Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Foreshadowing

Heute wird es höchstinteressant hier … okay, ich will nicht lügen, vielleicht wird es auch todlangweilig. Ich weiß es selbst noch nicht. Ich schludere den ganzen Kram hier schließlich ziemlich spontan hin. Ich weiß also überhaupt nicht, wo das alles hinführt. Und beim heutigen Thema schon gar nicht. Denn es geht um das gute, alte Foreshadowing – ich verzichte bewusst auf die deutsche Ausdrucksweise „epische Vorausdeutung“, weil mir das zu dämlich klingt und so episch ist das alles hier nun auch wieder nicht.

Es geht um bewusst platzierte Elemente, die im späteren Verlauf einer Geschichte wieder aufgegriffen werden. Das berühmteste Beispiel ist wohl die Waffe, die im ersten Kapitel in der Schublade des Detektivs liegt und mit der er im letzten Kapitel den Antagonisten erschießt. Oder die scharfe Blondine mit den dicken Tüten, die ihm den Auftrag erteilt hat, sich dann aber als eigentliche Drahtzieherin herausstellte. Oder sich selbst, weil er zu doof war, den Fall aufzuklären. Was auch immer der Ausgang sein mag, die Pistole wurde bewusst im ersten Kapitel erwähnt.

In meinem Beispiel von Lord Edgar und Hausmeistersohn Peter sieht das Foreshadowing bisher etwas anders aus. Irgendwo in all dem Gewurschtel hier habe ich beispielsweise mal die Schlafzimmer in der Burg erwähnt und genau in diesen Schlafzimmern befindet sich Peter jetzt, nachdem er so gerade vor den lebendigen Ranken an der Burgmauer fliehen konnte.
Bei mir ergeben sich solche Foreshadowings eher durch Zufall. Wie in diesem Fall mit den Schlafzimmern, die mal erwähnt wurden. Wenn die dann nochmal eine Rolle spielen, überlege ich mir erst dann, was man da vorher in der Geschichte vielleicht noch machen kann. Es kommt also eher selten vor, dass ich bewusst etwas in den ersten Kapiteln erwähne, um es später noch mal aufzugreifen. Es ist eher andersrum der Fall.
Wenn wir jetzt beispielsweise in der Geschichte weiter zurückspringen würden in eins der ersten Kapitel, könnte man ja bereits eine Szene in eben diesem Schlafzimmer spielen lassen, um hier zum Beispiel einen Gegenstand zu platzieren, der Peter im Kampf gegen Lord Edgar helfen könnte. Leider geben mittelalterliche Schlafzimmer nicht viel her. Da gab es nur das Nötigste. Ein Bett zum miteinander pennen. Einen Ofen, damit man sich nicht den Arsch abfriert beim Miteinanderpennen. Ein Stuhl in der Ecke neben dem Ofen, damit ein Schaulustiger den beiden im Bett Miteinanderpennenden bei Interesse zugucken kann. Ein Wandteppich … Moment mal. Damit lässt sich doch was machen. Nehmen wir den Wandteppich.

Ich springe also erstmal zurück und bringe den Wandteppich in einer früheren Szene ins Spiel:

Hausmeistersohn Peter stand verlegen im Schlafzimmer der Prinzessin und schaute auf den Boden. Vor ihm stritten sich die Königin und sein Vater der Hausmeister.
„Habt ihr eine Ahnung, was dieser Wandteppich für einen Wert hat?“
„Die Burg ist voll mit Wandteppichen“, versuchte der Hausmeister die Königin zu beruhigen.
„Aber dieser Wandteppich ist etwas besonderes“, erklärte die Königin. „Er ist schon seit Jahren in Familienbesitz. Er war immer für uns da, in guten und in sehr guten Zeiten.“ Schlechte Zeiten hatte die Familie nie erlebt. Schließlich waren sie Könige. Schlechte Zeiten waren für den Pöbel. „Er ist unersetzbar.“
„Nun, es ist nur ein kleiner Brandfleck“, stellte der Hausmeister mit prüfendem Blick fest. „Vielleicht kann man ihn mit irgendetwas verdecken.“ Er schob eine Kommode vor den Teppich. Er schaute sich das Ergebnis an. Die Kommode war zu klein. Der Brandfleck war weiterhin hervorragend zu sehen. Der Hausmeister schaute sich im Raum um. Er fand, wonach er suchte. Er nahm die kleine Blumenvase vom Nachtschrank neben dem Bett und stellte sie vor den Brandfleck auf die Kommode. „Perfekt“, sagte er jubelnd und grinste die Königin doof an.
Die Königin brummte etwas unverständliches, dann fügte sie hinzu: „Ich verlange, dass der Verantwortliche dafür bestraft wird.“ Sie zeigte auf Peter.
„O, natürlich. Macht euch keine Sorgen eure Hoheit. Ich werde ihn selbstverständlich zur Rechenschaft ziehen“, versprach der Hausmeister.
Die Königin schien zumindest etwas zufrieden und verließ den Raum.
Peter wagte es, aufzuschauen. Sein Vater guckte ihn kopfschüttelnd an. „Ich bin wirklich enttäuscht, Peter“, sagte er.
„Die Kerze ist umgefallen und ich …“
„Du hättest das ganze hässliche Ding abfackeln sollen.“ Vater lachte. „Ich würde mir den Fetzen nicht ins Zimmer hängen, wenn mich jemand dafür bezahlen würde.“ Er streichelte Peter den Kopf. „Komm, wir müssen noch ein paar Dinge erledigen.“

Damit haben wir den Wandteppich eingeführt und können den jetzt in der folgenden Szene benutzen und dann wird der Leser denken „Aha! Das ist ja dieser Wandteppich von vor 4235 Seiten“ oder „Ich fand das mit dem Wandteppich schon vor 4235 Seiten langweilig“, jedenfalls wird sich der Leser daran erinnern. Und wenn nicht, ist es auch egal. Hauptsache Wandteppich. Yay Wandteppich! GO WANDTEPPICH!!!

