Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Schlacht zwischen Phantasiewesen

Beim letzten Mal waren wir mit den Schlangofanten im Wald der toten Bäume, der seinen einfallslosen Namen nicht zu Unrecht trägt. Und dort stellte sich ihnen ein gestreifter Krallenwusel entgegen, der so niedlich war, dass er direkt einem unvorsichtigen Schlangofanten den Kopf abbiss. Jetzt ist der gestreifte Krallenwusel also zur ausgewachsenen Bestie mutiert und weitere gestreifte Krallenwusel lauern bereits in der Dunkelheit. Ein Kampf ist unausweichlich.

Der gestreifte Krallenwusel spuckte den Kopf des Schlangofanten aus und brüllte die Armee an. Die wich einen Schritt zurück. Hinter ihnen stand bereits der nächste gestreifte Krallenwusel und hatte seine Niedlichkeit abgelegt. Geifer tropfte von seinen spitzen Zähnen. Er fuhr seine scharfen Krallen aus und stand bedrohlich auf dem schmalen Pfad. Neben dem Pfad stellten sich weitere gestreifte Krallenwusel auf und umzingelten die Armee. Die Schlangofanten zogen ihre Waffen.

So, der Aufbau ist gemacht. Jetzt kann die Schlacht also losgehen. Und so eine Schlacht ist immer ein schmaler Grat zwischen Hektik und Kampfwissen. Ich beherrsche beides nicht, was es durchaus schwierig macht. Hier habe ich immerhin den Vorteil, dass nur ein Charakter anwesend ist, der innerhalb der Geschichte wichtig ist. Im Normalfall hat man in einer Schlacht natürlich jede Menge Leute, die alle ihre 5 Minuten Ruhm kriegen müssen und dann wird es richtig schwierig. Aber dazu kommen wir dann irgendwann mal. Jetzt also erstmal Krump und die Schlangofantenarmee gegen die gestreiften Krallenwusel.

Der erste Krallenwusel sprang einen Schlangofanten an. Krump bekam nicht mit, was mit seinem Mitstreiter geschah. Er hob sein Schwert und wehrte einen gestreiften Krallenwusel ab. Ein weiterer bohrte seine Krallen tief in seinen Arm. Krump schwang herum und stieß dem Biest die Klinge seines Schwertes in die Seite. Um ihn herum stürzten seine Mitstreiter zu Boden. Gliedmaßen flogen herum. Gestreifte Krallenwusel sprangen hin und her. Krump schlitzte eins der Monster auf. Ein anderes stürzte sich auf ihn und drückte mit seinen riesigen Pranken auf seinen Brustharnisch. Krump schleuderte seinen Rüssel hin und her auf der Suche nach Luft, während ihm die Bestie die Brust eindrückte. Der Rüssel schwang vergeblich. Der gestreifte Krallenwusel öffnete sein Maul. Er brüllte Krump an. Krump schoss einen Schwall Schlangofantengift aus seinem Rüssel in sein Maul. Jetzt rang der gestreifte Krallenwusel nach Luft. Er stürzte von Krump herunter und fiel neben ihm in den Dreck. Krump beendete sein Leiden mit einem Schwerthieb.Krump stand auf und schaute sich um. Die gestreiften Krallenwusel hatten sich verzogen. Die restlichen lagen in Blutpfützen auf dem schmalen Pfad. Was von der Armee übrig war, steckte seine Waffen weg.

Ich habe das jetzt mal möglichst kurz gehalten. Das versuche ich in solchen Szenen eigentlich immer, weil sie mir so schwer fallen. Ich bin dann immer froh, wenn es vorbei ist. Natürlich hatte ich hier wie gesagt den Vorteil, dass nicht ein Dutzend Charaktere in der Schlacht rumturnen, um die ich mich dann auch kümmern muss. Das wird uns hier im weiteren Verlauf sicher auch noch erwarten. Aber so halte ich mich immer möglichst kurz und versuche durch kurze Sätze ein bisschen mehr Hektik in die Szenen zu bringen.

Nachdem diese Mini-Schlacht also überstanden ist, ziehen die Schlangofanten weiter. Beim nächsten Mal gucken wir uns dann an, wem diese Bedrohung durch die Schlangofanten gilt, wenn wir die Nebencharaktere einführen.

Wie schreibt ihr Schlachten? Seid ihr dabei auch immer gefühlt so überfordert? Und meint ihr nicht auch, dass die gestreiften Krallenwusel unter Naturschutz stehen sollten?

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Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Eigene Kreaturen

Wie angekündigt geht es diese Woche um ein wirklich spaßiges Thema. Das Kreieren von eigenen Wesen. Ich finde ja, dass Zwerge, Orks, Vampire und Zombies ziemlich ausgelutscht sind. Das heißt natürlich nicht, dass man sie nicht nutzen kann, wenn es angebracht ist. Aber es schadet absolut nicht, wenn man auch mal was Frisches in den Mix schmeißt. Denn Konfuzius sagt: „Die Mischung machts.“ Und er muss es wissen, schließlich herrscht in so einem konfusen Verstand jede Menge Verwirrung und Abwechslung.

