Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #9

Zu Teil 8

Ich sitze auf dem Sofa und gucke Nick dabei zu wie er die Wohnung aufräumt. Ich verstehe einfach nicht wie ein so abgewrackter Typ so einen Putzfimmel haben kann. Obwohl ich weiß, dass ich es bereuen werde kann ich meine Neugier nicht zurückhalten und frage Nick nach dem Drachen.

»Ja, mich verfolgt ein Drache«, sagt er und stopft ein Zettelgewirr in einen Müllbeutel.

»Bist du sicher, dass du dir das nicht nur einbildest? Ich meine, ein Drache fällt doch auf. Ich habe hier in der Stadt aber noch nie einen gesehen.«

»Die meiste Zeit ist er im Zirkus.«

»Es ist ein Zirkusdrache?« Mich wundert es weniger, als es sollte. Nick kam mir schon die ganze Zeit wie ein Clown vor, der aus dem Zirkus geflohen ist.

»Es ist kein Drache, der im Zirkus auftritt. Er ist der Handlanger vom Zirkusdirektor.«

»Der Direktor hat mich auch nach dir gefragt. Was will der Typ von dir?«

Nick lässt den Müllbeutel fallen und sieht mich durch seine fettigen Locken an. »Was hast du ihm erzählt?«

»Nichts.«

»Was hast du ihm erzählt?« Nick springt auf mich zu und packt mich am Kragen meines ausgeleierten Shirts. Seine hässliche Kauleiste kommt gefährlich nahe und der Fischgeruch aus seinem Mund beißt in meiner Nase. Zum Glück habe ich meinen Magen schon an der Brücke entleert, sonst hätte ich neben dem eingetrockneten Blutfleck auf dem Teppich eine zusätzliche Sauerei veranstaltet.

»Man, mach mein Shirt nicht kaputt. Das ist das letzte saubere, das ich habe.« Er lässt mich los. »Ich habe ihm nur erzählt, dass du unter einer Brücke lebst. Mehr wusste ich sowieso nicht.«

»Verdammt. Ich kann nicht zur Brücke zurück.«

»Was ist denn mit dem Typen? Was will er?«

»Den Fluss.«

»Den Fluss? Ist der nicht sowieso für alle da?«

»Du verstehst das nicht. Er will ihn für sich, um alles zu regieren. Land, Luft und Wasser. Er darf mich auf keinen Fall finden.«

Mir wird das schon wieder alles zu undurchsichtig. »Hier bist du jedenfalls nicht sicher«, sage ich, in erster Linie, um den Idioten loszuwerden. »Der Wanderzirkus weiß wo ich wohne. Du musst dir ein anderes Versteck suchen.«

»Also gut. Ich werde dir sagen, wo ich mich aufhalte.«

»Toll. Kann es kaum erwarten in deiner Absteige ein Bier mit dir zu trinken.«

Er kapiert Sarkasmus nicht und haut ab.

Wenige Sekunden später steht Fey im Türrahmen. Immerhin erhellt sie etwas diese Momente meiner völligen Verwirrung, die sich in letzter Zeit anhäufen.

»Was wollte der denn von dir?« Sie setzt sich neben mich.

»In erster Linie aufräumen.« Ich gucke mich in der Wohnung um. Das gröbste Chaos hat Nick zumindest beseitigt.

»Du solltest vorsichtig sein. Nick ist gefährlich.«

»Du kennst den Typen?«

»Natürlich. Er ist ein Nix.«

»Für Nichts kommt er mir aber sehr lebendig vor.«

»Nicht Nichts. Ein Nix. Eine männliche Nixe. Ein Flusswächter.«

»Fey«, ich ergreife ihre Hand, »du solltest dir wirklich angewöhnen, mir die Dinge so zu erklären, dass ich sie verstehe. Denn, um ehrlich zu sein, blicke ich immer noch nicht durch, was hier eigentlich abgeht.«

»Später.« Sie steht auf. »Ich wollte dich um einen weiteren Gefallen bitten.«

Ich stehe seufzend auf. »Welchen Irren willst du dieses Mal besuchen?«

FORTSETZUNG FOLGT IN TEIL 10

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Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #8

