Under Costruction – November 2018

Viel Kleinarbeit stand im November an:

BLOG

Die Idee für einen neuen Fortsetzungs-Blog-Roman nimmt Formen an. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher, wie genau ich das aufziehen soll. Und wann ich es schreiben soll. Da ich selbst am Ende des Jahres keinen Urlaub haben werde, fehlt mir momentan einfach die Zeit, um das ganze dann mal anzugehen. Aber das wird schon irgendwann werden. Der Plan ist jetzt einfach mal, so früh wie möglich im neuen Jahr mit der Geschichte hier anzufangen und dann wird man sehen, wo die Reise hingeht.

INSPIRATION

Irrenanstalten. Ich war selbst nie da. Es mag zwar so wirken, dass ich ganz extrem einen an der Waffel habe (und das ist auch ganz sicher der Fall), aber immer noch soweit unter Kontrolle, dass ich mir einen Aufenthalt in einer Anstalt ersparen kann. Und ja, ich weiß, dass da nicht nur Leute herumhängen, die sich für Paviane halten oder glauben, dass die Erde eine Scheibe ist, sondern welche mit ernsthaften Problemen. Aber die lasse ich mal außen vor, wenn ich darüber nachdenke, eine Geschichte in der Anstalt von Lebingen anzusiedeln, wo die wirklich Verrückten einziehen. Also eher die – nennen wir es – hollywoodeske Version einer Klapsmühle. Wie genau diese Geschichte aussehen wird, weiß ich noch nicht, aber ich glaube, das Setting bietet einen Haufen Möglichkeiten, mich so richtig auszutoben.

GESCHICHTEN

Nachdem ich endlich den ersten Entwurf zu meinem Pre-Apokalypse-Projekt beendet habe (das durch zu viel Arbeit im Sommer etwas ausgebremst wurde und eigentlich schneller fertig sein sollte, aber das Leben holt einen dann eben oft einfach ein und irgendwie muss ich ja hin und wieder auch mal Geld verdienen, bis ihr alle meine Bücher kauft und mich reich macht), steht gerade eine eher anstrengende Phase an. Sehr viel Kleinarbeit bestimmt momentan mein sogenanntes Autorenleben. Neben der Überarbeitung mehrerer Geschichten steht dabei vor allem die Erstellung des Buchsatzes für die Dewon Harper Taschenbücher auf dem Programm. Das Schreiben selbst bleibt dabei leider sehr auf der Strecke, dabei ist das ja eigentlich der spaßige Part. Aber das gehört nun mal dazu. Ich hoffe jedenfalls, dass ich möglichst früh im neuen Jahr die Dewon Harper Taschenbücher nachliefern kann. Bis dahin dürft ihr natürlich auch gerne weiterhin die Kindle-Variante für nur 99 Cent erstehen. Hier gibt es Teil 1. Hier gibt es Teil 2.

Under Construction – September 2018

Die Hitzewelle hat den September nicht erreicht und langsam wird es kühler. Ich will ehrlich sein: Die Hitzewelle war zwar extrem, aber das war mir immer noch lieber als dieses ungemütliche Herbstwetter, das sich langsam ankündigt. Und dann kommt auch noch der Winter. Ich habe jetzt schon Rückenschmerzen, wenn ich nur daran denke.

BLOG

Im September habe ich tatsächlich mal viel geblogt. Das wird vermutlich nicht so bleiben, weil Zeit und so. Man kennt das ja. Wegen der fehlenden Zeit kam ich leider auch nicht dazu, meine Idee zum nächsten Blogroman weiterzuentwickeln. Und generell ist im September nicht viel los gewesen, außer diesem grässlichen Ding namens Arbeit, das mich größtenteils im Griff hatte.