Wir erinnern uns, wie Lord Edgar beim letzten Mal seine Armee von Schlangofanten unter der Führung von Krump losschickte, um das Schloss des Königs abzufackeln. Über die Schlangofanten haben wir also schon ein bisschen was erfahren und das soll uns erstmal reichen. Auf ihrem Weg zum Schloss treffen sie allerdings auf eine andere Rasse, die ihnen nicht friedlich gesinnt ist.

Im Wald der toten Bäume, der so hieß, weil die Bäume und Pflanzen hier wirklich mal etwas Wasser vertragen konnten, herrschte stets eine bedrückende Atmosphäre. Selbst Krump entging diese Atmosphäre nicht, dabei hatte er als Schlangofant absolut nichts für Atmosphäre übrig. Langsam marschierte die Schlangofantenarmee zwischen den abgestorbenen Bäumen und Sträuchern mit dürren Ästen hindurch. Krump hob eines seiner langen Ohren. Ein Knurren hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Er hob eine Hand. Die Armee stoppte ihren Marsch.

Im Unterholz lauert also eine Bedrohung. Und hier kommt der schwierige Teil. Wenn man eine Kreatur, ein Wesen, eine Gestalt, oder Ähnliches einführt, dann muss man sich bei der Beschreibung etwas anstrengen, um das Bild im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Jeder hat ein Bild von einem Zombie oder einem Drachen im Kopf. Aber wenn ich von einem gestreiften Krallenwusel spreche, passiert da erstmal nicht viel. Also muss ich dieses Wesen möglichst ausführlich, aber eben auch möglichst aufregend, beschreiben, um ein Bild zu zeichnen, ohne dabei Langeweile aufkommen zu lassen und mich in Details zu verlieren. Und ich will ehrlich sein: Diese Aufgabe fällt mir nicht sonderlich leicht. Aber Übung macht bekanntlich den Meister, also starten wir mal einen Versuch.

Zwei gelbe Punkte erschienen in der Dunkelheit zwischen den toten Bäumen. Die Punkte wurden größer und näherten sich langsam der Armee. Krump zog sein Schwert, das so viele scharfe Kanten und spitze Ecken hatte, dass er sich selbst jedes Mal verletze, wenn er es in die Hand nahm. Dafür bot es sich hervorragend an, um Gegner auszuweiden. Das Augenpaar verließ die Dunkelheit und ein gestreifter Krallenwusel erschien vor der Armee. Der Armee entwich ein erleichtertes Seufzen. Der gestreifte Krallenwusel reihte ihnen gerade bis zu den Knöcheln. Sein schwarz weiß gestreiftes Fell sah so kuschelig aus, dass man direkt versucht war, es als Kopfkissen zu benutzen. An seinen kleinen Pfoten zeigten sich winzige Krallen, die kaum dafür ausreichten, die Haut anzukratzen. Es legte die spitzen Ohren in den Nacken und fauchte. Das Fauchen wirkte nicht gerade angsteinflößend. Einer der Schlangofanten ging auf den gestreiften Krallenwusel zu. Der zeigte seine kleinen spitzen Zähne. Der Schlangofant hob den gestreiften Krallenwusel auf und wog ihn in seinen Armen. Er streichelte ihm über sein kuscheliges Fell. Die anderen Schlangofanten schauten zu und lachten. Dann baute der gestreifte Krallenwusel schlagartig seine Muskeln auf, wuchs zur doppelten Größe heran und biss dem Schlangofanten den Kopf ab. Das Lachen erlosch und weitere gelbe Punkte erschienen in der Dunkelheit.

Man sieht also, der erste Eindruck muss nicht immer der richtige sein. Aber der Eindruck, der beim Leser entstehen soll, muss ausführlich genug sein, um bei ihm ein Bild entstehen zu lassen. Ich denke, das ist mir hier wenigstens so einigermaßen gelungen. Man könnte sicher noch etwas mehr ins Detail gehen, aber ich mag es einfach nicht, wenn die Beschreibungen zu ausschweifend werden, wie ich ja auch schon mal erwähnt habe. Deshalb versuche ich mich immer auf das Wichtigste zu beschränken.

Beim nächsten Mal schauen wir uns dann mal an, wie eine kleine Schlacht in einem dunklen Wald zwischen zwei Phantasiewesen so aussehen könnte.

Wie beschreibt ihr selbst erfundene Kreaturen? Wann wart ihr eigentlich zuletzt alleine in einem dunklen Wald? Und mutiert eure Hauskatze auch manchmal einfach so zum ausgewachsenen Puma?

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Einführung des Antagonisten

Heute kommt der – für mich – wirklich spaßige Teil am Anfang einer Geschichte. Die Einführung des Antagonisten. Jeder gute Antagonist hat natürlich eine Antagonistenbehausung, die direkt zeigt, dass mit ihm nicht zu spaßen ist:

In der Mitte des Finsterwalds gab es eine Lichtung. Es war keine natürliche Lichtung. Diese Lichtung war künstlich angelegt worden. Bäume waren gefällt und verbrannt worden, um hier eine Lichtung entstehen zu lassen. Jeder wusste, dass Menschen, die einfach so Bäume fällen und verbrennen lassen, ohne an die Umwelt zu denken, oder zumindest das Holz zum heizen und kochen zu nutzen, keine guten Menschen waren. Und der unguteste von allen war eindeutig Lord Edgar. Und er lebte selbstverständlich auf dieser Lichtung. In einem Schloss, gebaut aus schwarzem Stein. Mit hohen Türmen, die von Raben umkreist wurden. Umgeben von einem Graben, in dessen dunklem Wasser Alligatoren, Piranhas, Nilpferde und andere tödliche Kreaturen badeten.

