Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Kampfszenen

Neulich habe ich hier eine kleine Reihe gestartet, in der ich erkläre, wie ich diese ganze Schreiberei so angehe. Da das so gut ankam – alle meine 5 Leser haben ein Like da gelassen – führe ich die Reihe jetzt einfach immer weiter und weiter und weiter und weiter und weiter … bis ihr alle das kalte Kotzen kriegt. Oder bis ihr alle genau so schreibt wie ich und ich endlich die Weltherrschaft anstreben kann. Ich tippe aber eher aufs kalte Kotzen.

Da ich bereits eine Szene erstellt habe, mit der sich weiterarbeiten lässt, setze ich da wieder an und baue alle weiteren Teile darauf auf. Wo das hinführt wird sich zeigen.

Die Szene sollte ja mittlerweile bekannt sein, aber zur Gedankenauffrischung hier noch mal, „was bisher geschah“:

Efeuranken kletterten von der Burgmauer aus den Burgturm hoch, als wollten sie in das oberste Fenster steigen, um mal nachzusehen, was in den Schlafzimmern los ist.
Die Pferde wieherten in den Stallungen, die aus den letzten Holzresten die man hatte auftreiben können zusammengezimmert worden waren. Immerhin hatten die Pferde ein Dach über dem Kopf, das sie vor dem Regen schützte, der sich in matschigen Pfützen im Hof sammelte.
Die dicken Regentropfen klopften auf den Eimer, der auf Peters Kopf saß. Die zersägten Dachrinnenstücke an Armen und Beinen verhinderten zumindest teilweise, dass seine Latzhose nass wurde. Die Ofenklappe saß etwas locker an seiner Brust. Peter zog das dünne Seil, das um seinen Hals hing, fester und rückte den improvisierten Brustpanzer mit seinen knochigen Fingern zurecht. Durch die zwei Löcher, die er zuvor in den Eimer gebohrt hatte, blickte Peter an sich hinab. Er bemerkte, dass er in einem Haufen Pferdeäpfel stand. Angeekelt trat er einen Schritt zur Seite.
Regentropfen bahnten sich einen Weg durch das Gewirr von Edgars langem Bart und tropften auf seine Kutte. Edgar ignorierte das herabfallende Wasser. Die schwarze Kapuze schützte seinen haarlosen Kopf vor dem Schauer. Er schubste den Galgen mit seinem langen Fingernagel an. Der Strick baumelte hin und her. Edgar starrte den lächerlichen Ritter an. „Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du dir wünschen,man hätte dich einfach hier aufgehängt.“

Als nächstes sollte die Action folgen. Und ich bin ganz ehrlich. Mit Action habe ich noch so meine Probleme. Da Actionszenen generell ziemlich hektisch sind und kaum Pausen bieten, versuche ich das auch im Text einzubringen. Allerdings liest sich sowas dann oft nicht unbedingt gut, weil es eben auch zum Lesen zu hektisch und ohne Pausen ist. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Edgar schlug Peter in die Fresse, der fiel in den Matsch, Edgar trat zu aber Peter rollte sich zur Seite, wich dem Tritt aus und legte Edgar mit einem Beinfeger auf den Rücken, der zappelte wie eine verlorene Schildkröte, während Peter aufstand um nächste Schritte zu planen und stellte sich vor Edgar auf usw.

Klingt nicht gut. Ist zu hektisch. Und Peter kann überhaupt keinen Beinfeger. Also muss das alles etwas anders aufgebaut werden. Wie genau weiß ich ehrlich gesagt noch nicht so genau. Ich gehe einfach immer spontan an sowas ran. Auch jetzt. Also mal schauen:

Als erstes muss ich mir natürlich überlegen, was die Kämpfer überhaupt so drauf haben. Ist ja nicht jeder ein Martial-Arts-Mega-Kung-Fu-Säbel-Ninja. Manche sind auch einfach nur Luschen. So wie Hausmeistersohn Peter. Man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass er wenig bis keine Kampferfahrung hat, es sei denn, der Verlauf der Geschichte, die zum Kampf mit Lord Edgar führte sieht das vor. Sagen wir zum Beispiel, dass er ein Schwert finden musste, mit dem er gegen den Schwertmeister antreten konnte (ihr wisst schon, wie in Monkey Island, einem der fantastischsten Computerspiele aller Zeiten; da kann man sich ruhig mal bedienen). Also hat er zumindest eine Idee davon, wie er ein Schwert zu halten hat. Trotzdem ist er natürlich kein erfahrener Kämpfer, was sich im Kampf widerspiegeln muss.

Peter stellte sich in Kampfpose auf, was bedeutete, dass er das Schwert in beiden Händen hielt und versuchte nicht umzufallen. Die Klinge zitterte. Er richtete sich neu aus und sicherte seinen Stand, wie er es vom Schwertmeister gelernt hatte. Er hielt das Schwert fest in seiner Hand. Er ließ die Klinge nach rechts schwingen. Er ließ die Klinge nach links schwingen. Er schwang das Schwert über dem Kopf. Er richtete die Spitze auf Lord Edgar.

Schauen wir uns den mal etwas genauer an. Er ist ein älterer Mann mit langem Bart. Er hat also sicher Erfahrung im Kampf. Aber als Oberbösewicht hat er sich natürlich auch oft zurückgehalten und seine Handlanger die Drecksarbeit machen lassen. Aber er kann mit seinem Stab, den ich ihm jetzt mal spontan in die Hand drücke, durchaus einige Schwinger landen.

