Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Den Protagonisten zum Helden machen

Mittlerweile hat jeder Charakter ein Ziel vor Augen. Manche ein langfristiges, andere ein eher kurzfristiges, das sich noch ausbauen oder erweitern lässt. An diesen Zielen entlang ergibt sich jetzt der weitere Verlauf der Geschichte. Heute gucken wir mal, wie sich das Ziel auf unseren Protagonisten auswirkt.

Peter will also Ritter werden, um Prinzessin Alisa zu beweisen, dass er ein echter Kämpfer ist, obwohl er genau weiß, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Also muss er herausfinden wie man ein Ritter wird.

Peter saß an einem wackeligen Tisch und kaute auf einem Hühnerknochen herum. Sein Vater hatte eine Vorliebe für Hühnchen und bei jeder Gelegenheit stellte er einen Eimer bereit, der vom Festmahl übrig geblieben war. Da er ständig Reparaturen in der Burgküche vornehmen musste, gelang es ihm fast täglich, einen Eimer mit Essensresten mitgehen zu lassen. Peter warf den abgenagten Knochen aus dem Fenster. Der Knochen drehte sich im Fall um die eigene Achse und traf unten mit einem „Klonk“ den verbeulten Helm eines Wachmanns. Der Wachmann schaute nach oben und fragte sich, wo der Hühnerknochen herkam. Er hatte eine Vermutung.
„Wie wird man ein Ritter?“, fragte Peter seinen Vater.
„Sohn“, sagte Vater und schlug die Beine übereinander, was bedeutete, dass er sich auf einen längeren Monolog vorbereitete, „das Rittertum hat eine lange Tradition. Es basiert auf den ritterlichen Tugenden: Dem Dienst am Herrn, dem Dienst am Glauben und dem Minnedienst.“ Vater räusperte sich. Ihm wurde bewusst, dass er Gesprächen über Frauen mit seinem Sohn bisher gekonnt ausgewichen war. „Das bedeutet, ähem, du musst, du weißt schon, Frauen und Ritter, nun, wenn sich ein Ritter in strahlender Rüstung und eine Frau in schönem Kleid begegnen und dann, nun ja, wollen sie …“
Peter hörte nur mit einem Ohr zu. In Gedanken sah er sich in der von Vater erwähnten strahlenden Rüstung auf dem Burghof stehen. Die Rüstung gänzte in der Sonne und Prinzessin Alisa stand an seiner Seite.
„… und deshalb müssen die Traditionen gewahrt werden“, schloss Vater seinen Vortrag, „und man muss beweisen, dass man das Zeug zum Ritter hat. Beim traditionellen Rittercasting.“

Gewöhnlich würde hier jetzt ein etwas längerer Dialog folgen, der durch Nachfragen von Peter das Rittercasting erklärt, aber aus Platzgründen spare ich den aus und erkläre es schnell so: Peter braucht ein Pferd oder besser gesagt ein treues Ross, eine Rüstung und ein Schwert oder eine andere Waffe, die dem Stand eines Ritters gerecht wird. Und dann muss er sich im Kampf gegen einen Ausgewählten beweisen. Damit wäre er dann also erstmal beschäftigt und wächst mit der Erfüllung jeder Aufgabe etwas mehr über sich hinaus. Wie genau das ablaufen wird, ergibt sich dann recht spontan. Er könnte zum Beispiel ein Pferd bei einem Wettrennen gewinnen oder einfach eins aus den Ställen mitnehmen. Ein Schwert könnte er schmieden lassen oder es irgendwo finden (Schwert im Stein und so kennen wir ja alle). Die Rüstung besteht, wie wir bereits wissen aus zusammengebundenen Einzelteilen wie Dachrinnen, Ofenklappe und Eimer als Helm. Den Part, wie er sich all den Kram besorgt, überspringe ich einfach mal. Ich würde das vermutlich nutzen, um erstens die Welt etwas mehr in den Fokus zu rücken, wenn Peter eventuell sogar mal die sichere Burg verlassen muss, und um ihm mehr Profil zu geben. Eventuell käme auch noch der ein oder andere Nebencharaktere dazu, den er dabei trifft.

Springen wir also zu dem Kampf, in dem Peter beweisen muss, dass er was als Ritter taugt. Sein Gegner wird kein Unbekannter sein:

Peter stand in voller Rüstung im großen Saal und schaute durch die Löcher im Eimer zu den Sitzbänken herüber. Die Jury saß an einem Tisch und wirkte desinteressiert genug, um auch einen halbgaren Ritter durchzuwinken. Peters Unsicherheit verbesserte sich dadurch nur geringfügig. Der Vorsitzende der Jury stand auf, schüttelte seine blonde Mähne und verkündete Peters Gegner. Ein hohes Tor öffnete sich und eine Wache mit einer Beule im Helm betrat den Saal. Das hämische Grinsen auf seinem Gesicht verriet, dass er sich an Peter erinnerte und es kaum erwarten konnte, die Beule in seinem Helm zu rächen.
„Sind die Kämpfer bereit?“, fragte der Juryvorsitzende und schwang einen Hühnerknochen. „Dann lasst den Kampf beginnen!“
Der Wachmann zog sein glänzendes Schwert und zeigte mit der Spitze auf Peter. „Wenn ich mit dir fertig bin, werde ich mir einen neuen Helm schmieden lassen. Aus den Überresten deiner lächerlichen Rüstung.“
Peter zog am Griff seines Schwerts. Es steckte in der Scheide fest. Der Wachmann kam langsam auf ihn zu. Peter zog fester. Der Wachmann hob sein Schwert. Peter zog so fest er konnte. Die Klinge löste sich aus der Scheide. Peter verlor den Griff aus den Händen. Das Schwert flog durch den Saal. Die Jury duckte sich. Das Schwert drehte sich über sie hinweg und durchtrennte ein Seil an der Wand hinter ihnen. Der Kronleuchter, den das Seil in seiner Position unter der Decke hielt, rauschte abwärts. Peter und der Wachmann schauten hoch. Dem Helm des Wachmanns wurde eine weitere Beule hinzugefügt. Der Eimer auf Peters Kopf sah auch nicht besser aus. Beide Kämpfer lagen unter dem Kronleuchter begraben.
Der Juryvorsitzende erhob sich und kaute auf dem Hühnerknochen herum. „Ich schätze, es ist ein Unentschieden.“ Er kaute einen Moment und dachte nach. „Nicht gerade das, was man von einem Ritter erwartet, oder?“
Die restlichen Jurymitglieder nickten zustimmend.
„Nun, ruft die Krankenschwestern. Vielleicht sind noch einzelne Körperteile zu retten.“