Ganz schön unheimlicher Ort, was? Absolut passend für einen Antagonisten. Für das pure Böse. Dann schauen wir doch mal, wer da so lebt:

Wie jedes Schloss, das etwas auf sich hält, hatte auch dieses einen Thronsaal. In diesem Thronsaal saß Lord Edgar in seinem Thron aus Gold. Nur die Wenigsten wussten, dass der Thron nicht wirklich aus Gold bestand, sondern aus Aluminium, das täglich mit Goldfarbe bepinselt wurde, damit er schön glänzte und sich dadurch wunderbar vom schwarzen Stein des Schlosses abhob. Der Thronsaal war lang. Lord Edgar konnte noch so gerade die große Flügeltur sehen, die sich in diesem Moment öffnete. Er strich seinen langen Bart glatt und wartete die Minuten ab, die die Person braucht, um den Thron zu erreichen. Lord Edgar wusste bereits, wer auf ihn zu kam. Nur Krump lief so euphorisch durch den Thronsaal. Denn er hatte immer gute Nachrichten. Oder zumindest dachte er immer, dass er gute Nachrichten hat.
„Guten Morgen, mein Lord“, sabberte Krump und ließ seine lange Zunge kurz hervorschnellen. Krump war ein Schlangofant und Schlangofanten sabberten immer, da sie Probleme hatten, ihre lange Zunge und den Rüssel in Einklang zu bringen. Gleichzeitig durch den Rüssel zu atmen und sich dabei nicht auf die Zunge zu beißen, die ständig aus dem Mund hing, bedurfte jahrelanger Übung. Leider lag die Lebenserwartung eines Schlangofanten bei höchstens einem Jahr. Dann fielen sie gewöhnlich in der Schlacht oder starben an einer Zungenentzündung.
Lord Edgar beschränkte sich wie üblich auf ein kurzes Kopfnicken, um Krump zu verstehen zu geben, dass es weiter reden sollte.
„Operation Wildausrottung war ein voller Erfolg, mein Lord. So schnell wird sich kein Hirsch mehr in diese Gegend trauen.“
Lord Edgar hatte den Hirsch bereits vergessen. Er hatte Krump nur den Auftrag gegeben, sich um das „Problem“ zu kümmern, damit er beschäftigt war und ihn nicht ständig mit neuen Dingen nervte. Immerhin hatte er Krump für einen Moment zufrieden gestellt und seine Ruhe gehabt. Diese Ruhe war jetzt natürlich vorbei, denn Krump brauchte einen neuen Auftrag.

So haben wir dann neben dem Antagonisten auch schon mal einen Handlanger eingeführt. Ich habe übrigens den Hang dazu, Antagonisten immer dämliche Handlanger an die Seite zu stellen. Keine Ahnung, warum. Vielleicht, weil ein Antagonist eben auch etwas Lockerheit mitbringen sollte. Und wie sich schon herausliest, ist eine Sache ganz besonders wichtig: Ein Charakter braucht eine Aufgabe. Etwas, das ihn im Verlauf der Handlung beschäftigt. Und gerade der Antagonist und seine Sippschaft sind da natürlich nicht unwichtig, denn wenn sie nichts machen, hat auch der Protagonist keinen Grund, irgendwas zu tun.

Lord Edgar dachte nach. Momentan fiel ihm nicht viel ein, was er Krump hätte auftragen können. Es waren ekelhaft ruhige Zeiten. Friedenszeiten. Nicht, dass Lord Edgar eine generelle Abneigung gegen den Frieden hatte. Aber es war so langweilig, wenn sich die Leute nicht gegenseitig abschlachteten. Vielleicht war es an der richtigen Zeit, eine alte Rechnung zu begleichen.
„“Ich denke, du solltest meinem alten Freund dem König einen Besuch abstatten“, trug er Krump auf. „Und nimm ein paar Fackeln mit, damit du sein Schloss leichter niederbrennen kannst.“

Ganz schöne Widerlinge, nicht wahr? Das soll dann auch erstmal reichen. Der Antagonist ist eingeführt und eine erste Handlung ist vollbracht. Jetzt sind die „Guten“ am Zug. Da es hier mit den Schlangofanten schon angeteast wurde, entwickeln wir beim nächsten Mal aber zuerst ein eigenes Wesen.

Wie führt ihr eure Antagonisten ein? Wie sieht euer Schloss aus? Und hättet ihr nicht auch gerne einen Schlangofanten als Haustier?

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Der Anfang

Letztes Mal habe ich an dieser Stelle die Sage um Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar abgeschlossen. Aber wie bereits angekündigt birgt jedes Ende auch einen Anfang. In diesem Fall sogar den Anfang der Geschichte, die ich seit Monaten fortführe, um euch dabei zu zeigen, wie wenig Ahnung ich tatsächlich von dem ganzen Quark, den ich hier treibe, habe.

