Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #18

Zu Teil 17

Ich sitze am Wasser und werfe Steine in den See. Als Kind war das eine aufregendere Beschäftigung. Mir fällt auf, dass sich das Wasser komisch verhält. Die Wellen, die die Steine beim Aufprall auf die Oberfläche verursachen, ebben sehr schnell wieder ab. Vielleicht hat es etwas mit den Frauen zu tun, die im See leben.

Ich höre Schritte. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wer hinter mir herannaht. Meine Vermutung ist richtig. Es ist der Minotaurus. Ich stelle mich mental darauf ein, von ihm verprügelt und im See versenkt zu werden. Er steht vor mir und schaut mich mit dem nötigen Ausmaß an Abscheu an, um mir unmissverständlich verständlich zu machen, dass er von meiner Anwesenheit auf seiner Insel alles andere als begeistert ist.

»Komm mit«, brummt er, dreht sich herum und geht wieder.

Ich überlege, ob ich wirklich mit gehen soll, oder mein Glück doch besser im See versuche. Ich entscheide mich für die Insel und folge ihm in seine Höhle. Immerhin muss ich nicht wieder durch das stinkende Labyrinth tapern. In der Mitte seiner Schmiede präsentiert er mir einen etwa einen Meter hohen Käfig. Sieht stabil aus.

»Gute Arbeit«, sage ich als hätte ich auch nur den Hauch einer Ahnung wovon ich spreche und grinse wie ein Vollidiot, um vielleicht doch noch das Eis zwischen uns zu brechen.

Er packt mich am Arm und bricht mir fast die Knochen, als er mich in den Käfig wirft und die Tür mit einem Vorhängeschloss verschließt.

Dann packt er sich den Käfig mit mir drin auf die Schulter und trägt uns nach draußen. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, dass es für ihn viel einfacher gewesen wäre, den Käfig zu mir zu bringen, statt andersherum, aber vermutlich spreche ich ihm zu viel Intelligenz zu, um so einen Gedankengang zu bewerkstelligen. Da sein Hirn zwar klein, seine Muskeln aber groß sind, weise ich ihn nicht auf diesen Denkfehler hin. Er setzt den Käfig am Strand ab und drückt mir einen Schlüssel in die Hand.

»Lass dich nicht nochmal auf meiner Insel sehen«, brummt er und stapft davon.

Ich fuckel mit dem rostigen Schlüssel an dem rostigen Vorhängeschloss herum. Es würde mich nicht wundern, wenn der Schlüssel einfach abbricht, sobald ich ihn drehe. Er bricht nicht ab. Dafür fällt das Schloss auseinander.Ich öffne die Tür, trete aus dem Käfig und stehe erneut am versifften Strand.

Aber nicht lange, denn etwas kommt geflogen. Ich schaue in den Himmel, der Sonne entgegen, und sehe zwei gigantische Flügel schlagen. Ich stelle mich auf weitere Probleme ein, denn ich habe eine Vermutung, wer mich hier am Strand besuchen kommt.

FORTSETZUNG FOLGT

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Bundestagswahl – Spontane Gedanken 6

Es gibt ja so einige Themen, über die andauernd palavert wird. Und keins dürfte für mich so unfassbar langweilig sein wie Politik. Wenn ich das Wort nur höre, könnte ich direkt wegnicken. Es interessiert mich wirklich überhaupt nicht, dieses ewig gleiche Gelaber der Oberen, die viel reden aber absolut nichts sagen. Und deshalb geht mir die Wahl auch jedes mal aufs Neue ganz gewaltig am Arsch vorbei. Ich war nicht mehr wählen seit … keine Ahnung, 2002 oder so. Damals mit Schröder noch, dem Affen, der dann doch lieber mit Gas seine Knete verdienen wollte und somit mal wieder zeigte, wie hirnlos und behämmert diese ganze politische Grütze eigentlich ist, und sich deshalb lieber verpisst hat und alle seine Wähler hängen ließ. Toller Typ …
Jetzt flennen natürlich wieder alle rum: „Du gehst nicht wählen? Aber die Demokratie!“ Nun, für mich definiert sich Demokratie dadurch, dass ich zwischen Pest und Cholera entscheiden darf, wer die nächsten 4 Jahre die meiste Knete fürs Nichtstun in den faulen Arsch geschoben kriegt, ohne auch nur irgendwas zu bewegen oder Interesse daran zu haben, mir als Bürger das Leben zu erleichtern, während ich zusehen muss, dass ich über die Runden komme und nicht ab morgen unter der Brücke penne. (Um es mal überspitzt auszudrücken. Hier im Dorf gibts gar keine Brücke unter der ich pennen könnte.)

