Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Der Anfang

Letztes Mal habe ich an dieser Stelle die Sage um Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar abgeschlossen. Aber wie bereits angekündigt birgt jedes Ende auch einen Anfang. In diesem Fall sogar den Anfang der Geschichte, die ich seit Monaten fortführe, um euch dabei zu zeigen, wie wenig Ahnung ich tatsächlich von dem ganzen Quark, den ich hier treibe, habe.

Im Idealfall ist das mit dem Anfang bei mir so: Ich habe vorher ein Ende im Kopf und weiß dadurch relativ genau, welche Entwicklung die Figuren durchmachen müssen und was der beste Status Quo für den Beginn ist. Im Fall von Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar ist das Ende ja sogar schon geschrieben. Dadurch weiß ich ziemlich klar, wie die Figuren am Anfang ticken sollten.

Bei Hausmeistersohn Peter ist es ziemlich einfach. Für ihn wird die Geschichte ja eine mehr oder weniger gewöhnliche „über sich selbst hinauswachsen“ Geschichte werden. Das heißt, er muss am Anfang ein ziemlicher Lappen sein.

Peter schaute sich interessiert im Kerker um. Er war noch nie hier unten gewesen. Bisher hatte sein Vater es für keine gute Idee gehalten, ihn mit hier runter zu nehmen. Sein Vater hatte ihm versprochen, ihn mitzunehmen, sobald er nachts nicht mehr ins Bett machte. An seinem zwölften Geburtstag war es Peter endlich gelungen, diese Herausforderung zu meistern. Und jetzt stand er hier und schaute seinem Vater zu, wie er ein Gitter reparierte, das beim letzten Ausbruchversuch eines der Gefolterten und Gepeinigten Schaden genommen hatte. Natürlich nicht so viel Schaden, wie der Ausbrecher, dessen Kopf draußen vor der Burg auf einem Pfahl aufgespießt worden war. Peter ließ seinen Vater an dem Gitter rumschrauben und spielte mit einer der rostigen Ketten an der Wand. Viele Handgelenke hatten die Ketten schon wund gescheuert. Peter zog an der Kette. Sie saß fest an der Wand. Er legte die Schelle an sein Handgelenk. Er stellte sich vor, wie grausam es sein musste, hier unten in der Dunkelheit zwischen Ratten und anderen Gefangenen festzuhängen und zu wissen, dass man nie wieder das Tageslicht erblicken würde. Er beschloss, niemals in so eine Situation zu geraten. Er versuchte die Schelle von seinem Handgelenk zu lösen. Sie saß fest. Er zog fest daran. Die Ketten rasselten. Er zog erneut. Risse entstanden in der Wand. Die Kette löste sich und Peter fiel zu Boden. Die Schelle fiel von seinem Handgelenk. Ein Backstein fiel aus der Wand. Peter schob die Schelle in die Wand und den Backstein davor. Pfeifend schlenderte er zu Vater zurück.

Erinnert ihr euch noch an das Foreshadowing? Das hier ist so ein Moment, wo ich mir zumindest eine Notiz mache. Denn eventuell ergibt sich im Verlauf der Geschichte ja eine Situation, in der Peter in Gefangenschaft geraten könnte. Und vielleicht würde es ihm dann sogar helfen, dass er sich hier schon mit den Ketten und Handschellen befasst hat, um zu entkommen. Das müsste dann aber später ausgebaut werden, wenn es denn wirklich so kommen sollte.

„Leuchte mir mal“, sagte Vater und hielt Peter eine Fackel hin.
Peter ergriff die Fackel und spendete seinem Vater Licht, während der sich an dem Gitter zu schaffen macht. Als Hausmeister hatte er ständig mit Reperaturarbeiten zu tun. Neben dem König und der Königin war er der einzige, der zutritt zu allen Räumlichkeiten der Burg hatte. Egal ob die Schlafräume, der Kerker oder der Drachenzwinger, Vater hatte überall die Türen repariert und Fackeln ausgetauscht. Und er hatte es mit einem ständigen Lächeln auf dem Gesicht getan. Sicher, viele würden sagen, dass der Beruf des Hausmeisters nicht der Ehrenwerteste ist. Aber Vater sah das so: „Lieber eine Tätigkeit, bei der man auch mal in der Scheiße steht, als eine, bei der man sich vor Angst in die Hosen scheißt.“ Er hatte keine Lust, seinen Kopf auf dem Schlachtfeld zu verlieren, für eine Königsfamilie die nicht mal seinen Namen kannte.

So hat man auch schon mal einen Eindruck von Peters Vater, der zumindest am Anfang der Geschichte sicher nicht unwichtig sein wird. Jetzt muss Peter nur noch kurz beweisen, dass er ein absoluter Trottel ist.

„Fertig“, verkündete Vater und packte sein Werkzeug zusammen. Er stand auf und testete das neue Scharnier an der Gittertür ein letztes Mal. Zufrieden schaute er Peter an. „Frühstückspause?“ Peter lächelte. Vater ging voraus. Peter folgte ihm. Er schlug das Gitter zu, das laut schallernd ins Schloss fiel. Und anschließend zu Boden. Und die restlichen Gitter der Zelle mit sich riss. Und die Mauern, die es umgaben. Vater schaute sich die Zerstörung an. „Ich schätze, das Frühstück verschieben wir“, sagte er und packte sein Werkzeug aus.

Da das jetzt schon recht lang war, teilen wir den Anfang besser in zwei Teile auf. Beim nächsten Mal zeige ich euch dann, wie ich einen Antagonisten einführe.

Wie beginnt ihr eure Geschichten? Habt ihr euch schon mal für einen Job in einem Kerker beworben? Und mit wie vielen Hausmeistern seit ihr eigentlich befreundet?

Advertisements

Laber mich voll, ich mag das.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s