Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Einführung des Antagonisten

Heute kommt der – für mich – wirklich spaßige Teil am Anfang einer Geschichte. Die Einführung des Antagonisten. Jeder gute Antagonist hat natürlich eine Antagonistenbehausung, die direkt zeigt, dass mit ihm nicht zu spaßen ist:

In der Mitte des Finsterwalds gab es eine Lichtung. Es war keine natürliche Lichtung. Diese Lichtung war künstlich angelegt worden. Bäume waren gefällt und verbrannt worden, um hier eine Lichtung entstehen zu lassen. Jeder wusste, dass Menschen, die einfach so Bäume fällen und verbrennen lassen, ohne an die Umwelt zu denken, oder zumindest das Holz zum heizen und kochen zu nutzen, keine guten Menschen waren. Und der unguteste von allen war eindeutig Lord Edgar. Und er lebte selbstverständlich auf dieser Lichtung. In einem Schloss, gebaut aus schwarzem Stein. Mit hohen Türmen, die von Raben umkreist wurden. Umgeben von einem Graben, in dessen dunklem Wasser Alligatoren, Piranhas, Nilpferde und andere tödliche Kreaturen badeten.

Ganz schön unheimlicher Ort, was? Absolut passend für einen Antagonisten. Für das pure Böse. Dann schauen wir doch mal, wer da so lebt:

Wie jedes Schloss, das etwas auf sich hält, hatte auch dieses einen Thronsaal. In diesem Thronsaal saß Lord Edgar in seinem Thron aus Gold. Nur die Wenigsten wussten, dass der Thron nicht wirklich aus Gold bestand, sondern aus Aluminium, das täglich mit Goldfarbe bepinselt wurde, damit er schön glänzte und sich dadurch wunderbar vom schwarzen Stein des Schlosses abhob. Der Thronsaal war lang. Lord Edgar konnte noch so gerade die große Flügeltur sehen, die sich in diesem Moment öffnete. Er strich seinen langen Bart glatt und wartete die Minuten ab, die die Person braucht, um den Thron zu erreichen. Lord Edgar wusste bereits, wer auf ihn zu kam. Nur Krump lief so euphorisch durch den Thronsaal. Denn er hatte immer gute Nachrichten. Oder zumindest dachte er immer, dass er gute Nachrichten hat.
„Guten Morgen, mein Lord“, sabberte Krump und ließ seine lange Zunge kurz hervorschnellen. Krump war ein Schlangofant und Schlangofanten sabberten immer, da sie Probleme hatten, ihre lange Zunge und den Rüssel in Einklang zu bringen. Gleichzeitig durch den Rüssel zu atmen und sich dabei nicht auf die Zunge zu beißen, die ständig aus dem Mund hing, bedurfte jahrelanger Übung. Leider lag die Lebenserwartung eines Schlangofanten bei höchstens einem Jahr. Dann fielen sie gewöhnlich in der Schlacht oder starben an einer Zungenentzündung.
Lord Edgar beschränkte sich wie üblich auf ein kurzes Kopfnicken, um Krump zu verstehen zu geben, dass es weiter reden sollte.
„Operation Wildausrottung war ein voller Erfolg, mein Lord. So schnell wird sich kein Hirsch mehr in diese Gegend trauen.“
Lord Edgar hatte den Hirsch bereits vergessen. Er hatte Krump nur den Auftrag gegeben, sich um das „Problem“ zu kümmern, damit er beschäftigt war und ihn nicht ständig mit neuen Dingen nervte. Immerhin hatte er Krump für einen Moment zufrieden gestellt und seine Ruhe gehabt. Diese Ruhe war jetzt natürlich vorbei, denn Krump brauchte einen neuen Auftrag.

So haben wir dann neben dem Antagonisten auch schon mal einen Handlanger eingeführt. Ich habe übrigens den Hang dazu, Antagonisten immer dämliche Handlanger an die Seite zu stellen. Keine Ahnung, warum. Vielleicht, weil ein Antagonist eben auch etwas Lockerheit mitbringen sollte. Und wie sich schon herausliest, ist eine Sache ganz besonders wichtig: Ein Charakter braucht eine Aufgabe. Etwas, das ihn im Verlauf der Handlung beschäftigt. Und gerade der Antagonist und seine Sippschaft sind da natürlich nicht unwichtig, denn wenn sie nichts machen, hat auch der Protagonist keinen Grund, irgendwas zu tun.

Lord Edgar dachte nach. Momentan fiel ihm nicht viel ein, was er Krump hätte auftragen können. Es waren ekelhaft ruhige Zeiten. Friedenszeiten. Nicht, dass Lord Edgar eine generelle Abneigung gegen den Frieden hatte. Aber es war so langweilig, wenn sich die Leute nicht gegenseitig abschlachteten. Vielleicht war es an der richtigen Zeit, eine alte Rechnung zu begleichen.
„“Ich denke, du solltest meinem alten Freund dem König einen Besuch abstatten“, trug er Krump auf. „Und nimm ein paar Fackeln mit, damit du sein Schloss leichter niederbrennen kannst.“

Ganz schöne Widerlinge, nicht wahr? Das soll dann auch erstmal reichen. Der Antagonist ist eingeführt und eine erste Handlung ist vollbracht. Jetzt sind die „Guten“ am Zug. Da es hier mit den Schlangofanten schon angeteast wurde, entwickeln wir beim nächsten Mal aber zuerst ein eigenes Wesen.

Wie führt ihr eure Antagonisten ein? Wie sieht euer Schloss aus? Und hättet ihr nicht auch gerne einen Schlangofanten als Haustier?