Im Idealfall ist das mit dem Anfang bei mir so: Ich habe vorher ein Ende im Kopf und weiß dadurch relativ genau, welche Entwicklung die Figuren durchmachen müssen und was der beste Status Quo für den Beginn ist. Im Fall von Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar ist das Ende ja sogar schon geschrieben. Dadurch weiß ich ziemlich klar, wie die Figuren am Anfang ticken sollten.

Bei Hausmeistersohn Peter ist es ziemlich einfach. Für ihn wird die Geschichte ja eine mehr oder weniger gewöhnliche „über sich selbst hinauswachsen“ Geschichte werden. Das heißt, er muss am Anfang ein ziemlicher Lappen sein.

Peter schaute sich interessiert im Kerker um. Er war noch nie hier unten gewesen. Bisher hatte sein Vater es für keine gute Idee gehalten, ihn mit hier runter zu nehmen. Sein Vater hatte ihm versprochen, ihn mitzunehmen, sobald er nachts nicht mehr ins Bett machte. An seinem zwölften Geburtstag war es Peter endlich gelungen, diese Herausforderung zu meistern. Und jetzt stand er hier und schaute seinem Vater zu, wie er ein Gitter reparierte, das beim letzten Ausbruchversuch eines der Gefolterten und Gepeinigten Schaden genommen hatte. Natürlich nicht so viel Schaden, wie der Ausbrecher, dessen Kopf draußen vor der Burg auf einem Pfahl aufgespießt worden war. Peter ließ seinen Vater an dem Gitter rumschrauben und spielte mit einer der rostigen Ketten an der Wand. Viele Handgelenke hatten die Ketten schon wund gescheuert. Peter zog an der Kette. Sie saß fest an der Wand. Er legte die Schelle an sein Handgelenk. Er stellte sich vor, wie grausam es sein musste, hier unten in der Dunkelheit zwischen Ratten und anderen Gefangenen festzuhängen und zu wissen, dass man nie wieder das Tageslicht erblicken würde. Er beschloss, niemals in so eine Situation zu geraten. Er versuchte die Schelle von seinem Handgelenk zu lösen. Sie saß fest. Er zog fest daran. Die Ketten rasselten. Er zog erneut. Risse entstanden in der Wand. Die Kette löste sich und Peter fiel zu Boden. Die Schelle fiel von seinem Handgelenk. Ein Backstein fiel aus der Wand. Peter schob die Schelle in die Wand und den Backstein davor. Pfeifend schlenderte er zu Vater zurück.

Erinnert ihr euch noch an das Foreshadowing? Das hier ist so ein Moment, wo ich mir zumindest eine Notiz mache. Denn eventuell ergibt sich im Verlauf der Geschichte ja eine Situation, in der Peter in Gefangenschaft geraten könnte. Und vielleicht würde es ihm dann sogar helfen, dass er sich hier schon mit den Ketten und Handschellen befasst hat, um zu entkommen. Das müsste dann aber später ausgebaut werden, wenn es denn wirklich so kommen sollte.

„Leuchte mir mal“, sagte Vater und hielt Peter eine Fackel hin.
Peter ergriff die Fackel und spendete seinem Vater Licht, während der sich an dem Gitter zu schaffen macht. Als Hausmeister hatte er ständig mit Reperaturarbeiten zu tun. Neben dem König und der Königin war er der einzige, der zutritt zu allen Räumlichkeiten der Burg hatte. Egal ob die Schlafräume, der Kerker oder der Drachenzwinger, Vater hatte überall die Türen repariert und Fackeln ausgetauscht. Und er hatte es mit einem ständigen Lächeln auf dem Gesicht getan. Sicher, viele würden sagen, dass der Beruf des Hausmeisters nicht der Ehrenwerteste ist. Aber Vater sah das so: „Lieber eine Tätigkeit, bei der man auch mal in der Scheiße steht, als eine, bei der man sich vor Angst in die Hosen scheißt.“ Er hatte keine Lust, seinen Kopf auf dem Schlachtfeld zu verlieren, für eine Königsfamilie die nicht mal seinen Namen kannte.

So hat man auch schon mal einen Eindruck von Peters Vater, der zumindest am Anfang der Geschichte sicher nicht unwichtig sein wird. Jetzt muss Peter nur noch kurz beweisen, dass er ein absoluter Trottel ist.

„Fertig“, verkündete Vater und packte sein Werkzeug zusammen. Er stand auf und testete das neue Scharnier an der Gittertür ein letztes Mal. Zufrieden schaute er Peter an. „Frühstückspause?“ Peter lächelte. Vater ging voraus. Peter folgte ihm. Er schlug das Gitter zu, das laut schallernd ins Schloss fiel. Und anschließend zu Boden. Und die restlichen Gitter der Zelle mit sich riss. Und die Mauern, die es umgaben. Vater schaute sich die Zerstörung an. „Ich schätze, das Frühstück verschieben wir“, sagte er und packte sein Werkzeug aus.

Da das jetzt schon recht lang war, teilen wir den Anfang besser in zwei Teile auf. Beim nächsten Mal zeige ich euch dann, wie ich einen Antagonisten einführe.

Wie beginnt ihr eure Geschichten? Habt ihr euch schon mal für einen Job in einem Kerker beworben? Und mit wie vielen Hausmeistern seit ihr eigentlich befreundet?