Lord Edgar schob die Ärmel seiner Kutte hoch und präsentierte seinen mit Schnitzmustern verzierten Stab. Er verzichtete darauf, seine Kampfkünste zu demonstrieren. In seinem Alter sollte man sich mit schnellen Bewegungen möglichst zurückhalten, um Rückenschmerzen zu verhindern. Er stützte sich auf den Stab und wartete auf Peters Angriff.

Peter muss jetzt also die Offensive übernehmen.

Peter nahm seinen ganzen Mut zusammen und stürmte, Schwert voran, auf Lord Edgar zu. Als Pazifist wiederstrebte es ihm, den alten Mann zu attackieren, aber er wusste auch, das Angriff die beste Verteidigung war. Und gegen einen Mann wie Lord Edgar musste man auch mal auf seine Prinzipien pfeifen. Die Schwertklinge durchschnitt die Regentropfen, die auf sie hinabprasselten. Peter hielt es für eine gute Idee einen Kampfschrei herauszubrüllen. „Braaarghlurghaarghllll“, rief er, als er sich an einer Fliege verschluckte, die ihm vom Pferdestall aus gefolgt war.

Peter ist also auf dem Weg in den großen Kampf mit Lord Edgar. Mal schauen, wie der sich verhält:

Lord Edgar stand ruhig im Regen und schaute zu, wie Peter laut schreiend und röchelnd auf ihn zulief. Er wartete, bis er nah genug war, trat einen Schritt zur Seite und schob seinen Stab vor Peters Füße. Peter stolperte über den Stab, vergaß vor Schreck weiterzuröcheln. Das Schwert rutschte ihm aus den Händen und blieb im Boden vor ihm stecken. Er prallte mit dem Unterleib gegen den Schwertgriff und brach zusammen. Lord Edgar wartete, bis sich Peter wieder auf die Beine gekämpft und sein Schwert aus dem Boden gezogen hatte.
Peter stellte sich erneut in Kampfpose. Lord Edgar schwang seinen Stab herum und schlug ihm das Schwert aus den Händen. Es rutschte über den matschigen Boden und blieb neben dem Galgen liegen.

Schon der Start in eine Actionszene ist immer eine schwere Sache. Und so hangel ich mich dann von Satz zu Satz. Was mir immer etwas hilft, ist das Einbeziehen der Umgebung. Die Leute schlicht kämpfen zu lassen wird schnell langweilig und da stoße ich an meine Grenzen. Auf wieviele verschiedene Arten und Weisen kann man schon einen Schwerthieb beschreiben? Deshalb nutze ich die umstehenden Utensilien gerne zur Abwechslung. So ein bisschen wie Jackie Chan in seinen Filmen. Nur eben nicht mal annähernd so cool wie er.

Damit der Post hier aber nicht noch länger wird, mache ich damit beim nächsten Mal weiter. Wie schreibt ihr Kampfszenen? Tut ihr euch dabei auch so schwer? Und röchelt ihr auch immer so, wenn ihr eine Fliege im Kampf verschluckt?

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8 Gedanken zu “Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Kampfszenen

  1. Eine Actionszene mit Slapstick-Einlagen, sehr unterhaltsam 😀 Mit dem Rücken ist im Alter wirklich nicht zu spaßen. Aber Peter sollte dringend noch einmal den Kampfschrei üben…
    Actionszenen finde ich auch nicht so einfach zu schreiben. Geht man zu sehr ins Detail, wird es schnell sehr langweilig zu lesen und entspricht überhaupt nicht dem hektischen Charakter eines Kampfes. Ich mache es meistens so, dass ich einige Stellen zusammenfasse und „wichtige“ Elemente der Szene, also die, die für den Leser potentiell unterhaltsam sind, genauer ausformuliere. Aneinanderreihungen verwende ich auch manchmal, dann allerdings nie mehr als drei Halbsätze hintereinander, sonst wird’s zu viel (wie in deinem Negativbeispiel).
    Ach ja, wenn ich im Kampf eine Fliege verschlucke, fange ich an zu summen. Weiß auch nicht so genau, warum… 😉

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    1. Es ist ein schmaler Grat zwischen hektisch und langweilig bei Actionszenen. Das mit den Slapstickeinlagen funktioniert hier natürlich recht gut, weil Peter eben ein Trottel ist. Aber in ernsten Kämpfen kann man das halt nicht bringen. Da wirds dann umso schwerer.

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  2. Es ist schwierig zu schreiben ohne zu langweilen oder immer die gleichen Sätze zu benutzen. So wirkliche Kampfszenen hatte ich noch gar nicht…. bin mir nicht mal sicher, die überhaupt zu können 😉

    Deine witzigen Kämpfe könnte ich immer wieder lesen 🙂

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  3. Als absoluter Schreib Laie (gerade mal 2 Texte;-) )ich mag alle Szenarien…ich musste über jede Schmunzeln….aber ich verstehe Dein Problem…Wenn man selbst nicht kämpft, wie beschreibt man sowas…da hätte ich auch keine Vorstellung…Ich tippe auf Weltherrschaft…gefällt mir besser. 😉

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Laber mich voll, ich mag das.

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