Peter ist also nicht zum Ritter geworden. Ich weiß, die Überschrift des Beitrags ist etwas irreführend. Aber einen Helden kreiert man natürlich nicht mal eben so, sondern Schritt für Schritt, um dann am Ende der Geschichte den Abzug zu drücken, sozusagen. Peter muss sich also auf andere Art beweisen und hat noch einen langen Weg vor sich. Wie dieser aussehen wird, erfahren wir dann demnächst.

Jetzt, wo der Protagonist etwas aktiver in Erscheinung getreten ist, sollte der Antagonist nachziehen und die Sache noch zusätlich erschweren. Wie das aussieht und in welchem Zusammenhang das mit dieser Szene stehen könnte, schauen wir uns beim nächsten Mal an.

Wie macht ihr eure Charaktere zu Helden? Schmeißt ihr sie dafür in einen Kampf? Und wie viele Kronleuchter spielen dabei eine Rolle?

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Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Aufgaben für Nebenfiguren

Beim letzten Mal haben die Hauptfiguren Aufgaben gekriegt. Das ist deshalb so wichtig, weil nur ein Charakter mit einem Ziel die Story voranbringt und nicht von der Story getragen werden muss. Jemand der schlauer war als ich, sagte mal, dass jeder Charakter in jeder Szene ein Ziel haben sollte und sei es nur ein Glas Wasser. Ganz so eng sehe ich das zwar nicht, aber innerhalb der Geschichte brauchen die Beteiligten auf jeden Fall ein Ziel.

Das trifft also auch auf die Nebenfiguren zu, von denen wir auch schon ein paar kennengelernt haben. Bei Prinzessin Alisa beispielsweise wissen wir bereits, dass sie unbedingt Fensterläden vor ihrem Zimmer haben will, damit sie morgens ausschlafen kann. Das mag jetzt erstmal nicht der Knaller sein, aber es hat zumindest als Aufhänger gereicht, um sie und Peter miteinander bekannt zu machen. Im weiteren Verlauf wird sich das Ziel natürlich dann noch ändern, aber die Fensterläden wird sie nicht aus den Augen verlieren. Schließlich steht eine große Schlacht bevor und nach einer großen Schlacht ist Ausschlafen besonders wichtig, wie wir alle wissen. Die herannahende Bedrohung durch die Schlangofanten wird also noch Einfluss auf Alisa haben.

Und wo wir schon bei den Schlangofanten sind, kommen wir zu Krump, der gerade ein kleines Dorf mit seiner Armee überfällt:

Der wohlige Klang von panisch kreischenden Menschen übertönte die erfreulichen Geräusche knisternder Brände, die Holzgebäude in Schutt und Asche legten. Zumindest für die Schlangofanten gab es kaum etwas angenehmeres, als sich diesen Tönen hinzugeben, während sie anderen Lebewesen mit ihren Waffen den Schädel einschlugen. Krump selbst erfüllte das schon seit einiger Zeit nicht mehr mit richtiger Freude. Vermehrt hatte er das Gefühl, dass es auch für einen Schlangofanten mehr geben sollte, als nur die Söldner für einen wahnsinnigen Zauberer zu sein. Auch wenn dieser sie erschaffen hatte. Irgendwann sollte auch diese Schuld eingelöst sein. Krump zermatschte einem alten Mann das Gesicht und schleifte sein Schwert gelangweilt hinter sich her. Die Klinge hinterließ eine Furche im blutgetränkten Gras. Krump schaute sich die Furche an und dachte über Ackerbau nach.

Wie ihr mittlerweile wisst, halte ich es im ersten Entwurf meist simpel. Ich gebe mir selbst sozusagen Stichpunkte im Text, mit denen ich arbeiten kann, die sich dann später in der Überarbeitung verfeinern lassen. Ein Schlangofant, der ein einfacher Bauer werden will, könnte jedenfalls ganz unterhaltsam werden.

Als wir Wachmann Thorben das letzte Mal sahen, floh er vor genau dieser Schlangofantenarmee. Sein Ziel ist also erstmal „Abhauen“. Das ist natürlich nicht sehr ertragsreich für den weiteren Verlauf der Geschichte und es sollte doch noch etwas mehr dazu kommen.