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Das Ende

Es ist soweit: Das Ende ist da! Hausmeistersohn Peter und Lord Edgar kriegen ihren jeweiligen Abschluss. Aber

KEINE PANIK

wir werden uns nicht komplett von ihnen verabschieden. Diese Reihe geht natürlich weiter. Es gibt noch viel zu schreiben und viel herauszufinden und viel zu lernen. Heute kümmern wir uns aber wie gesagt erstmal um das Ende.

Hausmeistersohn Peter hat also Lord Edgar besiegt indem er ihn versehentlich aus dem Schlafzimmerfenster gestoßen hat. Das ist der Höhepunkt der Geschichte. Und ich bin ganz klar der Meinung, dass man danach nicht noch ewig rumwurschteln sollte, sondern zusehen, dass man fertig wird. Einfach „THE END“ hinzuschreiben, ist etwas wenig, aber das Ziel sollte sein, innerhalb der nächsten paar Sätze da anzukommen. Nach der letzten Schlacht, dem letzten Kampf, der Aufklärung des Mordfalles, der Erfassung des Bankräubers, der Vernichtung der Froschmutanten, ist die Luft einfach raus. Die Geschichte ist erzählt und ich will mich Neuem widmen. Als Autor und auch als Leser.

Ich fasse also nur noch kurz zusammen, was die wichtigsten Charaktere nach der entscheidenden Auflösung so treiben.

Hausmeistersohn Peter war zum ersten Mal in seinem Leben wirklich glücklich. Endlich hatte er mal etwas richtig gemacht. Etwas, für das er Lob bekam, das nicht ausschließlich von seinem Vater stammte. Der König hatte sogar in Erwägung gezogen, ihn zum Ritter zu schlagen. Peter hatte abgelehnt. Auch wenn er dem Land einen großen Dienst erwiesen hatte, indem er Lord Edgar unschädlich gemacht hatte, wusste er selbst natürlich nur zu gut, wie viel Glück dabei eine Rolle gespielt hatte. Er würde nicht aufhören davon zu träumen, eines Tages ein großer Ritter zu sein. Aber er wollte es sich verdienen.

Hausmeistersohn Peter bleibt also bescheiden. Allerdings sollte er natürlich durchaus etwas gewinnen am Ende. Und da bietet sich natürlich das übliche an.

Prinzessin Mandy besuchte Hausmeistersohn Peter. Der ging gerade seiner Arbeit nach und brachte Fensterläden am Schlafzimmerfenster an. Die Königin war der Meinung, dass es fahrlässig war, alle Fenster ständig offen stehen zu lassen. Vor allem die der Schlafzimmer. Wenn die Bewohner der Burg unbedingt ihren voyeuristischen Hobbys nachgehen wollten, konnten sie sich wenigstens etwas anstrengen. Hausmeistersohn Peter ließ von dem Fensterladen ab und sprang in das Zimmer. Der Fensterladen fiel und zerschmetterte beim Aufprall unten im Burghof. Hausmeistersohn Peter schaute aus dem Fenster und schluckte. Immerhin hatte er sich einen kleinen Bonus erarbeitet, als Lord Edgar aus dem Fenster gefallen war. Also würde man ihn wohl nicht bestrafen. Er zuckte mit den Schultern und schaute Prinzessin Mandy an. Die freute sich ihn zu sehen und bedankte sich bei ihm für seine Heldentat. Zum Dank drückte sie ihm einen Kuss auf die Wange und hüpfte fröhlich aus dem Raum. Peter lief rot an und fasste sich an die Wange. Er beschloss, die Stelle nie wieder zu waschen, im Gegensatz zu allen anderen Körperstellen, die er immerhin einmal im Jahr mit Wasser benetzte.

Ja, es gibt eben immer eine Liebesgeschichte dazu. Und Hausmeistersohn Peter ist natürlich von Beginn an in die Prinzessin verliebt. Und am Ende hat er zumindest ihre Aufmerksamkeit. Geheiratet wird dann aber frühestens in der Fortsetzung. DEr Protagonist hat damit vorerst seinen Abschluss. Aber eine wichtige Person fehlt natürlich noch.

Lord Edgar grummelte vor sich hin und schaute zu den Sternen hoch. Vor wenigen Stunden war es ihm endlich gelungen, eine bequeme Position in den lebendigen Ranken zu finden, die ihn nie wieder frei lassen würden. Der König wollte ursprünglich veranlassen, dass die Ranken samt Lord Edgar einfach abgefackelt würden. Nachdem die Ranken aber drei der Männer, die sich ihnen mit Fackeln näherten, den Kopf abgerissen hatten, änderte er seine Meinung und versuchte Lord Edgar zu überreden, doch als magischer Berater für ihn zu arbeiten. Lord Edgar hatte sich erst gesträubt, aber da er ohnehin hier fest hing, im wahrsten Sinne des Wortes, nahm er den Job dann doch an. Durch sein Verhandlungsgeschick hatte er immerhin eine gute Bezahlung herausgeholt. Jede Woche eine Flasche Bartöl für ihn und täglich eine Gießkanne Wasser für die Ranken.

