennend. »Cool. Wie im Actionfilm«, sagte er und begann, mit seiner Waffe auf die umliegenden Fahrzeuge zu schießen.

Hannah lenkte das Auto um Häuserecken, vorbei an Bushaltestellen und durch den Gegenverkehr. Die Verfolger stießen an Häuserecken, fuhren durch Bushaltestellen und zerlegten den Gegenverkehr. Es war offensichtlich, dass Hannah die bessere Autofahrerin war. Tim schoss Magazine leer. Matthias hob einen Koffer aus dem Kofferraum auf den Rücksitz.
»Was hast du vor?« Tim wechselte das Magazin in seiner Waffe.
»Ich habe noch jede Menge Messer dabei.« Matthias öffnete den Koffer und schaute hinein. »Verdammt, das ist der Falsche.«
Einer der Verfolger entschied, dass dies der richtige Moment war, um die Verfolgten mal ordentlich zu rammen. Carlos wollte das schon immer mal machen, hatte bisher aber nie die Gelegenheit dazu gehabt. Diese Chance wollte er sich nicht entgehen lassen. Er riss das Lenkrad rum.
Das kratzige Quietschen von aneinanderreibendem Metall, wie ein Hahn auf der Suche nach einem Hustenbonbon ertönte, als die Kotflügel der Wagen aufeinanderprallten. Die Insassen beider Fahrzeuge wurden durchgeschüttelt, wie die Würfel vor dem Wurf aus dem Würfelbecher. Der Koffer mit den kleinen, weißen Paketen hob ab und flog durch das Auto. Umherfliegende Kugeln mischten sich unter die Beutel, zerfetzten ihr äußeres und verteilten das Kokain im Auto. Wie ein undichter Mehlbeutel drang aus allen Öffnungen des Autos weißes Pulver und hüllte den Wagen in eine Wolke.

Hannah lehnte sich so weit wie möglich über das Lenkrad, um näher an der durchlöcherten Windschutzscheibe zu sein. Es half nicht dabei, die Straße besser zu erkennen. Die »Schneewolke« im Auto hüllte das Innere in dichten Nebel und versperrte jede Sicht. Das Husten und Fluchen von der Rückbank deutete darauf hin, dass von dort keine Hilfe zu erwarten war. Hannah trat auf die Bremse und öffnete die Fahrertür.

Carlos grinste zufrieden. Seine erste Rammattacke war ein voller Erfolg gewesen. Nun wollte er es zu Ende bringen. Nun gut, das Koks war weg, daran konnte man nichts mehr ändern. Aber das Karambolagerennen war noch nicht beendet, wenn es nach ihm ging. Er schaute zu dem Auto rüber, das geparkt mitten auf einer Kreuzung stand. Eine Frau sprang aus dem Auto. Sie durfte nicht entkommen. Mit einem Finger gab er seinen Mitfahrern ein Zeichen. Unter den Mitgliedern des organisierten Verbrechens waren selten viele Worte nötig. Ein Fingerzeig reichte aus, um zu verstehen zu geben, dass seine Beifahrer sich das Mädchen holen sollten, während er sich um den Rest kümmerte und sie anschließend zusammen was essen gehen würden und wenn sie besonders erfolgreich waren, gab es vielleicht sogar ein Glas Wein. Seine Beifahrer verstanden den Fingerzeig, stiegen aus und verfolgten die Frau, die sich von dem vollgepulverten Wagen entfernte.
Carlos trat aufs Gaspedal, um das Auto und seine restlichen Insassen endgültig zu erledigen.

Matthias wischte weißes Pulver von seiner Hose und sah Tim an, der mit schneeweißen Händen in seinem schneeweißen Gesicht rumfummelte.
»Scheiße«, sagte Tim, »meine Augen brennen von dem Zeug.« Er öffnete die Augen und blinzelte. »Das ist besser.« Er riss die Augen auf, als er einen Kühlergrill schnell herannahen sah. Geistesgegenwärtig hob er die Waffe in seiner Hand und betätigte mehrmals hintereinander den Abzug.