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Warum Charaktere so wichtig für eine Geschichte sind

Anstoß zu diesem Post ist tatsächlich kein Buch, sondern die Filmlandschaft. Ich bin ja bekanntlich großer Filmfan – um nicht zu sagen unverbesserlicher Filmfreak – und gucke dementsprechend viele Streifen aus allen Epochen und allen Genres. Zuletzt gab es im Kino Christopher Nolans Kriegsfilm „Dunkirk“. Was ich genau von diesem Film halte, könnt ihr auf meinem Filmblog nachlesen (und nein, der Film ist kein Schrott, auch wenn der Blog so heißt).

Minimale Spoiler zum Film sind zu erwarten.

Auf eine Sache möchte ich aber hier etwas näher eingehen. Denn das ist ein Problem, dass sich in Hollywood mittlerweile offensichtlich etabliert hat und einige gute Filme daran hindert, fantastische Filme zu sein. Die Rede ist von Charakteren (der Titel dieses Posts hat euch sicher schon auf den Gedanken gebracht, dass es darum gehen könnte).

In „Dunkirk“ geht es um die zu Kriegsbeginn eingekesselten Soldaten in Dünkirchen, die auf Rettung warten, während die Deutschen immer näher rücken und hin und wieder mal mit einem Kampfflugzeug vorbei kommen, um ein paar Schiffe zu versenken. Der Film verfolgt die Geschehnisse aus drei Perspektiven: Land, Wasser und Luft. Und dabei hängt er sich jeweils stark an einen oder zwei Charaktere und weicht denen nicht von der Seite, so dass man als Zuschauer quasi mitten im Geschehen ist. So weit so gut.

Das Problem: Die Charaktere sind eigentlich gar keine Charaktere. Sie sind einfach nur irgendwelche Jungs, die halt in der Scheiße sitzen. Nicht mal die Namen erfährt man von ihnen. So hängt man also am Rockzipfel – oder Uniformszipfel – von fremden Personen und folgt ihnen durchs Wasser und die Luft. Nur bleibt einem dadurch eine wichtige Sache verwehrt: Das Mitfiebern, dass es diese Leute auch da raus schaffen. Klar, wir wissen, dass die Situation richtig kacke ist und man hat dadurch zumindest ein gewisses Gefühl für die missliche Lage. Aber das reicht nun mal nicht.

Generell ist es inzwischen im Film offenbar so, dass es wichtiger ist, möglichst actionreich zu inszenieren, dabei aber zu vergessen, dass Action eben nur so gut ist, wie die Charaktere, die sich in dieser Action befinden. Wenn mal wieder irgendein Marvel-Monster die Erde fressen will, auf dieser Erde aber nur Abziehbilder von Menschen herumhampeln, ist es mir einfach egal. Wenn die Aliens in „Independence Day 2“ erneut angreifen, sie aber ohnehin nur seelenlose Hüllen vernichten, können sie die Erde wegen mir gerne abfackeln (und nebenbei: Guckt niemals „Independence Day 2“. Ganz ehrlich, lasst es. Das ist der mit Abstand schlechteste Film, der jemals gemacht wurde. Und ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe schon so einige Grütze gesehen.)

Es ist wie in den Nachrichten. Wenn ein Bus voller Nonnen eine Klippe herunterstürzt, denkt man sich auch „Ja, schon doof für die Nonnen.“ Aber kennen wir eine dieser Nonnen, oder den Busfahrer? Nein. Also ist es eben nur eine Schlagzeile. Wir wissen, dass in Afrika die Kinder verhungern und natürlich ist das einfach nur ganz große Scheiße. Aber zeig mir tausend Bilder von verarmten Dörfern in Afrika und viel mehr als ein kurzes Resignieren wird nicht kommen. Stell mir hingegen eins dieser verhungernden Kinder vor und du erhältst eine gefühlsmäßige Reaktion. Und so ist es eben auch mit Charakteren in Fiktion. Sei es nun im Film, oder im Buch, oder von mir aus auch im Videospiel.

Warum das gerade jetzt so erwähnenswert ist, liegt übrigens daran, dass Christopher Nolan bisher eigentlich immer ganz gut mit seinen Charakteren umgegangen ist. In seinen bisherigen Filmen hatte man eigentlich immer das Gefühl, die Leute zumindest einigermaßen zu kennen. Bei „Dunkirk“ leider überhaupt nicht. Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass das nur widerspiegeln soll, dass auch die Soldaten sich untereinander nicht kennen und einfach nur ums Überleben kämpfen. Trotzdem wird man eben einer wichtigen Gefühlsinvestition beraubt, die so einen Film eben noch mal auf ein höheres Level heben kann. Und das ist einfach schade. Und eben leider kein Einzelfall.

Wollte das mal spontan loswerden (und in dem Zusammenhang hier mal wieder was schreiben, damit der Blog nicht komplett stirbt). Wie seht ihr das? Habt ihr den Film gesehen und teilt meine Meinung dazu? Und wie steht ihr generell zu der Wichtigkeit von Charakteren in Geschichten? Und will jemand mit mir Urlaub in Dünkirchen machen? Soll schön sein da.

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Der Anfang

Letztes Mal habe ich an dieser Stelle die Sage um Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar abgeschlossen. Aber wie bereits angekündigt birgt jedes Ende auch einen Anfang. In diesem Fall sogar den Anfang der Geschichte, die ich seit Monaten fortführe, um euch dabei zu zeigen, wie wenig Ahnung ich tatsächlich von dem ganzen Quark, den ich hier treibe, habe.