Aber dieses Jahr war es etwas anders. Die Arschkrampen für Dummgeborene sind auf dem Vormarsch. Und da musste ich dann doch mal am heiligen Sonntag, der in der Regel für Filme, Serien und Football reserviert ist, vor die Tür gehen, um meine Kreuze zu machen. Aber nicht, weil ich irgendeine Partei ganz besonders toll gefunden hätte. Soweit ich das beurteilen kann, sind die alle sogar noch faulere Saftsäcke geworden, als es ohnehin schon der Fall war. Nein, ich war wählen aus Protest, einfach weil ich keinen Bock auf die Abgefuckten Fotzen-Deutschen habe und nicht irgendwann mit einem Kreuz auf dem Arm im Gleichschritt gegen illegale Einwanderer marschieren will. Das würde nämlich bedeuten, dass ich am heiligen Sonntag wieder regelmäßig vor die Tür müsste. Also keine Option für mich.

Und was hat es am Ende gebracht? Merkel ist mal wieder Kanzlerin. Wie auch die nächsten zwanzig Jahre. Oder vermutlich bis sie irgendwann den Löffel und damit das Amt abgibt. Die SPD ist der gleiche Saftladen wie immer und kaspert immer weiter ab. Die anderen sind halt auch da gewesen und keine Sau interessierts. Und die NSDAP 2.0 ist natürlich auch am Start. Als drittbeste Partei. Und jetzt wundern sich die Leute alle über die Dummheit der Wähler? Hallo, kleine Ansage: Wo Menschen sind, ist vor allem die Dummheit. Wen wundert da bitte so ein Ergebnis? Dumme Arschlöcher dürfen eben auch wählen. Das ist nun mal Demokratie.

Vielleicht wäre es deshalb mal Zeit, die Demokratie zu überdenken. Ja ja, ich weiß, alle finden die richtig toll. Aber ich bin mal für etwas Abwechslung. Wie wäre es mal wieder mit einer Diktatur? Und nein, ich meine keinen größenwahnsinnigen Massenmörder, unter dessen Herrschaft man zu sputen hat, wenn man nicht an die Wand gestellt werden will. Ich meine irgendjemand cooles, der einfach locker drauf ist und hin und wieder mal zum „Tag des Tanzes“ aufruft, an dem jeder verpflichtet ist zu tanzen. Oder einfach mal spontan einen neuen Feiertag einführt, an dem man sich so richtig besaufen kann – inklusive einer Woche Zwangsurlaub, um den Kater auszukurieren. Ich würde das natürlich für andere Dinge nutzen, da ich nicht mehr trinke. Aber eine freie Woche ist eine freie Woche. Man muss halt nur aufpassen, dass er nicht plötzlich in Polen einmarschieren will, dann kann da so viel nicht schief gehen. Und wir wären immer alle gut drauf, wegen dem Tanzen und dem Saufen und dem Urlaub. Wobei es vermutlich genau darauf hinauslaufen würde. Die Macht steigt den Leuten ja gerne zu Kopf.

„Mein Diktator, hast du gehört: In Polen wird nicht getanzt.“

„Was? Das müssen wir ändern. Lasst sie uns ausrotten und dann auf dem Massengrab tanzen!“

„Aber mein Diktator …“

„Schnauze. Ich habe gesprochen. Und jetzt tanz ab!“

 

Hm, vielleicht ist die Demokratie also doch nicht so verkehrt. Wenn die Arschgeigen mal anfangen würden, ihren verdammten Job zu machen. Bis dahin versuche ich erstmal, die nächsten 4 Jahre zu überleben und dann geht der Spaß von vorne los. Und dann werde ichwieder an der Wahlurne stehen und überlegen, wo das Kreuz am sinnvollsten ist und vergeblich nach der Autorenpartei suchen, die für Kreativität für alle steht. Aber so heilig ist mir der Sonntag dann mittlerweile auch nicht mehr, um mir diese Suche entgehen zu lassen. Und vielleicht finde ich diese Partei ja doch noch irgendwann.

Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #17

Ich will ehrlich sein, denn so bin ich nun mal. Irgendwie habe ich diese Geschichte so lange liegen lassen, dass ich den Faden verloren habe. Ich weiß zwar wo ich hin will, aber irgendwie weiß ich nicht so genau, wie ich dahin komme. Also improvisiere ich einfach mal wieder ein bisschen – weil ich das einfach am besten kann – und werde versuchen, die Sache langsam zu einem Ende zu bringen. Ich denke, langsam reicht es dann auch. Zumal der erste Blogpost nun schon einige Zeit her ist (und der ursprüngliche Plan war, das hier einfach nur über ein paar Wochen zu ziehen, was sich bei mir aber eigentlich immer als Fehleinschätzung erweist, also überrascht es nicht wirklich, dass es jetzt schon fast 3 Jahre läuft). Hier jedenfalls erstmal ein kurzer neuer Teil der Reihe, die ein Stück weit auf die Zielgerade führen soll.

Zu Teil 16

Fey steht am Steg und blickt ins Wasser. Ihr ist natürlich klar, dass sie mich darin nicht finden wird. Sie ist schließlich nicht so dämlich wie ich. Und natürlich weiß sie auch, wer mich in den See gezogen hat. Sie weiß aber auch, dass mit den Najaden nicht zu reden ist. Und sie weiß ebenfalls, dass die Najaden sie nicht einfach den See überqueren lassen werden, um mich zu holen. Fey geht zum Zirkus. Und man kann sicher sein, dass sie das nicht gerne tut. Aber manchmal muss man eben das tun, was einem am meisten widerstrebt.

Direktor Rullon sitzt in einem breiten Sessel in seinem Büro, das er sich in einem Zirkuswagen eingerichtet hat. Rullon sitzt so entspannt an seinem Schreibtisch, dass Fey ihn noch mehr verabscheut, als ohnehin schon. Dabei mag sie eigentlich alle Leute. Selbst mit dem verdammten Minotaurus versteht sie sich gut. Aber Rullon ist ihr einfach ein Dorn im Auge. Es gibt allerdings Situationen, in denn man sich mit dem Feind verbünden muss. Und da Fey in der Stadt offenbar keine anderen Freunde hat, außer dem Trottel, der in diesem Moment auf einer Insel festsitzt, auf der nur ein Minotaurus lebt, der ihm am liebsten den Kopf abreißen würde, bleibt ihr nun mal nur das Zirkusvolk.

Rullon grinst Fey an. Er weiß natürlich, dass sie etwas von ihm will. Und das bedeutet, dass sie anschließend in seiner Schuld stehen wird.

»Wie kann ich behilflich sein, Fey? Lass mich raten. Dein Freund steckt in Schwierigkeiten.« Rullon wartet keine Antwort ab. »Natürlich weiß ich alles. Dies ist ein Zirkus. Unsere Seherin sieht alles und informiert mich über alles, was in der Stadt passiert.« Rullon beugt sich auf seinen Schreibtisch und schaut Fey streng an. »Die Frage ist also eher, was du für mich tun kannst, wenn ich deinen Freund von der Insel hole.«

Fey ist sich der Tatsache bewusst, dass sie Rullon nicht mit einer simplen Schuldbegleichung zufrieden stellen kann. »Ich erfülle dir einen Wunsch«, schlägt sie vor. »Was immer du willst.«

»Das wollte ich hören.« Rullon steht auf und führt Fey ins Zirkuszelt.

Der Feuerschlucker mit der Schuppenhaut steht da, als würde er nur darauf warten, dass ihm jemand etwas zu tun gibt. Rullon gibt ihm etwas zu tun.

