Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Einführung von Nebencharakteren -Teil 1

Die Schlangofantenarmee ist auf dem Weg nach Burg Lebingen. Dort leben natürlich einige Menschen, die nicht die Hauptrolle in der Geschichte spielen. Und auch auf dem Weg dahin liegt ein Dorf, das von den Schlangofanten überfallen werden könnte. Also eine große Auswahl an Nebencharakteren. Nebencharaktere sind mindestens genau so wichtig wie die Hauptcharaktere. Nicht nur, weil sie die Welt lebendiger machen, sondern auch, weil sie Vielfalt in die eigentliche Geschichte bringen. Jetzt muss man dazu sagen, dass ich vorzugsweise aus der auktorialen Perspektive schreibe. Das heißt, dass der Erzähler alles weiß und eben die Geschichte aus seiner eigenen Sicht erzählt. Das bietet den Vorteil, dass man eben nicht an einen Charakter und deren Aufenthaltsort gebunden ist, sondern mehr oder weniger wild durch die Gegend springen kann. Wenn man aus der Ich-Perspektive oder der personalen Perspektive schreibt, gestaltet sich das Einführen von Nebencharakteren schwieriger, da man eben immer an eine Person gebunden ist. Das macht natürlich dann Sinn, wenn man zum Beispiel in einem Krimi ohnehin nur dem Protagonisten folgt und die Nebencharaktere nur mit diesem agieren. Aber wenn man eben lieber mit vielen Charakteren jongliert, dann ist die auktoriale Perspektive meiner Meinung nach ein guter Weg. Soviel also dazu. Jetzt sind wir also wieder ganz woanders und gucken mal, was bei einem der Nebencharaktere passiert, den wir damit auch direkt in die Geschichte einführen.

Wachmann Thorben stand auf dem hohen Wachturm am Rand des Dorfes und schielte auf das Naseneisen an seinem Helm. Das Naseneisen zog immer wieder seine Aufmerksamkeit auf sich und lenkte davon ab, den Wald zu beobachten. Er nahm den Helm ab und schüttelte seine Pupillen wieder in die richtige Position. Er hatte nie verstanden, warum ein Helm ein Naseneisen brauchte, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass einem beim Kampf ausgerechnet die Nase abgeschnitten wurde, doch sehr gering war. Er hatte noch nie gehört, dass ein Naseneisen einem Mann mal davor bewahrt hatte, seine Nase zu verlieren. Andere Körperteile schienen viel größeren Schutz zu benötigen. Nach einer Schlacht gab es immer unzählige Männer, die auf dem Schlachtfeld ihre Arme oder Beine oder Eingeweide suchten. Aber seine Aufgabe war nicht, die Weiterentwicklung von militärischer Schutzkleidung voranzutreiben. Seine Aufgabe war es, den ganzen Tag auf den Wald zu starren, aus dem nie etwas auftauchte, dass für das Dorf eine Bedrohung darstellte. Hin und wieder zeigte sich mal ein Reh oder ein Hase hoppelte aus einem Gebüsch. Aber zu keinem Zeitpunkt war jemals eine Bedrohung aus dem Wald gekommen. Ja, im hinteren Teil des Waldes, wo die Bäume tot waren und das Leben sich lange aus allen Pflanzen verzogen hatte, trieben bedrohliche Geschöpfe ihr Unwesen. Aber nahe des Dorfes, wo der Wald lebte und gedieh war das Gefährlichste, was man erblicken konnte, ein Fuchs, der die Gänse der Bauern stehlen wollte.

Es soll ja Autoren geben, die ihre Nebencharaktere eher stiefmütterlich behandeln im Vergleich zu den Hauptcharakteren. Ich mache das nicht. Für mich ist jeder Charakter gleich wichtig. Mal abgesehen von Ausnahmen natürlich wie dem üblichen Kanonenfutter, das ohnehin nach drei Sätzen stirbt, oder Leuten, die nur einen ganz kurzen Auftritt in der Geschichte haben. Aber auch da mache ich mir beim Schreiben zumindest ein paar Gedanken, was diese Personen darstellen und wie sie ticken. So hat der Leser – und vor allem auch ich selbst – zumindest direkt ein minimales Bild im Kopf. Nebenbei passiert das bei mir nicht vorausplanend. Ich entwickle das Meiste direkt während dem Schreibprozess.

Jetzt haben wir also gesehen, wie Wachmann Thorben die Welt um sich herum betrachtet. Jetzt schauen wir mal, was sonst noch so in seinem Kopf vorgeht.