Peter schaute sich um im Schlafzimmer. Er erkannte den Wandteppich den er vor einiger Zeit angekokelt hatte. Die Blumenvase verdeckte immer noch den Brandfleck. Nur die Blumen waren ausgetauscht worden. Die Tür flog auf und Lord Edgar betrat den Raum.
„Ein weiteres Mal entkommst du mir nicht“, sagte er finster. „Du Wicht“, fügte er hinzu, um seinen Standpunkt klar zu machen.
Lord Edgar besann sich auf seine primäre Vorgehensweise und schlug mit seinem Stab zu. Peter duckte sich und krabbelte unter dem Bett her auf die andere Seite des Raums. Lord Edgar wollte zum Essen zuhause sein und die Sache endlich beenden. Er hob den Stab und rief: „Smetter!“ Ein Blitz schoss aus dem Stab auf Peter zu. Er konnte in letzter Sekunde ausweichen. Der Blitz traf die Kommode vor dem Wandteppich und zerschmetterte sie und die Vase darauf in tausend Teile. Die Wucht der Explosion ließ Peter zu Boden gehen. Er lehnte an der Wand neben dem Wandteppich. Lord Edgar ging langsam erhobenen Stabes auf ihn zu. Er stellte sich vor ihn und drückte die Spitze seines Stabs unter das Kinn des Jungen. Peter wusste, dass es vorbei war. Es gab keinen Ausweg mehr. Nur er und der Wandteppich waren hier, um sich gegen den bösen Magier zu stellen. Er griff den Wandteppich. Er hing nur noch locker an der Wand. Peter ergriff seine letzte Chance, den Wandteppich, und zog fest daran. Der Teppich löste sich von der Wand und fiel über Lord Edgar. Der böse Zauberer wandte sich unter dem Familienerbstück und taumelte blind durchs Zimmer. Das offene Fenster wurde ihm zum Verhängnis, als er heraus taumelte und mit Stab und Teppich in die Tiefe fiel.

Lord Edgar ist also besiegt, dank der großen Hilfe eines strategisch platzierten Wandteppichs. Natürlich ist er nicht tot, sondern hängt in seinen eigens zum Leben erweckten Ranken, die zuvor ge-foreshadow-t wurden. Toll was. Damit ist die Geschichte quasi erzählt und es fehlt nur noch das Ende. Das gibts dann beim nächsten Mal.

Wie betreibt ihr Foreshadowing? Habt ihr auch eine Waffe in der Schreibtischschublade, die ihr im letzten Kapitel eures Lebens überraschend ziehen könntet? Und wie viele Wandteppiche habt ihr eigentlich?

Studieren – Spontane Gedanken 3

Ich habe ja nicht studiert. Nicht, weil es mir an Interessengebieten mangelt, die sich da unter Umständen angeboten hätten. Sondern eher, weil ich schon die Schule absolut grauenhaft fand. Es ist einfach so, dass ich direkt abschalte, wenn ich etwas langweilig finde, oder es mich einfach nicht interessiert. Quasi eine Version von ADHS – nur ohne das „H“. Dabei bin ich recht wissbegierig. Ich interessiere mich erstmal für eigentlich alles. Man kann mir zum Beispiel was über Energiegewinnung aus Kuhscheiße erzählen und ich denke dann im ersten Moment: „Hm, das ist interessant.“ Aber im Verlauf des Gesprächs Schrägstrich Vortrags fällt mir dann natürlich auf, dass es überhaupt nicht interessant ist und ich denke mir nur noch: „Mann, das ist überhaupt nicht interessant. Es ist mir scheißegal. Werd fertig mit deinem Kackgelaber.“

Ganz schlimm ist es zum Beispiel bei Religion. Da kann ich einfach nichts ernst nehmen und es ist mir einfach komplett egal. Dieser ganze Humbug mit Leuten, die übers Wasser latschen und das Wasser dann in Wein verwandeln und einem alten Sack mit langem Bart, der irgendwo im Himmel rumsitzt und sich irgendwann dachte: „Boah, ist das langweilig hier im Nichts. Ich glaube, ich erschaffe mal was. Vielleicht einen Wal und einen Petunientopf.“ Aber dann hat er doch erst mal kleiner angefangen und an seiner Nähmaschine das Elementarteilchen gebastelt. Und daraus hat er dann immer mehr Kram zusammengefuckelt, den kein Mensch braucht. Unter anderem den Menschen.

Ich glaube das ja nicht. Ich bin Verfechter der Evolutionstheorie. Die verstehe ich zwar auch nicht wirklich, aber das Grundprinzip ergibt einfach mehr Sinn als ein alter Fatzke im Nichts an einer Nähmaschine. Irgendetwas ist da und entwickelt sich halt weiter. Und so entsteht dann der Dodo. Und dann kommen wir und rotten ihn aus. Evolution ergibt Sinn. Und überhaupt, wenn es einen Gott gäbe, müsste der demnach ja mittlerweile auch weiterentwickelt sein durch die Evolution. Gott wäre inzwischen also vermutlich ein dreiköpfiges Tentakelmonster mit millionen Froschaugen. Und eigener fliegender Untertasse natürlich. Und sowas soll ich anbeten?

Jetzt ist allerdings die Frage, wo denn das Universum eigentlich herkommt, wenn nicht Gott da war, um es mit seiner Nähmaschine zu erschaffen. Kann ich auch nicht sagen. Viel wichtiger ist aber ja ohnehin die Frage, wo es hingeht. Und ich schätze mal, solange wir hier rumturnen, geht es weiter vor die Hunde.
Ich meine, wir sind nicht mal ansatzweise in der Lage das Universum zu begreifen, aber es gibt bereits ernsthafte Überlegungen, eine Realityshow auf dem Mars zu drehen. Sowas wie Big Brother. Nur, wenn du raus bist, biste verreckt. Und dann liegste da im Dreck. Auf dem Mars. Die Idee ist einfach so dermaßen dämlich, dass es eigentlich nur ein großer Erfolg werden kann. Und theoretisch könnte dann auf dem Mars ja sogar eine ganz neue Evolution beginnen. Und neue Religionen könnte man auch gründen. Und dann beten sie da oben alle Grupsalong das Marsmonster an. Da würde ich dann aber abschalten. Religion interessiert mich halt nicht. Auch nicht mit grünen Aliens vom Mars.