Und das wäre das Ende. Recht kurz und bündig. Jeder wichtige Charakter (zumindest bisher) hat seinen Abschluss gekriegt. Normalerweise würde ich das noch etwas ausschmücken, aber bisher kenne ich ja nur die zwei Charaktere wirklich, also muss das erstmal reichen. Und wie wir alle wissen, ist das Ende immer nur der Weg zum Anfang. Deshalb schauen wir uns das nächste Mal an, wie man einen Anfang schreibt.

Wie schließt ihr Geschichten ab? Wart ihr auch schon mal in eine Prinzessin oder einen Prinzen verliebt? Und wie viele Flaschen Bartöl verbraucht ihr so in der Woche?

Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Foreshadowing

Heute wird es höchstinteressant hier … okay, ich will nicht lügen, vielleicht wird es auch todlangweilig. Ich weiß es selbst noch nicht. Ich schludere den ganzen Kram hier schließlich ziemlich spontan hin. Ich weiß also überhaupt nicht, wo das alles hinführt. Und beim heutigen Thema schon gar nicht. Denn es geht um das gute, alte Foreshadowing – ich verzichte bewusst auf die deutsche Ausdrucksweise „epische Vorausdeutung“, weil mir das zu dämlich klingt und so episch ist das alles hier nun auch wieder nicht.

Es geht um bewusst platzierte Elemente, die im späteren Verlauf einer Geschichte wieder aufgegriffen werden. Das berühmteste Beispiel ist wohl die Waffe, die im ersten Kapitel in der Schublade des Detektivs liegt und mit der er im letzten Kapitel den Antagonisten erschießt. Oder die scharfe Blondine mit den dicken Tüten, die ihm den Auftrag erteilt hat, sich dann aber als eigentliche Drahtzieherin herausstellte. Oder sich selbst, weil er zu doof war, den Fall aufzuklären. Was auch immer der Ausgang sein mag, die Pistole wurde bewusst im ersten Kapitel erwähnt.

In meinem Beispiel von Lord Edgar und Hausmeistersohn Peter sieht das Foreshadowing bisher etwas anders aus. Irgendwo in all dem Gewurschtel hier habe ich beispielsweise mal die Schlafzimmer in der Burg erwähnt und genau in diesen Schlafzimmern befindet sich Peter jetzt, nachdem er so gerade vor den lebendigen Ranken an der Burgmauer fliehen konnte.
Bei mir ergeben sich solche Foreshadowings eher durch Zufall. Wie in diesem Fall mit den Schlafzimmern, die mal erwähnt wurden. Wenn die dann nochmal eine Rolle spielen, überlege ich mir erst dann, was man da vorher in der Geschichte vielleicht noch machen kann. Es kommt also eher selten vor, dass ich bewusst etwas in den ersten Kapiteln erwähne, um es später noch mal aufzugreifen. Es ist eher andersrum der Fall.
Wenn wir jetzt beispielsweise in der Geschichte weiter zurückspringen würden in eins der ersten Kapitel, könnte man ja bereits eine Szene in eben diesem Schlafzimmer spielen lassen, um hier zum Beispiel einen Gegenstand zu platzieren, der Peter im Kampf gegen Lord Edgar helfen könnte. Leider geben mittelalterliche Schlafzimmer nicht viel her. Da gab es nur das Nötigste. Ein Bett zum miteinander pennen. Einen Ofen, damit man sich nicht den Arsch abfriert beim Miteinanderpennen. Ein Stuhl in der Ecke neben dem Ofen, damit ein Schaulustiger den beiden im Bett Miteinanderpennenden bei Interesse zugucken kann. Ein Wandteppich … Moment mal. Damit lässt sich doch was machen. Nehmen wir den Wandteppich.

Ich springe also erstmal zurück und bringe den Wandteppich in einer früheren Szene ins Spiel:

Hausmeistersohn Peter stand verlegen im Schlafzimmer der Prinzessin und schaute auf den Boden. Vor ihm stritten sich die Königin und sein Vater der Hausmeister.
„Habt ihr eine Ahnung, was dieser Wandteppich für einen Wert hat?“
„Die Burg ist voll mit Wandteppichen“, versuchte der Hausmeister die Königin zu beruhigen.
„Aber dieser Wandteppich ist etwas besonderes“, erklärte die Königin. „Er ist schon seit Jahren in Familienbesitz. Er war immer für uns da, in guten und in sehr guten Zeiten.“ Schlechte Zeiten hatte die Familie nie erlebt. Schließlich waren sie Könige. Schlechte Zeiten waren für den Pöbel. „Er ist unersetzbar.“
„Nun, es ist nur ein kleiner Brandfleck“, stellte der Hausmeister mit prüfendem Blick fest. „Vielleicht kann man ihn mit irgendetwas verdecken.“ Er schob eine Kommode vor den Teppich. Er schaute sich das Ergebnis an. Die Kommode war zu klein. Der Brandfleck war weiterhin hervorragend zu sehen. Der Hausmeister schaute sich im Raum um. Er fand, wonach er suchte. Er nahm die kleine Blumenvase vom Nachtschrank neben dem Bett und stellte sie vor den Brandfleck auf die Kommode. „Perfekt“, sagte er jubelnd und grinste die Königin doof an.
Die Königin brummte etwas unverständliches, dann fügte sie hinzu: „Ich verlange, dass der Verantwortliche dafür bestraft wird.“ Sie zeigte auf Peter.
„O, natürlich. Macht euch keine Sorgen eure Hoheit. Ich werde ihn selbstverständlich zur Rechenschaft ziehen“, versprach der Hausmeister.
Die Königin schien zumindest etwas zufrieden und verließ den Raum.
Peter wagte es, aufzuschauen. Sein Vater guckte ihn kopfschüttelnd an. „Ich bin wirklich enttäuscht, Peter“, sagte er.
„Die Kerze ist umgefallen und ich …“
„Du hättest das ganze hässliche Ding abfackeln sollen.“ Vater lachte. „Ich würde mir den Fetzen nicht ins Zimmer hängen, wenn mich jemand dafür bezahlen würde.“ Er streichelte Peter den Kopf. „Komm, wir müssen noch ein paar Dinge erledigen.“