Carlos schrie erfreut, als er mit Vollgas auf den anderen Wagen zufuhr. Das machte viel mehr Spaß, als das ständige Verhören und Foltern von Leuten, die beim Kartell in Ungnade gefallen waren. Er beschloss, öfter die Gefangenen zum Schein frei zu lassen, um sie dann mit dem Auto verfolgen zu können. Der Aufprall stand kurz bevor. Er zog mit der rechten Hand an seinem Gurt. Er saß fest. Ihm sollte nichts passieren, so lange der Airbag seinen Dienst erfüllte. Nur noch wenige Sekunden. Carlos spürte, wie das Adrenalin ihm aus allen Poren zu sprühen drohte, wie Wasser aus einem Schwamm. Ein Klirren lenkte ihn ab. Ihm fiel ein Loch in der Windschutzscheibe auf. Es war zuvor nicht da gewesen. Ein weiteres kam dazu. Und ein drittes. Jedes mal von einem Klirren und einem Rauschen unterstützt. Carlos brauchte einen Moment, bis er registrierte, dass ihm Pistolenkugeln um die Ohren surrten, wie ein Schwarm Kolibris im Sturzflug. Carlos duckte sich unter das Armaturenbrett, was ihn allerdings daran hinderte zu sehen, wo er das durchlöcherte Vehikel hinsteuerte.

Hannah entfernte sich leicht benebelt vom Auto. Ein Drogenrausch war das Letzte, was sie momentan gebrauchen konnte. Sie war sich recht sicher, dass Kokain seine Wirkung nicht durch simples Einatmen voll entfachte. Sie war keine Expertin, was Drogenkonsum betraf, aber wies ein Talent auf, sich in Dinge reinzusteigern. Ihr Arm schien taub zu werden. Sie blieb stehen und streichelte mit der Hand ihren scheinbar tauben Arm. Eine weitere Hand packte sie an der Schulter und ein kalter Gegenstand presste sich in ihren Rücken.
Hannah schloss die Augen. Das Schlimmste erwartend. Ein Rauschen ertönte. Sie überlegte, ob der Tod vielleicht von einem lauten Dröhnen begleitet wurde, um einen davon abzulenken, dass gleich die Lichter ausgehen. Das Rauschen wurde lauter. Ein lautes Hämmern gesellte sich dazu. Hannah wartete darauf, dass ihr Leben an ihr vorbeizog. Sie wartete vergeblich, was sie nicht sehr überraschte. Viel Aufregendes gab es ohnehin nicht zu sehen. Das Rauschen dröhnte so laut, dass ihre Ohren schmerzten. Anschließend wurde alles schwarz.

Tim und Matthias krochen aus dem Wagen und atmeten tief die kalte, kokainfreie Luft ein. In der Nähe lagen drei reglose Gestalten am Boden. Zwei Männer im teuren, aber zerrissenen Anzug und eine Frau in Jeans und Top. Etwas weiter qualmte ein Auto vor sich hin, das sich einer Hauswand etwas zu schnell genähert hatte.
Hannah hustete und setzte sich auf. Sie schaute sich die Männer an, die neben ihr lagen. Offensichtlich hatte sie das Glück gehabt, das der heran rauschende Wagen die Männer zuerst erwischte und sie den Aufprall gedämpft hatten. Sie sah die beiden Jungs an, die mit leichten Blessuren beim Auto standen. Sie drehte sich um und betrachtete das qualmende Vehikel, das von der Hauswand gestoppt worden war. Neben ihr lag eine Waffe. Der Mann im Anzug würde sie nicht mehr brauchen. Sie stand auf und stolperte zu den Jungs herüber. In der Ferne ertönten Sirenen. Es war klar, wem dieses Geräusch galt.
Matthias griff sich einen Koffer aus dem Kofferraum des vollgepulverten Wagens. Tim lud seine Waffe durch. Still stimmte man darin überein, dass es Zeit war, zu verschwinden.

Schnee fiel leise auf eine Holzhütte zwischen Tannenbäumen, deren Zweige sich unter dem Gewicht des pappigen Niederschlags nach unten bogen. Rauch stieg aus dem gemauerten Schornstein an der Seite der Hütte auf. In der Ferne bog ein Auto von der Straße auf einen Waldweg ab und rollte langsam durch den Schnee in Richtung des Rauchs.