Es ist quasi so, wie wenn ein Geschichtsprofessor vor einem steht und man sich denkt: „Cool. Der hat bestimmt interessante Geschichten auf Lager.“ Und dann erzählt er einem was vom Deckschrubber auf Christoph Kolumbus‘ Schiff und man denkt sich nur: „Mann, das ist überhaupt nicht interessant. Es ist mir scheißegal. Werd fertig mit deinem Kackgelaber.“ Ich kann mich darauf dann einfach nicht konzentrieren. Und deshalb habe ich nicht studiert.

Auf der Suche nach dem ersten Blogpost # 15

Zu Teil 14

Der Minotaurus ist so nett, uns durch den Hinterausgang hinauszuschicken, damit wir nicht durch das Labyrinth zurückirren müssen. Ich schätze, er hätte mich gerne zurück in die versiffte Höhle geschickt aber er wollte wohl keinen Ärger mit Fey. Ich glaube, er steht auf sie. Konkurrenz kann ich gerade wenig gebrauchen. Eigentlich kann ich Konkurrenz nie gebrauchen. Wenn es um die Frauen geht erst recht nicht. Mich wundert es ohnehin immer noch, dass sich Fey mit einem Verlierer wie mir eingelassen hat. Sie hüpft wie immer fröhlich neben mir her, als wir den Strand entlang laufen. Sie lächelt fröhlich, als wir zurück ans Festland rudern. Die Fröhlichkeit wird von einer Stimme vertrieben.

»Langsam kriege ich das Gefühl, dass ihr etwas im Schilde führt, dass mir gar nicht gefällt.« Der Sheriff lehnt an einer Mauer und hat die Daumen in seinen Wolfsfellgürtel geschoben, als wäre er ein cooler Highschooldraufgänger aus den Sechzigern.

Wir steigen aus dem Boot. Fey mit einer Leichtigkeit, die vermuten lässt, dass sie Flügel hat. Ich so ungeschickt, dass ich fast im Wasser lande. In letzter Sekunde kann ich aber an Land springen und lege mich da auf die Fresse. Immerhin bin ich nicht nass geworden. Der Sheriff stellt sich vor mir auf und schaut auf mich herab. »Also, was heckt ihr aus?«, fragt er grinsend. Seine Zähne sehen aus, als hätte er schon mehrmals in das ein oder andere Bein gebissen, um einen Flüchtigen zu stoppen. Allerdings tut er das vermutlich nur bei Vollmond, also gehe ich davon aus, dass ich erst mal nichts zu befürchten habe.

Ich stehe auf und schaue ihn an. »Wir suchen ein paar Silberkugeln«, sage ich.

Sein Grinsen verzieht sich zu einem ausdruckslosen Strich. »Witzig«, sagt er und es ist klar, dass er absolut anderer Meinung ist. »Was wolltet ihr auf der Insel?«

Ich will etwas sagen, aber er hebt seinen Zeigefinger vor mein Gesicht. »Und keine dummen Antworten, sonst beiße ich.« Er schnappt mit seinen gelben Zähnen in meine Richtung.

Ich glaube zwar nicht, dass er in dieser Gestalt wirklich Leute beißt, aber ich will kein Risiko eingehen. »Wir brauchten etwas vom Minotaurus.«

»Was?«

»Stahl.«

»Warum?«

»Für einen Käfig.«

»Wofür?«

»Ich will mir einen Wellensittich kaufen.«

»Was habe ich dir wegen den dummen Antworten gesagt?«

»Wir müssen einen Nix einfangen«, sagt Fey und nimmt mir damit mal wieder das Reden ab, worüber ich durchaus glücklich bin. Ich schlage mich ungerne mit den eigenartigen Gestalten rum,die plötzlich überall in der Stadt rumzulaufen scheinen.

»Einen Nix einfangen,« er heult überrascht auf, »da habt ihr euch ja was vorgenommen.« Er scheint augenblicklich das Interesse an dem Thema zu verlieren. »Ihr habt nicht zufällig kürzlich die Frau gesehen, die ich suche?«

»Zu letzten Mal, als du in meiner Wohnung warst. Meine Tischdecke konnte dir offenbar nicht weiterhelfen.«

»Willst du sie wiederhaben?«

»Nein, danke. Ich hab noch genügend anderen Krempel, den ich ankokeln kann.« Ich schaue über seine Schulter. Auf einem Gebäude hinter ihm steht eine vermummte Gestalt.

Der Sheriff dreht sich um und schaut in die gleiche Richtung. Die Gestalt regt sich nicht. Er wird sichtlich nervös. »Ich muss weiter«, sagt er knapp und verschwindet.

Ich schaue Fey fragend an. Dann wieder zu dem Gebäude. Die Gestalt ist verschwunden. Ich schüttele den Kopf. Ich habe genug Dinge, um die ich mir Gedanken machen muss. Seltsame Gestalten, die auf alten Häusern stehen, müssen sich hinten anstellen.

Ein leises Platschen kommt aus dem See. Ich gucke ins Wasser, aber es ist nichts zu sehen. Vermutlich ein Fisch, der etwas auf der Wasseroberfläche gefangen hat. Ich nehme Fey an der Hand und will gehen. Ein weiteres Platschen hält mich davon ab. Im Wasser regt sich nichts. Die Oberfläche ist ebenfalls still. Stille Wasser sind tief, sagte irgendjemand irgendwann. Ich versuche, so tief wie möglich in den See zu schauen. Ich kann nichts erkennen, außer das Licht der Sonne, dass sich im Wasser spiegelt. Aus dem Licht taucht ein Gesicht auf. Etwas springt aus dem Wasser nach oben. Es packt mich, bevor ich überhaupt realisieren kann, was da gerade passiert. Ich werde ins Wasser gezogen und schneller, als es ein Mensch könnte, zieht mich das Wesen durch den See. Da ich nicht mal Zeit hatte, vorher tief einzuatmen, geht mir schnell die Luft aus. Alles wird schwarz. Ich fürchte, das wars. Uh, das reimt sich, denke ich, während ich absaufe.

FORTSETZUNG FOLGT IN TEIL 16

„Mach was!“ – Mit Bibliothek

Dieses Mal ist das Thema bei Poe und Herbas „Mach was!“ quasi genau richtig für einen selbsternannten Schriftsteller. Denn wir gehen in die BIBLIOTHEK. Ich hätte mich gerne noch mehr in dieser Geschichte ausgetobt, aber ich versuche immer, die Geschichten hier kurz zu halten, damit sie auch gelesen werden. Vielleicht greife ich die Idee aber noch mal auf, da sich damit noch mehr machen lässt, denke ich.

