„Mach was!“ – Mit einem Lieblingslied

Diesen Monat geht es bei Herba und Poes „Mach was!“ um Lieblingslieder. Das ist etwas schwierig. Denn ein richtiges Lieblingslied habe ich eigentlich nicht. Das ändert sich bei mir quasi alle paar Tage. Und oft kann ich dann Lieder, die ich vorher oft gehört habe, erstmal lange Zeit nicht mehr hören, weil sie mir auf den Sack gehen. Also nicht gerade eine Qualifikation für einen Lieblingssong. Zur Zeit höre ich ganz gerne „Suppers Ready“ von Genesis. Also mit Peter Gabriel. Nicht diese grauenhafte Popgrütze unter Phil Collins. Ich habe kurz überlegt, aber „Suppers Ready“ erzählt für sich schon eine Geschichte und ist zudem ein episches musikalisches Meisterwerk, dem keine meiner schwachsinnigen Geschichten auch nur ansatzweise gerecht werden könnte.

Allerdings habe ich vor einigen Jahren mal eine kleine Geschichte veröffentlicht, die zumindest durch den Titel eines Songs inspiriert wurde. Lustigerweise habe ich die Geschichte im Rahmen von genau diesem Spaß hier zum Thema „Tiere“ damals auf den Filmschrottplatz geklatscht. Ich habe diese Geschichte mal etwas überarbeitet, um sie jetzt und hier erneut zu veröffentlichen (ja, es ist bereits jetzt so weit, dass ich mich selbst wiederhole). Der inspirierende Song heißt übrigens „Penguins In The Desert“ und stammt von der Band Dredg. Mit dem eigentlichen Lied hat das Folgende zwar nicht wirklich was zu tun, aber immerhin ist der Titel der gleiche. Das muss dann halt hier reichen.

Pinguine in der Wüste

Flapflapflapflapflap … die Rotorblätter des Helikopters zerschnitten die heiße Luft … flapflapflapflapflap … die heiße Luft stieg vom Sand hinauf, der sich über die Landschaft erstreckte … flapflapflapflapflap … auf dem linken Auge sah der Hubschrauberpilot sehr gut … flapflapflapflapflap … auf dem Rechten auch … flapflapflapflapflap … mit seinen guten Augen erblickte der Pilot einen Geier über der Wüste kreisen … flapflapflapflapflap … der Helikopter flog direkt auf den Geier zu … flapflapflapflapflap … der Geier machte keine Anstalten, seine Flugbahn zu ändern … flapflapflapflapflap … der Pilot reagierte und ließ den Hubschrauber sinken … flapflapflapflapflap … der Helikopter tauchte unter dem Geier weg … flapflapflapflapflaaaaaahhhhhkrrrchz … Federn segelten durch die Luft … flupflupflupflupflup … der Pilot verlor die Kontrolle über das Fluggerät … flopflopflopflopflop … der Helikopter sank schnell Richtung Wüstensand … flop … flop …flop … der Aufprall schleuderte Sand in die Luft … flp … und erschlug eine neugierige Hyäne … fp … f … Stille.