INSPIRATION

Julia und ich haben ja irgendwie immer unseren Spaß auf Twitter. Keine Ahnung, wie sich das ergeben hat, aber ist halt so. Und dabei kommen dann teilweise meine wirrsten und gleichzeitig genialsten Ideen zu Tage, wenn wir zum Beispiel über Vogelscheuchen sprechen und feststellen, dass es kaum noch welche gibt. Und das muss natürlich einen Grund haben. Und dieser Grund sollte natürlich mal in einer Geschichte festgehalten werden, in der die Vogelscheuchen sich gegen die Landwirte aufbäumen und die Felder zurückerobern wollen. Das verspricht viel Horror, viele Absurditäten und vor allem kompletten Blödsinn. Also genau das Richtige für mich. Veröffentlichung: Kurz vor der Ernte.

GESCHICHTEN

In meinem Romanmanuskript ging es etwas voran. Wegen der nicht vorhandenen Zeit habe ich es leider nicht geschafft, meine selbstauferlegte Deadline einzuhalten, die Ende September lag. Aber gut, diese Deadlines sind für mich ohnehin immer nur ein Richtwert, um mich motiviert zu halten. Immerhin geht die Geschichte aufs Ende zu, auch wenn gerade die Struktur komplett aus den Fugen gerät. Das wird in der Überarbeitung wieder ein Riesenspaß.

Außerdem habe ich mit den Ausbesserungen der allerletzten Kleinigkeiten in der Dewon Harper Fortsetzung angefangen und der Spaß wird noch im Oktober erscheinen. Wer noch schnell den ersten Teil nachholen will, kann ihn sich hier aufs Kindle holen.

Under Construction – August 2018

Hier erfahrt ihr, was bei mir im August so los war. Auf dem Papier und in meinem wirren Kopf.

BLOG

Die Idee für den nächsten Blogroman hat Formen angenommen. Wie ich erwähnte, würde ich gerne etwas über das Schreiben selbst machen. Und im Rahmen meiner nicht gerade minimalistischen Herangehensweise an manche Projekte, habe ich mir überlegt, dass ich einfach die komplette Geschichte des Schreibens behandle. Von der Steinzeit bis heute. Verpackt in eine fiktive Geschichte. Wie genau das aussehen wird, weiß ich noch nicht, aber ich arbeite an der Idee und hoffe, dass ich mit dem Schreiben anfangen kann, sobald mein Romanmanuskript fertig ist.

INSPIRATION

Ich sage es, wie es ist: Es war wochenlang arschheiß in Deutschland. Dabei klar zu denken oder sich inspirieren zu lassen, war gar nicht so leicht. Aber man kriegt irgendwie Wüstenvibes, wenn um einen herum die Wälder und Felder in der Dürre zugrunde gehen. Vielleicht wäre sowas wie eine Geschichte über Bauern interessant, die unter der Dürre leiden. Das ganze könnte im Mittelalter oder noch besser in einer Fantasywelt angesiedelt werden. Und da spalten sich dann die Bauern in zwei Gruppen: Die einen beauftragen einen Schamanen oder sowas, um mit einem Regentanz für Bewässerung zu sorgen, die anderen wenden sich an einen Alchemisten, der für sie mit chemischen Mitteln für Regen sorgen soll. Was beide Gruppen nicht wissen: Sie haben beide absolut keine Ahnung, wie das Wetter funktioniert und dass ihnen eigentlich niemand, außer die Götter selbst helfen können. Aber ein Bauer bricht auf, um den Wettergott zu finden und ihn um Regen zu bitten. Was der Bauer nicht weiß: Er hat genau so den Arsch offen, denn den Wettergott existiert natürlich gar nicht. Am Ende verdursten alle und kurz darauf fängt es an zu regnen, weil … einfach so. Veröffentlichung: Während der nächsten großen Hitzewelle.

Wer nebenbei gar nicht genug Hitzewelle haben kann, darf gerne Dewon Harpers Kriminalakten auf sein Kindle oder eine dementsprechende App laden. Da gibt es auch eine Hitzewelle.