Im Idealfall ist das mit dem Anfang bei mir so: Ich habe vorher ein Ende im Kopf und weiß dadurch relativ genau, welche Entwicklung die Figuren durchmachen müssen und was der beste Status Quo für den Beginn ist. Im Fall von Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar ist das Ende ja sogar schon geschrieben. Dadurch weiß ich ziemlich klar, wie die Figuren am Anfang ticken sollten.

Bei Hausmeistersohn Peter ist es ziemlich einfach. Für ihn wird die Geschichte ja eine mehr oder weniger gewöhnliche „über sich selbst hinauswachsen“ Geschichte werden. Das heißt, er muss am Anfang ein ziemlicher Lappen sein.

Peter schaute sich interessiert im Kerker um. Er war noch nie hier unten gewesen. Bisher hatte sein Vater es für keine gute Idee gehalten, ihn mit hier runter zu nehmen. Sein Vater hatte ihm versprochen, ihn mitzunehmen, sobald er nachts nicht mehr ins Bett machte. An seinem zwölften Geburtstag war es Peter endlich gelungen, diese Herausforderung zu meistern. Und jetzt stand er hier und schaute seinem Vater zu, wie er ein Gitter reparierte, das beim letzten Ausbruchversuch eines der Gefolterten und Gepeinigten Schaden genommen hatte. Natürlich nicht so viel Schaden, wie der Ausbrecher, dessen Kopf draußen vor der Burg auf einem Pfahl aufgespießt worden war. Peter ließ seinen Vater an dem Gitter rumschrauben und spielte mit einer der rostigen Ketten an der Wand. Viele Handgelenke hatten die Ketten schon wund gescheuert. Peter zog an der Kette. Sie saß fest an der Wand. Er legte die Schelle an sein Handgelenk. Er stellte sich vor, wie grausam es sein musste, hier unten in der Dunkelheit zwischen Ratten und anderen Gefangenen festzuhängen und zu wissen, dass man nie wieder das Tageslicht erblicken würde. Er beschloss, niemals in so eine Situation zu geraten. Er versuchte die Schelle von seinem Handgelenk zu lösen. Sie saß fest. Er zog fest daran. Die Ketten rasselten. Er zog erneut. Risse entstanden in der Wand. Die Kette löste sich und Peter fiel zu Boden. Die Schelle fiel von seinem Handgelenk. Ein Backstein fiel aus der Wand. Peter schob die Schelle in die Wand und den Backstein davor. Pfeifend schlenderte er zu Vater zurück.

Erinnert ihr euch noch an das Foreshadowing? Das hier ist so ein Moment, wo ich mir zumindest eine Notiz mache. Denn eventuell ergibt sich im Verlauf der Geschichte ja eine Situation, in der Peter in Gefangenschaft geraten könnte. Und vielleicht würde es ihm dann sogar helfen, dass er sich hier schon mit den Ketten und Handschellen befasst hat, um zu entkommen. Das müsste dann aber später ausgebaut werden, wenn es denn wirklich so kommen sollte.

„Leuchte mir mal“, sagte Vater und hielt Peter eine Fackel hin.
Peter ergriff die Fackel und spendete seinem Vater Licht, während der sich an dem Gitter zu schaffen macht. Als Hausmeister hatte er ständig mit Reperaturarbeiten zu tun. Neben dem König und der Königin war er der einzige, der zutritt zu allen Räumlichkeiten der Burg hatte. Egal ob die Schlafräume, der Kerker oder der Drachenzwinger, Vater hatte überall die Türen repariert und Fackeln ausgetauscht. Und er hatte es mit einem ständigen Lächeln auf dem Gesicht getan. Sicher, viele würden sagen, dass der Beruf des Hausmeisters nicht der Ehrenwerteste ist. Aber Vater sah das so: „Lieber eine Tätigkeit, bei der man auch mal in der Scheiße steht, als eine, bei der man sich vor Angst in die Hosen scheißt.“ Er hatte keine Lust, seinen Kopf auf dem Schlachtfeld zu verlieren, für eine Königsfamilie die nicht mal seinen Namen kannte.

So hat man auch schon mal einen Eindruck von Peters Vater, der zumindest am Anfang der Geschichte sicher nicht unwichtig sein wird. Jetzt muss Peter nur noch kurz beweisen, dass er ein absoluter Trottel ist.

„Fertig“, verkündete Vater und packte sein Werkzeug zusammen. Er stand auf und testete das neue Scharnier an der Gittertür ein letztes Mal. Zufrieden schaute er Peter an. „Frühstückspause?“ Peter lächelte. Vater ging voraus. Peter folgte ihm. Er schlug das Gitter zu, das laut schallernd ins Schloss fiel. Und anschließend zu Boden. Und die restlichen Gitter der Zelle mit sich riss. Und die Mauern, die es umgaben. Vater schaute sich die Zerstörung an. „Ich schätze, das Frühstück verschieben wir“, sagte er und packte sein Werkzeug aus.

Da das jetzt schon recht lang war, teilen wir den Anfang besser in zwei Teile auf. Beim nächsten Mal zeige ich euch dann, wie ich einen Antagonisten einführe.

Wie beginnt ihr eure Geschichten? Habt ihr euch schon mal für einen Job in einem Kerker beworben? Und mit wie vielen Hausmeistern seit ihr eigentlich befreundet?

