Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Szeneriebeschreibung

Letztens habe ich hier meine Gedanken zu Beschreibungen in Büchern kundgetan. Da macht es natürlich Sinn, euch auch mal zu zeigen, wie ich so eine Beschreibung angehe. Oder zumindest einen Ansatz.

Dazu brauchen wir aber erst mal ein paar Grundlagen, mit denen wir arbeiten können. Nehmen wir dazu folgende Szene:

Peter, der Sohn des Hausmeisters an Burg Lebingen, kämpft gegen den schwarzen Magier Lord Edgar, um zu beweisen, dass er ein Held sein kann.

Schon tausend Mal dagewesen aber damit lässt sich arbeiten, denke ich.

Bevor es losgeht noch eine Sache: Ich schreibe Fantasy und keine historischen Geschichten. Das heißt historische Authentizität ist mir völlig schnuppe. Wenn ich will, dass ein Charakter in meiner mittelalterlich angehauchten Welt eine Sonnenbrille trägt, dann gebe ich ihm eine. Selbstverständlich würde ich in dem Fall erklären, wie dieses ungewöhnliche Objekt in diese Welt passt. Aber ich setze mir selber keine Grenzen. Es ist meine Geschichte und sie spielt in meiner Welt. Also kann ich machen, was immer ich will, so lange ich es sinnvoll erklären kann. Jetzt wo das geklärt ist kann es ja los gehen.

Beginnen wir mit dem Setting. Die Szene wird auf Burg Lebingen stattfinden. Was hat eine Burg? Türme, Mauern, ein Tor, einen Graben. Einen Burghof mit Stall, Hubschrauberlandeplatz für den Hubschrauber des Hoferfinders und irgendwo liegt bestimmt auch noch der Hausmeister rum und pennt. Auf das ein oder andere Detail werden wir verzichten können. Schließlich bringt der Hubschrauberlandeplatz ohnehin nichts, wenn der Hubschrauber gar keine Rolle spielt.

Ich versuche meine Beschreibungen immer mit aktiven Verben zu versehen. Dinge werden anschaulicher, wenn sich etwas bewegt. Settings bringen da einen klaren Nachteil mit sich: sie sind statisch. Ein Burgturm bewegt sich nicht. Die einzige Aktion, die man ihm zuschreiben kann, ist die des Stehens. Daraus lässt sich nicht viel machen. Also überlege ich mir etwas, das im Zusammenhang mit dem Burgturm stehen könnte.

Efeuranken kletterten von der Burgmauer aus den Burgturm hoch, als wollten sie in das oberste Fenster steigen, um mal nachzusehen, was in den Schlafzimmern los ist.

In diesem Fall übernimmt das Efeugewächs die aktive Rolle, um auf den Burgturm hinzuweisen (der letzte Teil des Satzes wird eventuell hinterher wieder gestrichen, weil die Schlafzimmer nicht wichtig sind). Natürlich ist es bei einem Burgturm relativ simpel, da jeder ein Bild von einem Burgturm im Kopf hat, also muss der nicht zwingend genauer beschrieben werden. Man weiß da ist ein Turm und oben ist ein Fenster. Das Fenster könnte noch eine Rolle spielen, jetzt wo man es ohnehin erwähnt hat. Sowas entscheide ich aber spontan, also mal abwarten …

Schauen wir uns mal den Burghof genauer an:

Die Pferde wieherten in den Stallungen, die aus den letzten Holzresten, die man hatte auftreiben können, zusammengezimmert worden waren. Immerhin hatten die Pferde ein Dach über dem Kopf, das sie vor dem Regen schützte, der sich in matschigen Pfützen im Hof sammelte.

Also haben wir schon mal das Pisswetter untergebracht. Und einen Stall. Neben den Stall stellen wir dann einen der Charaktere:

Im Gegensatz zu Peter, der mitten im Regen stand. (Keine Panik, wir werden Peter noch genauer beschreiben)

Fehlt eigentlich nur noch sein Gegner, der ebenfalls im Regen steht.

Lord Edgar stand neben dem alten wackeligen Galgen, an dem bei gutem Wetter die Kinder schaukelten, wenn er nicht gerade zur Belustigung oder Verstörung des Volkes genutzt wurde.

Bei dem Galgen wird es schon schwieriger ihn aktiv einzubauen. Was natürlich in erster Linie am Kackwetter liegt, dass die Kinder daran hindert, darauf zu spielen. Aber für den Anfang reicht das erst mal so.

Als nächstes stehen die Beschreibungen der Charaktere an. Damit ihr aber durch diese unfassbaren Genialitäten meinerseits nicht erschlagen werdet, gibt es die dann im nächsten Teil.

Wie beschreibt ihr statische Dinge? Habt ihr Verbesserungsvorschläge? Und findet ihr es auch unverantwortlich von den Eltern, dass sie die Kinder am Galgen spielen lassen?

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10 Gedanken zu “Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Szeneriebeschreibung

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