GESCHICHTEN

Wie schon im Juli, habe ich mich auch im August größtenteils auf mein Romanmanuskript konzentriert. Und ich quäle mich immer noch durch den Mittelteil. Aber mir ist da die große Erleuchtung gekommen und ich werde wohl einfach die ganze Stadt niederbrennen, in der die Geschichte spielt. Dabei sollte dann sicher keine Langeweile aufkommen.

Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #8

Zu Teil 7

Suche nach Blogpost

Ich wache auf der Couch auf, da neben ihr kein Platz ist. Fey ist nicht mehr da. Nachdem sie mir etwas von magischen Wesen erzählt hat, die in der Stadt rumturnen schaltete sich mein Gehirn aus Selbstschutz ab, um nicht zu explodieren. Mein Schädel brummt und ich habe Rückenschmerzen von dem unbequemen Sofa. Ich stolpere im Slalom durch das Gerümpel in der Bude und über den Hausflur. Ich klopfe an Feys Tür. Sie öffnet, nur mit einem Handtuch bekleidet, und strahlt noch mehr, als es sonst schon der Fall ist. Jede Frau wäre stolz auf so eine strahlende Haut. Mein erster Gedanke ist, dass das nicht gesund sein kann. Hautkrebs ist in diesem Fall wohl noch das geringste Übel, das entstehen kann. Fey lächelt mich an und strahlt wie ein Engel. Natürlich ist sie kein Engel. Sie behauptet eine Fee zu sein. Fey die Fee. Ich glaube, sie ist einfach geisteskrank. Was soll’s? Wir haben doch alle einen an der Waffel. Sie bittet mich herein. Fee oder nicht, das Angebot schlage ich nicht aus. Sie lässt das Handtuch fallen und zieht mich am Arm ins Badezimmer. Unter die Dusche. Gute Sache. Seit der ganze Wahnsinn angefangen hat, bin ich nicht mehr zum duschen gekommen. Wahrscheinlich stinke ich schon wie Nick nach einer Nacht unter seiner Siffbrücke. Der Gedanke, dass sie mir wenigstens etwas Zeit hätte geben können, um meine Klamotten auszuziehen, wird von einem Kuss verdrängt. Immerhin wird meine Jeans so gleich mit gewaschen.

Fey muss arbeiten. Ich schleppe die nassen Klamotten über den Hausflur in meine Wohnung und werfe sie zum Trocknen in eine Ecke. Auf dem Couchtisch steht der Laptop. Der Blog-In-Progress ist seit Tagen geöffnet, aber kein Wort geschrieben. Ich setze mich hin und versuche, etwas in den ersten Post zu tippen. Meine Gedanken schwirren um Engel, Feen, Models und andere hübsche Gestalten. Was soll ich damit anfangen? Die Tür gegenüber fällt ins Schloss. Fey ist schon wieder zu Hause. Ich glotze durch den Türspion. Fey verlässt wieder ihre Wohnung. Ich öffne meine Tür und kann gerade so verhindern, dass sie Fey auf den Kopf fällt, als die Angeln nachgeben. Ich lege die Tür in den Flur und frage, warum Fey nicht arbeiten ist, wie sie gesagt hat. Ich klinge wahrscheinlich wie ein eifersüchtiger Ehemann. Da findet man ein mal ein Mädchen, dass einen nicht beim ersten Treffen in den Wind schießt und schon erhebt man Besitzansprüche. Ich hasse mich selbst für die Frage. Fey hat etwas Wichtiges vergessen, das sie auf der Arbeit braucht. Ich kann mich davon abhalten, zu fragen was es ist. Sie soll nicht denken, dass ich ein eifersüchtiger und neugieriger Arsch bin. Eins der beiden reicht erst mal. Da ich eh nichts im Blog zustande bringen werde, biete ich an sie zur Arbeit zu bringen und dann ein paar Erledigungen in der Stadt zu machen. Auch wenn ich selbst nicht den blassesten Schimmer habe, was für Erledigungen das sein sollen. Sie freut sich über das Angebot, schlägt aber vor, dass ich mir zumindest eine Hose anziehen soll. Eine gute Idee. In der Küche finde ich eine Jogginghose, die noch nicht vor Dreck zu Stein erstarrt ist und ein fleckenloses Shirt.