Zu Teil 7

Suche nach Blogpost

Ich wache auf der Couch auf, da neben ihr kein Platz ist. Fey ist nicht mehr da. Nachdem sie mir etwas von magischen Wesen erzählt hat, die in der Stadt rumturnen schaltete sich mein Gehirn aus Selbstschutz ab, um nicht zu explodieren. Mein Schädel brummt und ich habe Rückenschmerzen von dem unbequemen Sofa. Ich stolpere im Slalom durch das Gerümpel in der Bude und über den Hausflur. Ich klopfe an Feys Tür. Sie öffnet, nur mit einem Handtuch bekleidet, und strahlt noch mehr, als es sonst schon der Fall ist. Jede Frau wäre stolz auf so eine strahlende Haut. Mein erster Gedanke ist, dass das nicht gesund sein kann. Hautkrebs ist in diesem Fall wohl noch das geringste Übel, das entstehen kann. Fey lächelt mich an und strahlt wie ein Engel. Natürlich ist sie kein Engel. Sie behauptet eine Fee zu sein. Fey die Fee. Ich glaube, sie ist einfach geisteskrank. Was soll’s? Wir haben doch alle einen an der Waffel. Sie bittet mich herein. Fee oder nicht, das Angebot schlage ich nicht aus. Sie lässt das Handtuch fallen und zieht mich am Arm ins Badezimmer. Unter die Dusche. Gute Sache. Seit der ganze Wahnsinn angefangen hat, bin ich nicht mehr zum duschen gekommen. Wahrscheinlich stinke ich schon wie Nick nach einer Nacht unter seiner Siffbrücke. Der Gedanke, dass sie mir wenigstens etwas Zeit hätte geben können, um meine Klamotten auszuziehen, wird von einem Kuss verdrängt. Immerhin wird meine Jeans so gleich mit gewaschen.

Fey muss arbeiten. Ich schleppe die nassen Klamotten über den Hausflur in meine Wohnung und werfe sie zum Trocknen in eine Ecke. Auf dem Couchtisch steht der Laptop. Der Blog-In-Progress ist seit Tagen geöffnet, aber kein Wort geschrieben. Ich setze mich hin und versuche, etwas in den ersten Post zu tippen. Meine Gedanken schwirren um Engel, Feen, Models und andere hübsche Gestalten. Was soll ich damit anfangen? Die Tür gegenüber fällt ins Schloss. Fey ist schon wieder zu Hause. Ich glotze durch den Türspion. Fey verlässt wieder ihre Wohnung. Ich öffne meine Tür und kann gerade so verhindern, dass sie Fey auf den Kopf fällt, als die Angeln nachgeben. Ich lege die Tür in den Flur und frage, warum Fey nicht arbeiten ist, wie sie gesagt hat. Ich klinge wahrscheinlich wie ein eifersüchtiger Ehemann. Da findet man ein mal ein Mädchen, dass einen nicht beim ersten Treffen in den Wind schießt und schon erhebt man Besitzansprüche. Ich hasse mich selbst für die Frage. Fey hat etwas Wichtiges vergessen, das sie auf der Arbeit braucht. Ich kann mich davon abhalten, zu fragen was es ist. Sie soll nicht denken, dass ich ein eifersüchtiger und neugieriger Arsch bin. Eins der beiden reicht erst mal. Da ich eh nichts im Blog zustande bringen werde, biete ich an sie zur Arbeit zu bringen und dann ein paar Erledigungen in der Stadt zu machen. Auch wenn ich selbst nicht den blassesten Schimmer habe, was für Erledigungen das sein sollen. Sie freut sich über das Angebot, schlägt aber vor, dass ich mir zumindest eine Hose anziehen soll. Eine gute Idee. In der Küche finde ich eine Jogginghose, die noch nicht vor Dreck zu Stein erstarrt ist und ein fleckenloses Shirt.

Sie hat es offenbar nicht sonderlich eilig in die Redaktion zu kommen und schlendert langsam neben mir durch die Stadt. Sie ist verhältnismäßig ruhig. Zugegeben, sie ist sowieso keine, die dauernd rumlabert, aber zumindest ein oder zwei Worte könnte sie schon sagen. Zum Beispiel darüber, wie das Leben als Fee denn so ist. Ich überlege, ob ich sie einfach fragen soll, aber entscheide mich dagegen. Vielleicht will sie das Thema lieber vermeiden und ich will nicht riskieren, alles kaputt zu machen, was bis hier hin recht gut funktioniert hat. Ich werde die Sache mit ihr ohnehin noch versauen, aber das muss ja nicht ausgerechnet jetzt sein.

Wir erreichen das Büro. Sie bleibt vor der Tür stehen.

»Das war nett von dir«, sagt sie und drückt mir einen Kuss auf die Wange.

Ich täusche einen Hustenanfall vor, damit sie nicht sieht, wie ich wegen dem Kuss rot anlaufe. Wahrscheinlich glaubt sie jetzt, dass ich denke, sie hat die Pest, oder sowas.

Ich gehe weiter und wühle in meinen Taschen nach Geld, um mir mal ein paar lebensnotwendige Dinge zu kaufen. Das Kleingeld reicht gerade noch für Zigaretten. Das sollte für den Anfang reichen. Eventuell ist auch noch eine Dose Bier drin.