Thorben gähnte und stützte sich mit verschränkten Armen auf sein Schwert. Er überlegte, ob er ein kleines Nickerchen machen sollte. Es kam ohnehin nie jemand kontrollieren, ob er seinen Job mit der nötigen Aufmerksamkeit ausübte. Er schaute sich die lange Narbe an, die sich quer über seinen Unterarm erstreckte. Eine alte Kriegsverletzung. Einer der vielen Gründe, warum er sich von der Armee losgesagt und in das kleine Dorf zurückgezogen hatte. Er hatte so einige Schlachten geschlagen und Verletzungen gehörten dazu, wenn man mit seinem Schwert inmitten von gegnerischen Horden stand und überall scharfe Klingen und spitze Pfeile durch die Gegend flogen. Nach der letzten Schlacht hatte Thorben entschieden, dass er genug gekämpft hatte und die grausamen Anblicke und Schreie auf den Schlachtfeldern reichten, um ihn für den Rest seines Lebens mit Albträumen zu versorgen. Ein Nickerchen war vielleicht doch keine so gute Idee.

Wir haben also ein bisschen was über die Weltsicht, das Aussehen und die Vergangenheit des Charakters erfahren. Das reicht dann auch vorerst. Und weil doof rumstehen und in die Gegend starren nicht das Spannendste ist, bauen wir noch schnell eine kleine Handlung ein, um die Szene zu beenden.

Thorben schaute auf. Etwas bewegte sich zwischen den Büschen am Waldesrand. Das Etwas trat aus dem Wald. Thorben schaute genauer hin. Das Schwert fiel um, als er die Arme über dem Kopf zusammenschlug. Eine Armee von Schlangofanten näherte sich dem Dorf. Thorben hob sein Schwert auf und kletterte so schnell es ging die Leiter am Wachturm herunter. Er lief los und übersah einen Stein am Boden. Er stolperte und fiel. Sein Helm kullerte über den Boden. Er stand auf und ließ den Helm liegen. „Die Schlangofanten kommen!“, rief er und lief zu seinem Pferd. „Rette sich wer kann!“ Er stieg auf das Pferd und ritt davon. Aus der Ferne hörte er die Schreie der Dorfbewohner, als die Schlangofanten in das Dorf einfielen. Er schaute sich nicht um.

Thorben hat also Angst vor Schlangofanten. Das kann man später wieder aufgreifen und ermöglicht zudem einen kompletten Nebenhandlungsstrang, bei dem Thorben sich am Ende seiner Angst stellen muss, wenn er zum Beispiel gegen Krump kämpft, oder in eine Schlacht gegen die Schlangofanten zieht. Ich halte mir da gerne ein paar Möglichkeiten offen.

Thorben reitet jetzt Richtung Burg und wer da so wohnt gucken wir uns beim nächsten Mal an.

Wie behandelt ihr eure Nebencharaktere? Stellt ihr die auch gerne gelangweilt auf Wachtürme? Und wie schnell könnt ihr aus einem Dorf flüchten, wenn eine Bedrohung naht?

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Under Construction – Juni 2018

Als selbsternannter Schriftsteller hat man ständig auf mehreren Baustellen gleichzeitig zu arbeiten. Einen monatlichen Überblick über die Dinge, an denen ich gerade arbeite, gibt es ab jetzt hier im Blog.

BLOG

In letzter Zeit habe ich es tatsächlich ganz gut geschafft, regelmäßig ungefähr alle 2 Wochen einen neuen Blogpost zu veröffentlichen. Mal schauen, ob ich das beibehalten kann. Ein paar Posts habe ich schon vorbereitet, aber mir fehlen immer noch etwas die zündenden Ideen hier, um noch mehr rauszuhauen. Eigentlich würde ich gerne wöchentlich einen Post veröffentlichen. Aber mal schauen, wann mir da die große Erleuchtung kommt, mit der ich das dann bewerkstelligt kriege. Für Vorschläge bin ich natürlich immer offen.

INSPIRATION

Die Fußball WM ist im vollen Gange. Und mir ist es relativ egal. Die Zeiten, in denen ich mich mit diesem Sport eingehender beschäftigt habe, sind vorbei. Mittlerweile ist mir das zu viel Geldhinundhergeschiebe. Und Deutschland ist ja ohnehin sang- und klanglos ausgeschieden. Immerhin habe ich das eine Spiel gesehen, das sie gewonnen haben. War mir aber genau so egal wie der Rest. Das hat mich auf die Idee gebracht, über den Sport vielleicht eine Geschichte zu schreiben, in der es um Korruption, Spielmanipulation, abgehobene Sportstars und Millionen geht. Und natürlich um besoffene Sportfans, die sich gegenseitig in die Fresse hauen. Vermutlich siedele ich das Ganze in einem Science-Fiction-Setting an. Geplante Veröffentlichung: Zur WM 2022 in Katar, die sowas von gekauft ist, dass sich nicht mal ein korrupter Verschleierungsmeister wie die FIFA rausreden kann.