Zwischen den Regalen


Eddie schloss die große Tür zur Stadtbibliothek auf und haderte. Seit Jahrzehnten hatte niemand mehr das Gebäude betreten. Damals musste die Stadtbibliothek von Lebingen geschlossen werden, da niemand bereit war, Geld für die Bibliothek aufzubringen. Man hielt er für sinnlos, da in der Stadt zu neunzig Prozent Analphabeten lebten. Stattdessen sparte man das Geld lieber, um es im städtischen Casino auszugeben, damit jeder in der Stadt etwas davon hat. Als Eddie an den Bürgermeister von Lebingen herangetreten war, um darum zu bitten, dass er die Stadtbibliothek neu eröffnen dürfe, hatte er schallendes Gelächter geerntet. Nachdem sich der Bürgermeister beruhigt hatte machte er mit einem lockeren Handwischer klar, dass es ihm völlig egal war, was mit der Stadtbibliothek passierte und Eddie den Schlüssel zur Bibliothekstür zugeworfen.

An Eddies Seite stand seine beste Freundin Lorihn. Natürlich war es ihre Idee gewesen, die Stadtbibliothek neu zu eröffnen. Sie war die vermutlich belesenste Frau in der Stadt. Nein, sie war vermutlich die belesenste Person in der Stadt. Allerdings hatte sie berechtigte Zweifel gehabt, ob der Bürgermeister einer Frau den Schlüssel zur Bibliothek ohne eine Gegenleistung aushändigen würde. Je höher der politische Rang in der Stadt war, desto testosterongesteuerter war dessen Inhaber. Eddie hatte sie gefragt, da sie wusste, dass er sich zu allem überreden ließ. Er war ein netter Kerl, aber er konnte einfach nicht nein sagen, obwohl er wusste, dass ihn das andauernd in Schwierigkeiten bringen konnte. Immerhin las er viel, wenn auch ausschließlich Geschichten über Geister und Monster. Dadurch hatte er so eine Art Grundfurcht entwickelt, die sich durch eine Dauernervösität bemerkbar machte und ihn veranlasste, zu jeder Sekunde das schlimmste zu befürchten.

»Hier war bestimmt so lange niemand drin, weil der Ort verflucht ist«, sagte er.

Lorihn und Eddie gingen langsam zwischen den hohen verstaubten Regalen entlang. Die Regale erstreckten sich scheinbar endlos und verschwanden in der Dunkelheit, die sie umgab. Eddie und Lorihn suchten mit Taschenlampen nach einem Lichtschalter.

»Quatsch«, entgegnete Lorihn.

»Denk doch mal darüber nach. Warum sollte man ein so riesiges Gebäude einfach so ungenutzt lassen? Niemand hat sich hier rein getraut. Vermutlich treibt hier der Bücherwurm sein Unwesen.«

»Der Bücherwurm?«

»Ja, ein gigantischer Wurm, der sich durch die Bücherregale frisst und alle Besucher gleich mit.«

»Ich glaube kaum, dass wir uns darum Sorgen machen müssen.«

Sie gingen weiter zwischen den Regalen entlang. Es fiel ihnen schwer, nicht einfach stehen zu bleiben und in einem der unzähligen Bücher zu blättern.

»Ich habe das Gefühl, dass wir den Lichtschalter niemals erreichen werden«, sagte Eddie und leuchtete mit seiner Taschenlampe nach oben, wo sich in der Finsternis leicht die Umrisse eines Kronleuchters abzeichneten.

»Vielleicht sollten wir uns aufteilen. Dann finden wir ihn vermutlich schneller.«

»Tolle Idee. So fangen Horrorgeschichten immer an. Aber du hast ja nichts zu befürchten. Das hübsche Mädchen überlebt am Ende immer.«

Lorihn lächelte. »Ist es nicht etwas langweilig, wenn alles so vorhersehbar ist?«

»Nicht, wenn man sich vorher schon mehrmals in die Hose macht vor Angst. Da ist es schon fast eine Erleichterung. Du würdest es wissen, wenn du endlich mal eine Horrorgeschichte lesen würdest.«

»Ich sage dir was: Wenn du den Lichtschalter vor mir findest, lese ich eine von deinen Horrorgeschichten.«

Eddie grinste und nickte zustimmend. Er bog in einen der Seitengänge ab und ließ Lorihn allein.

Lorihn leuchtete mit ihrer Taschenlampe umher. Sie musste zugeben, dass es wirklich reichlich unheimlich war, sich alleine durch die Dunkelheit zu tasten. Hinter jedem Regal schien ein Schatten darauf zu warten, sie erschrecken zu können. Hin und wieder kam sie an einem kleinen Tisch vorbei, an dem man in Ruhe ein Buch lesen konnte. Ein alter Bücherkarren stand vor einem der Regale. Lorihn las die Titel auf den Bücherrücken. Es handelte sich offenbar größtenteils um Literatur über das Mittelalter. Ritter und Könige spielten darin eine große Rolle. Sicher nicht uninteressant und mit größerem geschichtlichen Hintergrund als Eddies Horrorgeschichten.

Der Kronleuchter flackerte auf. Ein oder zwei Birnen brannten durch, aber trotzdem wurde die Bibliothek erhellt und Lorihn konnte die Taschenlampe ausschalten. Sie dachte bereits jetzt mit Grauen daran, dass sie eine Horrorgeschichte lesen musste. Und das, wo sie doch diese unglaubliche Auswahl an wirklich interessanten Büchern zur Verfügung hatte. Sie beschloss, sich die kürzeste Horrorgeschichte auszusuchen, damit sie sich so schnell wie möglich auf den Literaturüberschuss stürzen konnte, der vor ihr lag.

Eddie kam zwischen den Regalen hindurch angeschlendert. »Endlich sieht man mal was. Wirklich beeindruckender Anblick.«

»Wo hast du den Lichtschalter gefunden?«

»Ich dachte, du hättest das Licht angeschaltet.«

»Lass den Quatsch. Das ist nicht witzig. Also, wo ist der Lichtschalter?«

»Ich habe wirklich keine Ahnung.« Eddie schaute sich nervös um. »Es sind die Bücherwürmer«, flüsterte er unheimlich.

