Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Schlacht zwischen Phantasiewesen

Beim letzten Mal waren wir mit den Schlangofanten im Wald der toten Bäume, der seinen einfallslosen Namen nicht zu Unrecht trägt. Und dort stellte sich ihnen ein gestreifter Krallenwusel entgegen, der so niedlich war, dass er direkt einem unvorsichtigen Schlangofanten den Kopf abbiss. Jetzt ist der gestreifte Krallenwusel also zur ausgewachsenen Bestie mutiert und weitere gestreifte Krallenwusel lauern bereits in der Dunkelheit. Ein Kampf ist unausweichlich.

Der gestreifte Krallenwusel spuckte den Kopf des Schlangofanten aus und brüllte die Armee an. Die wich einen Schritt zurück. Hinter ihnen stand bereits der nächste gestreifte Krallenwusel und hatte seine Niedlichkeit abgelegt. Geifer tropfte von seinen spitzen Zähnen. Er fuhr seine scharfen Krallen aus und stand bedrohlich auf dem schmalen Pfad. Neben dem Pfad stellten sich weitere gestreifte Krallenwusel auf und umzingelten die Armee. Die Schlangofanten zogen ihre Waffen.

So, der Aufbau ist gemacht. Jetzt kann die Schlacht also losgehen. Und so eine Schlacht ist immer ein schmaler Grat zwischen Hektik und Kampfwissen. Ich beherrsche beides nicht, was es durchaus schwierig macht. Hier habe ich immerhin den Vorteil, dass nur ein Charakter anwesend ist, der innerhalb der Geschichte wichtig ist. Im Normalfall hat man in einer Schlacht natürlich jede Menge Leute, die alle ihre 5 Minuten Ruhm kriegen müssen und dann wird es richtig schwierig. Aber dazu kommen wir dann irgendwann mal. Jetzt also erstmal Krump und die Schlangofantenarmee gegen die gestreiften Krallenwusel.

Der erste Krallenwusel sprang einen Schlangofanten an. Krump bekam nicht mit, was mit seinem Mitstreiter geschah. Er hob sein Schwert und wehrte einen gestreiften Krallenwusel ab. Ein weiterer bohrte seine Krallen tief in seinen Arm. Krump schwang herum und stieß dem Biest die Klinge seines Schwertes in die Seite. Um ihn herum stürzten seine Mitstreiter zu Boden. Gliedmaßen flogen herum. Gestreifte Krallenwusel sprangen hin und her. Krump schlitzte eins der Monster auf. Ein anderes stürzte sich auf ihn und drückte mit seinen riesigen Pranken auf seinen Brustharnisch. Krump schleuderte seinen Rüssel hin und her auf der Suche nach Luft, während ihm die Bestie die Brust eindrückte. Der Rüssel schwang vergeblich. Der gestreifte Krallenwusel öffnete sein Maul. Er brüllte Krump an. Krump schoss einen Schwall Schlangofantengift aus seinem Rüssel in sein Maul. Jetzt rang der gestreifte Krallenwusel nach Luft. Er stürzte von Krump herunter und fiel neben ihm in den Dreck. Krump beendete sein Leiden mit einem Schwerthieb.Krump stand auf und schaute sich um. Die gestreiften Krallenwusel hatten sich verzogen. Die restlichen lagen in Blutpfützen auf dem schmalen Pfad. Was von der Armee übrig war, steckte seine Waffen weg.

Ich habe das jetzt mal möglichst kurz gehalten. Das versuche ich in solchen Szenen eigentlich immer, weil sie mir so schwer fallen. Ich bin dann immer froh, wenn es vorbei ist. Natürlich hatte ich hier wie gesagt den Vorteil, dass nicht ein Dutzend Charaktere in der Schlacht rumturnen, um die ich mich dann auch kümmern muss. Das wird uns hier im weiteren Verlauf sicher auch noch erwarten. Aber so halte ich mich immer möglichst kurz und versuche durch kurze Sätze ein bisschen mehr Hektik in die Szenen zu bringen.

Nachdem diese Mini-Schlacht also überstanden ist, ziehen die Schlangofanten weiter. Beim nächsten Mal gucken wir uns dann an, wem diese Bedrohung durch die Schlangofanten gilt, wenn wir die Nebencharaktere einführen.

Wie schreibt ihr Schlachten? Seid ihr dabei auch immer gefühlt so überfordert? Und meint ihr nicht auch, dass die gestreiften Krallenwusel unter Naturschutz stehen sollten?

Advertisements

Der Teufel im Detail und Gott in der Maschine

Ich bin ja nicht sehr anspruchsvoll, wenn es um die Auswahl von Literatur geht. Um genau zu sein reicht es mir schon fast, wenn der Autor Rechtschreibung einigermaßen beherrscht, sodass ich mich nicht durch einen Urwald von Fehlern kämpfen muss. Da wird das Lesen dann einfach zu anstrengend. Aber ansonsten gibt es kaum etwas, dem ich nicht zumindest eine Chance einräume. Okay, wenn der Protagonist – wie in dem Buch, das ich neulich angefangen habe – auf Seite 3 einem Typen mit einem Hammer die Hoden zermatscht, während er sich selbst als Opfer darstellt, bin ich raus aus der Nummer. Nicht, dass ich empfindlich wäre, aber das ist mir einfach zu doof und offensichtlich darauf getrimmt, mit sinnloser Gewalt eine gewisse Leserschaft abzuholen. Aber ansonsten gibt es kaum etwas, das mich wirklich abschreckt.

Abgesehen von zwei Dingen, die ich nicht wirklich mag.