Auf dem Weg zum Kiosk überquere ich eine Brücke. Ich könnte auch zu einem anderen Kiosk gehen, aber der von Kyra ist mir am liebsten. Liegt vielleicht daran, dass sie nicht viel redet. Um ehrlich zu sein, habe ich sie noch nie ein Wort sprechen gehört. Dass sie die Kapuze ihres Pullovers immer so weit über den Kopf gezogen hat, dass man nichts von ihrem Gesicht sehen kann, würde anderen wohl komisch erscheinen. Aber wer kann es ihr verdenken? Es laufen viele Irre herum, die nur darauf warten, eine hübsche Kioskbesitzerin zu missbrauchen.

Während ich so über Irre nachdenke, klettert einer davon am rostigen Geländer der Brücke hoch, über die ich gerade laufe. Ich sehe ihn schon abschmieren und unten im Fluss landen, aber er schafft es irgendwie, sich über das Brückengeländer zu hangeln und vor mir auf dem Gehsteig zu landen.

Es ist Nick. Und ich dachte schon, der ekelhafte Fischgestank käme vom Hafen rübergeweht. Zu meinem Glück hat er keinen Schreibratgeber in der Hand, mit dem er mich erschlagen könnte.

»Ich brauche deine Hilfe«, sagt er, ohne den Mordversuch zu erwähnen.

»Glaube ich gerne«, sage ich und wühle in der Tasche nach meinem Kleingeld.

Er sieht sich nervös um, packt mich am Arm und schleift mich von der Brücke runter hinter einen Müllcotainer am Straßenrand. Ich wäre lieber auf der Brücke geblieben.

»Ich werde verfolgt«, stinkt er mir ins Gesicht.

Ich unterdrücke den Würgreiz, den sein Atem verursacht und versuche mich auf etwas anderes zu konzentrieren, was dummerweise seine grünen Zähne sind, die mich dann doch zum kotzen bringen.

»Bist du krank?«, fragt er.

Vollidiot. Ich hätte einen größeren Schreibratgeber nehmen sollen. »Was willst du, Nick?«

»Du musst mich verstecken. Ein Drache verfolgt mich.«

Mich beschleicht langsam das Gefühl, dass alle in der Stadt völlig bekloppt sind. Oder nur ich selber. Ich weiß was folgt und lade ihn zu mir nach Hause ein, damit er meine Bude aufräumen kann, während er mich mit einer weiteren abstrusen Geschichte nervt.

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Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #7

Zu Teil 6

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Mit dröhnendem Schädel verlasse ich den Zirkusplatz, auf dem bunte Wagen im Matsch und in Tierscheiße stehen. Eine bärtige Lady lächelt mir zu. Ich verdränge den Gedanken sie auf einen Drink einzuladen, in der Befürchtung, dass sich unsere Bärte verknoten könnten wenn das zu mehr führt.

Zu Hause angekommen beschließe ich das Aufräumen zu verschieben und mich einfach irgendwo auf einen sauberen Fleck in der Wohnung zu legen um zu schlafen. Daraus wird nichts, denn ich habe Besuch. Fey hat diesen Fleck bereits gefunden und ihn besetzt.

»Hey, Fey«, begrüße ich sie und hasse mich direkt selbst für diesen dämlichen Satz. Ich kann einfach nicht mit Frauen reden.

»Wo warst du?«, fragt sie mich sichtlich besorgt.

»Hast du dir Sorgen um mich gemacht? Ist ja süß.« Ich fühle mich erneut wie ein Volltrottel, bin aber dankbar, dass Fey offenbar ignoriert, dass ich ein Idiot bin.

»Ich war im Zirkus«, sage ich.

Fey guckt mich an, wie ein Seiltänzer, kurz bevor er auf dem Boden aufprallt.

Während ich ihr erkläre, was passiert ist, geht die Küche in Flammen auf.

Ich schaue mich nach einem Feuerlöscher um, bevor mir einfällt, dass ich so etwas nicht besitze. Als die Frau aus der Waldhütte nackt aus der Küche kommt, denke ich, dass ich ihr eher eine Löschdecke umhängen sollte. Aber in diesem Chaos würde ich nicht mal einen Wandteppich finden. Für meinen Geschmack treibt sie diese Ökoschiene etwas zu weit. Ist zwar eine nette Sache, aber man kann sich ja trotzdem was anziehen. Und wenn es nur ein Hanfgewand ist. Ich lege ihr eine dreckige Tischdecke über die Schultern, die ich in dem Gerümpel gefunden habe.

»Willst du dich setzen?«, frage ich, weil mir einfach nichts blöderes einfällt, dass man eine nackte Frau fragen kann, die gerade aus einer brennenden Küche kam, als würde sie im Park spazieren gehen.

Sie schaut sich um. Sie findet keinen Platz, der eine Sitzgelegenheit bieten würde, ohne vorher aufzuräumen. Sie bleibt stehen.

»Die Welt ist im Wandel«, sagt sie.

Das ist ein alter Hut, denke ich. Komm mal auf den Punkt, denke ich. Ich muss mich setzen, denke ich. Keine Lust, während dem drohenden aussschweifenden Weltuntergangsmonolog rumzustehen.