»Ach, jetzt sind es schon mehrere Würmer.«

»Bestimmt tausende.« Eddie machte eine Pause. »Ich kann sie hören.«

»Quatsch. Das entspringt nur deiner Fantasie.«

»Wenn in einer Bibliothek die Fantasie nicht zum Leben erweckt werden kann, wo dann?«, fragte eine Stimme.

Eddie und Lorihn schreckten auf und drehten sich um. Hinter ihnen stand ein alter Mann mit grauem Bart in einem weißen Anzug.

»Wer sind Sie?«, fragte Lorihn überrascht.

»Ich bin der Bibliothekar.«

»Was machen Sie hier? Die Bibliothek ist seit Jahrzehnten geschlossen.«

»Ich wache hier.«

»Wachen?«

»Diese Bibliothek ist etwas besonderes. Natürlich ist jede Bibliothek etwas besonderes, aber diese hier ist ganz besonders besonders. Hier werden Geschichten wahr. Fantasien erwachen zum Leben. Wenn ihr in einem dieser unzähligen Bücher lest, werden die Bilder, die in eurem Kopf entstehen, real.«

»So ein Quatsch.«

Ein lautes Brüllen hallte zwischen den Bücherregalen hervor. Lorihn schaute sich erschrocken um. »Was war das?«

»Woher soll ich das wissen?« Der Bibliothekar setzte sich entspannt an einen der Tische und drehte ein Buch in seiner Hand. »Was habt ihr gelesen?«

»Nichts«, antwortet Lorihn überzeugt. »Nichts«, sagte sie erneut mit etwas weniger überzeugendem Klang. »Nichts«, seufzte sie und drehte sich zu Eddie um. »Was hast du gelesen, Eddie?«

»Nun ja, da lag dieses Buch. Es hatte einen komplett schwarzen Umschlag und keinen Titel. Es hat mich sozusagen angesaugt wie das Licht.«

»Das kann nichts Gutes bedeuten. Was stand in dem Buch?«

»Ich weiß nicht mehr genau. Es begann mit einem Monster, dass mit seinen langen Giftzähnen den Leuten das Blut aussaugt. Es hatte ein Dutzend Augen und vier Arme. Und es brüllte dauernd laut.«

Ein weiteres lautes Brüllen hallte durch die Bibliothek. Es klang näher, als beim letzten Mal. »So ungefähr brüllte es dauernd.«

»Was machen wir jetzt?«, fragte Lorihn den Bibliothekar.

»Ihr könntet Hilfe holen.«

»Wen sollen wir gegen ein Monster zu Hilfe holen? In der Stadt gibt es keine Monsterjäger.«

»Aber hier gibt es welche.« Der Bibliothekar schwang die Hand in einem Halbkreis herum. »Jedes dieser Bücher beinhaltet Helden und Bösewichte. Protagonist und Antagonist. Jeder böse Part hat einen guten Gegenpol. Gegen jede Bedrohung gibt es einen helfenden Helden. Lest. Nutzt eure Fantasie.« Der Bibliothekar legte das Buch zurück auf den Tisch, stand auf und verschwand zwischen den Regalen.

Das Brüllen war jetzt ganz nah. Eddie und Lorihn schauten sich an. Dann schauten sie den Gang entlang, der sich zwischen den Bücherregalen vor ihnen erstreckte. Ein Stampfen ließ die Regale erzittern. Bücher hüpften aus den Regalen. Ein grüner Fuß mit langen Krallen kam hinter einem der Regale hervor und trat einen der Tische weg. Ein zweiter Fuß stieß einen Bücherstapel um. Das Monster stand direkt vor ihnen. Nur wenige Meter entfernt. Es schaute Lorihn und Eddie mit seinen zwölf Augen an. Eddie schluckte hörbar. »Und jetzt?«

Das Monster riss sein riesiges Maul auf und zeigte seine langen Zähne, von denen der Speichel tropfte. Das Brüllen blies Lorihns Frisur durcheinander.

»Lauf«, rief sie.

Sie liefen zwischen den Regalen hindurch. Sie hörten das Stampfen hinter sich, aber trauten sich nicht sich umzudrehen. Nach wenigen Metern entschieden sich die Flüchtenden für unterschiedliche Richtungen. Lorihn spürte, dass sie alleine war. Sie schaute sich um. Weder Eddie noch das Monster waren zu sehen. Sie blieb stehen und stützte sich an einem Bücherkarren ab, um Luft zu holen. Ein Brüllen ließ sie das Luftholen vergessen. Das Monster schien weiter weg zu sein. Es ließ sich schwer einordnen, von wo das Brüllen kam und wie weit die Entfernung war. Sie wusste ja nicht mal, wie groß die Bibliothek überhaupt war. Lorihn guckte nach oben. Vielleicht konnte sie sich einen Überblick verschaffen, wenn sie auf eins der Bücherregale kletterte. Lorihn war nicht die sicherste Kletterin, aber die Regale standen fest auf dem Boden und boten genügend Stellen, um Halt zu finden. Lorihn zog Bücher aus dem Regal und ließ sie zu Boden fallen und trat in die freien Stellen im Regal. Während sie kletterte, fragte sie sich, wie oft jemand wirklich Bücher aus den oberen Regalreihen gelesen hatte. Vermutlich standen ganz oben die Bücher, die ohnehin nie ausgeliehen wurden. Die Lexika und veraltete Wörterbücher. Lorihn erreichte das Ende des Regals und schaute vorsichtig über den Rand des Regals. Der Anblick war überwältigend. Die Bibliothek war scheinbar tatsächlich endlos. Regale über Regale mit Büchern über Büchern erstreckten sich endlos in alle Richtungen. Es war, als wären alle Bücher der Welt hier versammelt. Das Monster und Eddie waren nicht zu sehen. Der Bibliothekar ebenfalls nicht aber das hatte sie auch nicht erwartet. Sie überlegte, ob sie nach Eddie rufen sollte, aber befürchtete, dass sie so nur die Aufmerksamkeit des Monsters auf sich ziehen würde.

»Was machst du da oben?«, rief Eddie stattdessen von unten.