FORTSETZUNG FOLGT IN TEIL 18

Die 5 Besten … Bücher, die ich zuletzt gelesen habe

Heute geht es mal wieder um Bücher bei Goranas 5 Besten. Allerdings ist der Titel (wie Gorana auch selbst schon bemerkt hat vor einigen Wochen) nicht mehr so ganz passend, denn eigentlich geht es gar nicht um die „Besten“, sondern einfach nur um

Die 5 Bücher, die ich als letztes gelesen habe

Da die aber tatsächlich alle zumindest nicht so verkehrt waren, passt das ja noch so gerade.

5 Der kleine Dämonenberater (Practical Demonkeeping) – Christopher Moore

Ein Dämon und sein Meister fahren zusammen in ein kleines Küstenkaff, weil sie da den jeweils anderen loswerden wollen. Soweit so unterhaltsam. Man kriegt mehr oder weniger, was man von so einer Idee erwartet. Macht Spaß, ist aber kein Meisterwerk. Von Moore werde ich aber definitiv noch das ein oder andere Buch lesen. Der Erstling ist ja selten der beste Roman.

4 Grabräubr gesucht (Graverobbers Wanted: No Experience Necessary) – Jeff Strand

Ein Vater will sich als Privatdetektiv versuchen und sein erster Auftrag ist es, eine Leiche auszubuddeln, um an einen Schlüssel zu gelangen. Und damit beginnt das Chaos erst. Die Story ist nicht sonderlich innovativ. Der Killer, der seine Spielchen mit dem Protagonisten spielt. Aber die Umsetzung ist durchaus ansprechend. Eine gute Mischung aus Horror und Comedy. Aber auch hier handelt es sich um ein Frühwerk und ich denke, dass da noch Luft nach oben ist. Werde auch diesen Autor im Auge behalten.

3 Nox Magica – Alexander Zeithammer

Ein Dieb in einem alternativen Wien voller Magie, soll eine Reliquie stehlen und schlittert so in das größte Verbrechen, dass die Stadt jemals gesehen hat. Das Buch hat richtig Spaß gemacht. Das alte Wien in Verbindung mit Magie passt einfach wunderbar zusammen und die Geschichte hatte mich von der ersten Sekunde an am Haken. Wird Zeit, dass ich die Fortsetzungen lese.

2 Slay & Resscue (Hauen & Stechen) – John Moore

Prince Charming muss eine Prinzessin retten und ist dabei eben Prince Charming. Irgendwie okay, aber die Story ist natürlich so alt wie die Bibel. Das ganz wird etwas durch Humor aufgelockert, aber so richtig interessant war das alles nie. Aber eben auch kein Totalausfall. Ich denke, mit einer interessanteren Geschichte könnte der Autor bei mir mehr Punkte sammeln. Allerdings geht bisher wohl alles von ihm in diese Märchenparodierichtung, die ich nicht sonderlich spannend finde.

1 The Long Earth (Die lange Erde) – Terry Pratchett & Stephen Baxter

Durch ein kleines Gerät kann jeder in unendlich viele Parallelwelten springen, die wie die Glieder einer Kette aneinander hängen. Ein junger Typ und eine KI machen sich mit einem Luftschiff auf, die fremden Welten zu erkunden.                    Pratchett ist der Meister der Fantasykomödie und Baxter ist irgendein Physikprofessor. Jetzt sollte man denken, dass das nicht so recht zusammenpasst. Und man hat recht. Erstens ist es keine Fantasygeschichte, sondern mehr Science-Ficton. Und eigentlich sollte so eine Story ja viel Abenteuer enthalten und schöne fremde Welten, die man dann gemeinsam mit den Figuren entdecken kann. Leider gibt es davon aber viel zu wenig. Stattdessen dümpelt der lahme Plot so dahin und am Ende blieb ich mit dem Gefühl zurück, dass das alles einfach viel besser hätte sein müssen. Schade drum, denn die Idee und einzelne Stellen waren wirklich gut und immerhin war es nicht so schlecht, dass ichs abgebrochen hätte.

Was waren die letzten 5 bei euch? Macht bei Goranas kleiner Aktion mit und verratet es uns.