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Das Ende

Es ist soweit: Das Ende ist da! Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar kriegen ihren jeweiligen Abschluss. Aber

KEINE PANIK

wir werden uns nicht komplett von ihnen verabschieden. Diese Reihe geht natürlich weiter. Es gibt noch viel zu schreiben und viel herauszufinden und viel zu lernen. Heute kümmern wir uns aber wie gesagt erstmal um das Ende.

Hausmeistersohn Peter hat also Lord Edgar besiegt indem er ihn versehentlich aus dem Schlafzimmerfenster gestoßen hat. Das ist der Höhepunkt der Geschichte. Und ich bin ganz klar der Meinung, dass man danach nicht noch ewig rumwurschteln sollte, sondern zusehen, dass man fertig wird. Einfach „THE END“ hinzuschreiben, ist etwas wenig, aber das Ziel sollte sein, innerhalb der nächsten paar Sätze da anzukommen. Nach der letzten Schlacht, dem letzten Kampf, der Aufklärung des Mordfalles, der Erfassung des Bankräubers, der Vernichtung der Froschmutanten, ist die Luft einfach raus. Die Geschichte ist erzählt und ich will mich Neuem widmen. Als Autor und auch als Leser.

Ich fasse also nur noch kurz zusammen, was die wichtigsten Charaktere nach der entscheidenden Auflösung so treiben.

Hausmeistersohn Peter war zum ersten Mal in seinem Leben wirklich glücklich. Endlich hatte er mal etwas richtig gemacht. Etwas, für das er Lob bekam, das nicht ausschließlich von seinem Vater stammte. Der König hatte sogar in Erwägung gezogen, ihn zum Ritter zu schlagen. Peter hatte abgelehnt. Auch wenn er dem Land einen großen Dienst erwiesen hatte, indem er Lord Edgar unschädlich gemacht hatte, wusste er selbst natürlich nur zu gut, wie viel Glück dabei eine Rolle gespielt hatte. Er würde nicht aufhören davon zu träumen, eines Tages ein großer Ritter zu sein. Aber er wollte es sich verdienen.

Hausmeistersohn Peter bleibt also bescheiden. Allerdings sollte er natürlich durchaus etwas gewinnen am Ende. Und da bietet sich natürlich das übliche an.

Prinzessin Mandy besuchte Hausmeistersohn Peter. Der ging gerade seiner Arbeit nach und brachte Fensterläden am Schlafzimmerfenster an. Die Königin war der Meinung, dass es fahrlässig war, alle Fenster ständig offen stehen zu lassen. Vor allem die der Schlafzimmer. Wenn die Bewohner der Burg unbedingt ihren voyeuristischen Hobbys nachgehen wollten, konnten sie sich wenigstens etwas anstrengen. Hausmeistersohn Peter ließ von dem Fensterladen ab und sprang in das Zimmer. Der Fensterladen fiel und zerschmetterte beim Aufprall unten im Burghof. Hausmeistersohn Peter schaute aus dem Fenster und schluckte. Immerhin hatte er sich einen kleinen Bonus erarbeitet, als Lord Edgar aus dem Fenster gefallen war. Also würde man ihn wohl nicht bestrafen. Er zuckte mit den Schultern und schaute Prinzessin Mandy an. Die freute sich ihn zu sehen und bedankte sich bei ihm für seine Heldentat. Zum Dank drückte sie ihm einen Kuss auf die Wange und hüpfte fröhlich aus dem Raum. Peter lief rot an und fasste sich an die Wange. Er beschloss, die Stelle nie wieder zu waschen, im Gegensatz zu allen anderen Körperstellen, die er immerhin einmal im Jahr mit Wasser benetzte.

Ja, es gibt eben immer eine Liebesgeschichte dazu. Und Hausmeistersohn Peter ist natürlich von Beginn an in die Prinzessin verliebt. Und am Ende hat er zumindest ihre Aufmerksamkeit. Geheiratet wird dann aber frühestens in der Fortsetzung. DEr Protagonist hat damit vorerst seinen Abschluss. Aber eine wichtige Person fehlt natürlich noch.

Lord Edgar grummelte vor sich hin und schaute zu den Sternen hoch. Vor wenigen Stunden war es ihm endlich gelungen, eine bequeme Position in den lebendigen Ranken zu finden, die ihn nie wieder frei lassen würden. Der König wollte ursprünglich veranlassen, dass die Ranken samt Lord Edgar einfach abgefackelt würden. Nachdem die Ranken aber drei der Männer, die sich ihnen mit Fackeln näherten, den Kopf abgerissen hatten, änderte er seine Meinung und versuchte Lord Edgar zu überreden, doch als magischer Berater für ihn zu arbeiten. Lord Edgar hatte sich erst gesträubt, aber da er ohnehin hier fest hing, im wahrsten Sinne des Wortes, nahm er den Job dann doch an. Durch sein Verhandlungsgeschick hatte er immerhin eine gute Bezahlung herausgeholt. Jede Woche eine Flasche Bartöl für ihn und täglich eine Gießkanne Wasser für die Ranken.

Und das wäre das Ende. Recht kurz und bündig. Jeder wichtige Charakter (zumindest bisher) hat seinen Abschluss gekriegt. Normalerweise würde ich das noch etwas ausschmücken, aber bisher kenne ich ja nur die zwei Charaktere wirklich, also muss das erstmal reichen. Und wie wir alle wissen, ist das Ende immer nur der Weg zum Anfang. Deshalb schauen wir uns das nächste Mal an, wie man einen Anfang schreibt.

Wie schließt ihr Geschichten ab? Wart ihr auch schon mal in eine Prinzessin oder einen Prinzen verliebt? Und wie viele Flaschen Bartöl verbraucht ihr so in der Woche?

Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Foreshadowing

Heute wird es höchstinteressant hier … okay, ich will nicht lügen, vielleicht wird es auch todlangweilig. Ich weiß es selbst noch nicht. Ich schludere den ganzen Kram hier schließlich ziemlich spontan hin. Ich weiß also überhaupt nicht, wo das alles hinführt. Und beim heutigen Thema schon gar nicht. Denn es geht um das gute, alte Foreshadowing – ich verzichte bewusst auf die deutsche Ausdrucksweise „epische Vorausdeutung“, weil mir das zu dämlich klingt und so episch ist das alles hier nun auch wieder nicht.

Es geht um bewusst platzierte Elemente, die im späteren Verlauf einer Geschichte wieder aufgegriffen werden. Das berühmteste Beispiel ist wohl die Waffe, die im ersten Kapitel in der Schublade des Detektivs liegt und mit der er im letzten Kapitel den Antagonisten erschießt. Oder die scharfe Blondine mit den dicken Tüten, die ihm den Auftrag erteilt hat, sich dann aber als eigentliche Drahtzieherin herausstellte. Oder sich selbst, weil er zu doof war, den Fall aufzuklären. Was auch immer der Ausgang sein mag, die Pistole wurde bewusst im ersten Kapitel erwähnt.

In meinem Beispiel von Lord Edgar und Hausmeistersohn Peter sieht das Foreshadowing bisher etwas anders aus. Irgendwo in all dem Gewurschtel hier habe ich beispielsweise mal die Schlafzimmer in der Burg erwähnt und genau in diesen Schlafzimmern befindet sich Peter jetzt, nachdem er so gerade vor den lebendigen Ranken an der Burgmauer fliehen konnte.
Bei mir ergeben sich solche Foreshadowings eher durch Zufall. Wie in diesem Fall mit den Schlafzimmern, die mal erwähnt wurden. Wenn die dann nochmal eine Rolle spielen, überlege ich mir erst dann, was man da vorher in der Geschichte vielleicht noch machen kann. Es kommt also eher selten vor, dass ich bewusst etwas in den ersten Kapiteln erwähne, um es später noch mal aufzugreifen. Es ist eher andersrum der Fall.
Wenn wir jetzt beispielsweise in der Geschichte weiter zurückspringen würden in eins der ersten Kapitel, könnte man ja bereits eine Szene in eben diesem Schlafzimmer spielen lassen, um hier zum Beispiel einen Gegenstand zu platzieren, der Peter im Kampf gegen Lord Edgar helfen könnte. Leider geben mittelalterliche Schlafzimmer nicht viel her. Da gab es nur das Nötigste. Ein Bett zum miteinander pennen. Einen Ofen, damit man sich nicht den Arsch abfriert beim Miteinanderpennen. Ein Stuhl in der Ecke neben dem Ofen, damit ein Schaulustiger den beiden im Bett Miteinanderpennenden bei Interesse zugucken kann. Ein Wandteppich … Moment mal. Damit lässt sich doch was machen. Nehmen wir den Wandteppich.

Ich springe also erstmal zurück und bringe den Wandteppich in einer früheren Szene ins Spiel:

Hausmeistersohn Peter stand verlegen im Schlafzimmer der Prinzessin und schaute auf den Boden. Vor ihm stritten sich die Königin und sein Vater der Hausmeister.
„Habt ihr eine Ahnung, was dieser Wandteppich für einen Wert hat?“
„Die Burg ist voll mit Wandteppichen“, versuchte der Hausmeister die Königin zu beruhigen.
„Aber dieser Wandteppich ist etwas besonderes“, erklärte die Königin. „Er ist schon seit Jahren in Familienbesitz. Er war immer für uns da, in guten und in sehr guten Zeiten.“ Schlechte Zeiten hatte die Familie nie erlebt. Schließlich waren sie Könige. Schlechte Zeiten waren für den Pöbel. „Er ist unersetzbar.“
„Nun, es ist nur ein kleiner Brandfleck“, stellte der Hausmeister mit prüfendem Blick fest. „Vielleicht kann man ihn mit irgendetwas verdecken.“ Er schob eine Kommode vor den Teppich. Er schaute sich das Ergebnis an. Die Kommode war zu klein. Der Brandfleck war weiterhin hervorragend zu sehen. Der Hausmeister schaute sich im Raum um. Er fand, wonach er suchte. Er nahm die kleine Blumenvase vom Nachtschrank neben dem Bett und stellte sie vor den Brandfleck auf die Kommode. „Perfekt“, sagte er jubelnd und grinste die Königin doof an.
Die Königin brummte etwas unverständliches, dann fügte sie hinzu: „Ich verlange, dass der Verantwortliche dafür bestraft wird.“ Sie zeigte auf Peter.
„O, natürlich. Macht euch keine Sorgen eure Hoheit. Ich werde ihn selbstverständlich zur Rechenschaft ziehen“, versprach der Hausmeister.
Die Königin schien zumindest etwas zufrieden und verließ den Raum.
Peter wagte es, aufzuschauen. Sein Vater guckte ihn kopfschüttelnd an. „Ich bin wirklich enttäuscht, Peter“, sagte er.
„Die Kerze ist umgefallen und ich …“
„Du hättest das ganze hässliche Ding abfackeln sollen.“ Vater lachte. „Ich würde mir den Fetzen nicht ins Zimmer hängen, wenn mich jemand dafür bezahlen würde.“ Er streichelte Peter den Kopf. „Komm, wir müssen noch ein paar Dinge erledigen.“

Damit haben wir den Wandteppich eingeführt und können den jetzt in der folgenden Szene benutzen und dann wird der Leser denken „Aha! Das ist ja dieser Wandteppich von vor 4235 Seiten“ oder „Ich fand das mit dem Wandteppich schon vor 4235 Seiten langweilig“, jedenfalls wird sich der Leser daran erinnern. Und wenn nicht, ist es auch egal. Hauptsache Wandteppich. Yay Wandteppich! GO WANDTEPPICH!!!