Lorihn schaute nach unten und sah Eddie, der nicht größer als eine Maus zu sein schien. Sie war wirklich sehr hoch geklettert.

»Wo ist das Monster?«, fragte Lorihn und kletterte das Regal hinunter.

»Ich habe es abgehängt. Aber ich glaube nicht, dass es uns in Ruhe lassen wird.«

»Wir brauchen Hilfe.«

»Was schlägst du vor?«

»Ich schätze, wir sollten den Rat des Bibliothekars befolgen und uns Hilfe aus den Büchern holen.«

Eddie schaute in den Bücherkarren. »Mittelalter«, sagte er. »Ein Ritter könnte sicher gegen das Monster kämpfen. Die haben schließlich auch mit Drachen gekämpft.«

»Historisch zwar völliger Quatsch aber der Versuch ist es wert. Fang an zu lesen.«

Eddie zog ein Buch aus dem Karren und schlug es auf. Er begann zu lesen. Nach einigen Sätzen hörten sie Schritte. Eddie legte das Buch weg.

»In der Schänke, lieg ich in der Tränke«, sang eine lallende Stimme. Ein betrunkener Mann in bunter Kleidung und mit Mütze auf dem Kopf torkelte auf Lorihn und Eddie zu. »Prosit auf das Bier, deswegen bin ich hier«, sang der Mann.

»Wer ist das?«, fragte Lorihn.

»Sein Name ist Jacop.«

»Und wie soll der uns helfen? Was hast du da wieder gelesen?«

»Entschuldige bitte. Ich konnte ja nicht ahnen, dass der Protagonist in dem Buch ein besoffener Barde ist.«

»Brüder, legt die Arbeit nieder, und schenk mir einen ein«, sang Jacop der Barde. Er hob die Laute von seiner Schulter und begann darauf etwas, das nicht ansatzweise an Musik erinnerte, zu spielen.

Ein lautes Brüllen veranlasste ihn aufzuhören, sich ängstlich umzugucken und zwischen den Regalen zu verschwinden.

»Das war ja nicht so erfolgreich«, stellte Lorihn fest. »Lass mich mal versuchen.« Sie griff nach einem Buch im Regal.

»Beeil dich«, drängte Eddie. »Das Monster ist in der Nähe.«

Lorihn las einige Sätze. Ein lautes Stimmengewirr unterbrach sie. Einige Sekunden später wühlte sich eine Horde Wikinger durch den Gang. Viele Haare und viele Felle schienen ein Gewirr zu bilden, aus dem lange Schwerter und Äxte hervorragten. Vor Lorihn und Eddie blieben sie stehen.

»Hm, schönes Mädchen«, sagte der scheinbare Anführer, »wo sind wir hier?«

»Wir brauchen eure Hilfe.« Lorihn kam direkt auf den Punkt. »Ein Monster verfolgt uns.«

»Sicher, schönes Mädchen. Aber vorher musst du etwas für uns tun.« Der Wikinger kam näher.

Lorihn wich zurück. Sie befürchtete, dass sie ein noch schlimmeres Monster erschaffen hatte. Der Wikinger fasste sie fest an der Schulter. »Wir werden eine Menge Spaß miteinander haben.«

»Ein Prosit auf die Rittersleute.« Der betrunkene Barde torkelte um die Ecke. »Ich will mich betrinken heute.« Der Barde erblickte die Wikinger und blieb stehen. Er kniff die Augen zusammen und streckte den Kopf vor. Ein Lächeln formte sich in seinem Gesicht. Er hob die Laute und begann erneut zu singen. »Ihr erscheint mir als feine Brüder, legt eure Waffen nieder, lasst uns nach dem Biere suchen, ich will Weib, Gesang und etwas Kuchen.«

Die Wikinger schauten den Barden an. Sie schauten sich an. Sie nickten sich zu. Erfreut schrien sie auf und schlossen sich dem Barden an. Sie sangen und suchten nach Bier. Sie verschwanden zwischen den Regalen und ließen Lorihn und Eddie alleine zurück.

»Ich habe das Gefühl, dass das so nicht funktioniert«, erkannte Eddie richtig.

»Du hast recht. Wir müssen wohl selbst kämpfen.«

»Was. Bist du verrückt? Das Monster zerfetzt uns in der Luft.«

»Ich habe eine Idee.« Lorihn schaute sich um. Auf einem der Tische lag ein Kugelschreiber. Sie griff nach einem Buch im Regal und schlug die erste Seite auf. Wie üblich, war die Seite blank und beschreibbar. Lorihn setzte den Kugelschreiber an und schrieb: »Das zwölfaugige Monster schaute den Helden an, der in seiner strahlenden Rüstung da stand und auf den Angriff wartete. Er hob sein Schwert und betrachtete sich selbst in der Klinge. Er strich sein Haar zurück und lächelte dem Monster zu. Das Monster brüllte und wedelte mit seinen vier Armen. Der furchtlose Held hob sein Schwert und stürmte auf das Monster zu. Der Name des Helden war Eddie.«

Eddie schaute an sich herab. Sein Körper wurde von einer Rüstung verborgen, die im Licht glänzte. In seinen Händen hielt er Schwert und Schild. Er schaute Lorihn erschrocken an. »Was hast du getan?«

»Ich habe dich zum Helden gemacht.« Sie hielt ihm das Buch hin. »Hier, jetzt musst du etwas über mich schreiben.«

»Was?«

»Mach mich zu einer Kriegerin, oder so. Dann treten wir gemeinsam gegen das Monster an.«

Eddie nahm das Buch und den Kugelschreiber. Er schaute Lorihn an. Dann warf er den Stift und das Buch so weit weg, wie er konnte. »Nein«, sagte er.«Ich mache das alleine.«

Lorihn wusste nicht, was sie entgegnen sollte. Sie nickte ihm zu. Er hob sein Schwert und verschwand zwischen den Regalen. Nach einiger Zeit hörte sie das Brüllen des Monsters. Gefolgt von Kampfgeräuschen.

»Gute Arbeit.« Der Bibliothekar stand hinter Lorihn. »Er hat das Monster besiegt.«

»Wirklich?« Lorihn zeigte ein halbherziges Lächeln.