»Die Wesen bewegen sich«, sagt die schöne Frau und lässt die Tischdecke zu Boden fallen.

»Was soll das wieder bedeuten?«

Sie bleibt mir eine Antwort schuldig und verschwindet in einer Stichflamme. Zurück bleibt nur die angekokelte Tischdecke.

»Klopf, klopf.« Ich hasse Leute, die das sagen, anstatt wirklich anzuklopfen. Es wundert mich nicht, dass der haarige Sheriff die Wohnung betritt. Er sieht sich in dem Chaos um und fragt, was hier passiert ist.

»Ein Feuerschlucker hat hier alles verwüstet«, erkläre ich ihm.

»Warum?«

»Keine Ahnung. Vielleicht macht er das gerne, bevor er jemanden ausknockt und ihm in die Fresse haut, nachdem er wieder aufgewacht ist.« Mein Blick fällt auf die Bananenschale, auf der der Typ mit den akuten Hautproblemen ausgerutcht ist. Ich hebe sie auf und werfe sie in eine Ecke, wo sie keinen Schaden mehr anrichten kann. Die Frage, wo die Schale her kommt, springt mir in den Kopf. Ich esse nie Bananen.

»Ich habe die Spur der Frau hier her verfolgt.« Der Sheriff reißt mich aus meinen Gedanken. »Wo ist sie?«

»Mal wieder in Flamen aufgegangen.« Ich zeige ihm die angebrannte Tischdecke mit den Ketchupflecken. »Was ist eigentlich los mit der Tussi? Diese ständige Selbstentzündung kann doch nicht gesund sein.«

»Sie ist gefährlich«, sagt der Sheriff mal wieder und packt die Tischdecke ein. »Wenn ihr sie seht, ruft mich an.« Er gibt mir eine Visitenkarte. »Wolfgang Werstein, Sheriff« steht darauf. Dazu eine Handynummer. Ich habe nie einen Sheriff gesehen, der Visitenkarten verteilt. Um genau zu sein, habe ich noch nie einen Sheriff gesehen. Und Visitenkarten kriege ich auch eher selten zugeschoben. Und in keinem Fall sehen sie aus, als hätte sie jemand mit einem zu kleinen Buntstift in zu großen Händen selbst gekritzelt. Ich werfe die Karte auf den Couchtisch und weiß schon jetzt, dass sie für immer verschwunden sein wird, falls ich mal danach suchen wollte. Der Sheriff haut ab und lässt mich genau so schlau wie vorher zurück.

Fey hat die ganze Zeit still dagesessen, ohne sich zu bewegen. Ich schiebe einen Schrank vom Sofa und setze mich seufzend neben sie.

»Ich wünschte, jemand würde mir mal erklären, was eigentlich los ist.«

Fey stupst mich mit einem Finger an. Bevor ich mich darüber wundern kann was der Quatsch soll, beginnt sie zu erklären.

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Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #6

Zu Teil 5

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Der Zirkus ist in der Stadt. Das würde mich absolut nicht interessieren, wenn ich nicht gerade auf einem Stuhl in der Zirkusmanege aufwachen würde. Umstellt von Löwen und einem Type, der aussieht als bestünde er komplett aus Schuppenflechte, der gerade Flammen spuckt. Er sieht mich an und legt die Fackel in seiner Hand auf den sandigen Boden.
»Du bist wach«, stellt er richtig fest und bläst schwarzen Rauch aus seinen großen Nasenlöchern.
Ich überlege, ob ich so tun soll, als wäre ich direkt wieder eingeschlafen, aber verwerfe den Gedanken So leicht sind Zirkusfreaks wahrscheinlich nicht zu täuschen. Der Flammenschlucker kommt auf mich zu und schlägt mir ohne Vorwarnung in die Fresse.
»Das ist dafür, dass ich in deiner Bruchbude auf einer Bananenschale ausgerutscht bin«, erklärt er seine Tat.
Ich spucke etwas Blut aus. Ich esse überhaupt keine Bananen, denke ich.

