Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Sprachen

Letztes Mal waren wir bei Lord Edgar, der Magie einsetzen will. Dazu verwendet er eine fremde Sprache. Aber natürlich kann man da nicht einfach Französisch nehmen. Schon alleine, weil es viel zu schwer ist, Lord Edgars Genuschel auf Französisch zu übersetzen. Man versteht ja nur die Hälfte von dem, was der Typ sich da in den Bart brabbelt. Deshalb werde ich eine eigene Sprache entwickeln, mit der er Magie beschwören – und gegebenenfalls ausländisches Essen bestellen – kann.

Bei Sprachen muss man kreativ sein. Und schon das Wort kreativ ist ja sprachlich etwas ganz besonderes. Schließlich setzt es sich aus den lateinischen Wörtern „Krea“ für Krähe und „Tiv“ für Tiefe zusammen. „Die Krähe fliegt tief.“ Das bedeutet natürlich, dass man im Herbst, wenn die Krähen kommen, die besten Ideen hat. Zumindest glaube ich das. Kann kein Latein.

Widmen wir uns also lieber wieder Sprachen, die ich kann. Am besten eine, die ich selbst erfunden habe. Ich mache das nebenbei zum ersten Mal, also wird das sicher ein Riesenspaß. In meinem Roman (Ja, ja, der kommt wirklich irgendwann raus, versprochen) gibt es zwar auch eine Fremdsprache, aber da habe ich nur ungefähr 5 Wörter hingefriermelt, einfach, weil es gerade nötig war. Also schauen wir mal, wie wir das am besten angehen.

Erstmal sortiere ich wohl die Buchstaben des Alphabets aus, die ich nicht in der Sprache haben will. Ich denke nämlich einfach mal, dass es einfacher ist, eine Sprache zu entwickeln, wenn man weniger Buchstaben zur Verfügung hat. Also fliegen erstmal alle Umlaute raus. Die nerven sowieso nur. Bleiben also die üblichen 26 Buchstaben des Alphabets. Die Außenseiter X und Y schmeiß ich auch raus. Keiner in dieser Geschichte wird ein Xylophon spielen. Und wenn doch heißt es halt nur Lophon. Klingt auch gut. Die restlichen 24 lass ich mal drin. Ich will es auch nicht zu kompliziert machen, sonst muss ich nachher immer nachschauen, welche Buchstaben ich überhaupt nutzen kann.

Da es sich bei Lord Edgar um einen bösen Magier handelt, sollte die Sprache vielleicht auch etwas … ich sage mal „furchteinflößend“ klingen. Keine Ahnung wie man das hinkriegt, also mache ich das einfach mal spontan so, dass die meisten Worte mit „Brah“ anfangen. Das kann man gut schreien und klingt etwas bedrohlich. So wie in der deutschen Sprache, wenn man sagt: „Ich verkloppe dich mit der Brahtpfanne“ oder „Ich schicke dich nach Brahsilien“. Dabei fällt mir gerade auf, dass es sicher einfacher ist, eine Sprache aus Silben aufzubauen, anstatt ständig irgendwelche Wörter aus allen verfügbaren Buchstaben zusammen zu fuckeln. Dazu sollte man dann vielleicht eine Liste mit Silben und deren Bedeutung erstellen. Um das hier jetzt aber nicht ausarten zu lassen, verzichte ich da mal drauf und mache spontan weiter. Feinschliff kann ich der Sache immer noch geben. Aber die Silbe „Brah“ beispielsweise könnte vor allem bei Wörtern benutzt werden, die mit Tod und Unglück und so weiter zu tun haben. Die Silbe „Meng“ bedeutet Mensch und daraus leiten sich dann auch Wörter wie Mann, Frau, Kind, Volk usw ab. „Brahmeng“ ist dann zum Beispiel eine Leiche. Irgendwie werde ich mich so schon durch das Wirrwarr des Sprachkonstrukts hangeln, das ich hier erstellen will. Ich mache da bestimmt irgendwann weitere Teile, die mehr ins Detail gehen. Aber jetzt muss das erst mal reichen, sonst sprengt das hier den Rahmen.

Lord Edgar will in diesem Fall Hausmeistersohn Peter mit einem Fluch belegen. Sagen wir, er will ihn in einen Wurm verwandeln. Erstens zieht das immer und zweitens ist Edgar total einfallslos, also hat er nichts besseres auf Lager. Ich halte es hier mal simpel und zauber schnell ein simples Magiesystem aus dem Hut – oder besser gesagt, ich verzichte darauf. Edgar muss einfach nur in der fremden Sprache sagen, was er tun will und dann beschwört er auch schon die Magie. Hier also der Satz „In einen Wurm verwandeln“. Ein Wurm ist ein wirbelloses Tier. Also brauche ich erst mal die übergeordneten Silben für „Wirbel“ und „ohne“ und natürlich „Tier“. Ohne ist schlicht „On“, Tier könnte „Tera“ sein und Wirbel ist halt „Wirb“. Also ist ein Wurm ein „Wirbontera“. Klingt bescheuert, also bleibt das so. Das Wort „Verwandeln“ ist quasi das Wort „Veränderung“ oder „ändern“. Also mache ich da einfach mal ein „Endher“ für „ändern“ raus. Das Wort „In“ bleibt „In“, einfach weil mir nix besseres einfällt.

Lord Edgar hob seinen Stab und sprach in einer fremden Sprache. „Endher in Wirbontera.“ Ein grüner Blitz zischte aus der Spitze seines Stabs und verfolgte Peter, der so schnell er konnte, an den Ranke hochkletterte. Peter zog den Kopf ein und der Blitz traf das Mauerwerk über ihm. Einige der Steine verwandelten sich in Würmer und fielen ihm auf den Kopf. Angeekelt wischte er die Kriechtiere aus seinem Haar und kletterte weiter.
Lord Edgar startete einen zweiten versuch. Er hob seinen Stab und redete wieder in der fremden Sprache, um die Ranken zum Leben zu erwecken. Das würde den Jungen sicher aufhalten. „Liwe Rangen“ sagte er und ein blauer Blitz schoss auf die Ranken zu. Nach dem Aufprall begannen sie um sich zu schlagen und nach Peter zu greifen. In letzter Sekunde konnte er sich in eines der Fenster retten.

Was Peter in den Schlafzimmern der Burgbewohner erlebt, erfahren wir dann beim nächsten Mal, wenn es darum geht, das Foreshadowing auszunutzen.

Könnt ihr eine Fremdsprache? Oder habt ihr schon mal eine eigene Sprache erfunden? Und welche Buchstaben sind neben X und Y noch überflüssig?

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7 Gedanken zu “Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Sprachen

      1. Ja, ich auch. Das bringt halt noch mal einen Extraschuss Realismus in die Sache. Aber wie man hier schon merkt, ist das nichts, was man so nebenbei macht, wenn man es richtig machen will.
        In meinem Roman (der so 2042 rum erscheint) habe ich wie gesagt einfach nur ein paar Wörter hingeschludert, einfach weil es sein musste. Hier habe ich mir da schon mehr Gedanken gemacht. Und das kratzt ja trotzdem nicht mal an der Oberfläche. Wenn man ganze Wortstämme und Sätze und Zyklen und was weiß ich nicht noch bilden will, schafft man das in drei Leben nicht. Kein Wunder, dass Tolkien nur 2 Geschichten wirklich zuende geschrieben hat. Mehr Zeit blieb ihm halt nicht, bei all dem Sprachenerfinden und Worldbuilding.

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