Nebenbei habe ich nach einem kurzen Gespräch mit der lieben Ally J. Stone auf Twitter spontan das persönliche Projekt #8bis2020 ins Leben gerufen. Das besagt nichts anderes, als dass ich bis einschließlich 2020 8 Bücher veröffentlichen will. Dabei gelten natürlich keine Kurzgeschichten, denn das wäre dann doch zu einfach. Also ich sage mal, mindestens 100 Seiten sollten es jeweils schon sein. Nummer 1 ist raus. Noch 7 zu erledigen.

WORK IN PROGRESS

Nach der Veröffentlichung ist vor der Veröffentlichung, sagte mal ein Mann der schlauer war als ich. Ich weiß nicht, wer es war, aber unter diesem Aspekt kommen da viele in Frage. Nachdem ich also meine erste Kurzgeschichtensammlung rausgeballert habe, die ihr HIER FÜR KINDLE kaufen könnt, arbeite ich natürlich an der Fortführung. Teil 2 und 3 befinden sich in der Überarbeitung. 4 ist in Arbeit. Der abschließende fünfte Teil ist mehr oder weniger durchgeplant.

Nebenbei stand noch die Überarbeitung einer Fantasy-Kurzgeschichte an, die dann irgendwann in einer Verlags-Antholgie erscheinen wird.

Bevor es mit der Arbeit an der Dewon Harper Reihe weitergeht, schreibe ich aber momentan erst mal den ersten Entwurf zu einem Roman, der sich im Urban-Fantasy-Genre bewegt. Eventuell mit einem kleinen Horroreinschlag, was mir aber vermutlich nicht so recht liegt. Aber mal schauen, wie es sich entwickelt. Bisher habe ich zumindest schon mal 2 Kapitel geschrieben und es entwickelt sich ganz gut. Schwierig wird sowieso wie immer der Mittelteil, aber da mache ich mir Gedanken drum, wenn ich dort ankomme.

Was passiert gerade spannendes auf euren Blogs? Wovon lasst ihr euch zur Zeit inspirieren? Und woran schreibt (und verzweifelt) ihr momentan?

Technisches Genie – Problem gelöst

Der kurze Hinweis, dass ich das Problem mit dem, bei Amazon veröffentlichten, Ebook gelöst habe. Wie das so ist, wenn man Sonntagnachmittags einfach nur herumhängt, kam mir der Geistesblitz und ich habe das automatisch generierte Inhaltsverzeichnis rausgeschmissen und durch ein selbst erstelltes ersetzt. Und siehe da, jetzt scheint sich das Buch auch auf der ersten Seite zu öffnen, wie es sein sollte.

Dewon Harpers Kriminalakten ist also jetzt noch besser. Wer es noch nicht gekauft hat, kann sich das Teil jetzt völlig beruhigt und mit einem Fehler weniger HIER herunterladen.

Dewon Harper ist da!

Nachdem ich es ja schon im letzten Blogpost angedeutet hatte, ist es jetzt soweit:

DEWON HARPERS KRIMINALAKTEN ist jetzt auf Amazon für Kindle erhältlich. Und zwar HIER.

Und das Beste ist: Der Spaß kostet nur 99 Cent.

 

Was macht ein Mann, der seine eigene Geschichte nicht kennt? Er erzählt erst mal alle anderen.

Dewon Harper wird gesucht. Er weiß nicht von wem. Er weiß nicht warum. Die Erinnerung an seine Vergangenheit ist aus seinem Gehirn gelöscht. Als Einwohner einer Stadt wie Lebingen, gibt es sicher schlimmeres, als sein Gedächtnis an die Verbrecher, Volltrottel und den Irrsinn zu verlieren, die diese Stadt regelmäßig heimsuchen. Allerdings tummeln sich in Dewon Harpers Kopf unzählige Geschichten, die sich um diese Stadt und ihre Bewohner drehen:

Müllwagenfahrer und Hippies werden zu Mordermittlern, eine Hitzewelle brütet über der Stadt, ein Künstler verzweifelt auf dem Weg zum Ruhm und ein Leichenbestatter kommt einem Geheimnis auf die Spur.

Während er sich in einem heruntergekommenen Motelzimmer versteckt hält, erzählt Dewon Harper diese Geschichten und mehr über die Stadt Lebingen, in der scheinbar alles möglich ist.

 

Es handelt sich also im engeren Sinne um Krimis mit einer sehr simplen Rahmenhandlung (die aber im weiteren Verlauf der Teile noch ausgebaut werden wird).  Der erste Teil dient erst mal dazu, die Leser an meinen Irrsinn heranzuführen und bietet einen lockeren Einstieg. Hoffe ich. Ganz zufrieden bin ich sowieso nie, aber das ist wohl das normale Problem des Künstlers.