DETAILS

Das heißt jetzt nicht, dass Details unwichtig sind. Aber weniger ist eben mehr. Ich finde nichts langweiliger als unendlich ausschweifende Beschreibungen. Sowas hier zum Beispiel:

Sie gingen an einer Blumenwiese vorbei. Die Wiese war grün mit bunten Blüten. Sie bot alle Farben des Regenbogens. Rote Rosen blühten am Wegesrand. Blaue Violen ließen ihre Köpfe hängen. Gelbe Sonnenblumen streckte ihre Blüten Richtung Sonne. Weiße Margeriten streckten ihre Blüten von sich. Violette Immergrüns blühten interessanterweise nicht grün, sondern violett, was die Frage aufwarf, warum sie Immergrün hießen. Ein Bienenschwarrm summte über die Wiese. Die Bienen tauchten ab in die Blüten und machten sich an die Arbeit. Schmetterlinge drehten Kreise über der bunten Wiese. Ihre flatternden Flügel waren so bunt wie die Blumenblüten unter ihnen. Weiße Apollofalter mit schwarzen Punkten auf den Flügeln jagten sich gegenseitig. Blaue Morphofalter ruhten sich auf grünen Blättern aus. Bräunliche Perlmutterfalter spielten im Wind. Gelbe Zitronenfalter suchten nach Zitronen zum Falten, aber fanden keine.

Und so weiter. Nun wissen wir also einiges über diese wunderschöne Blumenwiese. Und wir wissen, dass der Autor offensichtlich Botaniker und Lepidopterologe ist. Aber was hat es denn jetzt mit dieser Wiese auf sich?

Sie gingen an der Wiese vorbei und betraten einen Wald. In dem Wald zwitscherten Vögel. Die Bäume standen dicht beieinander …

Hallo? Das wars? Was ist denn jetzt mit der Wiese? Lauert darin zufällig ein gefährlicher Wolf, der die Helden angreift? Nein? Nichts? Und dafür musste ich mir jetzt diesen ganzen langweiligen Quatsch über diese Kackwiese durchlesen? Leute, meine Lebens- und Lesezeit ist begrenzt. Was interessiert mich da diese Wiese, die für die Handlung, die Figuren, die Welt und absolut alles andere nicht die geringste Rolle spielt? Da lese ich nicht weiter.

Und wo wir gerade bei Figuren sind. Auch immer unglaublich spannend ist sowas hier:

Hans-Peter trug eine Jeans, einen roten Pullover und eine Sonnenbrille. An den Händen trug er Handschuhe gegen die Kälte. Seine Schuhe sahen noch neu aus. Er hatte sie erst kürzlich im Schuhladen gekauft. Seine Frisur war kurz geschnitten. Er wog 80 Kilo und war 1,86 Meter groß.

Wow. Toller Typ. Aber: Mir egal. Es interessiert mich nicht die Bohne, wie groß der Vogel ist und auch nicht, was er für eine Hose trägt. Wenn er mit seinen neuen Schuhen nicht jemandem in den Arsch tritt, ist es mir schlicht egal.

Das soll jetzt nicht heißen, dass mich Details prinzipiell nerven. Aber die Kunst liegt nun mal darin, dem Leser die Informationen zu geben, die er benötigt und die wichtig sind. Wenn Hans-Peter im Winter eine Sonnenbrille trägt, ist das ganz wunderbar. Aber dann sollte man auch erklären, warum er das tut. Hält er sich für ganz besonders cool? Hat er empfindliche Augen? Ist er gar blind? Nein? Na gut, dann hat die Sonnenbrille für ihn einen besonderen Wert, oder? Sie wurde ihm von seiner sterbenden Mutter geschenkt. Nein? Dann braucht er auch keine verdammte Sonnenbrille. Und wenn er keine Sonnenbrille trägt, kommt mir nicht mit dem Ersatz Er hatte stahlblaue Augen. Ich will es nicht wissen. Und stahlblau schon mal gar nicht.

Der Punkt ist: Wenn ich lese, formt sich in meinem Kopf direkt ein eigenes Bild von Figuren und der Welt. Natürlich braucht es ein paar Beschreibungen, um dieses Bild zu formen, aber zu viele Details zerstören dieses Bild letztlich. In meinem Kopf trägt Hans-Peter ein grünes Shirt und ist nur 1,78 groß. Und wenn in der Geschichte nicht irgendwas passiert, wodurch dieses Bild in eine andere Richtung gelenkt werden muss (zum Beispiel, dass er mit dem langen Ärmel seines roten Pullovers erwürgt wird, was mit dem Ärmel eines Shirts nicht geht), dann kann es weg. Denn es verwischt nur das Bild in meinem Kopf und am Ende habe ich dann einen Brei aus Figuren, mit tausend Klamotten, von denen ich mir keine merken kann. Zwei oder drei herausstechende Merkmale pro Person sind völlig ausreichend. Der Rest ergibt sich von selbst.

So viel dazu. Wenn dann jetzt die Welt und die Figuren nicht mehr seitenweise beschrieben werden, hat man gut Platz geschaffen, um auch mein zweites Hassobjekt des Erzählens zu vernichten.

DER RETTENDE ZUFALL

Man kennt das ja. Die Helden haben sich durch die Geschichte geschlagen, allen Gefahren widersetzt und jetzt stehen sie kurz vor der Lösung des großen Problems. Der große Showdown steht bevor. Das Ende, auf das man so lange hingefiebert hat. Uh, was ist das spannend.