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Einführung des Antagonisten

Heute kommt der – für mich – wirklich spaßige Teil am Anfang einer Geschichte. Die Einführung des Antagonisten. Jeder gute Antagonist hat natürlich eine Antagonistenbehausung, die direkt zeigt, dass mit ihm nicht zu spaßen ist:

In der Mitte des Finsterwalds gab es eine Lichtung. Es war keine natürliche Lichtung. Diese Lichtung war künstlich angelegt worden. Bäume waren gefällt und verbrannt worden, um hier eine Lichtung entstehen zu lassen. Jeder wusste, dass Menschen, die einfach so Bäume fällen und verbrennen lassen, ohne an die Umwelt zu denken, oder zumindest das Holz zum heizen und kochen zu nutzen, keine guten Menschen waren. Und der unguteste von allen war eindeutig Lord Edgar. Und er lebte selbstverständlich auf dieser Lichtung. In einem Schloss, gebaut aus schwarzem Stein. Mit hohen Türmen, die von Raben umkreist wurden. Umgeben von einem Graben, in dessen dunklem Wasser Alligatoren, Piranhas, Nilpferde und andere tödliche Kreaturen badeten.

Ganz schön unheimlicher Ort, was? Absolut passend für einen Antagonisten. Für das pure Böse. Dann schauen wir doch mal, wer da so lebt:

Wie jedes Schloss, das etwas auf sich hält, hatte auch dieses einen Thronsaal. In diesem Thronsaal saß Lord Edgar in seinem Thron aus Gold. Nur die Wenigsten wussten, dass der Thron nicht wirklich aus Gold bestand, sondern aus Aluminium, das täglich mit Goldfarbe bepinselt wurde, damit er schön glänzte und sich dadurch wunderbar vom schwarzen Stein des Schlosses abhob. Der Thronsaal war lang. Lord Edgar konnte noch so gerade die große Flügeltur sehen, die sich in diesem Moment öffnete. Er strich seinen langen Bart glatt und wartete die Minuten ab, die die Person braucht, um den Thron zu erreichen. Lord Edgar wusste bereits, wer auf ihn zu kam. Nur Krump lief so euphorisch durch den Thronsaal. Denn er hatte immer gute Nachrichten. Oder zumindest dachte er immer, dass er gute Nachrichten hat.
„Guten Morgen, mein Lord“, sabberte Krump und ließ seine lange Zunge kurz hervorschnellen. Krump war ein Schlangofant und Schlangofanten sabberten immer, da sie Probleme hatten, ihre lange Zunge und den Rüssel in Einklang zu bringen. Gleichzeitig durch den Rüssel zu atmen und sich dabei nicht auf die Zunge zu beißen, die ständig aus dem Mund hing, bedurfte jahrelanger Übung. Leider lag die Lebenserwartung eines Schlangofanten bei höchstens einem Jahr. Dann fielen sie gewöhnlich in der Schlacht oder starben an einer Zungenentzündung.
Lord Edgar beschränkte sich wie üblich auf ein kurzes Kopfnicken, um Krump zu verstehen zu geben, dass es weiter reden sollte.
„Operation Wildausrottung war ein voller Erfolg, mein Lord. So schnell wird sich kein Hirsch mehr in diese Gegend trauen.“
Lord Edgar hatte den Hirsch bereits vergessen. Er hatte Krump nur den Auftrag gegeben, sich um das „Problem“ zu kümmern, damit er beschäftigt war und ihn nicht ständig mit neuen Dingen nervte. Immerhin hatte er Krump für einen Moment zufrieden gestellt und seine Ruhe gehabt. Diese Ruhe war jetzt natürlich vorbei, denn Krump brauchte einen neuen Auftrag.

So haben wir dann neben dem Antagonisten auch schon mal einen Handlanger eingeführt. Ich habe übrigens den Hang dazu, Antagonisten immer dämliche Handlanger an die Seite zu stellen. Keine Ahnung, warum. Vielleicht, weil ein Antagonist eben auch etwas Lockerheit mitbringen sollte. Und wie sich schon herausliest, ist eine Sache ganz besonders wichtig: Ein Charakter braucht eine Aufgabe. Etwas, das ihn im Verlauf der Handlung beschäftigt. Und gerade der Antagonist und seine Sippschaft sind da natürlich nicht unwichtig, denn wenn sie nichts machen, hat auch der Protagonist keinen Grund, irgendwas zu tun.