Matthias warf einen Holzscheit in die Flammen, die im Kamin umeinander schlängelten, wie Regenwürmer im Komposthaufen.
»Wie lange müssen wir uns noch den Arsch hier draußen abfrieren?« Tim saß mit verschränkten Armen auf einem Stuhl und begutachtete eine Tasse mit dampfenden Inhalt.
»Wenn wir nicht angehalten hätten, damit du deinen Namen in den Schnee pissen und einen Bullen umnieten kannst, wären wir vielleicht schon an einem Strand und ließen uns Cocktails von Hulamädchen bringen.« Matthias warf einen weiteren Scheit in die Flammen.
»Also ist es jetzt meine Schuld?«
»Lass es mich so ausdrücken: Die Idee, dem Drogenkartell den ›Schnee‹ zu klauen, um damit reich zu werden, war von Anfang an völlig bescheuert.«
»Alleine durch die Tatsache, dass du es ›Schnee‹ nennst, wirst du nie ein großer Drogendealer werden.«
»Ich will auch gar kein Drogendealer werden. Ich wollte das Geld einsacken und mit euch irgendwo auf einer Insel eine schöne Zeit verbringen.«
Tim lachte. »Du dachtest doch nicht, dass wir durch einen Verkauf so reich geworden wären, dass wir uns keine Sorgen mehr hätten machen müssen.«
Matthias schwieg.
Tim schüttelte den Kopf. »Mir ist kalt. Ich gehe ins Bett.« Tim stand auf und schlenderte durch den Raum, um durch eine Tür zu verschwinden, hinter der ein Bett stand, in dem Hannah lag.
»Viel Spaß ihr Turteltauben. Ich gucke dann so lange dem Schnee im Fernseher zu.« Matthias warf eine Fernbedienung in die Ecke.
Tim schlug die Tür zu.

Ein Baum lag quer auf dem Weg und hinderte das Auto am Weiterfahren. Carlos stieg aus und fluchte. Sein Plan, mit Vollgas in die Hütte zu fahren, würde nicht aufgehen. Er brauchte eine neue Idee. Seine Waffe war geladen und entsichert. Er stieg über den Baumstamm und folgte dem Weg zur Hütte.

Matthias versuchte sich abzulenken, indem er seine Messer putzte. Aus dem Nebenraum drangen Gesprächsfetzen an sein Ohr. »Scharf, Handschellen« und »ja, tanz für mich« waren die harmloseren Beispiele, die er versuchte zu ignorieren. Die Schneeflocken vor dem Fenster wurden dicker. Matthias hasste den Winter, aber momentan war jeder Schneehügel, der sie von der Außenwelt abschnitt positiv. Schließlich wurde so auch die Außenwelt von ihnen abgeschnitten.

Die Außenwelt stapfte in Form von Carlos durch den zugeschneiten Wald. Er erreichte die Lichtung, in deren Mitte die Hütte stand, als würde der Wald ihr gehören. Im Schutz der Bäume spähte Carlos das Gelände aus. Er erwartete keine Gegenwehr. Man würde ihn sicher nicht erwarten. Er hielt die Waffe vor sich und schlich zur Hütte.

Matthias hatte alle Messer geputzt. Die Klingen lagen ordentlich im Koffer. Matthias schloss den Koffer. Die Tür zur Außenwelt flog auf. Matthias blickte auf die Mündung einer Waffe, aus der sich eine Kugel schnell auf ihn zubewegte. Matthias hob den Koffer vom Tisch und hielt ihn zwischen sich und die Patrone. Die nachfolgenden Schüsse abzuwehren gestaltete sich als schwieriger, da der Bewegungsfreiraum unter einem Tisch arg eingeschränkt ist. Matthias spürte Schmerzen im Bein. Eine der Kugeln hatte sich in seine Wade gebohrt. Panisch öffnete er den Koffer und warf mit Messern um sich.

Hannah saß auf Tim als die Schüsse aus dem Nebenraum die beiden aus ihrer zärtlichen Stimmung riss. Hannah sprang vom Bett, zog ein Shirt an und lud die Waffe durch, die sie einem der Verfolger vor einiger Zeit in der Stadt abgenommen hatte. Sie hielt die Pistole hoch. Tim blickte über seinen »Schlauch« hinweg zur Tür, als Hannah diese aufriss, um in den Nebenraum zu feuern. Stattdessen kam etwas durch die Tür hereingeflogen. Ein Schrei folgte und zeugte davon, dass Matthias keinen Grund mehr hatte, auf Tim neidisch zu sein.