Sie hat es offenbar nicht sonderlich eilig in die Redaktion zu kommen und schlendert langsam neben mir durch die Stadt. Sie ist verhältnismäßig ruhig. Zugegeben, sie ist sowieso keine, die dauernd rumlabert, aber zumindest ein oder zwei Worte könnte sie schon sagen. Zum Beispiel darüber, wie das Leben als Fee denn so ist. Ich überlege, ob ich sie einfach fragen soll, aber entscheide mich dagegen. Vielleicht will sie das Thema lieber vermeiden und ich will nicht riskieren, alles kaputt zu machen, was bis hier hin recht gut funktioniert hat. Ich werde die Sache mit ihr ohnehin noch versauen, aber das muss ja nicht ausgerechnet jetzt sein.

Wir erreichen das Büro. Sie bleibt vor der Tür stehen.

»Das war nett von dir«, sagt sie und drückt mir einen Kuss auf die Wange.

Ich täusche einen Hustenanfall vor, damit sie nicht sieht, wie ich wegen dem Kuss rot anlaufe. Wahrscheinlich glaubt sie jetzt, dass ich denke, sie hat die Pest, oder sowas.

Ich gehe weiter und wühle in meinen Taschen nach Geld, um mir mal ein paar lebensnotwendige Dinge zu kaufen. Das Kleingeld reicht gerade noch für Zigaretten. Das sollte für den Anfang reichen. Eventuell ist auch noch eine Dose Bier drin.

Auf dem Weg zum Kiosk überquere ich eine Brücke. Ich könnte auch zu einem anderen Kiosk gehen, aber der von Kyra ist mir am liebsten. Liegt vielleicht daran, dass sie nicht viel redet. Um ehrlich zu sein, habe ich sie noch nie ein Wort sprechen gehört. Dass sie die Kapuze ihres Pullovers immer so weit über den Kopf gezogen hat, dass man nichts von ihrem Gesicht sehen kann, würde anderen wohl komisch erscheinen. Aber wer kann es ihr verdenken? Es laufen viele Irre herum, die nur darauf warten, eine hübsche Kioskbesitzerin zu missbrauchen.

Während ich so über Irre nachdenke, klettert einer davon am rostigen Geländer der Brücke hoch, über die ich gerade laufe. Ich sehe ihn schon abschmieren und unten im Fluss landen, aber er schafft es irgendwie, sich über das Brückengeländer zu hangeln und vor mir auf dem Gehsteig zu landen.

Es ist Nick. Und ich dachte schon, der ekelhafte Fischgestank käme vom Hafen rübergeweht. Zu meinem Glück hat er keinen Schreibratgeber in der Hand, mit dem er mich erschlagen könnte.

»Ich brauche deine Hilfe«, sagt er, ohne den Mordversuch zu erwähnen.

»Glaube ich gerne«, sage ich und wühle in der Tasche nach meinem Kleingeld.

Er sieht sich nervös um, packt mich am Arm und schleift mich von der Brücke runter hinter einen Müllcotainer am Straßenrand. Ich wäre lieber auf der Brücke geblieben.

»Ich werde verfolgt«, stinkt er mir ins Gesicht.

Ich unterdrücke den Würgreiz, den sein Atem verursacht und versuche mich auf etwas anderes zu konzentrieren, was dummerweise seine grünen Zähne sind, die mich dann doch zum kotzen bringen.

»Bist du krank?«, fragt er.

Vollidiot. Ich hätte einen größeren Schreibratgeber nehmen sollen. »Was willst du, Nick?«

»Du musst mich verstecken. Ein Drache verfolgt mich.«

Mich beschleicht langsam das Gefühl, dass alle in der Stadt völlig bekloppt sind. Oder nur ich selber. Ich weiß was folgt und lade ihn zu mir nach Hause ein, damit er meine Bude aufräumen kann, während er mich mit einer weiteren abstrusen Geschichte nervt.