Ein übergewichtiges Wesen, das ein Mensch sein könnte, stampft durch den Sand und schickt den Feuerschlucker weg.
»Ich muss mich entschuldigen«, sagt er, »Drago kann etwas temperamentvoll werden.«
»Er sollte mal seine Haut behandeln lassen. Die ist rauer als Schmiergelpapier.« Ich versuche, die Schmerzen im Gesicht zu ignorieren und frage, was der Zirkus von mir will.
Der fette Kerl im Anzug stellt sich als der Direktor vor und hält mir eine zerfurchte Hand hin.
»Wohl mit einem Schnitzel in der Hand zu nah am Löwenkäfig gestanden«, sage ich und nehme den Handschlag an. Der Direktor findet meinen Kommentar anscheinend weniger lustig und zerquetscht mir fast die Hand.
»Du musst dir keine Sorgen machen«, sagt er. Eine unnötige Bemerkung, nachdem einem schon in die Schnauze geschlagen wurde. »Es geht uns nicht um dich. Wir sind hinter einer Person her, die du kürzlich kennen gelernt hast.«
Ich schätze, er meint Fey. Ergibt Sinn. Wenn ein schönes Mädchen Interesse an mir zeigt, muss etwas falsch mit ihr sein. Wahrscheinlich gehört sie zu diesen Zirkusfreaks und ist eigentlich die bärtige Lady von diesem Verein. Rasiert sieht sie aber echt hübsch aus, das muss man ihr lassen. Während ich darüber nachdenke, wie es wohl ist, wenn man einen Rasierer mit einer Frau teilen muss, redet der Direktor weiter. »Ich habe gehofft, du könntest mir vielleicht helfen, die Person ausfindig zu machen.«
»Was wollt ihr denn von ihr?«
»Nun, sagen wir, wir haben noch eine Rechnung offen.«
Klar, sie hat ihm bestimmt die Zirkuskasse geklaut und sich aus dem Staub gemacht. Ich würde auch nicht bei diesen Freaks bleiben wollen, egal wie ungewöhnlich stark mein Haarwuchs sein mag.
»Hör zu«, sage ich und sehe in seinem Blick bereits, dass ihm meine Antwort nicht gefallen wird, »ich kenne Fey erst seit Kurzem, aber bisher war sie nett zu mir. Warum sollte ich sie euch also ausliefern?«
Der Blick des Direktors wandelt sich von purer Bösartigkeit zu völliger Ahnungslosigkeit. »Fey?«
Ich gucke noch doofer als er und weiß gar nicht mehr, worum es hier geht.
»Ich fürchte, hier liegt ein Missverständnis vor«, sagt der Direktor. »Ich bin auf der Suche nach Nick. Mir kam zu Ohren, dass du ihn kennst und vielleicht weißt, wo er sich aufhällt.«
»Nick? Den Brückenpenner? Klar, den könnt ihr gerne haben. Als ich ihn zuletzt sah, lag er tot auf meinem Teppich.« Der Blick des Direktors verrät mir, dass er mir nicht ganz folgen kann, also füge ich hinzu: »Zumndest dachte ich das. Aber nachdem ich mich nur mal eine Sekunde umgedreht habe, war die Leiche verschwunden.«
»Glaub mir, Nick ist nicht tot.« Er klingt, als sei er sich seiner Sache so sicher, wie nie zuvor. »Du weißt nicht zufällig, wo ich ihn finden kann?«
»Alles was ich weiß ist, dass er unter einer Brücke lebt. Wie viele Brücken kann die Stadt schon haben?«
Das fette Gesicht des Direktors hellt auf, wodurch die Furchen auf seiner Stirn sich etwas zurückziehen. »Danke. Du hast mir sehr geholfen. Du weißt ja: Der Fluss ist lang.«
»Kein Problem«, sage ich, versuche meine Verwirrung über den letzten Kommentar zu verbergen und stehe auf »Kann ich dann gehen? Ich muss mich um wichtigere Dinge kümmern, die nichts mit Brücken und Obdachlosen zu tun haben.«

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Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #5

