Autorenbiografie oder Die pure Verzweiflung, die entsteht, wenn man sich selbst beschreiben muss

Neulich war es mal wieder Sonntag. Das kommt ja öfters mal vor. So alle sieben Tage. Und Sonntag ist ja oft so ein Tag, an dem man nicht so richtig in die Gänge kommt. Ich werde nie verstehen, wie sich Leute an so einem Tag aufraffen können, um schon morgens in die Kirche zu tapern. Andererseits kann ich das zu keinem Zeitpunkt an keinem Tag verstehen. Jedenfalls war es Sonntag und ich war recht bocklos, an einer Geschichte zu feilen. Da ich aber nicht ganz untätig sein wollte, nahm ich mir vor, mal etwas an meiner Autorenbiografie herumzukritzeln, da diese ja einen nicht unerheblichen Bestandteil des Daseins eines (selbsternannten) Schriftstellers darstellt. Und meine Herren, war diese Entscheidung ein Fehler.

Statt mich in Ruhe hinzusetzen und ein bisschen darüber nachzudenken, wie ich besagte Autorenbiografie schreiben soll, artete dieses Unterfangen schnell in pure Verzweiflung aus. Was schreibt man überhaupt in eine Autorenbio? Wie schreibt man überhaupt eine Autorenbio? Ist eine Autorenbio biologisch abbaubar? Alles brennende Fragen, die mich davon abhielten, auch nur ein Stück voran zu kommen. Und aus dieser Verzweiflung entstand dann die Idee zu diesem Blogpost, in dem ich Schritt für Schritt zeige, wie ich dieses schier aussichtslose Vornehmen in die Tat umgesetzt habe. (Spoiler: Gar nicht, ich mache das jetzt, während ich diesen Beitrag schreibe und hoffe, dass dabei irgendwas brauchbares entsteht)

Der erste wichtige Punkt ist offensichtlich, aus der dritten Person zu schreiben. Also statt immer nur „ich, ich, ich“ zu schreiben, schreibt man besser immer „er, er, er“. Und dieses „er, er, er“ beginnt am besten mit dem eigenen Namen:

Marcel Michaelsen

Das war einfach. Geht ja doch ganz gut voran. Aber wie jetzt weiter? Beschreibt man, was man tut?

Marcel Michaelsen schreibt Bücher.

Etwas nahe liegend, würde ich sagen. Der gängige Ansatz ist scheinbar, mit dem Geburtsort und -datum zu beginnen und dann dran hängen, wo es einen hin verschlagen hat. Nun, da es mich nie irgendwohin verschlägt, kann man das vielleicht so einbauen:

Marcel Michaelsen wurde 1983 in Menden geboren und hat sein ganzes Leben im Sauerland verbracht. Die Landesgrenzen überquert er selten.

Hm, kann man so machen, denke ich. Alternativ kann man auch erzählen, seit wann man schreibt. Seit man acht Jahre alt war, oder so. Das finde ich persönlich aber ziemlich langweilig und absolut uninteressant. Was kann man mit acht Jahren schon tolles schreiben?
Jetzt wird es schwierig. Interessanterweise scheint es so zu sein, dass den meisten Autoren Selbstbeweihräucherung nicht liegt. Das ist natürlich auch gut so, denn man will ja nicht wie ein arroganter Sack rüberkommen, der sich selbst für unfassbar geil hält. Ansonsten könnte man an dieser Stelle jetzt mit seinen Erfolgen prahlen. Gut, ich habe ohnehin keine Erfolge aufzuweisen, also muss ich mir etwas anderes überlegen. Was wohl ebenfalls gängige Praxis ist, sind ein paar Zeilen über Hobbys oder Erlebnisse. Mal schauen:

Marcel Michaelsen wurde 1983 in Menden geboren und hat sein ganzes Leben im Sauerland verbracht. Die Landesgrenzen überquert er selten. Er guckt gerne Filme..

