Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Eigene Kreaturen

Wie angekündigt geht es diese Woche um ein wirklich spaßiges Thema. Das Kreieren von eigenen Wesen. Ich finde ja, dass Zwerge, Orks, Vampire und Zombies ziemlich ausgelutscht sind. Das heißt natürlich nicht, dass man sie nicht nutzen kann, wenn es angebracht ist. Aber es schadet absolut nicht, wenn man auch mal was Frisches in den Mix schmeißt. Denn Konfuzius sagt: „Die Mischung machts.“ Und er muss es wissen, schließlich herrscht in so einem konfusen Verstand jede Menge Verwirrung und Abwechslung.

Wir erinnern uns, wie Lord Edgar beim letzten Mal seine Armee von Schlangofanten unter der Führung von Krump losschickte, um das Schloss des Königs abzufackeln. Über die Schlangofanten haben wir also schon ein bisschen was erfahren und das soll uns erstmal reichen. Auf ihrem Weg zum Schloss treffen sie allerdings auf eine andere Rasse, die ihnen nicht friedlich gesinnt ist.

Im Wald der toten Bäume, der so hieß, weil die Bäume und Pflanzen hier wirklich mal etwas Wasser vertragen konnten, herrschte stets eine bedrückende Atmosphäre. Selbst Krump entging diese Atmosphäre nicht, dabei hatte er als Schlangofant absolut nichts für Atmosphäre übrig. Langsam marschierte die Schlangofantenarmee zwischen den abgestorbenen Bäumen und Sträuchern mit dürren Ästen hindurch. Krump hob eines seiner langen Ohren. Ein Knurren hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Er hob eine Hand. Die Armee stoppte ihren Marsch.

Im Unterholz lauert also eine Bedrohung. Und hier kommt der schwierige Teil. Wenn man eine Kreatur, ein Wesen, eine Gestalt, oder Ähnliches einführt, dann muss man sich bei der Beschreibung etwas anstrengen, um das Bild im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Jeder hat ein Bild von einem Zombie oder einem Drachen im Kopf. Aber wenn ich von einem gestreiften Krallenwusel spreche, passiert da erstmal nicht viel. Also muss ich dieses Wesen möglichst ausführlich, aber eben auch möglichst aufregend, beschreiben, um ein Bild zu zeichnen, ohne dabei Langeweile aufkommen zu lassen und mich in Details zu verlieren. Und ich will ehrlich sein: Diese Aufgabe fällt mir nicht sonderlich leicht. Aber Übung macht bekanntlich den Meister, also starten wir mal einen Versuch.

Zwei gelbe Punkte erschienen in der Dunkelheit zwischen den toten Bäumen. Die Punkte wurden größer und näherten sich langsam der Armee. Krump zog sein Schwert, das so viele scharfe Kanten und spitze Ecken hatte, dass er sich selbst jedes Mal verletze, wenn er es in die Hand nahm. Dafür bot es sich hervorragend an, um Gegner auszuweiden. Das Augenpaar verließ die Dunkelheit und ein gestreifter Krallenwusel erschien vor der Armee. Der Armee entwich ein erleichtertes Seufzen. Der gestreifte Krallenwusel reihte ihnen gerade bis zu den Knöcheln. Sein schwarz weiß gestreiftes Fell sah so kuschelig aus, dass man direkt versucht war, es als Kopfkissen zu benutzen. An seinen kleinen Pfoten zeigten sich winzige Krallen, die kaum dafür ausreichten, die Haut anzukratzen. Es legte die spitzen Ohren in den Nacken und fauchte. Das Fauchen wirkte nicht gerade angsteinflößend. Einer der Schlangofanten ging auf den gestreiften Krallenwusel zu. Der zeigte seine kleinen spitzen Zähne. Der Schlangofant hob den gestreiften Krallenwusel auf und wog ihn in seinen Armen. Er streichelte ihm über sein kuscheliges Fell. Die anderen Schlangofanten schauten zu und lachten. Dann baute der gestreifte Krallenwusel schlagartig seine Muskeln auf, wuchs zur doppelten Größe heran und biss dem Schlangofanten den Kopf ab. Das Lachen erlosch und weitere gelbe Punkte erschienen in der Dunkelheit.

Man sieht also, der erste Eindruck muss nicht immer der richtige sein. Aber der Eindruck, der beim Leser entstehen soll, muss ausführlich genug sein, um bei ihm ein Bild entstehen zu lassen. Ich denke, das ist mir hier wenigstens so einigermaßen gelungen. Man könnte sicher noch etwas mehr ins Detail gehen, aber ich mag es einfach nicht, wenn die Beschreibungen zu ausschweifend werden, wie ich ja auch schon mal erwähnt habe. Deshalb versuche ich mich immer auf das Wichtigste zu beschränken.

Beim nächsten Mal schauen wir uns dann mal an, wie eine kleine Schlacht in einem dunklen Wald zwischen zwei Phantasiewesen so aussehen könnte.

Wie beschreibt ihr selbst erfundene Kreaturen? Wann wart ihr eigentlich zuletzt alleine in einem dunklen Wald? Und mutiert eure Hauskatze auch manchmal einfach so zum ausgewachsenen Puma?

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Ein Gedanke zu “Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Eigene Kreaturen

Laber mich voll, ich mag das.

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