Peter schaute sich um im Schlafzimmer. Er erkannte den Wandteppich den er vor einiger Zeit angekokelt hatte. Die Blumenvase verdeckte immer noch den Brandfleck. Nur die Blumen waren ausgetauscht worden. Die Tür flog auf und Lord Edgar betrat den Raum.
„Ein weiteres Mal entkommst du mir nicht“, sagte er finster. „Du Wicht“, fügte er hinzu, um seinen Standpunkt klar zu machen.
Lord Edgar besann sich auf seine primäre Vorgehensweise und schlug mit seinem Stab zu. Peter duckte sich und krabbelte unter dem Bett her auf die andere Seite des Raums. Lord Edgar wollte zum Essen zuhause sein und die Sache endlich beenden. Er hob den Stab und rief: „Smetter!“ Ein Blitz schoss aus dem Stab auf Peter zu. Er konnte in letzter Sekunde ausweichen. Der Blitz traf die Kommode vor dem Wandteppich und zerschmetterte sie und die Vase darauf in tausend Teile. Die Wucht der Explosion ließ Peter zu Boden gehen. Er lehnte an der Wand neben dem Wandteppich. Lord Edgar ging langsam erhobenen Stabes auf ihn zu. Er stellte sich vor ihn und drückte die Spitze seines Stabs unter das Kinn des Jungen. Peter wusste, dass es vorbei war. Es gab keinen Ausweg mehr. Nur er und der Wandteppich waren hier, um sich gegen den bösen Magier zu stellen. Er griff den Wandteppich. Er hing nur noch locker an der Wand. Peter ergriff seine letzte Chance, den Wandteppich, und zog fest daran. Der Teppich löste sich von der Wand und fiel über Lord Edgar. Der böse Zauberer wandte sich unter dem Familienerbstück und taumelte blind durchs Zimmer. Das offene Fenster wurde ihm zum Verhängnis, als er heraus taumelte und mit Stab und Teppich in die Tiefe fiel.

Lord Edgar ist also besiegt, dank der großen Hilfe eines strategisch platzierten Wandteppichs. Natürlich ist er nicht tot, sondern hängt in seinen eigens zum Leben erweckten Ranken, die zuvor ge-foreshadow-t wurden. Toll was. Damit ist die Geschichte quasi erzählt und es fehlt nur noch das Ende. Das gibts dann beim nächsten Mal.

Wie betreibt ihr Foreshadowing? Habt ihr auch eine Waffe in der Schreibtischschublade, die ihr im letzten Kapitel eures Lebens überraschend ziehen könntet? Und wie viele Wandteppiche habt ihr eigentlich?

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Kampfszenen

Neulich habe ich hier eine kleine Reihe gestartet, in der ich erkläre, wie ich diese ganze Schreiberei so angehe. Da das so gut ankam – alle meine 5 Leser haben ein Like da gelassen – führe ich die Reihe jetzt einfach immer weiter und weiter und weiter und weiter und weiter … bis ihr alle das kalte Kotzen kriegt. Oder bis ihr alle genau so schreibt wie ich und ich endlich die Weltherrschaft anstreben kann. Ich tippe aber eher aufs kalte Kotzen.

Da ich bereits eine Szene erstellt habe, mit der sich weiterarbeiten lässt, setze ich da wieder an und baue alle weiteren Teile darauf auf. Wo das hinführt wird sich zeigen.

Die Szene sollte ja mittlerweile bekannt sein, aber zur Gedankenauffrischung hier noch mal, „was bisher geschah“:

Efeuranken kletterten von der Burgmauer aus den Burgturm hoch, als wollten sie in das oberste Fenster steigen, um mal nachzusehen, was in den Schlafzimmern los ist.
Die Pferde wieherten in den Stallungen, die aus den letzten Holzresten die man hatte auftreiben können zusammengezimmert worden waren. Immerhin hatten die Pferde ein Dach über dem Kopf, das sie vor dem Regen schützte, der sich in matschigen Pfützen im Hof sammelte.
Die dicken Regentropfen klopften auf den Eimer, der auf Peters Kopf saß. Die zersägten Dachrinnenstücke an Armen und Beinen verhinderten zumindest teilweise, dass seine Latzhose nass wurde. Die Ofenklappe saß etwas locker an seiner Brust. Peter zog das dünne Seil, das um seinen Hals hing, fester und rückte den improvisierten Brustpanzer mit seinen knochigen Fingern zurecht. Durch die zwei Löcher, die er zuvor in den Eimer gebohrt hatte, blickte Peter an sich hinab. Er bemerkte, dass er in einem Haufen Pferdeäpfel stand. Angeekelt trat er einen Schritt zur Seite.
Regentropfen bahnten sich einen Weg durch das Gewirr von Edgars langem Bart und tropften auf seine Kutte. Edgar ignorierte das herabfallende Wasser. Die schwarze Kapuze schützte seinen haarlosen Kopf vor dem Schauer. Er schubste den Galgen mit seinem langen Fingernagel an. Der Strick baumelte hin und her. Edgar starrte den lächerlichen Ritter an. „Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du dir wünschen,man hätte dich einfach hier aufgehängt.“