Schmerzensschreie aus beiden Räumen. Hannah presste sich an die Wand und atmete schnell ein und aus. Tim wimmerte auf dem Bett und blutete die Laken voll. Aus dem Augenwinkel sah Hannah Matthias, der unter dem Tisch lag und sich nicht bewegte. Es war nicht festzustellen, ob er noch lebte. Und auch nicht ob der Angreifer noch da war.
Hannah atmete mehrmals tief ein. Dann lief sie durch die Tür und eröffnete das Feuer.

Carlos zog das Messer aus seiner Hüfte und ein Schwall Blut ergoss sich auf den Bretterboden. Ein roter Bach floss durch die Rillen zwischen den Brettern zur Tür, aus der gerade eine Frau herausstürmte und wie eine Irre blind in den Raum schoss. Carlos hob seine Waffe und drückte den Abzug. Nur ein Klicken ertönte.

Hannah drehte sich um, als das Klicken hinter ihr auf den »Feind« hindeutete. Eine scharfe, kalte Klinge schnitt ihr in den Arm. Sie ließ die Waffe fallen und hielt sich die Wunde, aus der Blut tropfte. Der Angreifer stand mühsam auf und blickte auf die Pistole, die neben Hannah lag. Hannah bückte sich nach der Waffe, der Angreifer lief los, so schnell es seine Verletzung zuließ. Hannah hob die Pistole. Carlos stürzte sich auf Hannah. Ein Schuss hallte durch die Hütte. Carlos streckte Hannah nieder. Beide fielen auf den Boden und blieben reglos liegen.

Hannah schob Carlos von sich runter und sah ihm ins Gesicht. Das Loch auf der Stirn verriet, dass er ihr nicht mehr gefährlich werden würde. Hannah setzte sich auf und hielt sich die schmerzenden Rippen. Der Zusammenprall war wohl härter, als sie gedacht hatte. Sie tastete die Seite ihres Körpers ab und fand einen harten Gegenstand. Sie blickte an sich herunter und sah die Klinge, die ihr der Angreifer offensichtlich zugesteckt hatte. Hannah atmete schwer. Aus der Tasche des Angreifers hing ein Schlüssel. Sie griff zu und hievte sich schwerfällig auf die Beine. Sie stolperte langsam zur Tür und verließ die Hütte. Unter Schmerzen kämpfte sie sich durch die Kälte und färbte mit ihrem Blut den Schnee.

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5 Gedanken zu “„Mach Was!“ – Mit Schnee

  1. Unterhaltsame Geschichte! Kommt einem vor, wie der Auszug aus einem Tarantino-Streifen. Schön flott erzählt, die Actionszenen sind rasant, wenn auch etwas übertrieben, aber ich glaube, das sollen sie auch sein 😉
    Kleine Anmerkung noch… das Thema „Schnee“ ist klar, aber selbst, wenn man bedenkt, dass das zu einer Schreibaktion gehört, finde ich, dass du das Wort etwas zu inflationär (16 Mal) verwendet hast. Kann natürlich auch daran liegen, dass man als Leser von vorneherein selektiv liest, wenn man das Thema kennt…

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    1. Danke. Das war eigentlich nur der Versuch, eine Actionszene relativ gut zu schreiben. Das ist nicht gerade meine Stärke. Deshalb hab ich das eher als Übung angesehen.
      Dass das Wort Schnee so häufig auftaucht war dann aber vielleicht etwas übertrieben. Liegt aber auch daran, dass ich dazu neige, das Thema zu verfehlen (wie du ja bei Blitz und Donner auch schon gemerkt haben solltest) und ich so versucht habe, den Zusammenhang zum Thema herzustellen. Ist wohl nur so halb gelungen.

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  2. Ach, Papperlapapp. Das Thema ist integriert und die Geschichte unterhaltsam. „Thema verfehlt“ habe ich auch schon oft gehört, aber wen stört’s, solange man nicht komplett aus der Reihe tanzt und das Lesen Spaß macht?

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Laber mich voll, ich mag das.

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