Damit haben wir den Wandteppich eingeführt und können den jetzt in der folgenden Szene benutzen und dann wird der Leser denken „Aha! Das ist ja dieser Wandteppich von vor 4235 Seiten“ oder „Ich fand das mit dem Wandteppich schon vor 4235 Seiten langweilig“, jedenfalls wird sich der Leser daran erinnern. Und wenn nicht, ist es auch egal. Hauptsache Wandteppich. Yay Wandteppich! GO WANDTEPPICH!!!

Peter schaute sich um im Schlafzimmer. Er erkannte den Wandteppich den er vor einiger Zeit angekokelt hatte. Die Blumenvase verdeckte immer noch den Brandfleck. Nur die Blumen waren ausgetauscht worden. Die Tür flog auf und Lord Edgar betrat den Raum.
„Ein weiteres Mal entkommst du mir nicht“, sagte er finster. „Du Wicht“, fügte er hinzu, um seinen Standpunkt klar zu machen.
Lord Edgar besann sich auf seine primäre Vorgehensweise und schlug mit seinem Stab zu. Peter duckte sich und krabbelte unter dem Bett her auf die andere Seite des Raums. Lord Edgar wollte zum Essen zuhause sein und die Sache endlich beenden. Er hob den Stab und rief: „Smetter!“ Ein Blitz schoss aus dem Stab auf Peter zu. Er konnte in letzter Sekunde ausweichen. Der Blitz traf die Kommode vor dem Wandteppich und zerschmetterte sie und die Vase darauf in tausend Teile. Die Wucht der Explosion ließ Peter zu Boden gehen. Er lehnte an der Wand neben dem Wandteppich. Lord Edgar ging langsam erhobenen Stabes auf ihn zu. Er stellte sich vor ihn und drückte die Spitze seines Stabs unter das Kinn des Jungen. Peter wusste, dass es vorbei war. Es gab keinen Ausweg mehr. Nur er und der Wandteppich waren hier, um sich gegen den bösen Magier zu stellen. Er griff den Wandteppich. Er hing nur noch locker an der Wand. Peter ergriff seine letzte Chance, den Wandteppich, und zog fest daran. Der Teppich löste sich von der Wand und fiel über Lord Edgar. Der böse Zauberer wandte sich unter dem Familienerbstück und taumelte blind durchs Zimmer. Das offene Fenster wurde ihm zum Verhängnis, als er heraus taumelte und mit Stab und Teppich in die Tiefe fiel.

Lord Edgar ist also besiegt, dank der großen Hilfe eines strategisch platzierten Wandteppichs. Natürlich ist er nicht tot, sondern hängt in seinen eigens zum Leben erweckten Ranken, die zuvor ge-foreshadow-t wurden. Toll was. Damit ist die Geschichte quasi erzählt und es fehlt nur noch das Ende. Das gibts dann beim nächsten Mal.

Wie betreibt ihr Foreshadowing? Habt ihr auch eine Waffe in der Schreibtischschublade, die ihr im letzten Kapitel eures Lebens überraschend ziehen könntet? Und wie viele Wandteppiche habt ihr eigentlich?

Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Sprachen

Letztes Mal waren wir bei Lord Edgar, der Magie einsetzen will. Dazu verwendet er eine fremde Sprache. Aber natürlich kann man da nicht einfach Französisch nehmen. Schon alleine, weil es viel zu schwer ist, Lord Edgars Genuschel auf Französisch zu übersetzen. Man versteht ja nur die Hälfte von dem, was der Typ sich da in den Bart brabbelt. Deshalb werde ich eine eigene Sprache entwickeln, mit der er Magie beschwören – und gegebenenfalls ausländisches Essen bestellen – kann.

Bei Sprachen muss man kreativ sein. Und schon das Wort kreativ ist ja sprachlich etwas ganz besonderes. Schließlich setzt es sich aus den lateinischen Wörtern „Krea“ für Krähe und „Tiv“ für Tiefe zusammen. „Die Krähe fliegt tief.“ Das bedeutet natürlich, dass man im Herbst, wenn die Krähen kommen, die besten Ideen hat. Zumindest glaube ich das. Kann kein Latein.

Widmen wir uns also lieber wieder Sprachen, die ich kann. Am besten eine, die ich selbst erfunden habe. Ich mache das nebenbei zum ersten Mal, also wird das sicher ein Riesenspaß. In meinem Roman (Ja, ja, der kommt wirklich irgendwann raus, versprochen) gibt es zwar auch eine Fremdsprache, aber da habe ich nur ungefähr 5 Wörter hingefriermelt, einfach, weil es gerade nötig war. Also schauen wir mal, wie wir das am besten angehen.