Am Horizont stieg schwarzer Rauch auf. Wachmann Thorben wusste genau, wo dieser Rauch herrührte. Er hatte sich nicht lange in dem Dorf aufgehalten, aber es stimmte ihn einigermaßen traurig, zu wissen, dass er seine Tage nicht mehr mit den mehr oder weniger netten Bauern und Brauern des Dorfes verbringen konnte. Das Leben auf dem Land hatte durchaus seine Vorteile. Die Nahrung war frisch, man hielt sich viel an der frischen Luft auf und eigentlich konnte man den ganzen Tag auf dem Wachturm entspannen. Natürlich immer mit mindestens einem offenen Auge. Und vielleicht war ein zweiter Wachmann auch keine schlechte Idee. Wachmann Thorben nahm sich vor, diese Idee im Hinterkopf zu behalten und nach einem anderen Dorf zu suchen, in dem er sich niederlassen konnte. Weit entfernt von den Schlangofanten. Zuvor musste er aber einen Umweg nehmen und seine Schwester warnen.

Wachmann Thorben hat also eine Schwester. Wer das genau sein wird, weiß ich noch nicht. Vielleicht ist es Prinzessin Alisa oder jemand anderes an der Burg, der noch nicht erwähnt wurde. Es könnte auch jemand ganz anderes sein, falls ich das Gefühl habe, dass ich noch einen Handlungsstrang an einem anderen Ort gebrauchen kann. Sowas ergibt sich bei mir immer erst während dem Schreiben selbst. Zumindest hat jetzt aber vorerst jeder ein kleines oder größeres Ziel, das die Geschichte vorantreibt. Falls sich hinterher herausstellt, dass etwas davon ins Leere läuft, fliegt es in der Überarbeitung wieder raus.

Beim nächsten Mal kümmere ich mich dann darum, den Protagonisten Peter zum Helden zu machen oder ihn zumindest versuchen zu lassen, einer zu werden.

Wie behandelt ihr eure Nebenfiguren? Was für Ziele haben sie? Und wärt ihr auch gerne ein einfacher Bauer, der ein ruhiges Leben auf dem Land führt?

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Aufgaben für Hauptfiguren

Mittlerweile haben wir einen ganzen Haufen von Charakteren in der Geschichte kennengelernt. Manche sind wichtiger als andere. Aber was sie alle gemeinsam haben: Sie brauchen ein Ziel. Eine Aufgabe, die sie antreibt, damit sie nicht still stehen und die Geschichte stets voran getrieben wird.

Schauen wir uns als erstes unseren Protagonisten Peter an. Der Protagonist sollte natürlich vor allem anderen ein Ziel haben, schließlich ist er – neben dem Antagonisten – die wichtigste Figur der Geschichte. Hausmeistersohn Peter wurde ja ausreichend als unfähiger Trottel etabliert, würde ich sagen. Nachdem er dann völlig trottelig aus dem Fenster fiel, liegt er jetzt in einem Bett.

Der Hospitalbereich der Burg befand sich noch in der frühen Planung – was bedeutet, dass sich bisher niemand Gedanken darum gemacht hatte, einen Hospitalbereich einzurichten. Prinzessin Alisa saß neben dem Bett, in dem Peter lag und sich von seinem Sturz erholte. Alisa schaute auf die Fensterläden vor dem Fenster. Selbst hier unten im ersten Stockwerk, wo kaum Sonne hin kam, hatten die Fenster einen Lichtschutz. Alisa seufzte. Peter hustete. Er wachte auf und öffnete die Augen. Seine Überraschung über Alisas Anwesenheit ließ sich nicht verheimlichen. Was sich auch nicht verheimlichen ließ, war die Tatsache, dass Alisa zu keinem Zeitpunkt in ihrem Leben von irgendwas oder irgendjemandem so unbeeindruckt gewesen war, wie in diesem Moment von Hausmeistersohn Peter.
„Du bist nicht sonderlich geschickt, was?“, fragte sie und erwartete keine Antwort. „Weißt du, ich brauche jemanden, der geschickt ist. Einen echten Mann, der weiß, wie man mit einem Hammer umgeht und Dinge repariert. Und der vielleicht auch den ein oder anderen Kampf für mich austragen kann.“
Eine Rüstung klackerte auf dem Flur vorbei. Alisa schaute durch die halb geschlossene Tür und verfolgte den Ritter mit den Augen für den Bruchteil der Sekunde, die er sich im Blickbereich zwischen den Türrahmen befand.
„Sehen sie nicht toll aus in ihren Rüstungen?“ Alisa schwelgte in Gedanken an Nächte mit Rittern, die auch handwerklich begabt waren.
Peter wusste, was er zu tun hatte. Er würde der Prinzessin beweisen, dass er ein richtiger Mann sein konnte.

Etwas plump und zusammengestückelt, aber es erfüllt seinen Zweck. In der Überarbeitung lässt sich das noch ausbauen.

Beim Antagonisten habe ich bisher eigentlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Natürlich absichtlich, um das hier wieder aufgreifen zu können *hust* Lord Edgar ist bisher absolut uninteressant, inaktiv und man weiß absolut gar nichts über ihn. Sein Ziel ist zwar irgendwie klar: Er will die Burgbewohner platt machen. Aber das ist natürlich ohne die nötige Motivation oder zumindest einen guten Grund einfach nur belanglos. Ein Antagonist, der einfach nur böse ist, ist eben das langweiligste, was es so gibt. Um nach einem Grund für Lord Edgars Hass auf die Burgbewohner zu suchen, muss man wohl in die Vergangenheit reisen und mal schauen, was dort vorgefallen sein könnte:

Lord Edgar saß in seinem goldenen Thron und starrte gelangweilt die große Tür an, die viele Meter entfernt, am Ende eines langen Teppichs, sehr klein wirkte. Die Tür war nicht immer in diesem Schloss gewesen. Sie war das letzte Erinnerungsstück an seine Zeit auf der Burg. Als fest angestellter Magier des Königs hatte er die Burg oft gegen einfallende Horden und unwillkommene Versicherungsvertreter verteidigt. Die meiste Zeit verbrachte er in seinem Zimmer in den Katakomben unter der Burg. Dort erdachte er neue Zauber zur Abwehr von Feinden und der Verteidigung der Burg. Auf Befehl konnte er sich auf magische Art und Weise in sekundenschnelle in den Thronsaal des Königs begeben. Das passierte mehrmals am Tag. Obwohl er nur für Kampfhandlungen angestellt war, rief der König bei jeder Gelegenheit nach ihm, wenn gerade eine Situation eine Bewegung erforderte. Lord Edgar fand sich damit ab. Schließlich wurde er gut für seine Dienste bezahlt und so konnte er dem König auch mal einen Apfel aus der Obstschale in den Mund schweben lassen oder die Türen zum Thronsaal mit einem Fingerschnippen schließen, wenn diese von den Lakaien des Königs mal wieder offen gelassen worden waren und der König im Windzug fröstelte. Die Undankbarkeit des Königs zeigte sich an einem Abend, als der Himmel in rotem Licht erstrahlte. Der König hielt die Farbe am Firmament für ein böses Omen und bat Lord Edgar, etwas dagegen zu unternehmen. Lord Edgar stieß in diesem Augenblick an seine Grenzen. Mit Hilfe von Magie konnte er fast alles bewerkstelligen. Aber es gab zwei Dinge, auf die er keinen Einfluss hatte: Den Himmel oder besser gesagt, das Wetter und den Tod. Magie konnte tödlich sein, ja, aber jemanden zurück ins Leben zu holen war genau so wenig möglich, wie den Himmel blau zu streichen, wie es der König an diesem Abend gefordert hatte. Lord Edgar versuchte dem König die Idee von schlechten Zeichen und Vorhersehung auszureden. Er selbst glaubte nicht an Wahrsagerei. Er glaubte an die Kraft der Magie und sonst nichts. Der König war äußerst enttäuscht darüber und knallte Lord Edgar die Tür vor der Nase zu. Die Nase hatte sich nie davon erholt und wies noch heute eine Krümmung auf. Lord Edgar fuhr mit dem Finger über seinen Nasenrücken. Wütend stand er auf und schritt auf die große Tür zu. Mit einer Handbewegung ließ er sie aufschwingen. Er wollte nicht tatenlos herumsitzen. Wenn die Burg des Königs im Erdboden versank, würde er anwesend sein und dem König in die Augen schauen. Er würde ihm alles nehmen, so wie dieser ihm alles genommen hatte.

Auch hier eher plump und vom Reißbrett. Aber für den Anfang reicht mir das auch. Die Figuren und ihre Eigenschaften entwickeln sich bei mir immer während dem Schreibprozess, also kann ich auch später wieder zurück gehen, wenn mir etwas besseres einfällt. Zum Beispiel auch zu der Tür, die ich einfach mal spontan in den Text geworfen haben. Was sich damit noch machen lässt, wird man sehen. Ansonsten fliegt sie eben später wieder raus.

Aber nicht nur die Hauptfiguren brauchen ein Ziel, auch die Nebenfiguren sollten eine Aufgabe verfolgen, die sie durch die Story trägt. Da gucken wir dann beim nächsten Mal, was sich da so machen lässt.

Was für Aufgaben haben eure Hauptfiguren? Hat es auch etwas mit Türen zu tun? Und welche Form hat euer Nasenrücken eigentlich?

Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Einführung von Nebencharakteren -Teil 2

Beim letzten Mal (das überraschend lang her ist, wie ich gerade festgestellt habe) ging es darum, einen Nebencharakter völlig unabhängig von den Hauptpersonen einzuführen. Dieses Mal wird es ebenfalls um Nebencharaktere gehen, aber diejenigen, die in direkter Verbindung zum Protagonisten stehen. Ich könnte an dieser Stelle jetzt komplett auf das Leben und Treiben auf dem Burghof eingehen, aber das würde vorerst den Rahmen sprengen, also konzentriere ich mich auf eine Figur.

Prinzessin Alisa lag im Bett und drehte sich auf die andere Seite. Die verdammten Fensterläden waren immer noch kaputt und so schien die Sonne jeden Morgen schon früh in ihr Schlafgemach, um sie zu wecken. Sie zog sich die Decke übers Gesicht und versuchte das Licht zu ignorieren. Wie jeden Morgen gelang es ganz und gar nicht. Sie hatte bereits alles versucht, um die Sonne aus ihrem Zimmer fernzuhalten. Ein Laken vor das Fenster gehangen. Die Sonne drang problemlos hindurch. Ein großes Gemälde von der Wand im Flur vor das Fenster gestellt. Dafür hatte sie von ihren Eltern gehörig einen auf die Krone bekommen. Die Gemälde bedeuteten ihren Eltern sehr viel, bildeten sie doch die Vergangenheit des Reichs ab, indem darauf die ehemaligen Herrscher erstrahlten, die das Land zu dem gemacht hatten, was es heute ist. Natürlich waren auf den Gemälden die Kriegsverbrechen nicht abgebildet, die begangen wurden, um das Land groß zu machen und den Pöbel klein zu halten. Alisa konnte das Sonnenlicht nicht weiter ignorieren und stand auf. Ihr Nachthemd schleifte über den kalten Steinboden, als sie zum Fenster ging. Sie ließ die seichte Morgenbrise durch ihr braunes Haar wehen und gähnte. Ein Hämmern erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie schaute herüber zu einem der Fenster auf der gegenüberliegenden Seite des Burghofs. Der Hausmeister und sein Sohn arbeiteten an den Fensterläden vom Speisesaal. Wie hieß der Sohn noch gleich? Paul? Palle? Peter? Ja, das war es. Peter. Alisa kannte ihn schon ihr ganzes Leben lang. Und ihr ganzes Leben lang hatte sie sich von ihm ferngehalten. Prinzessinnen unterhielten sich nicht mit Hausmeistern, wenn es nicht unbedingt nötig war. Alisa hatte das Gefühl, dass heute der richtige Tag war, erstmals ein Wort an ihn zu richten. Sie schaute zu wie Peter ein Hammer aus der Hand rutschte und unten einer Hofwache den Helm zerdellte. Ja, er war genau der richtige Trottel, um ihr behilflich zu sein.