Zu Teil 4

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Während ich noch damit beschäftigt bin, blöd zu gucken, höre ich von draußen eine raue Stimme: »Polizei!«
Wenige Sekunden später tritt ein Schuh der Größe 58 ein Loch in die Tür.
»Scheiße«, sagt die Stimme, während das Bein versucht, sich aus dem Loch zu befreien. Nach einiger Zeit gelingt das Unterfangen und die Reste der Tür fallen in den Raum. Im Türrahmen steht ein haariges etwas, dass sich auf den zweiten Blick als Mensch herausstellt. Der lange Bart ruft »Niemand bewegt sich« und betritt zusammen mit den restlichen Haaren den Raum, um sich umzusehen. Hätte er nicht bereits verraten, dass er Polizist ist, würde ich ihn für einen verwirrten Holzfäller halten, der sich im Wald verirrt hat, da durch die ganzen Haare sein Sichtfeld arg eingeschränkt ist.
»Wo ist die Frau?«
»Die hat sich derbe den Arsch verbrannt, also schätze ich mal, sie ist bei der Feuerwehr«, sage ich.
Die Antwort gefällt dem Haarbüschel offensichtlich überhaupt nicht. »Verdammt.« Eine behaarte Hand fuckelt eine Polizeimarke unter dem Bart hervor und hält sie uns vor die Nasen. »Wer seid ihr?«
»Ich bin Reporterin«, sagt Fey, bevor ich eine Gelegenheit kriege, den Polizisten weiter zu verärgern. »Ich recherchiere in einem Mordfall und die Bewohnerin dieser Behausung hat sich bereit erklärt, ein paar Fragen zu beantworten.«
Der Bart grummelt etwas Unverständliches zusammen und steckt die Marke weg. »Die Frau, die hier lebt ist gefährlich. Ich bin schon lange hinter ihr her. Glaubt ihr besser kein Wort. Sie ist eine Betrügerin.«
»Vielleicht sollte sie mal einen Vermieter betrügen, damit sie aus dieser Bruchbude rauskommt«, sage ich.
Die Augen hinter den Haaren schauen mich böse an. »Das ist kein Spiel, Freundchen.«
Ich kapiere mal wieder gar nichts.
»Ihr geht jetzt besser.«
Das lebende Haar lässt keinen Zweifel daran, dass das Gespräch beendet ist und wartet, bis wir die Hütte verlassen haben, bevor er uns hinterher ruft, dass wir die Stadt nicht verlassen sollen, da er noch ein paar Fragen an uns haben könnte.
Ich habe ebenfalls ein paar Fragen, als ich mit Fey zurück zur Stadt gehe. Sie scheint von den Ereignissen völlig unbeeindruckt zu sein.
»Was zur Hölle ist da gerade passiert?«, frage ich.
Fey zuckt nur mit ihren dünnen Schultern und geht weiter.
»Also ich weiß nicht wie oft du schon spontane Selbstentzündungen gesehen hast, aber für mich war es das erste Mal.«
»Mach dir keine Sorgen. Ihr geht es sicher gut.«
»Ob es ihr gut geht ist mir scheißegal. Ich will nur wissen, was hier abgeht.«
Fey bleibt stehen und sieht mir in die Augen. »Glaub mir. Zu diesem Zeitpunkt ist es besser, wenn du es nicht weißt.«
»Was soll das schon wieder heißen?«
»Wenn du bereit bist, wirst du es verstehen.«
»Du klingst wie einer dieser alten Lehrer mit weißem Bart aus einem Kung Fu Film.«
»Ich habe noch etwas zu erledigen. Geh nach Hause und schlafe etwas. Ich komme später vorbei.«
Fey streichelt mir über den Arm und lässt mich in der Fußgängerzone stehen. Ich gehe nach Hause. Vielleicht schaffe ich es ja endlich mal, etwas für den Blog zu schreiben. Schon im Treppenhaus merke ich, dass daraus nichts werden wird. Die Tür zu meiner Wohnung steht offen. Innen herrscht Chaos. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, aber es ist eine andere Art von Verwüstung, als sonst. Eine, die ich nicht selbst verursacht habe. Vielleicht sollte ich Nick suchen und ihn bitten, hier aufzuräumen. Ich betrete vorsichtig die Wohnung und schaue mich nach möglichen Eindringlingen um, kann aber nur eine Kakerlake entdecken, die mir unbekannt vorkommt. Wahrscheinlich die Tochter der Kakerlakenfamilie, die unter der Spüle in der Küche wohnt. Ich will mich hinsetzen, um meine Gedanken zu sortieren. Auf dem Weg zum Sessel vernehme ich ein dumpfes Pochen. Es folgt Schmerz am Hinterkopf. Und Dunkelheit.

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Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #4

Zu Teil 3

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Hatte ich bisher Zweifel, ob es eine gute Idee war hier her zu kommen, weiß ich jetzt, dass es ein gewaltiger Fehler war.
»Setzt euch«, sagt sie, als ob es hier tatsächlich eine Möglichkeit gäbe es sich bequem zu machen. »Ich hole nur etwas Feuerholz.« Sie schwingt mit ihrer Federboa aus dem Raum, wie ein bunter Vogel auf der Suche nach einem Wurm.
»Fey, die Tussi hat sie doch nicht alle. Lass uns einfach abhauen. Komm ich gebe ein Bier aus.«
»Du solltest nicht trinken.«
»Dann halt einen Kaffee.«
»Koffein ist nicht gesund.«
»Meine Fresse. Ich kaufe dir einen Kopfsalat wenn wir sofort gehen.«
»Ich muss ihr ein paar Fragen stellen. Es dauert nicht lange. Sie kann mich auf die Spur eines Mörders führen.«
»Eines Mörders? Würde mich nicht wundern wenn die Bekloppte selbst ein paar Leichen im Keller hat.«
Fey sieht sich den dreckigen Hüttenboden an. »Sie hat gar keinen Keller.«
»Du weißt genau, was ich meine.«
»Nein.«
Die mysteriöse Frau wackelt mit Holzscheiten auf dem Arm zurück in die Hütte und lässt sie krachend auf den Boden fallen. Ich sehe mich nach einem Kamin oder einer anderen Art von Feuerstelle um. Ich finde keine. Sie kniet auf dem Boden und legt das Holz in der Mitte des Raums zusammen.
»Ist es nicht etwas fahrlässig, mitten auf dem Holzboden einer Holzhütte ein Feuer zu machen?«
Sie hört mir gar nicht zu und beginnt rumzufackeln. Ich gehe einen Schritt zurück, um näher am Ausgang zu stehen wenn die Bude Feuer fängt. Fey steht dicht vor mir. Im Ernstfall kann ich sie schnell aus dem drohenden Inferno ziehen. Die Feuerzünderin muss selbst klar kommen.
»Ihr seid wegen den Kindsmorden hier«, stellt die Zeugin fest, während vor ihr die Flammen aufsteigen und beginnen den Raum in trüben Dunst zu tauchen. »Ich kann euch sagen wer der Täter ist, aber es wird euch nicht helfen. Ihr werdet nur Erleuchtung erlangen wenn ihr selber herausfindet was passiert ist.«
»Was soll der Quatsch?«, frage ich, wenig verwundert darüber, dass wir uns den Weg besser gespart hätten. »Sag schon wer der Täter ist, damit wir alle wieder in Ruhe schlafen können.«
»Keine Angst«, sagt die Frau und atmet den Rauch des Feuers ein. »Alles hängt zusammen.«
»Was zur Hölle soll das bedeuten?« Hätte ich jemals einen Faden gehabt, hätte ich ihn spätestens jetzt verloren.
Ein Geräusch lässt die Frau herumfahren. Mit weit aufgerissenen Augen springt sie ins Feuer. Und verschwindet in einer Stichflamme, die einen schwarzen Fleck an der Decke der Hütte hinterlässt.
Ich starre in die Flammen, um nach den Überresten der Bekloppten zu suchen. Nichts zu finden. Das Feuer lodert ruhig vor sich hin, als wäre nicht gerade eine Frau in es gesprungen und im flammenden Inferno verschwunden.