Erstmal sortiere ich wohl die Buchstaben des Alphabets aus, die ich nicht in der Sprache haben will. Ich denke nämlich einfach mal, dass es einfacher ist, eine Sprache zu entwickeln, wenn man weniger Buchstaben zur Verfügung hat. Also fliegen erstmal alle Umlaute raus. Die nerven sowieso nur. Bleiben also die üblichen 26 Buchstaben des Alphabets. Die Außenseiter X und Y schmeiß ich auch raus. Keiner in dieser Geschichte wird ein Xylophon spielen. Und wenn doch heißt es halt nur Lophon. Klingt auch gut. Die restlichen 24 lass ich mal drin. Ich will es auch nicht zu kompliziert machen, sonst muss ich nachher immer nachschauen, welche Buchstaben ich überhaupt nutzen kann.

Da es sich bei Lord Edgar um einen bösen Magier handelt, sollte die Sprache vielleicht auch etwas … ich sage mal „furchteinflößend“ klingen. Keine Ahnung wie man das hinkriegt, also mache ich das einfach mal spontan so, dass die meisten Worte mit „Brah“ anfangen. Das kann man gut schreien und klingt etwas bedrohlich. So wie in der deutschen Sprache, wenn man sagt: „Ich verkloppe dich mit der Brahtpfanne“ oder „Ich schicke dich nach Brahsilien“. Dabei fällt mir gerade auf, dass es sicher einfacher ist, eine Sprache aus Silben aufzubauen, anstatt ständig irgendwelche Wörter aus allen verfügbaren Buchstaben zusammen zu fuckeln. Dazu sollte man dann vielleicht eine Liste mit Silben und deren Bedeutung erstellen. Um das hier jetzt aber nicht ausarten zu lassen, verzichte ich da mal drauf und mache spontan weiter. Feinschliff kann ich der Sache immer noch geben. Aber die Silbe „Brah“ beispielsweise könnte vor allem bei Wörtern benutzt werden, die mit Tod und Unglück und so weiter zu tun haben. Die Silbe „Meng“ bedeutet Mensch und daraus leiten sich dann auch Wörter wie Mann, Frau, Kind, Volk usw ab. „Brahmeng“ ist dann zum Beispiel eine Leiche. Irgendwie werde ich mich so schon durch das Wirrwarr des Sprachkonstrukts hangeln, das ich hier erstellen will. Ich mache da bestimmt irgendwann weitere Teile, die mehr ins Detail gehen. Aber jetzt muss das erst mal reichen, sonst sprengt das hier den Rahmen.

Lord Edgar will in diesem Fall Hausmeistersohn Peter mit einem Fluch belegen. Sagen wir, er will ihn in einen Wurm verwandeln. Erstens zieht das immer und zweitens ist Edgar total einfallslos, also hat er nichts besseres auf Lager. Ich halte es hier mal simpel und zauber schnell ein simples Magiesystem aus dem Hut – oder besser gesagt, ich verzichte darauf. Edgar muss einfach nur in der fremden Sprache sagen, was er tun will und dann beschwört er auch schon die Magie. Hier also der Satz „In einen Wurm verwandeln“. Ein Wurm ist ein wirbelloses Tier. Also brauche ich erst mal die übergeordneten Silben für „Wirbel“ und „ohne“ und natürlich „Tier“. Ohne ist schlicht „On“, Tier könnte „Tera“ sein und Wirbel ist halt „Wirb“. Also ist ein Wurm ein „Wirbontera“. Klingt bescheuert, also bleibt das so. Das Wort „Verwandeln“ ist quasi das Wort „Veränderung“ oder „ändern“. Also mache ich da einfach mal ein „Endher“ für „ändern“ raus. Das Wort „In“ bleibt „In“, einfach weil mir nix besseres einfällt.

Lord Edgar hob seinen Stab und sprach in einer fremden Sprache. „Endher in Wirbontera.“ Ein grüner Blitz zischte aus der Spitze seines Stabs und verfolgte Peter, der so schnell er konnte, an den Ranke hochkletterte. Peter zog den Kopf ein und der Blitz traf das Mauerwerk über ihm. Einige der Steine verwandelten sich in Würmer und fielen ihm auf den Kopf. Angeekelt wischte er die Kriechtiere aus seinem Haar und kletterte weiter.
Lord Edgar startete einen zweiten versuch. Er hob seinen Stab und redete wieder in der fremden Sprache, um die Ranken zum Leben zu erwecken. Das würde den Jungen sicher aufhalten. „Liwe Rangen“ sagte er und ein blauer Blitz schoss auf die Ranken zu. Nach dem Aufprall begannen sie um sich zu schlagen und nach Peter zu greifen. In letzter Sekunde konnte er sich in eines der Fenster retten.

Was Peter in den Schlafzimmern der Burgbewohner erlebt, erfahren wir dann beim nächsten Mal, wenn es darum geht, das Foreshadowing auszunutzen.

Könnt ihr eine Fremdsprache? Oder habt ihr schon mal eine eigene Sprache erfunden? Und welche Buchstaben sind neben X und Y noch überflüssig?