Hans-Peter stand ihm gegenüber. Seinem Widersacher. Dem Mann, der für das alles verantwortlich war. Der ihn belogen, betrogen, verraten und ihm die Freundin ausgespannt hatte. Hans-Peter hielt die Waffe in seiner behandschuhten Hand und richtete sie auf Rolf. Rolf schaute Hans-Peter ernst an: „Du wirst nicht schießen. Das hast du nicht in dir. Du bist kein Mörder.“ Hans-Peter wusste, das er es tun sollte. Dass er den Mann umbringen sollte, der ihm all das Leid und den Schmerz der letzten Zeit zugefügt hatte. Sein Finger zuckte am Abzug. Er konnte es nicht. Er konnte den Abzug nicht betätigen. Rolf hatte recht. Er war kein Mörder. Er konnte ihn nicht erschießen. Hans-Peter ließ die Waffe sinken. Rolf ergriff die Gelegenheit und stürzte sich auf Hans-Peter. Sie rangelten um die Waffe und rollten über den Boden. Dann löste sich ein Schuss …

Hui, was für ein glücklicher Zufall. Hans-Peter kann selbst nicht den Abzug betätigen, aber in einem wilden Gerangel kann sich ja schnell mal ein Schuss lösen. Und es sollte klar sein, wer getroffen wurde. Mal davon abgesehen, dass diese Szene komplett ausgelutscht ist, bringt sie dem Protagonisten auch nicht so wirklich das Ende, dass er haben sollte. Er sollte über sich hinauswachsen. Das bedeutet natürlich nicht, dass er zum Mörder werden muss, aber dann muss man die Szene eben anders angehen. Aber gut, Rolf muss von dem Schuss ja nicht tödlich verletzt worden sein. Also kann die Szene ja noch weiter gehen und Hans-Peter kriegt noch eine Chance, sich endgültig gegen seinen Peiniger zu behaupten:

Rolf schrie auf. Er rollte von Hans-Peter herunter und hielt sich den blutenden Arm. Die Kugel war direkt durch seine Schulter gegangen und hatte sie auf der Rückseite wieder verlassen. Rolf stand mühsam auf und stand taumelnd vor Hans-Peter. Hans-Peter schaute die Waffe in seiner Hand an. Er warf sie weg. Sie landete direkt vor Rolfs Füßen. „Du hast auf mich geschossen“, stöhnte Rolf. „Das wirst du bereuen. Du hättest den Job richtig erledigen sollen.“ Er hob die Waffe auf und richtete sie auf Hans-Peter. Es gab keine Fluchtmöglichkeit. Hans-Peter machte sich auf das Ende gefasst. Rolf machte sich bereit, den Abzug zu drücken. Dann wurde er von einer Flugzeugturbine erschlagen.

Na, das war ja noch mal knapp, was? Zum Glück gibt es die Luftfahrt mit all ihren Fehlern, die dann auch mal für einen Flugzeugabsturz sorgen, bei dem sich eine Turbine verselbstständigen kann, die den Antagonisten zermatscht, kurz bevor er den Protagonisten umbringt.

Nun muss Hans-Peter ja nicht mal zu einem gewalttätigen Typen werden, der seinen Gegner tötet, oder ihm die Fresse poliert. Wenn man das nicht will, gibt es auch andere Möglichkeiten. Er könnte ihm eine Falle stellen, oder Beweise gegen ihn sammeln, die ihn in den Knast bringen, oder was auch immer. Aber unter gar keinen Umständen sollte dabei eine Flugzeugturbine eine Rolle spielen.

Ebenfalls gerne genommen, ist die Kavalerie, die genau zum richtigen Zeitpunkt eintrifft. Im Sinne von „Bei Sonnenaufgang sind wir da.“ Und kurz vor Sonnenaufgang scheint die Schlacht für die Helden natürlich verloren, aber dann kommt die Rettung genau zum richtigen Zeitpunkt angeritten und wendet das Blatt. Auch das ist einfach ausgelutscht und nicht mehr wirklich spannend. Man weiß ja ohnehin, dass es so kommen wird.

Das soll jetzt auch nicht bedeuten, dass man so einen Deus Ex Machina Moment nicht hin und wieder mal nutzen kann. Ich tue das auch durchaus mal. Aber es sollte sich dann eher um kleinere Dinge handeln und nicht unbedingt um das große Finale. Aber vor allem sollte man es damit nicht übertreiben. Wenn die Helden nichts selbst auf die Reihe kriegen, ist das schlecht für die Geschichte und der Leser fühlt sich irgendwann einfach verarscht. Dann kann man auch gleich „Das große Buch der Zufälle“ schreiben.

Normalerweise folgt an dieser Stelle ein abschließendes Fazit wie „macht das nicht“ oder „lasst das besser sein“ wie es bei Schreibtipps üblich ist. Aber da ich bekanntlich keine Schreibtipps gebe, spare ich mir das und komme zum Clou der ganzen Sache. Denn interessanterweise sind diese Dinge, die mich beim Lesen anderer Geschichten so stören, auch oft Teil meiner eigenen Geschichten. Ganz unbewusst bediene ich mich beim Schreiben genau dieser Mittel, um die Story voranzutreiben. Und wenn es mir dann später auffällt, stört es mich nicht mal so sehr, wie es das eigentlich sollte. Also sind Details und Zufälle am Ende vielleicht doch gar nicht so verkehrt, sofern man sie in Maßen einsetzt. Oder bin ich einfach nur von den ganzen anderen Geschichten versaut, die diese nutzen, sodass es mir selbst nicht mehr auffällt?

Wie seht ihr das? Mögt ihr ausschweifende Beschreibungen? Und Zufälle, die den Helden immer wieder den Arsch retten? Oder versucht ihr auch, das auf einem möglichst geringen Level zu halten? Und seit ihr eher Hans-Peter oder mehr so der Rolf-Typ?