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Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #3

Zu Teil 2

Suche nach Blogpost

Ich sollte die Zeit nutzen um am Blog zu arbeiten, oder etwas brauchbares zu Papier zu bringen. Stattdessen tue ich das, was ich am besten kann und surfe ziellos im Internet, das ich bei einem Nachbarn anzapfe ohne das er davon wüsste – oder es stört ihn einfach nicht. Ich stoße auf einen Artikel über Entführungen hier in der Stadt. Von einer Serie ist die Rede. Erst vor wenigen Tagen gab es ein neues Opfer. Die Verschwundenen sind nie wieder aufgetaucht. Ich hatte am Rande davon gehört, aber ich befasse mich nicht mit so etwas. Es passiert zu viel Scheiße auf der Welt. Wenn man das an sich ran lässt, kann man sich nur noch die Kugel geben. Und ich kann mir keine Kugel leisten.
Fey löst mich mit einem Klopfen an der Tür aus dem Wirrwarr von Informationen die mich im Leben kein Stück weiter bringen werden und wir brechen auf um den Zeugen zu befragen.
Wenn jemand neu in einem Ort ist kann man davon ausgehen, dass er sich wie ein Tourist verhält.
Fey bestaunt die Fußgängerzone als hätte sie noch nie Kopfsteinpflaster voller Taubenscheiße gesehen.
»Wirklich beeindruckend.«
»Was?«
»Was die Menschen in der Lage sind zu erschaffen.«
»Menschen sind in erster Linie in der Lage alles zu zerstören, was von anderen geschaffen wurde. Eigentlich sind sie mit nichts anderem beschäftigt.«
»Wo ich herkomme gibt es sowas imposantes nicht.«
Mich beschleicht das Gefühl, dass sie für eine Reporterin wenig rumgekommen ist.
»Die Welt ist im Wandel!« Auf einer Kiste steht eine schöne Frau, gehüllt in eine Federboa, und wedelt wild mit den Armen. Sie zeigt auf die vorbeilaufenden Passanten und erzählt ihnen was die Zukunft ihrer Meinung nach für diese bereit hält. Es ist eine Aneinanderreihung von Tragödien.
»Ich schätze die Population der Stadt nimmt bald rapide ab«, sage ich und verdrehe die Augen.
»Du wirst große Qualen erleiden«, ruft die Frau und deutet mit dem schwarz lackierten Fingernagel ihres krummen Zeigefingers auf mich.
»Ich glaube nicht an das Schicksal«, sage ich.
»Aber das Schicksal glaubt an dich.«
»Gut. Wenigstens etwas, das an mich glaubt.« Ich zünde mir eine Zigarette an.
»Das ist nicht gut für dich.« Feys Besorgnis scheint echt zu sein.
»Wenn ich der komischen Tussi da glauben darf bin ich sowieso nicht mehr zu retten«, beruhige ich sie.
»Du solltest alles etwas ernster nehmen. Du hast schließlich nur ein Leben.«
»Ja, ich weiß. Und so scheiße wie das ist, will ich auch gar kein Zweites haben.« Ich ziehe an der Zigarette und huste laut vor mich hin, während wir weiter gehen.
»Wo wohnt dieser Zeuge eigentlich?«
»Zeugin.«
»Okay, wo wohnt diese Zeugin eigentlich? Ist es noch weit? Ich habe Durst. Vielleicht sollten wir nen kurzen Abstecher in eine Kneipe machen.«
»Es ist nicht mehr weit. Sie wohnt im Wald vor der Stadt.«
»Im Wald? Was für eine Bekloppte wohnt denn im Wald? Ich dachte immer da wohnen nur Rehe und verwirrte Drogenopfer.«
»Sie mag vielleicht das Stadtleben nicht.«
»Mag ich auch nicht, aber deshalb zieh ich doch nicht direkt ins dichteste Gestrüpp, das die Umgebung zu bieten hat.«
»Wo würdest du denn gerne wohnen, wenn es dir hier nicht gefällt?«
