Weggelesen oder weggelegt? – Schlinkert, Cline

Heute gibts einen Verriss vom Feinsten zu einem Bestseller aus der Nostalgiehölle:

WEGGELESEN

NORBERT W. SCHLINKERT – KEIN MENSCH SCHEINT ERTRUNKEN

70 Seiten pure Verwirrung, die einen aber irgendwie gut bei der Stange hält. Der Erzähler springt fröhlich von Ort zu Ort und Zeit zu Zeit und ich habe zu keinem Zeitpunkt durchgeblickt, was hier eigentlich Phase ist. Was wahr und was nur Einbildung. Oder ist alles nur ein Traum? Was weiß ich. Nettes, kleines Buch.

LEIDER NICHT WEGGELEGT

ERNEST CLINE – READY PLAYER ONE

Mir war bereits im Vorfeld bewusst, dass ich mich hier keinem Meisterwerk widme, aber ich wollte einfach ein wenig Spaß bei der abenteuerlichen Schatzsuche haben und dabei die Referenzen auf die Popkultur der 80er entdecken. Leider bietet der Roman von alledem absolut gar nichts und ist nichts weiter als ein grauenhaftes Blendwerk, dessen Erfolg einzig und alleine auf der verabscheuungswürdigen Retrowelle und dem Nostalgiewahn beruht, der in allen Medien vorherrscht, weil niemand mehr wirklich eigene Ideen zu haben scheint.

Als dreidimensionale Avatare bewegen sich die eindemsionalen Charaktere hier durch eine Online-Welt, die für ungefähr 5 Seiten interessant ist, denn dann weiß man bereits alles, was man darüber wissen muss. Über die Charaktere erfährt man ebenfalls nicht viel, was aber nicht schlimm ist, denn das einzig wichtige ist, dass sie alles wissen, alles können und wenn mal etwas nicht auf Anhieb funktioniert, haben sie einfach Glück und es gelingt eben zufällig. So dümpelt die Schatzsuche ohne echte Highlights oder richtige Rückschläge dahin. Es geht einfach so durch. Egal, was der Protagonist anpackt, es klappt immer. Er ist die absolute Perfektion und damit die personifizierte Langeweile.

Die abenteuerliche Schatzsuche fällt dadurch weit weniger abenteuerlich aus, als sie es sein könnte. Hier wird mal ein Spiel durchgezockt, da mal ein kleines Filmrätsel gelöst und dann geht es weiter. Immerhin sind die kleinen Rätsel noch das Interessanteste an der Geschichte, denn es sind die einzigen Momente mit Verweisen auf die Popkultur der 80er Jahre, die nicht aus simplen Namedropping oder langweiligen Auflistungen besteht. Alles ist absolut offensichtlich. Der Leser darf kaum etwas selbst entdecken. Als hätten die 80er eine Pfütze von Nostalgie ausgekotzt und würden den Leser immer wieder mit dem Gesicht direkt reindrücken. Ernest Cline mag sich mit den 80ern auskennen, aber er ist nicht der Einzige. Die Leser sind schließlich nicht bescheuert und können auch mal selbst ein Zitat oder einen Verweis erkennen, ohne dass ihnen alle vorgekaut wird.

Infodumps ohne Ende und „Tell don’t show“ runden das Grauen dann ab und machen das Buch zu einer absoluten Qual. Ich kann ja durchaus „Fehler“ verzeihen. Du hast keine Charaktere? Kein Problem: gib mir Abenteuer. Du hast kein Abenteuer? Egal: gib mir Spannung. Du hast keine Spannung? Ist okay: gib mir einen unterhaltsamen Schreibstil. Hier gibt es absolut nichts davon. Keine Charaktere, lascher Weltenbau, langweiliger Stil voller Infodump, den Abenteueranteil und die Entdeckungen auf ein Minimum beschränkt. Warum diese Scheiße so erfolgreich ist, ist klar. Zeitgeist. Retrowahn. Nostalgiewelle. Es ist die reinste Seuche. Teil 2 ist natürlich bereits angekündigt, denn die Leser wissen was sie wollen. Langweilige Scheiße, auf der ganz groß RETRO steht. Es ist zum Kotzen …

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Weggelesen oder weggelegt – Dumas, Pratchett, Gaiman, Schaefer

Als Autor sollte man nicht nur schreiben, sondern vor allem auch lesen. Das kommt bei mir insgesamt zwar leider zu kurz, aber zumindest ein paar Seiten jeden Tag versuche ich schon unterzukriegen. Das geht mal besser und mal schlechter voran. Wie bei allem anderen gibt es eben Bücher, die einen wirklich packen und solche, die eher zur Qual werden. Und als Autor hat man vielleicht auch nochmal einen anderen Blick auf die Geschichten und wird von Dingen abgeschreckt, die dem „normalen“ Leser vermutlich gar nicht so sauer aufstoßen. Hier ein kleiner Überblick, was ich in letzter Zeit so gelesen habe:

WEGGELESEN

TERRY PRATCHETT & NEIL GAIMAN – EIN GUTES OMEN

Da bald die Serie kommt, habe ich das Buch nach Ewigkeiten mal wieder aus dem Regal gezogen. Außerdem war es auch so eine Art Recherche. Als ich es vor vielen Jahren das erste Mal las, kam mir nämlich eine Idee zu einem Roman um die apokalyptischen Reiter. Den ersten Entwurf habe ich im letzten Jahr dann endlich mal geschrieben und wollte mich jetzt davon überzeugen, dass ich nicht unbewusst Ideen aus dieser Geschichte kopiert habe. Manchmal ist das ja so, wenn man von etwas inspiriert wird und zu viel Zeit verstreicht, um sich noch wirklich an alle Einzelheiten zu erinnern. Glücklicherweise habe ich festgestellt, dass meine Geschichte doch sehr anders verläuft und kaum Gemeinsamkeiten mit der inspirierenden Vorlage aufweist.
Das Buch selbst ist immer noch ein großer Spaß. Wenn ich etwas kritisieren wollte, dann, dass mir Adam mit seiner besserwisserischen Art tierisch auf den Senkel ging. Aber gut, er ist 11 Jahre alt und der Antichrist, also muss das wohl so sein. Außerdem kamen mir die apokalyptischen Reiter zu kurz. Die Einführung der jeweiligen Reiter war durchaus spaßig, aber dann kam da leider nicht mehr viel und es war schnell wieder vorbei. Das gilt auch für Atlantis, wo noch eine Menge Potenzial gewesen wäre. Irgendwie wirkte das ohnehin eher sinnlos. Hätten die beiden vielleicht ein ganzes Buch draus machen sollen. Warum gibt es eigentlich kaum Geschichten aus Atlantis?
Nicht mein liebster Pratchett, aber mein liebster Gaiman (von dem ich sonst noch nichts gelesen habe).

WEGGELEGT

PASCAL SCHAEFER – ALIEN JOB: DIE TRILOGIE

Ich habe es nicht mal durch das erste Drittel dieser Trilogie geschafft. Die Charaktere sind langweilig und nichtssagend. Viel schlimmer ist aber, dass es davon zu viele gibt und die Geschichte von Beginn an wild hin und her springt. Man hat gar keine Chance, überhaupt mal ein Gefühl für einen der Leute oder die Geschichte zu entwickeln, weil alle paar Seiten wieder ein anderer in den Fokus rückt. Zur Geschichte selbst kann ich nichts sagen, denn da bin ich nie angekommen. Es wird kapitellang herumpalavert, ohne dass irgendwie erkennbar wäre, worum zum Geier es eigentlich geht. Es ist offensichtlich, dass der Humor diese Probleme ausgleichen soll, nur ist der so platt und gewollt, dass kein Spaß aufkommt. Es wirkt, als wäre die Überlegung bei jedem Satz gewesen, wie man da jetzt noch einen schlechten Gag unterbringen kann. Daher rühren wohl auch die Vergleiche mit Douglas Adams, die in der ein oder anderen Rezension aufkommen. Tja, Adams hatte den Humor, aber eben verpackt in eine Geschichte mit abgedrehten, aber sympathischen Charakteren, wodurch sich die lustigen Stellen geschmeidig in den Rest der Geschichte einfügten. Hier wirkt es eher wie eine schlechte Kopie des Stils von Adams, um den herum dann der langweilige Rest hingefuckelt wurde.
Irgendwo steht, dass hier sei „Die Zukunft der lustigen Science-Fiction“. Dann kann das Universum wohl einpacken.

DURCHGEQUÄLT

ALEXANDRE DUMAS – DER GRAF VON MONTE CRISTO

Ich und die Klassiker. Das ist immer eine schwierige Nummer. Anfangs wirkt die Geschichte recht fast-paced, aber dann kommt der Mittelteil voller Haschkekse, Kutschenfahrten und Rumgedödel und bremst die ganze Nummer aus. Das liegt vor allem an den zehntausend Charakteren, die überall rumwuseln, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Und da zeigt sich das große Problem des Buchs: „Show don’t tell“ ist vermutlich jedem bekannt. Es bedeutet nichts anderes, als dass man dem Leser Dinge zeigen soll, statt sie einfach zu erzählen. Denn so formt man Bilder im Kopf des Lesers und er sieht die Welt und deren Bewohner vor Augen. Dumas (oder eventuell auch nur der Übersetzer der deutschen Version) verzichtet aber größtenteils darauf und erzählt einfach strikt die Geschichte runter. Ich hatte große Probleme, hier den Überblick zu bewahren, wer denn jetzt eigentlich noch mal wer ist und mit wem in welcher Verbindung steht. Dazu kommt eine gehörige Portion Theatralik, die so gar nicht meins ist.
Die Story selbst ist aber interessant genug, um bei der Stange zu halten. Der Aufbau der zweiten Hälfte macht durchaus Spaß, wenn man dann langsam durchblickt, was hier der Plan des Protagonisten ist und irgendwie wollte ich dann auch wissen, wie es ausgeht.

Als nächstes steht ein weiterer Pratchett und ein Piratenabenteuer auf dem Plan. Wie die bei mir abschneiden, erfahrt ihr dann demnächst hier.