Leider habe ich das Lesestartproblem nicht in den Griff gekriegt und das Buch öffnet sich mittendrin. Da der Amazon Kundendienst absolut nicht hilfreich war und ich selbst einfach zu doof bin, den Fehler zu finden, muss ich wohl damit leben. Aber wäre ja auch eigenartig gewesen, wenn bei mir mal was ohne Komplikationen verläuft.

Wenn ihr den selbsternannten Schriftsteller unterstützen wollt, könnt ihr das Buch HIER kaufen. Viel Spaß beim Lesen.

Technisches Desaster – Ein Ebook bei Amazon hochladen

Wie ja mittlerweile bekannt ist, bin ich neben meiner Tätigkeit als selbsternannter Schriftsteller auch als technisches Desaster unterwegs und prinzipiell mit einfach allem im ersten Moment komplett überfordert. Das ist natürlich nicht die beste Voraussetzung, um online ein Ebook zu veröffentlichen. Aber gut, da muss ich nun mal durch.

Die ersten Dinge sind selbsterklärend. Titel, Autorenname, ach, guck mal, man kann sogar angeben, ob es sich um den Teil einer Serie beziehungsweise Reihe handelt. Wird zwar nicht immer der Fall sein, aber hier schon. Die Beschreibung, auch Klappentext genannt, habe ich zum Glück schon vorgeschrieben. Und stelle fest, dass die kacke ist. Okay, da muss ich noch mal ran. Umschreib … umschreib … umschreib … ja, das ist besser. Schnell reinkopieren. In 2 Minuten werde ich es wieder kacke finden.

Puh, Stichwörter. Was zum Geier soll ich da bitte eingeben. Ich bin ehrlich: Dieser ganze Kram wie SEO beim Bloggen übersteigt meinen Horizont. Ich kritzel da einfach immer irgendwas rein, das in meinen Augen passt. Oder vergesse es einfach mal komplett. Hier stehe ich vor dem gleichen Problem. Na gut, kritzel ich eben irgendwas rein, wonach sowieso kein Mensch suchen wird. Aber mir fällt bei sowas einfach absolut nichts ein.

Also zu den Kategorien. Nun ist ja das Problem, dass ich mich bei den Kurzgeschichten ein bisschen austobe und die nicht so recht klassifizierbar sind. Aber im engeren Sinne sind es wohl Krimigeschichten. Zumindest größtenteils. Also nehmen wir erst mal das. Leider gibt es doch sehr wenige Unterkategorien. Warum kann ich beispielsweise bei der Überkategorie „Fantasy“ dann auch „Humor“ wählen, bei „Krimi“ aber nicht? Die Auswahl ist da doch recht komisch eingegrenzt. Aber gut, mache ich eben „Krimi“ und dann „Sammlungen“, das passt dann schon. Und weil ich die zweite Kategorie nicht außen vor lassen will, nehme ich zusätzlich noch „Action & Abenteuer“. Das passt so einigermaßen. Das könnte man seitens Amazon aber wirklich mal besser regeln. Gebt mir die unterschiedlichen Überkategorien wie „Fantasy“, „Krimi“, „Liebesroman“ usw. und dann lasst mich komplett frei die Unterkategorien wie „Humor“, „Afroamerikanisch“, „Urban“ usw. selber wählen. Das wird mich in Zukunft immer wieder vor Probleme stellen. Das steht mal fest. Okay, „Afroamerikanisch“ brauche ich vermutlich eher selten, aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

Alterseinstufung brauche ich nicht. Wobei ich mich ja ernsthaft immer mal wieder frage, warum es eigentlich für Bücher keine Selbstkontrolle gibt, wie für Filme oder Videospiele. Nicht, dass ich das fordere, aber selbst der brutalste Roman kann ja wirklich von jedem gekauft werden und ob das dann immer so gut ist, weiß ich auch nicht so genau.

Egal. Fertig mit Stufe 1.

Ach nee, das Thema DRM. Ähm, ja … nein … vielleicht. Okay, da muss ich mich erst nochmal reinlesen. Überspringe ich vorerst.