Autorenbiografie oder Die pure Verzweiflung, die entsteht, wenn man sich selbst beschreiben muss

Neulich war es mal wieder Sonntag. Das kommt ja öfters mal vor. So alle sieben Tage. Und Sonntag ist ja oft so ein Tag, an dem man nicht so richtig in die Gänge kommt. Ich werde nie verstehen, wie sich Leute an so einem Tag aufraffen können, um schon morgens in die Kirche zu tapern. Andererseits kann ich das zu keinem Zeitpunkt an keinem Tag verstehen. Jedenfalls war es Sonntag und ich war recht bocklos, an einer Geschichte zu feilen. Da ich aber nicht ganz untätig sein wollte, nahm ich mir vor, mal etwas an meiner Autorenbiografie herumzukritzeln, da diese ja einen nicht unerheblichen Bestandteil des Daseins eines (selbsternannten) Schriftstellers darstellt. Und meine Herren, war diese Entscheidung ein Fehler.

Statt mich in Ruhe hinzusetzen und ein bisschen darüber nachzudenken, wie ich besagte Autorenbiografie schreiben soll, artete dieses Unterfangen schnell in pure Verzweiflung aus. Was schreibt man überhaupt in eine Autorenbio? Wie schreibt man überhaupt eine Autorenbio? Ist eine Autorenbio biologisch abbaubar? Alles brennende Fragen, die mich davon abhielten, auch nur ein Stück voran zu kommen. Und aus dieser Verzweiflung entstand dann die Idee zu diesem Blogpost, in dem ich Schritt für Schritt zeige, wie ich dieses schier aussichtslose Vornehmen in die Tat umgesetzt habe. (Spoiler: Gar nicht, ich mache das jetzt, während ich diesen Beitrag schreibe und hoffe, dass dabei irgendwas brauchbares entsteht)

Der erste wichtige Punkt ist offensichtlich, aus der dritten Person zu schreiben. Also statt immer nur „ich, ich, ich“ zu schreiben, schreibt man besser immer „er, er, er“. Und dieses „er, er, er“ beginnt am besten mit dem eigenen Namen:

Marcel Michaelsen

Das war einfach. Geht ja doch ganz gut voran. Aber wie jetzt weiter? Beschreibt man, was man tut?

Marcel Michaelsen schreibt Bücher.

Etwas nahe liegend, würde ich sagen. Der gängige Ansatz ist scheinbar, mit dem Geburtsort und -datum zu beginnen und dann dran hängen, wo es einen hin verschlagen hat. Nun, da es mich nie irgendwohin verschlägt, kann man das vielleicht so einbauen:

Marcel Michaelsen wurde 1983 in Menden geboren und hat sein ganzes Leben im Sauerland verbracht. Die Landesgrenzen überquert er selten.

Hm, kann man so machen, denke ich. Alternativ kann man auch erzählen, seit wann man schreibt. Seit man acht Jahre alt war, oder so. Das finde ich persönlich aber ziemlich langweilig und absolut uninteressant. Was kann man mit acht Jahren schon tolles schreiben?
Jetzt wird es schwierig. Interessanterweise scheint es so zu sein, dass den meisten Autoren Selbstbeweihräucherung nicht liegt. Das ist natürlich auch gut so, denn man will ja nicht wie ein arroganter Sack rüberkommen, der sich selbst für unfassbar geil hält. Ansonsten könnte man an dieser Stelle jetzt mit seinen Erfolgen prahlen. Gut, ich habe ohnehin keine Erfolge aufzuweisen, also muss ich mir etwas anderes überlegen. Was wohl ebenfalls gängige Praxis ist, sind ein paar Zeilen über Hobbys oder Erlebnisse. Mal schauen:

Marcel Michaelsen wurde 1983 in Menden geboren und hat sein ganzes Leben im Sauerland verbracht. Die Landesgrenzen überquert er selten. Er guckt gerne Filme..

Ganz ehrlich, irgendwie bringt mich das alles nicht weiter. Also werden jetzt erstmal ein paar Autorenbios gecheckt … Erfolge … hab ich nicht. Bisherige Veröffentlichungen … hab ich nicht. Familie … hab ich nicht. Schulsiche Laufbahn und Abschlüsse … hab ich nicht. Okay, ich habe also nichts. Außer meinem Namen, meiner Geburt und meine Filme. Daraus lässt sich nicht wirklich was machen, fürchte ich. Zumindest nicht, ohne ein bisschen kreativ zu werden. Und das bin ich ja immer gerne. Wenn ich eben über nichts aus der Realität berichten kann, muss es eben etwas Fiktionales sein.

Marcel Michaelsen wurde 1983 in Menden geboren und hat sein ganzes Leben im Sauerland verbracht. Die Landesgrenzen überquert er in der Realität nur selten. Stattdessen hält er sich häufig in erfundenen Welten auf. Einen Großteil seiner Zeit verbringt er damit, die Bewohner dieser fiktiven Welten mit scheinbar ausweglosen Situationen zu plagen und ihnen das Leben zur Hölle zu machen.

So kommen wir der Sache doch schon etwas näher, denke ich. Aber ein bisschen mehr sollte es schon sein. Vielleicht doch nochmal die Filme einbauen? Aber wie? Einfach nur „Er mag Filme“ hinrotzen bringt es ja nicht. Aber vielleicht kann man das zusätzlich hinzufügen, zu den fiktiven Welten.

Marcel Michaelsen wurde 1983 in Menden geboren und hat sein ganzes Leben im Sauerland verbracht. Die Landesgrenzen überquert er in der Realität nur selten. Stattdessen hält er sich häufig in erfundenen Welten auf. Einen Großteil seiner Zeit verbringt er damit, die Bewohner dieser fiktiven Welten mit scheinbar ausweglosen Situationen zu plagen und ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Neben Büchern zieht er seine Inspiration auch aus Filmen, von denen er eine recht beachtliche Sammlung im Regal stehen hat.

Das klingt gar nicht so verkehrt. Jetzt vielleicht noch etwas, dass nicht in der Fiktion stattfindet. Wenn ich nicht schreibe, verdödel ich meine Zeit meist im Internet. Das kann man ja auch mal erwähnen.