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Frirp. Der Pilot öffnete seine guten Augen. Frirp. Frirp. Er sah Sand. Frirp. Watsch. Sehr viel Sand. Watsch. Watsch. Mit seinen ebenfalls hervorragend funktionierenden Ohren hörte er die Schritte von flachen Füßen. Frirp. Er öffnete seinen Gurt. Seine Hüfte schmerzte. Er drückte den Arm in die Seite. Frirp. Watsch. Hopp. Frchz. Er drehte sich um und blickte in den Rückraum des Helikopters. Der Käfig, in dem sich die lebendige Ladung befunden hatte, war bei dem Aufprall zerstört worden. Der Pilot erhob sich mühsam aus seinem Sitz und schlurfte unter Schmerzen in den Rückraum. Unter seinen Schuhen knirschte ein Gemisch aus Sand und Glasscherben. Die Tür im hinteren Bereich des Helikopters stand offen. Besser gesagt, es war keine Tür mehr da. Nur eine große Öffnung. Draußen im Sand sah er Fußspuren, die vom Helikopter wegführten. Er griff nach einer Wasserflasche und trank. Er beschloss, die restlichen Wasserflaschen mitzunehmen. Er kletterte aus der Tür in den Wüstensand, um den Spuren zu folgen. Er fand die Tür des Helikopters. Darunter befanden sich die Überreste eines Tieres. Vermutlich war es eine Hyäne gewesen.
Die Sonne brannte heiß vom Himmel herunter, als dächte sie, in der Wüste sei es noch nicht trocken genug. Der Pilot dachte darüber nach, ob es in der Wüste überhaupt trocken genug sein kann. Wenn es nicht trocken wäre, wäre es schließlich keine Wüste. Die einzige Flüssigkeit in der Nähe waren die Wasserflaschen in der Hand und der Schweiß auf der Stirn des Piloten. Er hielt sich die verletzte Seite. Er kämpfte sich durch den weichen Sand, wie durch knöchelhohen Schnee. Schnee wäre ihm lieber gewesen. Bestimmt auch der Ladung, die er verfolgte. In der Ferne sah der Pilot die beiden Tiere als schwarze Punkte hinter einer hohen Düne verschwinden. Er setzte die Verfolgung fort. Mit jedem Schritt schien die Sonne heißer auf ihn herab zu brennen. Der Pilot leerte die zweite Wasserflasche. Der ursprüngliche Plan, mit der Flüssigkeit sparsam umzugehen, war früh gescheitert. Er sah zurück. Der Helikopter war nicht in Sichtweite. Er hatte schon einige Meter im Sand zurückgelegt. Er war bereits weiter gelaufen, als er gedacht hatte. Er beschloss, die Verfolgung fortzusetzen, in der Hoffnung, dass ihn die Tiere zu Wasser führten. Schließlich mussten auch Tiere trinken. Besonders Tiere, die diese Hitze nicht gewohnt waren. Die Schmerzen in der Seite wurden schlimmer. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde ihm ein Geier mit seinem Schnabel in die Rippen hacken. Der Pilot blickte in den Himmel, wo die Sonne brannte und kein Geier kreiste. Es war wohl kaum möglich, dass er den einzigen Geier der Wüste mit dem Helikopter erlegt hatte. Vermutlich warteten sie irgendwo im Schatten darauf, dass der Trottel, der hier alleine mitten durch die Wüste torkelt, zu schwach wird, um seinen Weg fortzusetzen. Ihr Wunsch würde bald in Erfüllung gehen, wenn er nicht Wasser fand. Er stolperte weiter. Eine Düne hinauf. Einige Minuten später sackte er auf dem Gipfel der Düne auf die Knie. Die Wüste erstreckte sich unendlich in alle Richtungen. Er sah die Pinguine, die sich aneinander kuschelten. Sie saßen im Sand vor einer Palme. Unter der Palme im Schatten befand sich ein See. Eine Oase. Rettung. Der Pilot mühte sich auf die Beine und fiel die Düne hinab. Wie ein Fass rollte er immer schneller und landete im kühlen Wasser. Er ignorierte die kuschelnden Pinguine und genoss die unerwartete Erfrischung.

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Der Boden fühlte sich ungewöhnlich an. Nicht glatt. Nicht kalt. Nicht feucht. Die Pinguine sahen sich ratlos an und frirpten. Sie fragten sich, was dieses komische gelbe Zeug ist, das überall herumlag. Sie fragten sich, ob das Eis unter dem gelben Zeug lag. Sie pickten etwas mit dem Schnabel in dem gelben Zeug herum. Sie fanden kein Eis. Die helle Scheibe am Himmel schien heller als zu Hause. Aber sie war vertraut. Die Pinguine schauten sich an und frirpten in Übereinstimmung. Sie watschelten los. Das Laufen fiel schwer auf dem unbekannten Untergrund. Einer der Pinguine lief voran. Der Kleinere hinterher, bemüht nicht den Anschluss zu verlieren, während er sich neugierig umsah. In seinem jungen Leben hatte er nicht viel gesehen. Eigentlich nur Eis, Wasser und das Innere eines flappenden Ungetüms, in dessen Bauch er sich bis vor Kurzem befunden hatte.
Der größere Pinguin blieb stehen und frirpte, um dem jüngeren Pinguin zu verstehen zu geben, dass er nicht so trödeln soll. Hinter dem ungewöhnlich verfärbten Eisberg vor ihnen würde sicher Wasser sein. Und Eis. Der junge Pinguin frirpte fröhlich und schloss zu dem großen Pinguin auf. In freudiger Erwartung hüpften sie nebeneinander den Berg hinauf. Auf Eis zu hüpfen war schon nicht einfach. Aber auf diesem gelben Zeug gestaltete sich jeder Hüpfer als zusätzlich mühsam. Erleichtert frirpten sie, als sie die Spitze des Berges erreicht hatten. Sie schauten was dahinter lag. Sie schauten sich an. Sie frirpten. Sie schauten noch einmal genau hin, was dahinter lag.
Hinter dem verfärbten Eisberg lag das Pinguinparadies. Wasser, so weit das Auge reichte. Eisberge. Eisschollen. Eisrutschen. Alles, was das Pinguinherz begehrt. Die Pinguine sprangen auf eine Eisscholle und blickten in die Ferne. Sie kuschelten sich aneinander während sie über das Wasser trieben.