Ganz ehrlich, irgendwie bringt mich das alles nicht weiter. Also werden jetzt erstmal ein paar Autorenbios gecheckt … Erfolge … hab ich nicht. Bisherige Veröffentlichungen … hab ich nicht. Familie … hab ich nicht. Schulsiche Laufbahn und Abschlüsse … hab ich nicht. Okay, ich habe also nichts. Außer meinem Namen, meiner Geburt und meine Filme. Daraus lässt sich nicht wirklich was machen, fürchte ich. Zumindest nicht, ohne ein bisschen kreativ zu werden. Und das bin ich ja immer gerne. Wenn ich eben über nichts aus der Realität berichten kann, muss es eben etwas Fiktionales sein.

Marcel Michaelsen wurde 1983 in Menden geboren und hat sein ganzes Leben im Sauerland verbracht. Die Landesgrenzen überquert er in der Realität nur selten. Stattdessen hält er sich häufig in erfundenen Welten auf. Einen Großteil seiner Zeit verbringt er damit, die Bewohner dieser fiktiven Welten mit scheinbar ausweglosen Situationen zu plagen und ihnen das Leben zur Hölle zu machen.

So kommen wir der Sache doch schon etwas näher, denke ich. Aber ein bisschen mehr sollte es schon sein. Vielleicht doch nochmal die Filme einbauen? Aber wie? Einfach nur „Er mag Filme“ hinrotzen bringt es ja nicht. Aber vielleicht kann man das zusätzlich hinzufügen, zu den fiktiven Welten.

Marcel Michaelsen wurde 1983 in Menden geboren und hat sein ganzes Leben im Sauerland verbracht. Die Landesgrenzen überquert er in der Realität nur selten. Stattdessen hält er sich häufig in erfundenen Welten auf. Einen Großteil seiner Zeit verbringt er damit, die Bewohner dieser fiktiven Welten mit scheinbar ausweglosen Situationen zu plagen und ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Neben Büchern zieht er seine Inspiration auch aus Filmen, von denen er eine recht beachtliche Sammlung im Regal stehen hat.

Das klingt gar nicht so verkehrt. Jetzt vielleicht noch etwas, dass nicht in der Fiktion stattfindet. Wenn ich nicht schreibe, verdödel ich meine Zeit meist im Internet. Das kann man ja auch mal erwähnen.

Marcel Michaelsen wurde 1983 in Menden geboren und hat sein ganzes Leben im Sauerland verbracht. Die Landesgrenzen überquert er in der Realität nur selten. Stattdessen hält er sich häufig in erfundenen Welten auf. Einen Großteil seiner Zeit verbringt er damit, die Bewohner dieser fiktiven Welten mit scheinbar ausweglosen Situationen zu plagen und ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Neben Büchern zieht er seine Inspiration auch aus Filmen, von denen er eine recht beachtliche Sammlung im Regal stehen hat. Wenn er sich nicht in fiktiven Welten aufhält, findet man ihn vermutlich beim Prokrastinieren im Internet.

Ich denke, das lasse ich mal so stehen. So kann man auch direkt den Blog und die eigenen sozialen Medien darunter verlinken. Vermutlich sollte das alles überarbeitet werden, sobald ich ein paar Sachen veröffentlicht habe. Und dann kann man vermutlich auch noch über eine zusätzliche längere Bio nachdenken. Aber dafür gibt die Karriere bisher noch nichts her.

Was haltet ihr von der Bio? Wie sehen eure Bios aus? Was steht drin? Und habt ihr auch so zu kämpfen, wenn ihr über euch selbst schreiben müsst?

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20 Gedanken zu “Autorenbiografie oder Die pure Verzweiflung, die entsteht, wenn man sich selbst beschreiben muss

  1. Sehr unterhaltsam dein kleiner sonntäglicher kampf^^
    Aber ich kenne das auch sehr gut… Habe mal an einem unbedeutenden Schreibwettbewerb teilgenommen und meine Kurzgeschichte wurde in das wsl vollkommen unbeachtete E-book gepackt… dafür verlangte man auch eine Autoren-Bio… Es war schrecklich. Ich konnte mich auch einfach nivcht dazu überreden, in der dritten Person zu schreiben, es ist einfach viel zu unrealistisch, dass sich jemand mit meinem unvorhandenen Autorenwerdegang auseinander seten und einen Artikel schreiben würde xD
    Doch ich wette, mit dieser Bio stehen dir nun bald alle Türen offen 😉
    Ganz liebe Grüße ins wunderschöne Sauerland!!!