»In einem Dorf auf dem Land. Da wo ich aufgewachsen bin. Das Stadtleben ist mir zu hektisch und die Leute hier sind alle Arschlöcher. Noch nicht mal grüßen tun die hier.« Ich gehe auf einen Passanten zu, der uns entgegen kommt. »Guten Tag«, begrüße ich ihn. Der Passant sieht mich komisch an, als wäre ich ein entlaufener Massenmörder und geht weiter. »Dann verpiss dich halt du Arsch!«, rufe ich ihm hinterher. Er dreht sich nicht mal um. »Unfreundliche Sackgesichter hier.«
»Du bist auch nicht der netteste Mensch im Moment«, stellt Fey ihre Eindrücke von mir fest.
»Ich weiß. Die Stadt hat mich auch versaut. Vielleicht geht es mir gleich besser, wenn wir in dem Kackwald sind.«
Der Wald ist ein Dickicht von dem man nicht mal annehmen sollte, dass so etwas so nahe an einer Stadt überhaupt noch existiert. Im Normalfall hätten wir inmitten einer Ansammlung von Reihenhäusern gestanden, aber offenbar hat man die Besiedlungsmöglichkeiten dieses Stücks unberührter Natur noch nicht erkannt. Oder der Bulldozer, der die Bäume wegreißen soll, ist kaputt.
Ich halte die Verfluchungen des matschigen Bodens zurück, während ich mich darauf konzentriere nicht auf die Fresse zu fallen. Fey scheint der rutschige, unebene Untergrund nichts auszumachen. Sie springt wie ein junges Reh über die Wurzeln und Äste hinweg, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.
»Bist du nebenbei noch Försterin, oder sowas?«
»Warum?«
»Du scheinst in der offenen Natur gut zurecht zukommen.«
»Bevor ich in die Stadt kam, habe ich sehr viel Zeit in der Natur verbracht.«
»Bist du ein Hippie?«
Sie sieht mich fragend an.
»Vergiss es.« Ich stolpere weiter. »Da vorne ist eine Hütte. Wohnt da die Zeugin?«
Ich zeige auf eine heruntergekommene Bruchbude, die aussieht als wurde sie von einem Einarmigen zusammengezimmert, der seinen Hammer verlegt und als Ersatz einen Baseballschläger genutzt hat. Die Bretter der Hütte sind kreuz und quer aneinander genagelt. Die dreieckigen Fenster eingeschlagen. Rauch steigt aus einem rostigen Rohr auf dem löchrigen Dach auf.
»Fey«, sage ich, »ich glaube nicht, dass diese Zeugin in irgendeiner Art und Weise hilfreich oder auch nur ansatzweise zurechnungsfähig ist. Hältst du es wirklich für eine gute Idee, da rein zu gehen?«
»Was kann schon passieren?«
»Nun ja, ein Windstoß könnte die wackelige Bruchbude umblasen während wir drin sind.«
»Wir bleiben ja nicht lange. Komm schon.«
Wir bleiben nicht lange heißt in meiner Welt: Wir kommen erst nach qualvoll langen und langweiligen Stunden wieder aus der Hütte raus. Ich seufze und stelle mich auf einen langen Tag ein, als ich Fey sanft durch die Tür in die Hütte schiebe. Sie dreht den Kopf und lächelt. Scheinbar habe ich mal etwas richtig gemacht. Muss ich es wohl später mit ihr versauen, wie ich es immer tue.
Das Innere der Hütte passt zum Äußeren. Mit dem Unterschied, dass hier zusätzlich zu den willkürlich vernagelten Brettern ein Haufen Möbel genau so willkürlich in den Räumen verteilt steht. Normale Leute richten ihre Möbel nach etwas aus. Dem Fernseher. Dem Fenster. Von mir aus einem Bild an der Wand. Hier passt nichts zusammen. Jeder wackelige Stuhl, jeder verstaubte Sessel, jedes zerrissene Sofa bietet eine hervorragende Gelegenheit, die gammelige Wand anzustarren.
Jemand betritt den Raum und sieht uns wenig überrascht an.
»Da seid ihr ja endlich«, sagt die Gefiederte aus der Fußgängerzone, die den Untergang der Menschheit prophezeit hat.

FORTSETZUNG FOLGT IN TEIL 4