Datei hochladen … warten … warten … warten … 135 Rechtschreibfehler gefunden … WAS!?! Okay, das muss ich mir mal genauer angucken. Ähm, das ist ein Name. Ignorieren. Das ist ein englisches Wort. Ignorieren. Das ist auch ein Name, wie kann das Programm den nicht kennen? Ignorieren. Das Wort habe ich erfunden. Ignorieren. Okay, ich gebe zu, das Wort „Horsd’oeuvre“ hätte ich wirklich nicht benutzen sollen. Die Schreibweise macht mich aus Prinzip kirre. Aber ignorieren. Das Wort wird sicher so geschrieben. Ignorieren. Oh, da habe ich zwei Buchstaben verdreht. Also noch mal zurück in die Datei und korrigieren. Wenn ich schon dabei bin, kann ich auch gleich die Rechtschreibung des anderen Wortes überprüfen, aber ich bin mir absolut sicher, dass es so geschrieben wird. Wird es nicht. Korrigieren. Datei neu hochladen … warten … warten … warten … 138 Rechtschreibfehler gefunden … Häh, wieso sind das jetzt mehr geworden? Das ist ein Name und den hast du vorhin noch nicht als falsch gekennzeichnet. Und wieso kennst du den nicht? Ist ja nicht so, dass es sich um Frexulon III. vom Planeten Grogulom handelt. (Sowas gibt es erst in Teil 4 der Reihe. Ja, Teasen kann ich) Ignorieren. Nach langem Check stellt sich heraus, es ist alles gut. Also alles ignorieren. Zumindest haben wir daraus gelernt, dass, egal durch wie viele Rechtschreibprüfungen man sein Werk gejagt hat, die Rechtschreibprüfung von Amazon setzt immer noch einen drauf.

Das Cover hat zum Glück keine Fehler, denn auf meine Covergestalterin Gorana ist absolut Verlass.

ISBN hab ich nicht und braucht man für ein Ebook auch nicht. Also weiter zu Stufe 3.

Okay, Amazon muss erst noch die Datei verarbeiten und ins Kindle-Format konvertieren. Eigentlich Schwachsinn, da ich es bereits als mobi-Datei hochgeladen habe, aber wer versteht schon den ganzen Technikkram? Ich jedenfalls nicht … warten … warten … warten … ah, fertig.

KDP Select klingt sinnvoll, weil man damit sicher eine breitere Masse erreicht. Also vermutlich so 5 Leute mehr. Man muss eben mitnehmen, was man kriegen kann.

Natürlich lasse ich mein Buch in allen Ländern vertreiben. Wer weiß, wo sich die ganzen ausgewanderten Deutschen aufhalten, die das vielleicht lesen wollen. Und die Japaner lieben Deutsch, also sollte man die nicht ignorieren. Hm, vielleicht sollte ich den Quatsch ausschließlich in Japan veröffentlichen …

Tja, der Preis. Ich bin ja versucht, einfach 12.000 einzugeben. Dann reicht ein verkauftes Buch, um mir erst mal etwas Zeit für weitere Schreiberei freizuschaufeln. Aber das ist wohl etwas übertrieben. Also mache ich es schön günstig, damit die Leute im besten Fall gar nicht groß darüber nachdenken und auf „Kaufen“ klicken. Nebenbei interessant, dass bei den unterschiedlichen Tantiemen auch unterschiedliche Grenzen gelten. Warum kann man sein Buch für 215 Euro verscherbeln, wenn man weniger Tantiemen einnimmt, aber bei mehr ist die Grenze dann 9,99? Irgendwie eine eigenartig große Lücke.

MatchBook klingt durchaus interessant und auch fair, allerdings kann ich an dieser Stelle schon mal verraten, dass – zumindest vorerst – keine Taschenbuchversion geplant ist. Ich glaube einfach, dass sich das in diesem Fall nicht lohnt, da durch die Druckkosten der Preis zu hoch würde. Bei einem Werk mit nur knapp 100 Seiten rechnet sich das einfach nicht. Sollte sich herausstellen, dass die Nachfrage danach doch immens hoch ist, reiche ich das vielleicht dann noch nach.

Und damit haben wir es. Das Buch ist fertig. Und … bleh. Warum zur Hölle öffnet sich das Buch mittendrin und nicht am Anfang? Wer schlägt denn bitte in der Buchhandlung ein Buch auf Seite 142 auf? Also wieder raus das ganze Ding und auf zur lustigen Fehlersuche. Okay, Startpunkt festlegen und wieder hochladen. Und es hat nichts geholfen.

Also wende ich mich an den Kundendienst. Der stellt sich als äußerst hilfreich heraus. Also, er antwortet gar nicht erst. Doch nach ein paar Tagen kommt dann doch mal was und zwar die Erkenntnis, dass der Kundendienst nicht hilfreich ist. Angeblich haben sie das Buch geprüft und festgestellt, dass es sich auf der ersten Seite öffnet. NEIN! TUT ES NICHT, IHR SAFTNASEN! Danke für nichts.

Okay, dann muss ich wohl vorerst damit leben. Vielleicht kommt mir später noch ein Geistesblitz, wie sich das ändern lässt. Ich habe ohnehin mit Komplikationen gerechnet, denn ich bin nun mal ein technisches Desaster. Ein letzter Versuch, indem ich es nochmal hochlade und vorher die Guidelines (oder wie das heißt) rausnehme, kann nicht schaden. Vielleicht klappt es dann. Und wenn nicht, dann ist es eben so.