FORTSETZUNG FOLGT IN TEIL 9

Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #7

Zu Teil 6

Suche nach Blogpost

Mit dröhnendem Schädel verlasse ich den Zirkusplatz, auf dem bunte Wagen im Matsch und in Tierscheiße stehen. Eine bärtige Lady lächelt mir zu. Ich verdränge den Gedanken sie auf einen Drink einzuladen, in der Befürchtung, dass sich unsere Bärte verknoten könnten wenn das zu mehr führt.

Zu Hause angekommen beschließe ich das Aufräumen zu verschieben und mich einfach irgendwo auf einen sauberen Fleck in der Wohnung zu legen um zu schlafen. Daraus wird nichts, denn ich habe Besuch. Fey hat diesen Fleck bereits gefunden und ihn besetzt.

»Hey, Fey«, begrüße ich sie und hasse mich direkt selbst für diesen dämlichen Satz. Ich kann einfach nicht mit Frauen reden.

»Wo warst du?«, fragt sie mich sichtlich besorgt.

»Hast du dir Sorgen um mich gemacht? Ist ja süß.« Ich fühle mich erneut wie ein Volltrottel, bin aber dankbar, dass Fey offenbar ignoriert, dass ich ein Idiot bin.

»Ich war im Zirkus«, sage ich.

Fey guckt mich an, wie ein Seiltänzer, kurz bevor er auf dem Boden aufprallt.

Während ich ihr erkläre, was passiert ist, geht die Küche in Flammen auf.

Ich schaue mich nach einem Feuerlöscher um, bevor mir einfällt, dass ich so etwas nicht besitze. Als die Frau aus der Waldhütte nackt aus der Küche kommt, denke ich, dass ich ihr eher eine Löschdecke umhängen sollte. Aber in diesem Chaos würde ich nicht mal einen Wandteppich finden. Für meinen Geschmack treibt sie diese Ökoschiene etwas zu weit. Ist zwar eine nette Sache, aber man kann sich ja trotzdem was anziehen. Und wenn es nur ein Hanfgewand ist. Ich lege ihr eine dreckige Tischdecke über die Schultern, die ich in dem Gerümpel gefunden habe.

»Willst du dich setzen?«, frage ich, weil mir einfach nichts blöderes einfällt, dass man eine nackte Frau fragen kann, die gerade aus einer brennenden Küche kam, als würde sie im Park spazieren gehen.

Sie schaut sich um. Sie findet keinen Platz, der eine Sitzgelegenheit bieten würde, ohne vorher aufzuräumen. Sie bleibt stehen.

»Die Welt ist im Wandel«, sagt sie.

Das ist ein alter Hut, denke ich. Komm mal auf den Punkt, denke ich. Ich muss mich setzen, denke ich. Keine Lust, während dem drohenden aussschweifenden Weltuntergangsmonolog rumzustehen.

»Die Wesen bewegen sich«, sagt die schöne Frau und lässt die Tischdecke zu Boden fallen.

»Was soll das wieder bedeuten?«

Sie bleibt mir eine Antwort schuldig und verschwindet in einer Stichflamme. Zurück bleibt nur die angekokelte Tischdecke.

»Klopf, klopf.« Ich hasse Leute, die das sagen, anstatt wirklich anzuklopfen. Es wundert mich nicht, dass der haarige Sheriff die Wohnung betritt. Er sieht sich in dem Chaos um und fragt, was hier passiert ist.

»Ein Feuerschlucker hat hier alles verwüstet«, erkläre ich ihm.

»Warum?«

»Keine Ahnung. Vielleicht macht er das gerne, bevor er jemanden ausknockt und ihm in die Fresse haut, nachdem er wieder aufgewacht ist.« Mein Blick fällt auf die Bananenschale, auf der der Typ mit den akuten Hautproblemen ausgerutcht ist. Ich hebe sie auf und werfe sie in eine Ecke, wo sie keinen Schaden mehr anrichten kann. Die Frage, wo die Schale her kommt, springt mir in den Kopf. Ich esse nie Bananen.