Marcel Michaelsen wurde 1983 in Menden geboren und hat sein ganzes Leben im Sauerland verbracht. Die Landesgrenzen überquert er in der Realität nur selten. Stattdessen hält er sich häufig in erfundenen Welten auf. Einen Großteil seiner Zeit verbringt er damit, die Bewohner dieser fiktiven Welten mit scheinbar ausweglosen Situationen zu plagen und ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Neben Büchern zieht er seine Inspiration auch aus Filmen, von denen er eine recht beachtliche Sammlung im Regal stehen hat. Wenn er sich nicht in fiktiven Welten aufhält, findet man ihn vermutlich beim Prokrastinieren im Internet.

Ich denke, das lasse ich mal so stehen. So kann man auch direkt den Blog und die eigenen sozialen Medien darunter verlinken. Vermutlich sollte das alles überarbeitet werden, sobald ich ein paar Sachen veröffentlicht habe. Und dann kann man vermutlich auch noch über eine zusätzliche längere Bio nachdenken. Aber dafür gibt die Karriere bisher noch nichts her.

Was haltet ihr von der Bio? Wie sehen eure Bios aus? Was steht drin? Und habt ihr auch so zu kämpfen, wenn ihr über euch selbst schreiben müsst?

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Eigene Kreaturen

Wie angekündigt geht es diese Woche um ein wirklich spaßiges Thema. Das Kreieren von eigenen Wesen. Ich finde ja, dass Zwerge, Orks, Vampire und Zombies ziemlich ausgelutscht sind. Das heißt natürlich nicht, dass man sie nicht nutzen kann, wenn es angebracht ist. Aber es schadet absolut nicht, wenn man auch mal was Frisches in den Mix schmeißt. Denn Konfuzius sagt: „Die Mischung machts.“ Und er muss es wissen, schließlich herrscht in so einem konfusen Verstand jede Menge Verwirrung und Abwechslung.

Wir erinnern uns, wie Lord Edgar beim letzten Mal seine Armee von Schlangofanten unter der Führung von Krump losschickte, um das Schloss des Königs abzufackeln. Über die Schlangofanten haben wir also schon ein bisschen was erfahren und das soll uns erstmal reichen. Auf ihrem Weg zum Schloss treffen sie allerdings auf eine andere Rasse, die ihnen nicht friedlich gesinnt ist.

Im Wald der toten Bäume, der so hieß, weil die Bäume und Pflanzen hier wirklich mal etwas Wasser vertragen konnten, herrschte stets eine bedrückende Atmosphäre. Selbst Krump entging diese Atmosphäre nicht, dabei hatte er als Schlangofant absolut nichts für Atmosphäre übrig. Langsam marschierte die Schlangofantenarmee zwischen den abgestorbenen Bäumen und Sträuchern mit dürren Ästen hindurch. Krump hob eines seiner langen Ohren. Ein Knurren hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Er hob eine Hand. Die Armee stoppte ihren Marsch.

Im Unterholz lauert also eine Bedrohung. Und hier kommt der schwierige Teil. Wenn man eine Kreatur, ein Wesen, eine Gestalt, oder Ähnliches einführt, dann muss man sich bei der Beschreibung etwas anstrengen, um das Bild im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Jeder hat ein Bild von einem Zombie oder einem Drachen im Kopf. Aber wenn ich von einem gestreiften Krallenwusel spreche, passiert da erstmal nicht viel. Also muss ich dieses Wesen möglichst ausführlich, aber eben auch möglichst aufregend, beschreiben, um ein Bild zu zeichnen, ohne dabei Langeweile aufkommen zu lassen und mich in Details zu verlieren. Und ich will ehrlich sein: Diese Aufgabe fällt mir nicht sonderlich leicht. Aber Übung macht bekanntlich den Meister, also starten wir mal einen Versuch.

Zwei gelbe Punkte erschienen in der Dunkelheit zwischen den toten Bäumen. Die Punkte wurden größer und näherten sich langsam der Armee. Krump zog sein Schwert, das so viele scharfe Kanten und spitze Ecken hatte, dass er sich selbst jedes Mal verletze, wenn er es in die Hand nahm. Dafür bot es sich hervorragend an, um Gegner auszuweiden. Das Augenpaar verließ die Dunkelheit und ein gestreifter Krallenwusel erschien vor der Armee. Der Armee entwich ein erleichtertes Seufzen. Der gestreifte Krallenwusel reihte ihnen gerade bis zu den Knöcheln. Sein schwarz weiß gestreiftes Fell sah so kuschelig aus, dass man direkt versucht war, es als Kopfkissen zu benutzen. An seinen kleinen Pfoten zeigten sich winzige Krallen, die kaum dafür ausreichten, die Haut anzukratzen. Es legte die spitzen Ohren in den Nacken und fauchte. Das Fauchen wirkte nicht gerade angsteinflößend. Einer der Schlangofanten ging auf den gestreiften Krallenwusel zu. Der zeigte seine kleinen spitzen Zähne. Der Schlangofant hob den gestreiften Krallenwusel auf und wog ihn in seinen Armen. Er streichelte ihm über sein kuscheliges Fell. Die anderen Schlangofanten schauten zu und lachten. Dann baute der gestreifte Krallenwusel schlagartig seine Muskeln auf, wuchs zur doppelten Größe heran und biss dem Schlangofanten den Kopf ab. Das Lachen erlosch und weitere gelbe Punkte erschienen in der Dunkelheit.