Welche Probleme hattet ihr bisher beim Hochladen eines Buchs? Und hatte der Kundendienst da auch gerade Mittagspause? Habt ihr das Problem dann selbst in den Griff gekriegt oder einfach das Handtuch geworfen?

Was wäre wenn … Geburtstag

Sarah Ricchizzi hat ein kleines Projekt gestartet, in dem es darum geht, auf einer „Was wäre wenn …“-Idee herumzudenken und dazu etwas zu schreiben. Das Thema diese Woche lautet

WAS WÄRE WENN DU JEDEN TAG GEBURTSTAG HÄTTEST

Nun, ich persönlich würde mich vermutlich erschießen, aber darum soll es jetzt nicht gehen. Die Frage hat mich zu einer kleinen Geschichte inspiriert, die nur vage etwas mit der Grundidee zu tun hat, aber was solls. Hauptsache was geschrieben. Und nein, ein besserer Titel ist mir spontan nicht eingefallen:

365

Tag 1

Kerzenlicht flackerte im Tempel der Reinkarnierten. Billy hatte noch nie so viele Kerzen auf einmal gesehen. 365 Kerzen waren es angeblich. Er versuchte, sie zu zählen. Es war unmöglich. Wie das Zählen der Sterne bei klarer Nacht. Immer wieder verlor er den Überblick und musste von vorne beginnen. Kerzen an der Wand. Kerzen auf der langen Tafel, an der er saß. Kerzen auf dem Altar, vor dem sich in diesem Moment ein Mann in buntem Gewand aufstellte. Der Mann hieß Natalem. Oder zumindest nannte er selbst sich so. Billy konnte sich kaum vorstellen, dass es sein richtiger Name war. Hier im Orden der Reinkarnierten hatten alle ungewöhnliche Namen. Das konnte kaum ein Zufall sein. Der dürre alte Mann neben Natalem hieß Partes. Er hielt eine Schriftrolle in seinen knochigen Händen. Natalem hielt seine Hand auf und wartete darauf, dass Partes ihm die Rolle überreichte. Partes zögerte. Natalem wurde ungeduldig. Nach einem kurzen Geplänkel entriss er Partes die Rolle und schaute den alten Mann böse an.

»Brüder und Schwestern«, lies er laut vor oder rief es einfach so, um die Aufmerksamkeit der Anwesenden Männer und Frauen auf sich zu ziehen. »Begrüßt unser neues Mitglied, Billy.« Die Anwesenden jubelten. »Er hat mit diesem Leben seinen 365. Lebenszyklus erreicht und das muss gebührend gefeiert werden.« Die Anwesenden jubelten. »Und zwar 365 Tage im Jahr.« Die Anwesenden jubelten. »Ich habe alle 365 Leben von Billy recherchiert. Und heute feiern wir seinen ersten Geburtstag.«

Billy hatte immer gerne seinen Geburtstag gefeiert. Einmal im Jahr stand er im Mittelpunkt des Interesses. Den Rest des Jahres beachtete man ihn kaum. Er hatte keine Freunde. Keine Familie. Niemanden. Er hatte nur diesen einen Tag, den er jedes Jahr in einem Restaurant verbrachte, wo die Kellner für ihn sangen, ein Geiger spielte und der Koch ihm persönlich einen Kuchen backte und alle für ihn applaudierten. Diesen einen Moment, einmal im Jahr, genoss er mehr, als alle Tage, Stunden, Minuten und Sekunden seines restlichen Lebens. Und dann hatte er vom Orden der Reinkarnierten erfahren, wo man jeden Tag Geburtstag hat. Er konnte sein Glück immer noch nicht fassen, dass er in diesen elitären Kreis aufgenommen wurde.

Ein großes Buffet wurde von Männern in grauen Kutten hereingebracht und auf der langen Tafel bereitgestellt. Jemand setzte Billy eine Krone auf.

»In seinem ersten Leben war Billy ein großer Herrscher. Ein König. Er regierte mit eiserner Hand und es gab immer reichlich zu Essen.« Natalem machte eine Pause. »Und natürlich Kuchen!«, rief er feierlich.

Ein mehrstöckiger Kuchen wurde aufgetischt. Das erste Stück wurde Billy auf einem silbernen Teller serviert.

»Greift zu«, befahl Natalem.

Die Mitglieder des Ordens griffen zu.

Tag 2

Das Essen des Vortages lag Billy noch im Magen. Er hatte eindeutig zu oft zugegriffen. Aber es war sein Geburtstag und er war gespannt, was man heute für ihn bereitstellen würde.