»Du weißt, dass er es nicht überlebt hat.«

Lorihn nickte und wischte sich eine Träne weg.

»Du kannst ihn jederzeit wiedersehen. Du hast jetzt nichts mehr zu befürchten. Die Bibliothek gehört dir.« Der Bibliothekar ging den Gang zwischen den Regalen entlang. Er öffnete die große Doppeltür der Bibliothek. Grelles Tageslicht drang herein. Er verschwand in dem Licht und ließ Lorihn alleine in der Bibliothek zurück.

Lorihn schaute sich um. Nichts bewegte sich. Alles war still. Sie griff nach einem Buch und begann zu lesen.

Schreiben wie ein Selbsternannter Schriftsteller – Sprachen

Letztes Mal waren wir bei Lord Edgar, der Magie einsetzen will. Dazu verwendet er eine fremde Sprache. Aber natürlich kann man da nicht einfach Französisch nehmen. Schon alleine, weil es viel zu schwer ist, Lord Edgars Genuschel auf Französisch zu übersetzen. Man versteht ja nur die Hälfte von dem, was der Typ sich da in den Bart brabbelt. Deshalb werde ich eine eigene Sprache entwickeln, mit der er Magie beschwören – und gegebenenfalls ausländisches Essen bestellen – kann.

Bei Sprachen muss man kreativ sein. Und schon das Wort kreativ ist ja sprachlich etwas ganz besonderes. Schließlich setzt es sich aus den lateinischen Wörtern „Krea“ für Krähe und „Tiv“ für Tiefe zusammen. „Die Krähe fliegt tief.“ Das bedeutet natürlich, dass man im Herbst, wenn die Krähen kommen, die besten Ideen hat. Zumindest glaube ich das. Kann kein Latein.

Widmen wir uns also lieber wieder Sprachen, die ich kann. Am besten eine, die ich selbst erfunden habe. Ich mache das nebenbei zum ersten Mal, also wird das sicher ein Riesenspaß. In meinem Roman (Ja, ja, der kommt wirklich irgendwann raus, versprochen) gibt es zwar auch eine Fremdsprache, aber da habe ich nur ungefähr 5 Wörter hingefriermelt, einfach, weil es gerade nötig war. Also schauen wir mal, wie wir das am besten angehen.

Erstmal sortiere ich wohl die Buchstaben des Alphabets aus, die ich nicht in der Sprache haben will. Ich denke nämlich einfach mal, dass es einfacher ist, eine Sprache zu entwickeln, wenn man weniger Buchstaben zur Verfügung hat. Also fliegen erstmal alle Umlaute raus. Die nerven sowieso nur. Bleiben also die üblichen 26 Buchstaben des Alphabets. Die Außenseiter X und Y schmeiß ich auch raus. Keiner in dieser Geschichte wird ein Xylophon spielen. Und wenn doch heißt es halt nur Lophon. Klingt auch gut. Die restlichen 24 lass ich mal drin. Ich will es auch nicht zu kompliziert machen, sonst muss ich nachher immer nachschauen, welche Buchstaben ich überhaupt nutzen kann.

Da es sich bei Lord Edgar um einen bösen Magier handelt, sollte die Sprache vielleicht auch etwas … ich sage mal „furchteinflößend“ klingen. Keine Ahnung wie man das hinkriegt, also mache ich das einfach mal spontan so, dass die meisten Worte mit „Brah“ anfangen. Das kann man gut schreien und klingt etwas bedrohlich. So wie in der deutschen Sprache, wenn man sagt: „Ich verkloppe dich mit der Brahtpfanne“ oder „Ich schicke dich nach Brahsilien“. Dabei fällt mir gerade auf, dass es sicher einfacher ist, eine Sprache aus Silben aufzubauen, anstatt ständig irgendwelche Wörter aus allen verfügbaren Buchstaben zusammen zu fuckeln. Dazu sollte man dann vielleicht eine Liste mit Silben und deren Bedeutung erstellen. Um das hier jetzt aber nicht ausarten zu lassen, verzichte ich da mal drauf und mache spontan weiter. Feinschliff kann ich der Sache immer noch geben. Aber die Silbe „Brah“ beispielsweise könnte vor allem bei Wörtern benutzt werden, die mit Tod und Unglück und so weiter zu tun haben. Die Silbe „Meng“ bedeutet Mensch und daraus leiten sich dann auch Wörter wie Mann, Frau, Kind, Volk usw ab. „Brahmeng“ ist dann zum Beispiel eine Leiche. Irgendwie werde ich mich so schon durch das Wirrwarr des Sprachkonstrukts hangeln, das ich hier erstellen will. Ich mache da bestimmt irgendwann weitere Teile, die mehr ins Detail gehen. Aber jetzt muss das erst mal reichen, sonst sprengt das hier den Rahmen.

Lord Edgar will in diesem Fall Hausmeistersohn Peter mit einem Fluch belegen. Sagen wir, er will ihn in einen Wurm verwandeln. Erstens zieht das immer und zweitens ist Edgar total einfallslos, also hat er nichts besseres auf Lager. Ich halte es hier mal simpel und zauber schnell ein simples Magiesystem aus dem Hut – oder besser gesagt, ich verzichte darauf. Edgar muss einfach nur in der fremden Sprache sagen, was er tun will und dann beschwört er auch schon die Magie. Hier also der Satz „In einen Wurm verwandeln“. Ein Wurm ist ein wirbelloses Tier. Also brauche ich erst mal die übergeordneten Silben für „Wirbel“ und „ohne“ und natürlich „Tier“. Ohne ist schlicht „On“, Tier könnte „Tera“ sein und Wirbel ist halt „Wirb“. Also ist ein Wurm ein „Wirbontera“. Klingt bescheuert, also bleibt das so. Das Wort „Verwandeln“ ist quasi das Wort „Veränderung“ oder „ändern“. Also mache ich da einfach mal ein „Endher“ für „ändern“ raus. Das Wort „In“ bleibt „In“, einfach weil mir nix besseres einfällt.