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Die Hyäne lachte. Die Hyäne lachte gerne. Die Hyäne lachte gerne und oft. Viel mehr hatte sie auch nicht zu tun. Bis auf Lachen und Nahrung suchen, gab es in der Wüste nicht viele Beschäftigungen. Allerdings konnte die Nahrungssuche sich schon mal über den ganzen Tag erstrecken. Dann hatte die Hyäne nicht viel zu lachen. Dann stapfte sie den ganzen Tag durch die Wüste und ärgerte sich, dass sie keine Zeit zum Lachen und im Schatten liegen hatte. Der heutige Tag hatte aber Potenzial, lustig und sättigend zu werden. Sie lugte hinter einem Baum hervor und sah zwei komische Vögel durch den Sand stolpern. Solche Vögel hatte sie noch nie gesehen. Die Hyäne kannte nur Geier und die watschelten nicht ziellos durch die Wüste. Geier kreisten ziellos über der Wüste. Und sie ließen sich nicht von Hyänen fangen. Die Hyäne hatte das auf die harte Tour gelernt. Einen ganzen Tag lang hatte sie einen Geier verfolgt, der verletzt schien. Am Ende stellte sich heraus, dass der Geier nur mit der Hyäne gespielt hatte. An dem Tag hatte der Geier gelacht und die Hyäne war hungrig nach Hause gegangen. Einige Meter hinter den seltsamen Vögeln folgte ein zu groß geratener Primat, dem die Haare ausgefallen waren. Er torkelte ähnlich unbeholfen wie die seltsamen Vögel hinter diesen her. Die Hyäne lachte. Eine vielversprechendere Situation, um die Nahrungsbeschaffung schnell hinter sich zu bringen und den Rest des Tages mit Lachen verbringen zu können würde sich kaum finden. Die Hyäne folgte dem möglichen Mittagessen in sicherem Abstand. Sabbernd sah sie zu, wie der Primat sich eine Düne hochquälte. Die komischen Vögel hatten die Düne ebenfalls überquert. Es würde nicht mehr lange dauern, bis das Essen zubereitet war. Die Feuerkugel am Himmel leistete ihren Beitrag dazu, den Vorgang zu beschleunigen. Die Hyäne schlich die Düne hinauf. Dahinter würde sicher ein Festmahl auf sie warten. Die Hyäne sabberte in den Sand, bei dem Gedanken an all das leckere frische Fleisch. Sie erreichte den Gipfel der Düne. Auf der anderen Seite bot sich ein lustiges Bild. Die Hyäne lachte. Die Vögel standen aneinandergekuschelt im Sand und frirpten. Der Primat kniete daneben und schmierte sich den heißen Sand ins Gesicht. Der Hyäne war klar, dass sie nur warten musste, bis sich die Beute nicht mehr regte. Sie hatte Geduld. Die Hyäne sah sich um. Die andere Hyäne war nicht zu sehen. Heute musste sie sich also nicht mit ihr um die Nahrung streiten. Die Hyäne setzte sich hin und sabberte. Sie schaute zu, wie der Primat in den Sand fiel und reglos liegen blieb. Sie schaute zu wie die beiden Vögel ein letztes Mal leise frirpten. Dann fielen auch sie reglos in den Sand. Die Hyäne stand auf. Langsam stapfte sie die Düne hinab. Sie stand zwischen den reglosen Körpern. Die Sonne brannte heute besonders heiß. Die Hyäne lachte.

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3 Gedanken zu “„Mach was!“ – Mit einem Lieblingslied

  1. Das hier ist eine sehr ausdrucksstarke Passage: „Auf der anderen Seite bot sich ein lustiges Bild. Die Hyäne lachte. Die Vögel standen aneinandergekuschelt im Sand und frirpten. Der Primat kniete daneben und schmierte sich den heißen Sand ins Gesicht. Der Hyäne war klar, dass sie nur warten musste, bis sich die Beute nicht mehr regte. Sie hatte Geduld.“

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