Als nächstes sollte die Action folgen. Und ich bin ganz ehrlich. Mit Action habe ich noch so meine Probleme. Da Actionszenen generell ziemlich hektisch sind und kaum Pausen bieten, versuche ich das auch im Text einzubringen. Allerdings liest sich sowas dann oft nicht unbedingt gut, weil es eben auch zum Lesen zu hektisch und ohne Pausen ist. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

Edgar schlug Peter in die Fresse, der fiel in den Matsch, Edgar trat zu aber Peter rollte sich zur Seite, wich dem Tritt aus und legte Edgar mit einem Beinfeger auf den Rücken, der zappelte wie eine verlorene Schildkröte, während Peter aufstand um nächste Schritte zu planen und stellte sich vor Edgar auf usw.

Klingt nicht gut. Ist zu hektisch. Und Peter kann überhaupt keinen Beinfeger. Also muss das alles etwas anders aufgebaut werden. Wie genau weiß ich ehrlich gesagt noch nicht so genau. Ich gehe einfach immer spontan an sowas ran. Auch jetzt. Also mal schauen:

Als erstes muss ich mir natürlich überlegen, was die Kämpfer überhaupt so drauf haben. Ist ja nicht jeder ein Martial-Arts-Mega-Kung-Fu-Säbel-Ninja. Manche sind auch einfach nur Luschen. So wie Hausmeistersohn Peter. Man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass er wenig bis keine Kampferfahrung hat, es sei denn, der Verlauf der Geschichte, die zum Kampf mit Lord Edgar führte sieht das vor. Sagen wir zum Beispiel, dass er ein Schwert finden musste, mit dem er gegen den Schwertmeister antreten konnte (ihr wisst schon, wie in Monkey Island, einem der fantastischsten Computerspiele aller Zeiten; da kann man sich ruhig mal bedienen). Also hat er zumindest eine Idee davon, wie er ein Schwert zu halten hat. Trotzdem ist er natürlich kein erfahrener Kämpfer, was sich im Kampf widerspiegeln muss.

Peter stellte sich in Kampfpose auf, was bedeutete, dass er das Schwert in beiden Händen hielt und versuchte nicht umzufallen. Die Klinge zitterte. Er richtete sich neu aus und sicherte seinen Stand, wie er es vom Schwertmeister gelernt hatte. Er hielt das Schwert fest in seiner Hand. Er ließ die Klinge nach rechts schwingen. Er ließ die Klinge nach links schwingen. Er schwang das Schwert über dem Kopf. Er richtete die Spitze auf Lord Edgar.

Schauen wir uns den mal etwas genauer an. Er ist ein älterer Mann mit langem Bart. Er hat also sicher Erfahrung im Kampf. Aber als Oberbösewicht hat er sich natürlich auch oft zurückgehalten und seine Handlanger die Drecksarbeit machen lassen. Aber er kann mit seinem Stab, den ich ihm jetzt mal spontan in die Hand drücke, durchaus einige Schwinger landen.

Lord Edgar schob die Ärmel seiner Kutte hoch und präsentierte seinen mit Schnitzmustern verzierten Stab. Er verzichtete darauf, seine Kampfkünste zu demonstrieren. In seinem Alter sollte man sich mit schnellen Bewegungen möglichst zurückhalten, um Rückenschmerzen zu verhindern. Er stützte sich auf den Stab und wartete auf Peters Angriff.

Peter muss jetzt also die Offensive übernehmen.

Peter nahm seinen ganzen Mut zusammen und stürmte, Schwert voran, auf Lord Edgar zu. Als Pazifist wiederstrebte es ihm, den alten Mann zu attackieren, aber er wusste auch, das Angriff die beste Verteidigung war. Und gegen einen Mann wie Lord Edgar musste man auch mal auf seine Prinzipien pfeifen. Die Schwertklinge durchschnitt die Regentropfen, die auf sie hinabprasselten. Peter hielt es für eine gute Idee einen Kampfschrei herauszubrüllen. „Braaarghlurghaarghllll“, rief er, als er sich an einer Fliege verschluckte, die ihm vom Pferdestall aus gefolgt war.

Peter ist also auf dem Weg in den großen Kampf mit Lord Edgar. Mal schauen, wie der sich verhält:

Lord Edgar stand ruhig im Regen und schaute zu, wie Peter laut schreiend und röchelnd auf ihn zulief. Er wartete, bis er nah genug war, trat einen Schritt zur Seite und schob seinen Stab vor Peters Füße. Peter stolperte über den Stab, vergaß vor Schreck weiterzuröcheln. Das Schwert rutschte ihm aus den Händen und blieb im Boden vor ihm stecken. Er prallte mit dem Unterleib gegen den Schwertgriff und brach zusammen. Lord Edgar wartete, bis sich Peter wieder auf die Beine gekämpft und sein Schwert aus dem Boden gezogen hatte.
Peter stellte sich erneut in Kampfpose. Lord Edgar schwang seinen Stab herum und schlug ihm das Schwert aus den Händen. Es rutschte über den matschigen Boden und blieb neben dem Galgen liegen.

Schon der Start in eine Actionszene ist immer eine schwere Sache. Und so hangel ich mich dann von Satz zu Satz. Was mir immer etwas hilft, ist das Einbeziehen der Umgebung. Die Leute schlicht kämpfen zu lassen wird schnell langweilig und da stoße ich an meine Grenzen. Auf wieviele verschiedene Arten und Weisen kann man schon einen Schwerthieb beschreiben? Deshalb nutze ich die umstehenden Utensilien gerne zur Abwechslung. So ein bisschen wie Jackie Chan in seinen Filmen. Nur eben nicht mal annähernd so cool wie er.