Natalem nahm seine Pose vor dem Altar ein und kämpfte mit Partes um die Schriftrolle. Der alte Mann war keine Kämpfernatur und ließ sich das Pergament leicht entreißen.

»Heute feiern wir Billys zweiten Geburtstag. Den Zweiten von vielen, die noch folgen werden. Die Planungen für alle Geburtstagsfeiern sind in vollem Gange und jeden Tag wird Billy eine große Überraschung erleben.« Natalem beugte sich zu Partes hinüber. »Wir haben doch kein Schaltjahr oder? Nein? Sehr gut. Das bringt immer die Planungen durcheinander.« Er schaute auf das Pergament in seiner Hand. »In seinem zweiten Leben war Billy ein Bäcker. Jeden Tag backte er frisches Brot und Brötchen und Croissants. Was? Partes meint, damals gab es noch keine Croissants, aber ich liebe Croissants, also bleiben sie gefälligst auf dem Tisch.«

Auf besagtem Tisch standen Körbe voller Backwaren, die für jeden Geschmack etwas zu bieten hatten.

»Und natürlich backte er auch Kuchen!«, rief Natalem feierlich.

Ein Kuchen wurde vor Billy abgestellt. Erdbeere. Billy mochte Erdbeeren. Er schnappte sich das erste Stück.

Tag 42

Billy konnte keinen Kuchen mehr sehen. Er hatte das Gefühl, jede Kuchenvariante mit allen Früchten der Erde bereits mehrmals genossen zu haben. Bananenkuchen für sein Leben als Bananenpflücker. Kirschtorte für sein Leben als Hofnarr, die ihm direkt ins Gesicht gedrückt worden war. Vielleicht war die Idee, jeden Tag Geburtstag zu feiern, doch nicht so berauschend, wie er es sich vorgestellt hatte. Er brauchte eine Kuchenpause.

Natamel las: »Es tut mir leid, aber heute wird nicht groß gefeiert. In seinem Leben als Bettler hatte Billy nichts zu feiern. Er saß täglich mit seiner Blechdose in der Fußgängerzone und wurde von den Passanten angespuckt.«

Billy atmete erleichtert aus. Kein Kuchen. Eine willkommene Pause. Die Mitglieder des Ordens standen auf und stellten sich in einer Reihe auf. Natamel schritt zu Billys Stuhl und schaute ihn an. Er machte komische Bewegungen mit seinem Mund und spuckte Billy ins Gesicht. Die Mitglieder des Ordens folgten seinem Beispiel und bespuckten Billy der Reihe nach. Als das letzte Mitglied ihn angespuckt hatte, war Billys Kleidung triefnass. Angeekelt verließ er den Saal, um sich umzuziehen.

Tag 99

Pure Vorfreude auf jeden anstehenden Geburtstag war Zweifel gewichen. Die letzten Wochen waren eine Mischung aus prunkvollen Festen und qualvollen Erniedrigungen gewesen. Für sein Leben als Bauer hatte Billy einen Kartoffelkuchen bekommen. Sein Leben als Lama führte zu einer erneuten Spucksalve der Ordensmitglieder. An sein Leben als Sittenstrolch wollte er lieber nicht zurückdenken. Nervös schaute Billy zum Altar, wo Natamel und Partes ihr übliches Schriftrollenüberreichungsritual vollzogen. Partes hatte wie üblich das Nachsehen.

»In seinem Leben als streunender Straßenköter hatte Billy selten eine schöne Zeit«, begann Natamel.

Billy vergrub das Gesicht in den Händen. Das konnte nicht gut enden.

»Aber es gab auch gute Tage, wenn ihm der Besitzer eines Restaurants die Essensreste der Gäste überließ. Deshalb gibt es heute Resteessen von gestern.«

Erleichterung. Gestern hatte es Suppe für sein Leben als Suppenkasper gegeben. Billy erinnerte sich, dass er infrage gestellt hatte, ob es sowas wie einen Suppenkasper überhaupt jemals gegeben hatte. Ihn beschlich das Gefühl, dass Natamel sich das alles nur ausgedacht hatte. Vielleicht war er bei seinen Recherchen auf eine Lücke gestoßen und hatte sich etwas einfallen lassen müssen. Billy war froh, dass er sich für Suppe entschieden hatte und nicht für eine qualvolle Bestrafung für einen von negativen Eindrücken geprägten Lebenszyklus.

Partes schlich an Billys Stuhl heran. Im Vorbeigehen flüsterte er etwas, das klang wie »Flieh, solange du noch kannst.«

Billy fand Partes in den Pferdeställen außerhalb des Tempels. Der alte Mann kroch auf dem Boden herum und wühlte im Stroh.

»Was wolltest du mir vorhin sagen?«, fragte Billy.