Man sieht also, der erste Eindruck muss nicht immer der richtige sein. Aber der Eindruck, der beim Leser entstehen soll, muss ausführlich genug sein, um bei ihm ein Bild entstehen zu lassen. Ich denke, das ist mir hier wenigstens so einigermaßen gelungen. Man könnte sicher noch etwas mehr ins Detail gehen, aber ich mag es einfach nicht, wenn die Beschreibungen zu ausschweifend werden, wie ich ja auch schon mal erwähnt habe. Deshalb versuche ich mich immer auf das Wichtigste zu beschränken.

Beim nächsten Mal schauen wir uns dann mal an, wie eine kleine Schlacht in einem dunklen Wald zwischen zwei Phantasiewesen so aussehen könnte.

Wie beschreibt ihr selbst erfundene Kreaturen? Wann wart ihr eigentlich zuletzt alleine in einem dunklen Wald? Und mutiert eure Hauskatze auch manchmal einfach so zum ausgewachsenen Puma?

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Einführung des Antagonisten

Heute kommt der – für mich – wirklich spaßige Teil am Anfang einer Geschichte. Die Einführung des Antagonisten. Jeder gute Antagonist hat natürlich eine Antagonistenbehausung, die direkt zeigt, dass mit ihm nicht zu spaßen ist:

In der Mitte des Finsterwalds gab es eine Lichtung. Es war keine natürliche Lichtung. Diese Lichtung war künstlich angelegt worden. Bäume waren gefällt und verbrannt worden, um hier eine Lichtung entstehen zu lassen. Jeder wusste, dass Menschen, die einfach so Bäume fällen und verbrennen lassen, ohne an die Umwelt zu denken, oder zumindest das Holz zum heizen und kochen zu nutzen, keine guten Menschen waren. Und der unguteste von allen war eindeutig Lord Edgar. Und er lebte selbstverständlich auf dieser Lichtung. In einem Schloss, gebaut aus schwarzem Stein. Mit hohen Türmen, die von Raben umkreist wurden. Umgeben von einem Graben, in dessen dunklem Wasser Alligatoren, Piranhas, Nilpferde und andere tödliche Kreaturen badeten.

Ganz schön unheimlicher Ort, was? Absolut passend für einen Antagonisten. Für das pure Böse. Dann schauen wir doch mal, wer da so lebt:

Wie jedes Schloss, das etwas auf sich hält, hatte auch dieses einen Thronsaal. In diesem Thronsaal saß Lord Edgar in seinem Thron aus Gold. Nur die Wenigsten wussten, dass der Thron nicht wirklich aus Gold bestand, sondern aus Aluminium, das täglich mit Goldfarbe bepinselt wurde, damit er schön glänzte und sich dadurch wunderbar vom schwarzen Stein des Schlosses abhob. Der Thronsaal war lang. Lord Edgar konnte noch so gerade die große Flügeltur sehen, die sich in diesem Moment öffnete. Er strich seinen langen Bart glatt und wartete die Minuten ab, die die Person braucht, um den Thron zu erreichen. Lord Edgar wusste bereits, wer auf ihn zu kam. Nur Krump lief so euphorisch durch den Thronsaal. Denn er hatte immer gute Nachrichten. Oder zumindest dachte er immer, dass er gute Nachrichten hat.
„Guten Morgen, mein Lord“, sabberte Krump und ließ seine lange Zunge kurz hervorschnellen. Krump war ein Schlangofant und Schlangofanten sabberten immer, da sie Probleme hatten, ihre lange Zunge und den Rüssel in Einklang zu bringen. Gleichzeitig durch den Rüssel zu atmen und sich dabei nicht auf die Zunge zu beißen, die ständig aus dem Mund hing, bedurfte jahrelanger Übung. Leider lag die Lebenserwartung eines Schlangofanten bei höchstens einem Jahr. Dann fielen sie gewöhnlich in der Schlacht oder starben an einer Zungenentzündung.
Lord Edgar beschränkte sich wie üblich auf ein kurzes Kopfnicken, um Krump zu verstehen zu geben, dass es weiter reden sollte.
„Operation Wildausrottung war ein voller Erfolg, mein Lord. So schnell wird sich kein Hirsch mehr in diese Gegend trauen.“
Lord Edgar hatte den Hirsch bereits vergessen. Er hatte Krump nur den Auftrag gegeben, sich um das „Problem“ zu kümmern, damit er beschäftigt war und ihn nicht ständig mit neuen Dingen nervte. Immerhin hatte er Krump für einen Moment zufrieden gestellt und seine Ruhe gehabt. Diese Ruhe war jetzt natürlich vorbei, denn Krump brauchte einen neuen Auftrag.

So haben wir dann neben dem Antagonisten auch schon mal einen Handlanger eingeführt. Ich habe übrigens den Hang dazu, Antagonisten immer dämliche Handlanger an die Seite zu stellen. Keine Ahnung, warum. Vielleicht, weil ein Antagonist eben auch etwas Lockerheit mitbringen sollte. Und wie sich schon herausliest, ist eine Sache ganz besonders wichtig: Ein Charakter braucht eine Aufgabe. Etwas, das ihn im Verlauf der Handlung beschäftigt. Und gerade der Antagonist und seine Sippschaft sind da natürlich nicht unwichtig, denn wenn sie nichts machen, hat auch der Protagonist keinen Grund, irgendwas zu tun.

Lord Edgar dachte nach. Momentan fiel ihm nicht viel ein, was er Krump hätte auftragen können. Es waren ekelhaft ruhige Zeiten. Friedenszeiten. Nicht, dass Lord Edgar eine generelle Abneigung gegen den Frieden hatte. Aber es war so langweilig, wenn sich die Leute nicht gegenseitig abschlachteten. Vielleicht war es an der richtigen Zeit, eine alte Rechnung zu begleichen.
„“Ich denke, du solltest meinem alten Freund dem König einen Besuch abstatten“, trug er Krump auf. „Und nimm ein paar Fackeln mit, damit du sein Schloss leichter niederbrennen kannst.“

Ganz schöne Widerlinge, nicht wahr? Das soll dann auch erstmal reichen. Der Antagonist ist eingeführt und eine erste Handlung ist vollbracht. Jetzt sind die „Guten“ am Zug. Da es hier mit den Schlangofanten schon angeteast wurde, entwickeln wir beim nächsten Mal aber zuerst ein eigenes Wesen.