Lord Edgar hob seinen Stab und sprach in einer fremden Sprache. „Endher in Wirbontera.“ Ein grüner Blitz zischte aus der Spitze seines Stabs und verfolgte Peter, der so schnell er konnte, an den Ranke hochkletterte. Peter zog den Kopf ein und der Blitz traf das Mauerwerk über ihm. Einige der Steine verwandelten sich in Würmer und fielen ihm auf den Kopf. Angeekelt wischte er die Kriechtiere aus seinem Haar und kletterte weiter.
Lord Edgar startete einen zweiten versuch. Er hob seinen Stab und redete wieder in der fremden Sprache, um die Ranken zum Leben zu erwecken. Das würde den Jungen sicher aufhalten. „Liwe Rangen“ sagte er und ein blauer Blitz schoss auf die Ranken zu. Nach dem Aufprall begannen sie um sich zu schlagen und nach Peter zu greifen. In letzter Sekunde konnte er sich in eines der Fenster retten.

Was Peter in den Schlafzimmern der Burgbewohner erlebt, erfahren wir dann beim nächsten Mal, wenn es darum geht, das Foreshadowing auszunutzen.

Könnt ihr eine Fremdsprache? Oder habt ihr schon mal eine eigene Sprache erfunden? Und welche Buchstaben sind neben X und Y noch überflüssig?

Heute ist die große Preisverleihung. Die Schrott Awards stehen an. Immerhin der wichtigste und einzige Filmschrottpreis. Ich dachte, der ein oder andere will sich den Spaß vielleicht nicht entgehen lassen.

Zum dritten Mal gibt es also nun schon die Schrott Awards. Dieses Jahr steht neben der großen Preisverleihung vor allem das gewaltige Aufeinandertreffen der Wrestlinggrößen Hulk Hogan und Rowdy Roddy Piper auf dem Programm. Deshalb sind neben den Filmgrößen, die sich jedes Jahr mit Hilfe von Zeitmaschinen und Teleportalen, die Doktor Emil Braun zur Verfügung […]

über Schrott Awards 2017 — Filmschrott

Geburtstage -Spontane Gedanken 2

In wenige Tagen ist es wieder mal so weit. Ich werde ein Jahr älter. Okay, um genau zu sein, werden wir alle jeden Tag ein Jahr älter (habe ich euch allen schön den Tag versaut, was?). Aber am eigenen Geburtstag wird man halt ganz besonders ein Jahr älter. Glücklicherweise bin ich aber niemand, den das wirklich stört. Also das Älterwerden. Älter werden wir alle. Weiser nur die wenigsten. Und ich sowieso nicht. Trotzdem finde ich Geburtstage absolut grauenhaft. Vor allem den eigenen. Man mag es kaum glauben, aber ich stehe einfach nicht gerne im Mittelpunkt. Mir gehen die meisten Leute halt einfach nur auf den Sack. Und außerdem habe ich gerne meine Ruhe. Das sind zwei Dinge, die sich auf dem eigenen Geburtstag einfach schlecht vereinbaren lassen. Denn da hat man eigentlich nie Ruhe und es gehen mir ausnahmslos alle Leute auf den Sack. Alle möglichen Leute gratulieren und labern einen voll und rufen an und nerven von morgens bis abends rum und dann besitzen sie auch noch die Dreistigkeit, mir nicht jeweils 1000 Euro zu schenken, um mich für diesen nervenzerrenden Scheiß gebührend zu entlohnen.

Eigentlich will ich gar keine 1000 Euro haben. Ich bin da ziemlich bescheiden. Alle labern immer davon, was sie machen würden, wenn sie mal richtig Geld hätten. Mir fällt dazu nix ein. Haus bauen will ich nicht. Auto fahren kann ich nicht. Verreisen brauche ich nicht. Meine Träume sind eigentlich relativ günstig umsetzbar. Ich müsste nur jemanden bezahlen, der mir am Geburtstag die Leute vom Leib hält. Simpel aber billig. Aber geht ja nun mal nicht so einfach offenbar.

Und dann wollen ja auch noch alle feiern. Weil feiern und saufen geht halt immer. Nun, das habe ich auch mal so gesehen. Bis vor wenigen Jahren war ich auf jeder Party und jeder Veranstaltung, auf der es was zu saufen gab und habe mich volllaufen lassen, bis nix mehr rein ging – und habe dann noch ein bisschen was hinterher gekippt. Vermutlich war ich gar nicht weit vom Alkoholiker entfernt. Aber mittlerweile habe ich dem irgendwie abgeschworen. Ich kann nicht mal genau sagen, warum. Ich hatte einfach keinen Bock mehr drauf. Vor allem nicht auf den Kater am nächsten Tag, der mit dem Alter halt auch nicht besser wird. Ganz im Gegenteil. MIttlerweile kostet mich so ein anständiges Saufgelage schon mal eine Woche, bis ich überhaupt wieder irgendwas gescheit auf die Reihe kriege. Und deshalb wird auch nicht gefeiert. Und gesoffen schon gar nicht.

Aber man wird natürlich andauernd eingeladen. Jeder hat Geburtstag. Jedes Jahr. Und jeder feiert den Mist. Jedes Jahr. Und jeder lädt einen zu dem Quark ein. Jedes Jahr. Nicht, dass ich eine gute Party nicht zu schätzen weiß. Nur fühle ich mich oft auch einfach verpflichtet, da dann auch hin zu gehen, ob ich Bock habe oder nicht. Und inzwischen ist meine Bocklosigkeit doch stark gewachsen, was solche Dinge angeht. Ich habe 30 Jahre lang Dauerparty gemacht. Und ich finde, das reicht dann halt auch mal. Jetzt muss ich nicht mehr jede Kackparty mitnehmen, nur weil es eine Party ist. Aber es gibt eben viel zu viele davon, weil jeder feiert. Kann man ja nicht immer absagen.

Ich finde ja ohnehin,wir sollten zu der alten Tradition zurückkehren, statt Geburtstagen den Namenstag zu feiern. Das ist zwar noch viel sinnloser und schwachsinniger, aber hat einen großen Vorteil. Man kann mit anderen Leuten zusammen feiern. Und es gibt weniger Partys im Jahr. Früher hießen eh alle Karl und Elfriede. Also konnten sich zweimal im Jahr die Karls und Elfriedes zusammentun und eine große Party schmeißen, um ihren Namenstag zu zelebrieren, wie es sich gehört und dann war für den Rest des Jahres Ruhe im Dorf. Mann, muss das eine entspannte Zeit gewesen sein.