Wie man sieht wird Prinzessin Alisa ihrem Stand gerecht und hat kein wirkliches Interesse daran, sich mit dem Pöbel in Form eines Hausmeisters abzugeben, wenn sie daraus nicht einen Vorteil ziehen kann. Das birgt natürlich eine gute Möglichkeit für Charakterentwicklung im Verlauf der Geschichte. Erstmal will sie jetzt Hausmeistersohn Peter überreden, dass er Fensterläden vor ihrem Fenster anbringt, also quatscht sie ihn auf dem Burghof an:

Der Wachmann entdellte seinen Helm und hielt Peter den Hammer hin. Peter griff nach dem Werkzeug.
„Wenn du noch einmal meinen Helm zerdellst, zerdelle ich dein Gesicht“, sagte er und warf den Hammer über den Hof. „Verschwinde“, schlug er Peter vor.
Peter folgte dem Ratschlag und machte sich auf die Suche nach dem Hammer. Stattdessen fand er ein paar Füße, die sich in Bundschuhen versteckten, die unbequem und eng aussahen.
„Gefallen dir meine Schuhe?“, fragte eine Mädchenstimme.
Peter kannte die Stimme. Er hörte sie täglich, wenn sie Leute herumkommandierte. Ihr ganzer Tag schien daraus zu bestehen, den Menschen auf der Burg Befehle zu geben. Es war ungewohnt, diese Stimme in einem ruhigen und freundlichen Ton zu hören. Peter schaute auf und blickte in ein lächelndes Gesicht. Er hatte die Prinzessin noch nie lächeln sehen. Es war ein Tag voller Überraschungen.
„Willst du meine Schuhsammlung sehen?“
Peter war sich nicht sicher, ob er ihre Schuhsammlung sehen wollte. Aber zu einer schönen Prinzessin sagte man nicht nein und er folgte ihr auf ihr Zimmer. Alisa wühlte in ihrem Schuhschrank herum. Peter wartete geduldig in einer Ecke des Raums und starrte ihr nicht auf den Hintern, den sie ihm entgegenstreckte.
„Weißt du was?“, sagte sie plötzlich und ging zum Fenster. „Das Licht hier drin ist wirklich schlecht. Es ist viel zu hell, um eine Schuhpräsentation zu veranstalten.“
„Ist es?“
„Glaub mir, ich weiß, wovon ich spreche. Jeden Morgen stehe ich vor dem Schuhschrank und kann mich nicht für ein Paar entscheiden, weil in dem hellen Licht alle Schuhe gleich aussehen.“
Peter schielte an Prinzessin vorbei in den Schuhschrank. Ihre Schuhe sahen tatsächlich alle gleich aus. Er hatte nicht das Gefühl, dass das dem Licht geschuldet war. Es gab nur einen Schuhmacher auf der Burg und so trugen alle die gleichen Schuhe.
„Es wäre sicher hilfreich, wenn ich Fensterläden hätte, mit denen ich das Licht dimmen kann.“
„Bestimmt.“
„Vielleicht kannst du mir dabei behilflich sein. Ich habe dich gesehen und du scheinst dich mit Fensterläden auszukennen.“
„Gerne.“ Peter lehnte sich aus dem Fenster, um die Möglichkeiten der Anbringung von Fensterläden zu überprüfen. Er rutschte aus und fiel aus dem Fenster.

Wir haben also ein bisschen was über die Prinzessin erfahren. Sie hat zumindest den Ruf, sich für etwas Besseres zu halten und einen Schuhtick. Ich weiß, sehr klischeehaft, aber ich finde die Idee eines Schuhticks in einer Welt, in der alle Schuhe gleich aussehen, ganz lustig. Außerdem lässt sich damit vielleicht später doch noch was machen, zum Beispiel könnte sie doch ein paar spezielle Schuhe haben, die magisch sind oder sowas. Der Protagonist hat zudem erneut bewiesen, dass er handwerklich unbegabt ist. Aber er wird es natürlich weiter versuchen. Den Wachmann könnte man auch noch nutzen, um ihn immer wieder mit Peter aneinandergeraten zu lassen. Mal schauen, was mir da noch so einfällt.

Stört es euch auch so sehr, wenn euch morgens die Sonne ins Gesicht scheint? Wie handwerklich begabt seid ihr? Und wie viele gleiche paar Schuhe habt ihr?

Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Einführung von Nebencharakteren -Teil 1

Die Schlangofantenarmee ist auf dem Weg nach Burg Lebingen. Dort leben natürlich einige Menschen, die nicht die Hauptrolle in der Geschichte spielen. Und auch auf dem Weg dahin liegt ein Dorf, das von den Schlangofanten überfallen werden könnte. Also eine große Auswahl an Nebencharakteren. Nebencharaktere sind mindestens genau so wichtig wie die Hauptcharaktere. Nicht nur, weil sie die Welt lebendiger machen, sondern auch, weil sie Vielfalt in die eigentliche Geschichte bringen. Jetzt muss man dazu sagen, dass ich vorzugsweise aus der auktorialen Perspektive schreibe. Das heißt, dass der Erzähler alles weiß und eben die Geschichte aus seiner eigenen Sicht erzählt. Das bietet den Vorteil, dass man eben nicht an einen Charakter und deren Aufenthaltsort gebunden ist, sondern mehr oder weniger wild durch die Gegend springen kann. Wenn man aus der Ich-Perspektive oder der personalen Perspektive schreibt, gestaltet sich das Einführen von Nebencharakteren schwieriger, da man eben immer an eine Person gebunden ist. Das macht natürlich dann Sinn, wenn man zum Beispiel in einem Krimi ohnehin nur dem Protagonisten folgt und die Nebencharaktere nur mit diesem agieren. Aber wenn man eben lieber mit vielen Charakteren jongliert, dann ist die auktoriale Perspektive meiner Meinung nach ein guter Weg. Soviel also dazu. Jetzt sind wir also wieder ganz woanders und gucken mal, was bei einem der Nebencharaktere passiert, den wir damit auch direkt in die Geschichte einführen.

Wachmann Thorben stand auf dem hohen Wachturm am Rand des Dorfes und schielte auf das Naseneisen an seinem Helm. Das Naseneisen zog immer wieder seine Aufmerksamkeit auf sich und lenkte davon ab, den Wald zu beobachten. Er nahm den Helm ab und schüttelte seine Pupillen wieder in die richtige Position. Er hatte nie verstanden, warum ein Helm ein Naseneisen brauchte, wenn die Wahrscheinlichkeit, dass einem beim Kampf ausgerechnet die Nase abgeschnitten wurde, doch sehr gering war. Er hatte noch nie gehört, dass ein Naseneisen einem Mann mal davor bewahrt hatte, seine Nase zu verlieren. Andere Körperteile schienen viel größeren Schutz zu benötigen. Nach einer Schlacht gab es immer unzählige Männer, die auf dem Schlachtfeld ihre Arme oder Beine oder Eingeweide suchten. Aber seine Aufgabe war nicht, die Weiterentwicklung von militärischer Schutzkleidung voranzutreiben. Seine Aufgabe war es, den ganzen Tag auf den Wald zu starren, aus dem nie etwas auftauchte, dass für das Dorf eine Bedrohung darstellte. Hin und wieder zeigte sich mal ein Reh oder ein Hase hoppelte aus einem Gebüsch. Aber zu keinem Zeitpunkt war jemals eine Bedrohung aus dem Wald gekommen. Ja, im hinteren Teil des Waldes, wo die Bäume tot waren und das Leben sich lange aus allen Pflanzen verzogen hatte, trieben bedrohliche Geschöpfe ihr Unwesen. Aber nahe des Dorfes, wo der Wald lebte und gedieh war das Gefährlichste, was man erblicken konnte, ein Fuchs, der die Gänse der Bauern stehlen wollte.

Es soll ja Autoren geben, die ihre Nebencharaktere eher stiefmütterlich behandeln im Vergleich zu den Hauptcharakteren. Ich mache das nicht. Für mich ist jeder Charakter gleich wichtig. Mal abgesehen von Ausnahmen natürlich wie dem üblichen Kanonenfutter, das ohnehin nach drei Sätzen stirbt, oder Leuten, die nur einen ganz kurzen Auftritt in der Geschichte haben. Aber auch da mache ich mir beim Schreiben zumindest ein paar Gedanken, was diese Personen darstellen und wie sie ticken. So hat der Leser – und vor allem auch ich selbst – zumindest direkt ein minimales Bild im Kopf. Nebenbei passiert das bei mir nicht vorausplanend. Ich entwickle das Meiste direkt während dem Schreibprozess.

Jetzt haben wir also gesehen, wie Wachmann Thorben die Welt um sich herum betrachtet. Jetzt schauen wir mal, was sonst noch so in seinem Kopf vorgeht.

Thorben gähnte und stützte sich mit verschränkten Armen auf sein Schwert. Er überlegte, ob er ein kleines Nickerchen machen sollte. Es kam ohnehin nie jemand kontrollieren, ob er seinen Job mit der nötigen Aufmerksamkeit ausübte. Er schaute sich die lange Narbe an, die sich quer über seinen Unterarm erstreckte. Eine alte Kriegsverletzung. Einer der vielen Gründe, warum er sich von der Armee losgesagt und in das kleine Dorf zurückgezogen hatte. Er hatte so einige Schlachten geschlagen und Verletzungen gehörten dazu, wenn man mit seinem Schwert inmitten von gegnerischen Horden stand und überall scharfe Klingen und spitze Pfeile durch die Gegend flogen. Nach der letzten Schlacht hatte Thorben entschieden, dass er genug gekämpft hatte und die grausamen Anblicke und Schreie auf den Schlachtfeldern reichten, um ihn für den Rest seines Lebens mit Albträumen zu versorgen. Ein Nickerchen war vielleicht doch keine so gute Idee.

Wir haben also ein bisschen was über die Weltsicht, das Aussehen und die Vergangenheit des Charakters erfahren. Das reicht dann auch vorerst. Und weil doof rumstehen und in die Gegend starren nicht das Spannendste ist, bauen wir noch schnell eine kleine Handlung ein, um die Szene zu beenden.