»Ich habe die Spur der Frau hier her verfolgt.« Der Sheriff reißt mich aus meinen Gedanken. »Wo ist sie?«

»Mal wieder in Flamen aufgegangen.« Ich zeige ihm die angebrannte Tischdecke mit den Ketchupflecken. »Was ist eigentlich los mit der Tussi? Diese ständige Selbstentzündung kann doch nicht gesund sein.«

»Sie ist gefährlich«, sagt der Sheriff mal wieder und packt die Tischdecke ein. »Wenn ihr sie seht, ruft mich an.« Er gibt mir eine Visitenkarte. »Wolfgang Werstein, Sheriff« steht darauf. Dazu eine Handynummer. Ich habe nie einen Sheriff gesehen, der Visitenkarten verteilt. Um genau zu sein, habe ich noch nie einen Sheriff gesehen. Und Visitenkarten kriege ich auch eher selten zugeschoben. Und in keinem Fall sehen sie aus, als hätte sie jemand mit einem zu kleinen Buntstift in zu großen Händen selbst gekritzelt. Ich werfe die Karte auf den Couchtisch und weiß schon jetzt, dass sie für immer verschwunden sein wird, falls ich mal danach suchen wollte. Der Sheriff haut ab und lässt mich genau so schlau wie vorher zurück.

Fey hat die ganze Zeit still dagesessen, ohne sich zu bewegen. Ich schiebe einen Schrank vom Sofa und setze mich seufzend neben sie.

»Ich wünschte, jemand würde mir mal erklären, was eigentlich los ist.«

Fey stupst mich mit einem Finger an. Bevor ich mich darüber wundern kann was der Quatsch soll, beginnt sie zu erklären.

FORTSETZUNG FOLGT IN TEIL 8

Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #6

Zu Teil 5

Suche nach Blogpost

Der Zirkus ist in der Stadt. Das würde mich absolut nicht interessieren, wenn ich nicht gerade auf einem Stuhl in der Zirkusmanege aufwachen würde. Umstellt von Löwen und einem Type, der aussieht als bestünde er komplett aus Schuppenflechte, der gerade Flammen spuckt. Er sieht mich an und legt die Fackel in seiner Hand auf den sandigen Boden.
»Du bist wach«, stellt er richtig fest und bläst schwarzen Rauch aus seinen großen Nasenlöchern.
Ich überlege, ob ich so tun soll, als wäre ich direkt wieder eingeschlafen, aber verwerfe den Gedanken So leicht sind Zirkusfreaks wahrscheinlich nicht zu täuschen. Der Flammenschlucker kommt auf mich zu und schlägt mir ohne Vorwarnung in die Fresse.
»Das ist dafür, dass ich in deiner Bruchbude auf einer Bananenschale ausgerutscht bin«, erklärt er seine Tat.
Ich spucke etwas Blut aus. Ich esse überhaupt keine Bananen, denke ich.