Wie führt ihr eure Antagonisten ein? Wie sieht euer Schloss aus? Und hättet ihr nicht auch gerne einen Schlangofanten als Haustier?

Warum Charaktere so wichtig für eine Geschichte sind

Anstoß zu diesem Post ist tatsächlich kein Buch, sondern die Filmlandschaft. Ich bin ja bekanntlich großer Filmfan – um nicht zu sagen unverbesserlicher Filmfreak – und gucke dementsprechend viele Streifen aus allen Epochen und allen Genres. Zuletzt gab es im Kino Christopher Nolans Kriegsfilm „Dunkirk“. Was ich genau von diesem Film halte, könnt ihr auf meinem Filmblog nachlesen (und nein, der Film ist kein Schrott, auch wenn der Blog so heißt).

Minimale Spoiler zum Film sind zu erwarten.

Auf eine Sache möchte ich aber hier etwas näher eingehen. Denn das ist ein Problem, dass sich in Hollywood mittlerweile offensichtlich etabliert hat und einige gute Filme daran hindert, fantastische Filme zu sein. Die Rede ist von Charakteren (der Titel dieses Posts hat euch sicher schon auf den Gedanken gebracht, dass es darum gehen könnte).

In „Dunkirk“ geht es um die zu Kriegsbeginn eingekesselten Soldaten in Dünkirchen, die auf Rettung warten, während die Deutschen immer näher rücken und hin und wieder mal mit einem Kampfflugzeug vorbei kommen, um ein paar Schiffe zu versenken. Der Film verfolgt die Geschehnisse aus drei Perspektiven: Land, Wasser und Luft. Und dabei hängt er sich jeweils stark an einen oder zwei Charaktere und weicht denen nicht von der Seite, so dass man als Zuschauer quasi mitten im Geschehen ist. So weit so gut.

Das Problem: Die Charaktere sind eigentlich gar keine Charaktere. Sie sind einfach nur irgendwelche Jungs, die halt in der Scheiße sitzen. Nicht mal die Namen erfährt man von ihnen. So hängt man also am Rockzipfel – oder Uniformszipfel – von fremden Personen und folgt ihnen durchs Wasser und die Luft. Nur bleibt einem dadurch eine wichtige Sache verwehrt: Das Mitfiebern, dass es diese Leute auch da raus schaffen. Klar, wir wissen, dass die Situation richtig kacke ist und man hat dadurch zumindest ein gewisses Gefühl für die missliche Lage. Aber das reicht nun mal nicht.

Generell ist es inzwischen im Film offenbar so, dass es wichtiger ist, möglichst actionreich zu inszenieren, dabei aber zu vergessen, dass Action eben nur so gut ist, wie die Charaktere, die sich in dieser Action befinden. Wenn mal wieder irgendein Marvel-Monster die Erde fressen will, auf dieser Erde aber nur Abziehbilder von Menschen herumhampeln, ist es mir einfach egal. Wenn die Aliens in „Independence Day 2“ erneut angreifen, sie aber ohnehin nur seelenlose Hüllen vernichten, können sie die Erde wegen mir gerne abfackeln (und nebenbei: Guckt niemals „Independence Day 2“. Ganz ehrlich, lasst es. Das ist der mit Abstand schlechteste Film, der jemals gemacht wurde. Und ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe schon so einige Grütze gesehen.)

Es ist wie in den Nachrichten. Wenn ein Bus voller Nonnen eine Klippe herunterstürzt, denkt man sich auch „Ja, schon doof für die Nonnen.“ Aber kennen wir eine dieser Nonnen, oder den Busfahrer? Nein. Also ist es eben nur eine Schlagzeile. Wir wissen, dass in Afrika die Kinder verhungern und natürlich ist das einfach nur ganz große Scheiße. Aber zeig mir tausend Bilder von verarmten Dörfern in Afrika und viel mehr als ein kurzes Resignieren wird nicht kommen. Stell mir hingegen eins dieser verhungernden Kinder vor und du erhältst eine gefühlsmäßige Reaktion. Und so ist es eben auch mit Charakteren in Fiktion. Sei es nun im Film, oder im Buch, oder von mir aus auch im Videospiel.

Warum das gerade jetzt so erwähnenswert ist, liegt übrigens daran, dass Christopher Nolan bisher eigentlich immer ganz gut mit seinen Charakteren umgegangen ist. In seinen bisherigen Filmen hatte man eigentlich immer das Gefühl, die Leute zumindest einigermaßen zu kennen. Bei „Dunkirk“ leider überhaupt nicht. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass das nur widerspiegeln soll, dass auch die Soldaten sich untereinander nicht kennen und einfach nur ums Überleben kämpfen. Trotzdem wird man eben einer wichtigen Gefühlsinvestition beraubt, die so einen Film eben noch mal auf ein höheres Level heben kann. Und das ist einfach schade. Und eben leider kein Einzelfall.

Wollte das mal spontan loswerden (und in dem Zusammenhang hier mal wieder was schreiben, damit der Blog nicht komplett stirbt). Wie seht ihr das? Habt ihr den Film gesehen und teilt meine Meinung dazu? Und wie steht ihr generell zu der Wichtigkeit von Charakteren in Geschichten? Und will jemand mit mir Urlaub in Dünkirchen machen? Soll schön sein da.