Thorben schaute auf. Etwas bewegte sich zwischen den Büschen am Waldesrand. Das Etwas trat aus dem Wald. Thorben schaute genauer hin. Das Schwert fiel um, als er die Arme über dem Kopf zusammenschlug. Eine Armee von Schlangofanten näherte sich dem Dorf. Thorben hob sein Schwert auf und kletterte so schnell es ging die Leiter am Wachturm herunter. Er lief los und übersah einen Stein am Boden. Er stolperte und fiel. Sein Helm kullerte über den Boden. Er stand auf und ließ den Helm liegen. „Die Schlangofanten kommen!“, rief er und lief zu seinem Pferd. „Rette sich wer kann!“ Er stieg auf das Pferd und ritt davon. Aus der Ferne hörte er die Schreie der Dorfbewohner, als die Schlangofanten in das Dorf einfielen. Er schaute sich nicht um.

Thorben hat also Angst vor Schlangofanten. Das kann man später wieder aufgreifen und ermöglicht zudem einen kompletten Nebenhandlungsstrang, bei dem Thorben sich am Ende seiner Angst stellen muss, wenn er zum Beispiel gegen Krump kämpft, oder in eine Schlacht gegen die Schlangofanten zieht. Ich halte mir da gerne ein paar Möglichkeiten offen.

Thorben reitet jetzt Richtung Burg und wer da so wohnt gucken wir uns beim nächsten Mal an.

Wie behandelt ihr eure Nebencharaktere? Stellt ihr die auch gerne gelangweilt auf Wachtürme? Und wie schnell könnt ihr aus einem Dorf flüchten, wenn eine Bedrohung naht?

Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Schlacht zwischen Phantasiewesen

Beim letzten Mal waren wir mit den Schlangofanten im Wald der toten Bäume, der seinen einfallslosen Namen nicht zu Unrecht trägt. Und dort stellte sich ihnen ein gestreifter Krallenwusel entgegen, der so niedlich war, dass er direkt einem unvorsichtigen Schlangofanten den Kopf abbiss. Jetzt ist der gestreifte Krallenwusel also zur ausgewachsenen Bestie mutiert und weitere gestreifte Krallenwusel lauern bereits in der Dunkelheit. Ein Kampf ist unausweichlich.

Der gestreifte Krallenwusel spuckte den Kopf des Schlangofanten aus und brüllte die Armee an. Die wich einen Schritt zurück. Hinter ihnen stand bereits der nächste gestreifte Krallenwusel und hatte seine Niedlichkeit abgelegt. Geifer tropfte von seinen spitzen Zähnen. Er fuhr seine scharfen Krallen aus und stand bedrohlich auf dem schmalen Pfad. Neben dem Pfad stellten sich weitere gestreifte Krallenwusel auf und umzingelten die Armee. Die Schlangofanten zogen ihre Waffen.

So, der Aufbau ist gemacht. Jetzt kann die Schlacht also losgehen. Und so eine Schlacht ist immer ein schmaler Grat zwischen Hektik und Kampfwissen. Ich beherrsche beides nicht, was es durchaus schwierig macht. Hier habe ich immerhin den Vorteil, dass nur ein Charakter anwesend ist, der innerhalb der Geschichte wichtig ist. Im Normalfall hat man in einer Schlacht natürlich jede Menge Leute, die alle ihre 5 Minuten Ruhm kriegen müssen und dann wird es richtig schwierig. Aber dazu kommen wir dann irgendwann mal. Jetzt also erstmal Krump und die Schlangofantenarmee gegen die gestreiften Krallenwusel.

Der erste Krallenwusel sprang einen Schlangofanten an. Krump bekam nicht mit, was mit seinem Mitstreiter geschah. Er hob sein Schwert und wehrte einen gestreiften Krallenwusel ab. Ein weiterer bohrte seine Krallen tief in seinen Arm. Krump schwang herum und stieß dem Biest die Klinge seines Schwertes in die Seite. Um ihn herum stürzten seine Mitstreiter zu Boden. Gliedmaßen flogen herum. Gestreifte Krallenwusel sprangen hin und her. Krump schlitzte eins der Monster auf. Ein anderes stürzte sich auf ihn und drückte mit seinen riesigen Pranken auf seinen Brustharnisch. Krump schleuderte seinen Rüssel hin und her auf der Suche nach Luft, während ihm die Bestie die Brust eindrückte. Der Rüssel schwang vergeblich. Der gestreifte Krallenwusel öffnete sein Maul. Er brüllte Krump an. Krump schoss einen Schwall Schlangofantengift aus seinem Rüssel in sein Maul. Jetzt rang der gestreifte Krallenwusel nach Luft. Er stürzte von Krump herunter und fiel neben ihm in den Dreck. Krump beendete sein Leiden mit einem Schwerthieb.Krump stand auf und schaute sich um. Die gestreiften Krallenwusel hatten sich verzogen. Die restlichen lagen in Blutpfützen auf dem schmalen Pfad. Was von der Armee übrig war, steckte seine Waffen weg.

Ich habe das jetzt mal möglichst kurz gehalten. Das versuche ich in solchen Szenen eigentlich immer, weil sie mir so schwer fallen. Ich bin dann immer froh, wenn es vorbei ist. Natürlich hatte ich hier wie gesagt den Vorteil, dass nicht ein Dutzend Charaktere in der Schlacht rumturnen, um die ich mich dann auch kümmern muss. Das wird uns hier im weiteren Verlauf sicher auch noch erwarten. Aber so halte ich mich immer möglichst kurz und versuche durch kurze Sätze ein bisschen mehr Hektik in die Szenen zu bringen.