Lord Edgar dachte nach. Momentan fiel ihm nicht viel ein, was er Krump hätte auftragen können. Es waren ekelhaft ruhige Zeiten. Friedenszeiten. Nicht, dass Lord Edgar eine generelle Abneigung gegen den Frieden hatte. Aber es war so langweilig, wenn sich die Leute nicht gegenseitig abschlachteten. Vielleicht war es an der richtigen Zeit, eine alte Rechnung zu begleichen.
„“Ich denke, du solltest meinem alten Freund dem König einen Besuch abstatten“, trug er Krump auf. „Und nimm ein paar Fackeln mit, damit du sein Schloss leichter niederbrennen kannst.“

Ganz schöne Widerlinge, nicht wahr? Das soll dann auch erstmal reichen. Der Antagonist ist eingeführt und eine erste Handlung ist vollbracht. Jetzt sind die „Guten“ am Zug. Da es hier mit den Schlangofanten schon angeteast wurde, entwickeln wir beim nächsten Mal aber zuerst ein eigenes Wesen.

Wie führt ihr eure Antagonisten ein? Wie sieht euer Schloss aus? Und hättet ihr nicht auch gerne einen Schlangofanten als Haustier?

Warum Charaktere so wichtig für eine Geschichte sind

Anstoß zu diesem Post ist tatsächlich kein Buch, sondern die Filmlandschaft. Ich bin ja bekanntlich großer Filmfan – um nicht zu sagen unverbesserlicher Filmfreak – und gucke dementsprechend viele Streifen aus allen Epochen und allen Genres. Zuletzt gab es im Kino Christopher Nolans Kriegsfilm „Dunkirk“. Was ich genau von diesem Film halte, könnt ihr auf meinem Filmblog nachlesen (und nein, der Film ist kein Schrott, auch wenn der Blog so heißt).

Minimale Spoiler zum Film sind zu erwarten.

Auf eine Sache möchte ich aber hier etwas näher eingehen. Denn das ist ein Problem, dass sich in Hollywood mittlerweile offensichtlich etabliert hat und einige gute Filme daran hindert, fantastische Filme zu sein. Die Rede ist von Charakteren (der Titel dieses Posts hat euch sicher schon auf den Gedanken gebracht, dass es darum gehen könnte).

In „Dunkirk“ geht es um die zu Kriegsbeginn eingekesselten Soldaten in Dünkirchen, die auf Rettung warten, während die Deutschen immer näher rücken und hin und wieder mal mit einem Kampfflugzeug vorbei kommen, um ein paar Schiffe zu versenken. Der Film verfolgt die Geschehnisse aus drei Perspektiven: Land, Wasser und Luft. Und dabei hängt er sich jeweils stark an einen oder zwei Charaktere und weicht denen nicht von der Seite, so dass man als Zuschauer quasi mitten im Geschehen ist. So weit so gut.

Das Problem: Die Charaktere sind eigentlich gar keine Charaktere. Sie sind einfach nur irgendwelche Jungs, die halt in der Scheiße sitzen. Nicht mal die Namen erfährt man von ihnen. So hängt man also am Rockzipfel – oder Uniformszipfel – von fremden Personen und folgt ihnen durchs Wasser und die Luft. Nur bleibt einem dadurch eine wichtige Sache verwehrt: Das Mitfiebern, dass es diese Leute auch da raus schaffen. Klar, wir wissen, dass die Situation richtig kacke ist und man hat dadurch zumindest ein gewisses Gefühl für die missliche Lage. Aber das reicht nun mal nicht.