Partes schreckte hoch. »Du kannst mich doch nicht so erschrecken, du Idiot.« Der alte Mann mühte sich auf die Beine. Sein weißes Haar hing ihm im Gesicht. »Ich habe ein altes Herz. Da kann jeder Schreck der letzte sein.«

»Tut mir leid.« Billy schaute sich in dem Stall um. Bisher war er nicht hier gewesen. Die Mitglieder des Ordens ritten selten aus. Es war ein gewöhnlicher Stall mit Pferden darin, die ruhig ihren Hafer fraßen. »Also, was hast du vorhin gesagt?«

»Dass du abhauen sollst.«

»Warum? Willst du mich etwa loswerden?«

»Nein, ich will dir helfen. Schau dir diese Irren doch mal an. Glaubst du etwa wirklich, dass der ganze Quatsch mit der Reinkarnation wahr ist?«

»Warum sollten sie so etwas erfinden?«

»Na, weil sie irre sind.«

»Das glaube ich nicht. Sie feiern einfach gerne Geburtstag. So wie ich.«

»Meine Fresse, bist du naiv, Junge.« Partes schüttelte den Kopf und kniete sich auf den Boden, um weiter im Stroh herumzuwühlen. »Aber sag hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Das Schlimmste hast du noch vor dir.«

»Warum bist du hier, wenn du sie für irre hältst?«

»Ich war immer hier. Für mich ist es zu spät. Aber du hast dein ganzes Leben noch vor dir. Vorausgesetzt, du haust ab.«

Billy dachte darüber nach. Ja, die letzten Tage waren seltsam gewesen und nicht jeder Geburtstag war eine fröhliche Erfahrung gewesen. Aber im Orden wussten sie, wie man richtig Geburtstag feiert, wenn es dem Lebenszyklus entsprach.

»Ich denke, ich werde bleiben.«

»Es ist deine Beerdigung.«

»Was machst du da eigentlich?«

»Ich suche Pferdeäpfel.«

»Pferdeäpfel? Wofür?«

»Für dich. Morgen feiern wir deinen Geburtstag als Schmeißfliege.«

Tag 173

Billy kotzte neben sein Bett. Die letzten Tage waren nicht gerade von Festmahlen geprägt gewesen. Sein Magen hatte entschieden, sich gegen die Verdauung der widerlichen Nahrung für Aasgeier, Spinne, Ameise und Mistkäfer zu wehren und sie durch die Speiseröhre zurückzuschicken. Der Gedanke, dass Partes mit seiner Meinung über den Orden nicht ganz im Unrecht gewesen war, rauschte für einen Moment durch Billys Kopf. Er wischte den Gedanken und das Erbrochene an seinem Mund weg. In eine Decke gewickelt torkelte er zum Saal, um seinen Geburtstag zu feiern.

Tag 364

Billy setzte sich vorsichtig auf seinen Stuhl. Die Berührung der Lehne ließ ihn direkt wieder aufstehen. Die Striemen auf seinem Rücken schmerzten. Sein Geburtstag als Sklaventreiber war der absolute Tiefpunkt in einer Reihe von Tiefpunkten gewesen. Seit fast 200 Tagen hatte es keinen Kuchen mehr gegeben. Dafür gab es unendliche Qualen. Billy hatte vor einigen Monaten begonnen, die Tage herunterzuzählen, bis er diese Tortur hinter sich gebracht hatte. Nur noch 2 Tage standen ihm bevor.

Natalem nahm seine gewohnte Position vor dem Altar ein. Nach dem bekannten Zweikampf um die Schriftrolle las er: »Heute ist der letzte Tag der Überraschungen für Billy. Morgen erreichen wir seinen aktuellen Lebenszyklus und es wird ein großes Fest geben, bei dem es an nichts mangeln wird.« Die Anwesenden jubelten. »Aber heute betrachten wir das letzte Leben, das Billy beendet hat. In seinem Leben als Kannibale gab es weder Kuchen noch Obst noch Gemüse. Billy ernährte sich ausschließlich von Menschenfleisch.«

Billy hatte ein flaues Gefühl im Magen. Er musste sich zusammenreißen, um nicht jetzt schon auf den Tisch vor sich zu kotzen.

»Leider haben wir niemanden gefunden, der freiwillig ein Körperteil zur Verfügung stellen will. Also Billy, du musst dir selbst aushelfen.« Natalem zückte ein scharfes Messer. Die Klinge leuchtete im Kerzenlicht. »Und deinen eigenen Arm essen.«

Natalem schritt feierlich mit dem Messer in der Hand zum Tisch und überreichte Billy die Klinge.

»Hier ist nicht zufällig jemand Arzt?«, fragte Billy.

»Nicht in diesem Leben«, sagte Natalem.

Billy schluckte. Im nächsten Leben würde er keinem Orden beitreten. Er setzte zum Schnitt an …