Nachdem diese Mini-Schlacht also überstanden ist, ziehen die Schlangofanten weiter. Beim nächsten Mal gucken wir uns dann an, wem diese Bedrohung durch die Schlangofanten gilt, wenn wir die Nebencharaktere einführen.

Wie schreibt ihr Schlachten? Seid ihr dabei auch immer gefühlt so überfordert? Und meint ihr nicht auch, dass die gestreiften Krallenwusel unter Naturschutz stehen sollten?

Schreiben wie ein selbsternannter Schriftsteller – Eigene Kreaturen

Wie angekündigt geht es diese Woche um ein wirklich spaßiges Thema. Das Kreieren von eigenen Wesen. Ich finde ja, dass Zwerge, Orks, Vampire und Zombies ziemlich ausgelutscht sind. Das heißt natürlich nicht, dass man sie nicht nutzen kann, wenn es angebracht ist. Aber es schadet absolut nicht, wenn man auch mal was Frisches in den Mix schmeißt. Denn Konfuzius sagt: „Die Mischung machts.“ Und er muss es wissen, schließlich herrscht in so einem konfusen Verstand jede Menge Verwirrung und Abwechslung.

Wir erinnern uns, wie Lord Edgar beim letzten Mal seine Armee von Schlangofanten unter der Führung von Krump losschickte, um das Schloss des Königs abzufackeln. Über die Schlangofanten haben wir also schon ein bisschen was erfahren und das soll uns erstmal reichen. Auf ihrem Weg zum Schloss treffen sie allerdings auf eine andere Rasse, die ihnen nicht friedlich gesinnt ist.

Im Wald der toten Bäume, der so hieß, weil die Bäume und Pflanzen hier wirklich mal etwas Wasser vertragen konnten, herrschte stets eine bedrückende Atmosphäre. Selbst Krump entging diese Atmosphäre nicht, dabei hatte er als Schlangofant absolut nichts für Atmosphäre übrig. Langsam marschierte die Schlangofantenarmee zwischen den abgestorbenen Bäumen und Sträuchern mit dürren Ästen hindurch. Krump hob eines seiner langen Ohren. Ein Knurren hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Er hob eine Hand. Die Armee stoppte ihren Marsch.

Im Unterholz lauert also eine Bedrohung. Und hier kommt der schwierige Teil. Wenn man eine Kreatur, ein Wesen, eine Gestalt, oder Ähnliches einführt, dann muss man sich bei der Beschreibung etwas anstrengen, um das Bild im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Jeder hat ein Bild von einem Zombie oder einem Drachen im Kopf. Aber wenn ich von einem gestreiften Krallenwusel spreche, passiert da erstmal nicht viel. Also muss ich dieses Wesen möglichst ausführlich, aber eben auch möglichst aufregend, beschreiben, um ein Bild zu zeichnen, ohne dabei Langeweile aufkommen zu lassen und mich in Details zu verlieren. Und ich will ehrlich sein: Diese Aufgabe fällt mir nicht sonderlich leicht. Aber Übung macht bekanntlich den Meister, also starten wir mal einen Versuch.

Zwei gelbe Punkte erschienen in der Dunkelheit zwischen den toten Bäumen. Die Punkte wurden größer und näherten sich langsam der Armee. Krump zog sein Schwert, das so viele scharfe Kanten und spitze Ecken hatte, dass er sich selbst jedes Mal verletze, wenn er es in die Hand nahm. Dafür bot es sich hervorragend an, um Gegner auszuweiden. Das Augenpaar verließ die Dunkelheit und ein gestreifter Krallenwusel erschien vor der Armee. Der Armee entwich ein erleichtertes Seufzen. Der gestreifte Krallenwusel reihte ihnen gerade bis zu den Knöcheln. Sein schwarz weiß gestreiftes Fell sah so kuschelig aus, dass man direkt versucht war, es als Kopfkissen zu benutzen. An seinen kleinen Pfoten zeigten sich winzige Krallen, die kaum dafür ausreichten, die Haut anzukratzen. Es legte die spitzen Ohren in den Nacken und fauchte. Das Fauchen wirkte nicht gerade angsteinflößend. Einer der Schlangofanten ging auf den gestreiften Krallenwusel zu. Der zeigte seine kleinen spitzen Zähne. Der Schlangofant hob den gestreiften Krallenwusel auf und wog ihn in seinen Armen. Er streichelte ihm über sein kuscheliges Fell. Die anderen Schlangofanten schauten zu und lachten. Dann baute der gestreifte Krallenwusel schlagartig seine Muskeln auf, wuchs zur doppelten Größe heran und biss dem Schlangofanten den Kopf ab. Das Lachen erlosch und weitere gelbe Punkte erschienen in der Dunkelheit.

Man sieht also, der erste Eindruck muss nicht immer der richtige sein. Aber der Eindruck, der beim Leser entstehen soll, muss ausführlich genug sein, um bei ihm ein Bild entstehen zu lassen. Ich denke, das ist mir hier wenigstens so einigermaßen gelungen. Man könnte sicher noch etwas mehr ins Detail gehen, aber ich mag es einfach nicht, wenn die Beschreibungen zu ausschweifend werden, wie ich ja auch schon mal erwähnt habe. Deshalb versuche ich mich immer auf das Wichtigste zu beschränken.

Beim nächsten Mal schauen wir uns dann mal an, wie eine kleine Schlacht in einem dunklen Wald zwischen zwei Phantasiewesen so aussehen könnte.

Wie beschreibt ihr selbst erfundene Kreaturen? Wann wart ihr eigentlich zuletzt alleine in einem dunklen Wald? Und mutiert eure Hauskatze auch manchmal einfach so zum ausgewachsenen Puma?