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Der Anfang

Letztes Mal habe ich an dieser Stelle die Sage um Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar abgeschlossen. Aber wie bereits angekündigt birgt jedes Ende auch einen Anfang. In diesem Fall sogar den Anfang der Geschichte, die ich seit Monaten fortführe, um euch dabei zu zeigen, wie wenig Ahnung ich tatsächlich von dem ganzen Quark, den ich hier treibe, habe.

Im Idealfall ist das mit dem Anfang bei mir so: Ich habe vorher ein Ende im Kopf und weiß dadurch relativ genau, welche Entwicklung die Figuren durchmachen müssen und was der beste Status Quo für den Beginn ist. Im Fall von Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar ist das Ende ja sogar schon geschrieben. Dadurch weiß ich ziemlich klar, wie die Figuren am Anfang ticken sollten.

Bei Hausmeistersohn Peter ist es ziemlich einfach. Für ihn wird die Geschichte ja eine mehr oder weniger gewöhnliche „über sich selbst hinauswachsen“ Geschichte werden. Das heißt, er muss am Anfang ein ziemlicher Lappen sein.

Peter schaute sich interessiert im Kerker um. Er war noch nie hier unten gewesen. Bisher hatte sein Vater es für keine gute Idee gehalten, ihn mit hier runter zu nehmen. Sein Vater hatte ihm versprochen, ihn mitzunehmen, sobald er nachts nicht mehr ins Bett machte. An seinem zwölften Geburtstag war es Peter endlich gelungen, diese Herausforderung zu meistern. Und jetzt stand er hier und schaute seinem Vater zu, wie er ein Gitter reparierte, das beim letzten Ausbruchversuch eines der Gefolterten und Gepeinigten Schaden genommen hatte. Natürlich nicht so viel Schaden, wie der Ausbrecher, dessen Kopf draußen vor der Burg auf einem Pfahl aufgespießt worden war. Peter ließ seinen Vater an dem Gitter rumschrauben und spielte mit einer der rostigen Ketten an der Wand. Viele Handgelenke hatten die Ketten schon wund gescheuert. Peter zog an der Kette. Sie saß fest an der Wand. Er legte die Schelle an sein Handgelenk. Er stellte sich vor, wie grausam es sein musste, hier unten in der Dunkelheit zwischen Ratten und anderen Gefangenen festzuhängen und zu wissen, dass man nie wieder das Tageslicht erblicken würde. Er beschloss, niemals in so eine Situation zu geraten. Er versuchte die Schelle von seinem Handgelenk zu lösen. Sie saß fest. Er zog fest daran. Die Ketten rasselten. Er zog erneut. Risse entstanden in der Wand. Die Kette löste sich und Peter fiel zu Boden. Die Schelle fiel von seinem Handgelenk. Ein Backstein fiel aus der Wand. Peter schob die Schelle in die Wand und den Backstein davor. Pfeifend schlenderte er zu Vater zurück.

Erinnert ihr euch noch an das Foreshadowing? Das hier ist so ein Moment, wo ich mir zumindest eine Notiz mache. Denn eventuell ergibt sich im Verlauf der Geschichte ja eine Situation, in der Peter in Gefangenschaft geraten könnte. Und vielleicht würde es ihm dann sogar helfen, dass er sich hier schon mit den Ketten und Handschellen befasst hat, um zu entkommen. Das müsste dann aber später ausgebaut werden, wenn es denn wirklich so kommen sollte.

„Leuchte mir mal“, sagte Vater und hielt Peter eine Fackel hin.
Peter ergriff die Fackel und spendete seinem Vater Licht, während der sich an dem Gitter zu schaffen macht. Als Hausmeister hatte er ständig mit Reperaturarbeiten zu tun. Neben dem König und der Königin war er der einzige, der zutritt zu allen Räumlichkeiten der Burg hatte. Egal ob die Schlafräume, der Kerker oder der Drachenzwinger, Vater hatte überall die Türen repariert und Fackeln ausgetauscht. Und er hatte es mit einem ständigen Lächeln auf dem Gesicht getan. Sicher, viele würden sagen, dass der Beruf des Hausmeisters nicht der Ehrenwerteste ist. Aber Vater sah das so: „Lieber eine Tätigkeit, bei der man auch mal in der Scheiße steht, als eine, bei der man sich vor Angst in die Hosen scheißt.“ Er hatte keine Lust, seinen Kopf auf dem Schlachtfeld zu verlieren, für eine Königsfamilie die nicht mal seinen Namen kannte.

So hat man auch schon mal einen Eindruck von Peters Vater, der zumindest am Anfang der Geschichte sicher nicht unwichtig sein wird. Jetzt muss Peter nur noch kurz beweisen, dass er ein absoluter Trottel ist.

„Fertig“, verkündete Vater und packte sein Werkzeug zusammen. Er stand auf und testete das neue Scharnier an der Gittertür ein letztes Mal. Zufrieden schaute er Peter an. „Frühstückspause?“ Peter lächelte. Vater ging voraus. Peter folgte ihm. Er schlug das Gitter zu, das laut schallernd ins Schloss fiel. Und anschließend zu Boden. Und die restlichen Gitter der Zelle mit sich riss. Und die Mauern, die es umgaben. Vater schaute sich die Zerstörung an. „Ich schätze, das Frühstück verschieben wir“, sagte er und packte sein Werkzeug aus.

Da das jetzt schon recht lang war, teilen wir den Anfang besser in zwei Teile auf. Beim nächsten Mal zeige ich euch dann, wie ich einen Antagonisten einführe.

Wie beginnt ihr eure Geschichten? Habt ihr euch schon mal für einen Job in einem Kerker beworben? Und mit wie vielen Hausmeistern seit ihr eigentlich befreundet?