Generell ist es inzwischen im Film offenbar so, dass es wichtiger ist, möglichst actionreich zu inszenieren, dabei aber zu vergessen, dass Action eben nur so gut ist, wie die Charaktere, die sich in dieser Action befinden. Wenn mal wieder irgendein Marvel-Monster die Erde fressen will, auf dieser Erde aber nur Abziehbilder von Menschen herumhampeln, ist es mir einfach egal. Wenn die Aliens in „Independence Day 2“ erneut angreifen, sie aber ohnehin nur seelenlose Hüllen vernichten, können sie die Erde wegen mir gerne abfackeln (und nebenbei: Guckt niemals „Independence Day 2“. Ganz ehrlich, lasst es. Das ist der mit Abstand schlechteste Film, der jemals gemacht wurde. Und ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe schon so einige Grütze gesehen.)

Es ist wie in den Nachrichten. Wenn ein Bus voller Nonnen eine Klippe herunterstürzt, denkt man sich auch „Ja, schon doof für die Nonnen.“ Aber kennen wir eine dieser Nonnen, oder den Busfahrer? Nein. Also ist es eben nur eine Schlagzeile. Wir wissen, dass in Afrika die Kinder verhungern und natürlich ist das einfach nur ganz große Scheiße. Aber zeig mir tausend Bilder von verarmten Dörfern in Afrika und viel mehr als ein kurzes Resignieren wird nicht kommen. Stell mir hingegen eins dieser verhungernden Kinder vor und du erhältst eine gefühlsmäßige Reaktion. Und so ist es eben auch mit Charakteren in Fiktion. Sei es nun im Film, oder im Buch, oder von mir aus auch im Videospiel.

Warum das gerade jetzt so erwähnenswert ist, liegt übrigens daran, dass Christopher Nolan bisher eigentlich immer ganz gut mit seinen Charakteren umgegangen ist. In seinen bisherigen Filmen hatte man eigentlich immer das Gefühl, die Leute zumindest einigermaßen zu kennen. Bei „Dunkirk“ leider überhaupt nicht. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass das nur widerspiegeln soll, dass auch die Soldaten sich untereinander nicht kennen und einfach nur ums Überleben kämpfen. Trotzdem wird man eben einer wichtigen Gefühlsinvestition beraubt, die so einen Film eben noch mal auf ein höheres Level heben kann. Und das ist einfach schade. Und eben leider kein Einzelfall.

Wollte das mal spontan loswerden (und in dem Zusammenhang hier mal wieder was schreiben, damit der Blog nicht komplett stirbt). Wie seht ihr das? Habt ihr den Film gesehen und teilt meine Meinung dazu? Und wie steht ihr generell zu der Wichtigkeit von Charakteren in Geschichten? Und will jemand mit mir Urlaub in Dünkirchen machen? Soll schön sein da.

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Der Anfang

Letztes Mal habe ich an dieser Stelle die Sage um Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar abgeschlossen. Aber wie bereits angekündigt birgt jedes Ende auch einen Anfang. In diesem Fall sogar den Anfang der Geschichte, die ich seit Monaten fortführe, um euch dabei zu zeigen, wie wenig Ahnung ich tatsächlich von dem ganzen Quark, den ich hier treibe, habe.

Im Idealfall ist das mit dem Anfang bei mir so: Ich habe vorher ein Ende im Kopf und weiß dadurch relativ genau, welche Entwicklung die Figuren durchmachen müssen und was der beste Status Quo für den Beginn ist. Im Fall von Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar ist das Ende ja sogar schon geschrieben. Dadurch weiß ich ziemlich klar, wie die Figuren am Anfang ticken sollten.

Bei Hausmeistersohn Peter ist es ziemlich einfach. Für ihn wird die Geschichte ja eine mehr oder weniger gewöhnliche „über sich selbst hinauswachsen“ Geschichte werden. Das heißt, er muss am Anfang ein ziemlicher Lappen sein.