Ein übergewichtiges Wesen, das ein Mensch sein könnte, stampft durch den Sand und schickt den Feuerschlucker weg.
»Ich muss mich entschuldigen«, sagt er, »Drago kann etwas temperamentvoll werden.«
»Er sollte mal seine Haut behandeln lassen. Die ist rauer als Schmiergelpapier.« Ich versuche, die Schmerzen im Gesicht zu ignorieren und frage, was der Zirkus von mir will.
Der fette Kerl im Anzug stellt sich als der Direktor vor und hält mir eine zerfurchte Hand hin.
»Wohl mit einem Schnitzel in der Hand zu nah am Löwenkäfig gestanden«, sage ich und nehme den Handschlag an. Der Direktor findet meinen Kommentar anscheinend weniger lustig und zerquetscht mir fast die Hand.
»Du musst dir keine Sorgen machen«, sagt er. Eine unnötige Bemerkung, nachdem einem schon in die Schnauze geschlagen wurde. »Es geht uns nicht um dich. Wir sind hinter einer Person her, die du kürzlich kennen gelernt hast.«
Ich schätze, er meint Fey. Ergibt Sinn. Wenn ein schönes Mädchen Interesse an mir zeigt, muss etwas falsch mit ihr sein. Wahrscheinlich gehört sie zu diesen Zirkusfreaks und ist eigentlich die bärtige Lady von diesem Verein. Rasiert sieht sie aber echt hübsch aus, das muss man ihr lassen. Während ich darüber nachdenke, wie es wohl ist, wenn man einen Rasierer mit einer Frau teilen muss, redet der Direktor weiter. »Ich habe gehofft, du könntest mir vielleicht helfen, die Person ausfindig zu machen.«
»Was wollt ihr denn von ihr?«
»Nun, sagen wir, wir haben noch eine Rechnung offen.«
Klar, sie hat ihm bestimmt die Zirkuskasse geklaut und sich aus dem Staub gemacht. Ich würde auch nicht bei diesen Freaks bleiben wollen, egal wie ungewöhnlich stark mein Haarwuchs sein mag.
»Hör zu«, sage ich und sehe in seinem Blick bereits, dass ihm meine Antwort nicht gefallen wird, »ich kenne Fey erst seit Kurzem, aber bisher war sie nett zu mir. Warum sollte ich sie euch also ausliefern?«
Der Blick des Direktors wandelt sich von purer Bösartigkeit zu völliger Ahnungslosigkeit. »Fey?«
Ich gucke noch doofer als er und weiß gar nicht mehr, worum es hier geht.
»Ich fürchte, hier liegt ein Missverständnis vor«, sagt der Direktor. »Ich bin auf der Suche nach Nick. Mir kam zu Ohren, dass du ihn kennst und vielleicht weißt, wo er sich aufhällt.«
»Nick? Den Brückenpenner? Klar, den könnt ihr gerne haben. Als ich ihn zuletzt sah, lag er tot auf meinem Teppich.« Der Blick des Direktors verrät mir, dass er mir nicht ganz folgen kann, also füge ich hinzu: »Zumndest dachte ich das. Aber nachdem ich mich nur mal eine Sekunde umgedreht habe, war die Leiche verschwunden.«
»Glaub mir, Nick ist nicht tot.« Er klingt, als sei er sich seiner Sache so sicher, wie nie zuvor. »Du weißt nicht zufällig, wo ich ihn finden kann?«
»Alles was ich weiß ist, dass er unter einer Brücke lebt. Wie viele Brücken kann die Stadt schon haben?«
Das fette Gesicht des Direktors hellt auf, wodurch die Furchen auf seiner Stirn sich etwas zurückziehen. »Danke. Du hast mir sehr geholfen. Du weißt ja: Der Fluss ist lang.«
»Kein Problem«, sage ich, versuche meine Verwirrung über den letzten Kommentar zu verbergen und stehe auf »Kann ich dann gehen? Ich muss mich um wichtigere Dinge kümmern, die nichts mit Brücken und Obdachlosen zu tun haben.«