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    1. Ja, ich denke, es wird einfacher, wenn man dann auch Veröffentlichungen vorzuweisen hat. Als Anfänger hat man da einfach nichts zu erzählen. Aber präsentieren muss man sich ja eben trotzdem. Ist alles nicht so einfach.

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      1. Das ist natürlich das erklärte Ziel. Wenn ich nicht immer wiedermit kleinen „Rückschlägen“ zu kämpfen hätte, wäre ich mittlerweile auch schon mit meinen Geschichten auf dem Markt und hätte mehr zu erzählen.

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      2. Rückschläge machen stärker 😉
        Es gibt ja Berge von Zeitungen und Zeitschriften, wo man versuchen kann, seine Sachen unterzubringen. Kleinvieh macht auch Mist 😉

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      3. Ja, wobei ich bisher die Erfahrung gemacht habe, dass mein Schreibstil da nicht so recht anzukommen scheint. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich es nicht weiter versuche. Die werden meine unfassbare Genialität … nein, meinen absoluten Irrsinn schon noch zu schätzen lernen.

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      4. Schade, dass es die Zeitschrift „It’s a Hoax“ nicht mehr gibt. Da wärst du bestimmt Stammschreibner geworden 😉
        Ich mag deine Art aber das ist natürlich meine Meinung und ich habe keine Zeitung (mehr).
        Ich drück dir die Daumen. Denk dran, gut Ding will Weile haben.

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      5. Was war denn „It’s A Hoax“? Habe ich noch nie von gehört.

        Ach, letztlich denke ich mir immer, wenn ich etwas schreibe, das mir gefällt, wird es zumindest auch ein paar anderen gefallen. Da mein Ziel auch nicht unbedingt ist, der Millionenbestsellerautor zu werden, ist das schon okay. Wenn ein guter Nebenverdienst dabei rumkäme oder im besten Fall ich alleine davon leben könnte, würde das völlig reichen. ich bin da recht bescheiden. Und Erfolg liegt ja auch immer im Sinne des Betrachters.

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      6. Deine Einstellung ist doch schon mal sehr gut. Da dürfte es irgendwann bestimmt passen.

        Its a Hoax war eine Satire – Zeitschrift aus einem Kleinverlag. Gab es Ende der 90er bis in die 2000er hinein.

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  2. „Prokrastinieren im Internet“ ist zugegebenermaßen auch mein größtes Hobby. Dabei bin ich übrigens auf diesen Beitrag gestoßen. 😉
    Und auch ich lebe immer noch in der gleichen Provinz (wenn auch nicht im gleichen Ort) wie schon fast immer.

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  3. Hallo Marcel Michaelsen,

    Ich habe Tränen gelacht beim lesen dieser sehr definierten Autobiografie!
    Ehrlich und absolut charismatisch. Bitte mehr davon!
    Ich selber bekam diese Aufgabe vor einer Weile zugeteilt. Leider ließ derjenige sich nicht mit einer so prachtvollen Version abspeisen.
    Ich empfand es als wahre Hölle!
    Nochmal Dankeschön für die Glücksgefühle und viel Erfolg.
    Liebe Grüße Miss Somebody

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    1. Freut mich, dass ich dir den Tag etwas erheitern konnte.

      Die Sache ist natürlich, dass die Biografie auch ein bisschen zu einem selbst passen muss. Würde ich überwiegend düstere Thriller schreiben, wäre das Ergebnis hier natürlich nicht so passend. Aber da ich ohnehin eher den lockeren Ton beim Schreiben wähle, bin ich mit dem Ergebnis vorerst recht zufrieden. Auch wenn ich sicher noch sehr oft und viel daran herumwerkeln werde.

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Laber mich voll, ich mag das.

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