Peter schaute sich interessiert im Kerker um. Er war noch nie hier unten gewesen. Bisher hatte sein Vater es für keine gute Idee gehalten, ihn mit hier runter zu nehmen. Sein Vater hatte ihm versprochen, ihn mitzunehmen, sobald er nachts nicht mehr ins Bett machte. An seinem zwölften Geburtstag war es Peter endlich gelungen, diese Herausforderung zu meistern. Und jetzt stand er hier und schaute seinem Vater zu, wie er ein Gitter reparierte, das beim letzten Ausbruchversuch eines der Gefolterten und Gepeinigten Schaden genommen hatte. Natürlich nicht so viel Schaden, wie der Ausbrecher, dessen Kopf draußen vor der Burg auf einem Pfahl aufgespießt worden war. Peter ließ seinen Vater an dem Gitter rumschrauben und spielte mit einer der rostigen Ketten an der Wand. Viele Handgelenke hatten die Ketten schon wund gescheuert. Peter zog an der Kette. Sie saß fest an der Wand. Er legte die Schelle an sein Handgelenk. Er stellte sich vor, wie grausam es sein musste, hier unten in der Dunkelheit zwischen Ratten und anderen Gefangenen festzuhängen und zu wissen, dass man nie wieder das Tageslicht erblicken würde. Er beschloss, niemals in so eine Situation zu geraten. Er versuchte die Schelle von seinem Handgelenk zu lösen. Sie saß fest. Er zog fest daran. Die Ketten rasselten. Er zog erneut. Risse entstanden in der Wand. Die Kette löste sich und Peter fiel zu Boden. Die Schelle fiel von seinem Handgelenk. Ein Backstein fiel aus der Wand. Peter schob die Schelle in die Wand und den Backstein davor. Pfeifend schlenderte er zu Vater zurück.

Erinnert ihr euch noch an das Foreshadowing? Das hier ist so ein Moment, wo ich mir zumindest eine Notiz mache. Denn eventuell ergibt sich im Verlauf der Geschichte ja eine Situation, in der Peter in Gefangenschaft geraten könnte. Und vielleicht würde es ihm dann sogar helfen, dass er sich hier schon mit den Ketten und Handschellen befasst hat, um zu entkommen. Das müsste dann aber später ausgebaut werden, wenn es denn wirklich so kommen sollte.

„Leuchte mir mal“, sagte Vater und hielt Peter eine Fackel hin.
Peter ergriff die Fackel und spendete seinem Vater Licht, während der sich an dem Gitter zu schaffen macht. Als Hausmeister hatte er ständig mit Reperaturarbeiten zu tun. Neben dem König und der Königin war er der einzige, der zutritt zu allen Räumlichkeiten der Burg hatte. Egal ob die Schlafräume, der Kerker oder der Drachenzwinger, Vater hatte überall die Türen repariert und Fackeln ausgetauscht. Und er hatte es mit einem ständigen Lächeln auf dem Gesicht getan. Sicher, viele würden sagen, dass der Beruf des Hausmeisters nicht der Ehrenwerteste ist. Aber Vater sah das so: „Lieber eine Tätigkeit, bei der man auch mal in der Scheiße steht, als eine, bei der man sich vor Angst in die Hosen scheißt.“ Er hatte keine Lust, seinen Kopf auf dem Schlachtfeld zu verlieren, für eine Königsfamilie die nicht mal seinen Namen kannte.

So hat man auch schon mal einen Eindruck von Peters Vater, der zumindest am Anfang der Geschichte sicher nicht unwichtig sein wird. Jetzt muss Peter nur noch kurz beweisen, dass er ein absoluter Trottel ist.

„Fertig“, verkündete Vater und packte sein Werkzeug zusammen. Er stand auf und testete das neue Scharnier an der Gittertür ein letztes Mal. Zufrieden schaute er Peter an. „Frühstückspause?“ Peter lächelte. Vater ging voraus. Peter folgte ihm. Er schlug das Gitter zu, das laut schallernd ins Schloss fiel. Und anschließend zu Boden. Und die restlichen Gitter der Zelle mit sich riss. Und die Mauern, die es umgaben. Vater schaute sich die Zerstörung an. „Ich schätze, das Frühstück verschieben wir“, sagte er und packte sein Werkzeug aus.

Da das jetzt schon recht lang war, teilen wir den Anfang besser in zwei Teile auf. Beim nächsten Mal zeige ich euch dann, wie ich einen Antagonisten einführe.

Wie beginnt ihr eure Geschichten? Habt ihr euch schon mal für einen Job in einem Kerker beworben? Und mit wie vielen Hausmeistern seit ihr eigentlich befreundet?