FORTSETZUNG FOLGT IN TEIL 7

Auf der Suche nach dem ersten Blogpost #5

Zu Teil 4

Suche nach Blogpost

Während ich noch damit beschäftigt bin, blöd zu gucken, höre ich von draußen eine raue Stimme: »Polizei!«
Wenige Sekunden später tritt ein Schuh der Größe 58 ein Loch in die Tür.
»Scheiße«, sagt die Stimme, während das Bein versucht, sich aus dem Loch zu befreien. Nach einiger Zeit gelingt das Unterfangen und die Reste der Tür fallen in den Raum. Im Türrahmen steht ein haariges etwas, dass sich auf den zweiten Blick als Mensch herausstellt. Der lange Bart ruft »Niemand bewegt sich« und betritt zusammen mit den restlichen Haaren den Raum, um sich umzusehen. Hätte er nicht bereits verraten, dass er Polizist ist, würde ich ihn für einen verwirrten Holzfäller halten, der sich im Wald verirrt hat, da durch die ganzen Haare sein Sichtfeld arg eingeschränkt ist.
»Wo ist die Frau?«
»Die hat sich derbe den Arsch verbrannt, also schätze ich mal, sie ist bei der Feuerwehr«, sage ich.
Die Antwort gefällt dem Haarbüschel offensichtlich überhaupt nicht. »Verdammt.« Eine behaarte Hand fuckelt eine Polizeimarke unter dem Bart hervor und hält sie uns vor die Nasen. »Wer seid ihr?«
»Ich bin Reporterin«, sagt Fey, bevor ich eine Gelegenheit kriege, den Polizisten weiter zu verärgern. »Ich recherchiere in einem Mordfall und die Bewohnerin dieser Behausung hat sich bereit erklärt, ein paar Fragen zu beantworten.«
Der Bart grummelt etwas Unverständliches zusammen und steckt die Marke weg. »Die Frau, die hier lebt ist gefährlich. Ich bin schon lange hinter ihr her. Glaubt ihr besser kein Wort. Sie ist eine Betrügerin.«
»Vielleicht sollte sie mal einen Vermieter betrügen, damit sie aus dieser Bruchbude rauskommt«, sage ich.
Die Augen hinter den Haaren schauen mich böse an. »Das ist kein Spiel, Freundchen.«
Ich kapiere mal wieder gar nichts.
»Ihr geht jetzt besser.«
Das lebende Haar lässt keinen Zweifel daran, dass das Gespräch beendet ist und wartet, bis wir die Hütte verlassen haben, bevor er uns hinterher ruft, dass wir die Stadt nicht verlassen sollen, da er noch ein paar Fragen an uns haben könnte.
Ich habe ebenfalls ein paar Fragen, als ich mit Fey zurück zur Stadt gehe. Sie scheint von den Ereignissen völlig unbeeindruckt zu sein.
»Was zur Hölle ist da gerade passiert?«, frage ich.
Fey zuckt nur mit ihren dünnen Schultern und geht weiter.
»Also ich weiß nicht wie oft du schon spontane Selbstentzündungen gesehen hast, aber für mich war es das erste Mal.«
»Mach dir keine Sorgen. Ihr geht es sicher gut.«
»Ob es ihr gut geht ist mir scheißegal. Ich will nur wissen, was hier abgeht.«
Fey bleibt stehen und sieht mir in die Augen. »Glaub mir. Zu diesem Zeitpunkt ist es besser, wenn du es nicht weißt.«
»Was soll das schon wieder heißen?«
»Wenn du bereit bist, wirst du es verstehen.«
»Du klingst wie einer dieser alten Lehrer mit weißem Bart aus einem Kung Fu Film.«
»Ich habe noch etwas zu erledigen. Geh nach Hause und schlafe etwas. Ich komme später vorbei.«
Fey streichelt mir über den Arm und lässt mich in der Fußgängerzone stehen. Ich gehe nach Hause. Vielleicht schaffe ich es ja endlich mal, etwas für den Blog zu schreiben. Schon im Treppenhaus merke ich, dass daraus nichts werden wird. Die Tür zu meiner Wohnung steht offen. Innen herrscht Chaos. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, aber es ist eine andere Art von Verwüstung, als sonst. Eine, die ich nicht selbst verursacht habe. Vielleicht sollte ich Nick suchen und ihn bitten, hier aufzuräumen. Ich betrete vorsichtig die Wohnung und schaue mich nach möglichen Eindringlingen um, kann aber nur eine Kakerlake entdecken, die mir unbekannt vorkommt. Wahrscheinlich die Tochter der Kakerlakenfamilie, die unter der Spüle in der Küche wohnt. Ich will mich hinsetzen, um meine Gedanken zu sortieren. Auf dem Weg zum Sessel vernehme ich ein dumpfes Pochen. Es folgt Schmerz am Hinterkopf. Und Dunkelheit.

FORTSETZUNG FOLGT IN TEIL 6