Damit der Post hier aber nicht noch länger wird, mache ich damit beim nächsten Mal weiter. Wie schreibt ihr Kampfszenen? Tut ihr euch dabei auch so schwer? Und röchelt ihr auch immer so, wenn ihr eine Fliege im Kampf verschluckt?

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Aktionen beschreiben

Im dritten und letzten Teil der Beschreibungsreihe (Teil 1) (Teil 2) verbinden wir die beiden bisherigen Entwürfe miteinander und lassen unsere Charaktere in Aktion treten und mit der Umgebung interagieren. Zum Beispiel so:

Peter sah an sich hinab. Er bemerkte, dass er in einem Haufen Pferdeäpfel stand. Angeekelt trat er einen Schritt zur Seite.

Das lässt sich auch gut an den Abschnitt über Peter dran hängen:

Die dicken Regentropfen klopften auf den Eimer, der auf Peters Kopf saß. Die zersägten Dachrinnenstücke an Armen und Beinen verhinderten zumindest teilweise, dass seine Latzhose nass wurde. Die Ofenklappe saß etwas locker an seiner Brust. Peter zog das dünne Seil, das um seinen Hals hin, fester und rückte den improvisierten Brustpanzer mit seinen knochigen Fingern zurecht. Durch die zwei Löcher, die er zuvor in den Eimer gebohrt hatte, blickte Peter an sich hinab. Er bemerkte, dass er in einem Haufen Pferdeäpfel stand. Angeekelt trat er einen Schritt zur Seite.

Kommen wir zu Edgar. Als Bösewicht könnte er noch einen Spruch ablassen, bevor der Kampf beginnt. Etwas Trashtalk geht schließlich immer. Am besten auch in Verbindung mit der Umgebung:

Edgar schubste den Galgen mit seinem langen Fingernagel an. Der Strick baumelte hin und her. Edgar starrte den lächerlichen Ritter an. „Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du dir wünschen, man hätte dich einfach hier aufgehängt.“

Setzen wir das also zusammen:

Regentropfen bahnten sich einen Weg durch das Gewirr von Edgars langem Bart und tropften auf seine Kutte. Edgar ignorierte das herabfallende Wasser. Die schwarze Kapuze schützte seinen haarlosen Kopf vor dem Schauer. Er schubste den Galgen mit seinem langen Fingernagel an. Der Strick baumelte hin und her. Edgar starrte den lächerlichen Ritter mit seinen grünen Augen an. „Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du dir wünschen, man hätte dich einfach hier aufgehängt.“

Wichtig ist hier, dass der Spruch schön lahm ist, weil es sich um den Antagonisten handelt. Die wirklich coolen Sprüche sollte eher der Held bringen. Da Peter aber gerade Pferdekacke von seinen Stiefeln kratzt, fällt ihm gerade leider kein cooler Spruch ein.

Insgesamt ergibt das folgende Szene:

Efeuranken kletterten von der Burgmauer aus den Burgturm hoch, als wollten sie in das oberste Fenster steigen, um mal nachzusehen, was in den Schlafzimmern los ist.
Die Pferde wieherten in den Stallungen, die aus den letzten Holzresten die man hatte auftreiben können zusammengezimmert worden waren. Immerhin hatten die Pferde ein Dach über dem Kopf, das sie vor dem Regen schützte, der sich in matschigen Pfützen im Hof sammelte.
Die dicken Regentropfen klopften auf den Eimer, der auf Peters Kopf saß. Die zersägten Dachrinnenstücke an Armen und Beinen verhinderten zumindest teilweise, dass seine Latzhose nass wurde. Die Ofenklappe saß etwas locker an seiner Brust. Peter zog das dünne Seil, das um seinen Hals hin, fester und rückte den improvisierten Brustpanzer mit seinen knochigen Fingern zurecht. Durch die zwei Löcher, die er zuvor in den Eimer gebohrt hatte, blickte Peter an sich hinab. Er bemerkte, dass er in einem Haufen Pferdeäpfel stand. Angeekelt trat er einen Schritt zur Seite.
Regentropfen bahnten sich einen Weg durch das Gewirr von Edgars langem Bart und tropften auf seine Kutte. Edgar ignorierte das herabfallende Wasser. Die schwarze Kapuze schützte seinen haarlosen Kopf vor dem Schauer. Er schubste den Galgen mit seinem langen Fingernagel an. Der Strick baumelte hin und her. Edgar starrte den lächerlichen Ritter an. „Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du dir wünschen,man hätte dich einfach hier aufgehängt.“

Sicherlich nicht perfekt, aber es ist eine Szene. Der Feinschliff kommt dann später in der Überarbeitung. Da weiß ich dann auch, wie die Szene weiter geht und kann gezielt darauf eingehen. Wenn der Kampf die beiden Kontrahenten beispielsweise in die Schlafzimmer führt, könnte man noch mal auf den Satz mit den Schlafzimmern und dem Efeu eingehen. Wenn nicht, würde dieser Nebensatz vielleicht auch komplett gestrichen. Oder durch einen passenderen ersetzt. Aber das zeige ich euch vielleicht ein anderes Mal.

Wie beschreibt ihr? Schreibt ihr lieber detaillierte Beschreibungen? Oder mögt ihr es kurz und kompakt? Und wie viele Hausmeistersöhne kennt ihr eigentlich wirklich?