Making Of – Dewon Harpers Kriminalakten – Teil 2

Letzte Woche habe ich euch einen kleinen Einblick in die Grundidee zur Dewon Harper Reihe gegeben. Diese Woche will ich etwas näher auf die einzelnen Geschichten eingehen, die in der Stadt Lebingen so vor sich gehen.

DEWON HARPERS KRIMINALAKTEN

Auf Spoiler werde ich dabei wieder möglichst verzichten. Wer trotzdem lieber erst das Buch lesen will, kann das hier für nur 99 Cent aufs Kindle laden.

FORTSCHRITTLICHE MÜLLBESEITIGUNG

Als wir unseren Hund Knochenkarl gekriegt haben, war es meine Aufgabe, mit ihm jeden Morgen durch die Straßen zu ziehen, damit er sich die Umgebung angucken und an Straßenlaternen pinkeln kann. Dabei traf ich jeden Freitag Morgen den Müllmann, der die Aufgabe hat, die Mülltonnen an die Straße zu stellen. Dabei konnte ich oft beobachten, wie diese Müllmänner in die Mülltonnen reingucken. Ich vermute mal, um zu überprüfen, dass da auch wirklich nur das drin ist, was rein soll. Und dabei kam mir der Gedanke: Was würde wohl passieren, wenn er in einer der Tonnen eine Leiche entdeckt. Zack! Die Idee zur Geschichte rund um den wahren Theo und die Leichen in Mülltonnen war geboren. Manchmal ist es eben ganz einfach.

HIPPIEPOTAMUS

Ich hatte irgendwann mal eine verstärkte Musikfestivalphase. Und damit meine ich nicht, dass ich mich an irgendwelchen Ringen oder in irgendwelchen Parks oder in irgendwelchen Stürmen herumgetrieben habe, wo der ganze Mainstreamquark unter dem Rockdeckmantel verbraten wird. Nein, ich war auf den wirklich spaßigen Festivals mit jeder Menge Hippies und jeder Menge Drogen und jeder Menge cooler alter Rockmusik, aus einer Zeit, als Rockmusik eben noch wirklich Rockmusik war. Auf diesen Festivals trifft man einen ganzen Haufen illustrer Gestalten und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die ein oder andere davon in meinen zukünftigen Geschichten auftauchen wird. In diesem Fall habe ich mich aber erstmal auf eine Person beschränkt, die mir im Gedächtnis geblieben ist. Ein Mann mit üppigen Ausmaßen, den ich in einem Jahr täglich auf einem Festival antraf. Der Tagesablauf dieses Kerls schien daraus zu bestehen, sich, mit einem Six Pack Bier auf dem Bauch, in einer Schubkarre liegend, durch die Gegend schieben zu lassen. Sein Wortschatz beschränkte sich dabei auf die Worte: „Fahr mich um den Teich.“ Hippiepotamus lässt sich zwar nicht um einen Teich fahren, aber er ist das Ergebnis dieses in mein Gehirn gebranntes Bild vom Festival. Der lose Krimiplot entstand dabei spontan, wie es bei mir fast immer der Fall ist. Passend zum titelgebenden „Helden“ dreht sich die Geschichte um Tiere, einfach weil es sich anbot.

DIE PLAGEN VON LEBINGEN

Recht selbsterklärend: Beim regelmäßigen Prokrastinieren bleibe ich immer wieder irgendwo hängen. In diesem Fall waren es die ägyptischen Landplagen. Ursprünglich war die Idee, die Stadt von jeder Menge Ungeziefer heimsuchen zu lassen. Daraus wurde beim Schreiben dann aber doch ein Ablauf von Ereignissen bedingt durch eine Hitzewelle, mit der die Bewohner so gar nicht klar kamen. Außerdem sollte jeder Autor mal übers Wetter schreiben, damit er es hinter sich hat.

FRAU MIT GLAS

Meine persönliche Lieblingsgeschichte im ersten Buch. Ich selbst habe kein großes Kunstverständnis, wenn es um sowas wie Gemälde, Skulpturen und andere Arten der traditionellen Kunst geht. Ich bin mehr jemand, der die Kunst in Geschichten sucht. Im geschriebenen Wort oder in Bildern auf der Kinoleinwand. Allerdings spielt „Kunst“ dabei heutzutage eine untergeordnete Rolle und die Großen der Branchen trauen sich nichts mehr. Man bekommt in den meisten Fällen den immer gleichen aufgewärmten Kram vorgesetzt und das Pubikum lechzt nach immer mehr vom immer gleichen. Was das mit einem Künstler anstellen kann, habe ich versucht, in dieser Geschichte festzuhalten.

HANNAHS LEICHE

Ich bin ehrlich: Diese Geschichte ist ein ziemlicher Clusterfuck, bei dem nichts so wirklich funktioniert. Aber ich experimentiere nun mal gerne herum und das kann gut ausgehen oder eben nicht. Das Ganze sollte eine Kritik an religiösem Fanatismus werden, was aber letztlich nicht so ganz rüberkommt, denke ich. Die Struktur ist ohnehin komplett … nun ja, nicht wirklich vorhanden. Und insgesamt ist es wohl eine meiner schwächeren Geschichten. Aber dafür gibt es einiges an Wahnsinn und mit dem richtigen Humor gibt es wohl auch einiges zu lachen, habe ich mir sagen lassen. Also kann sie komplett schlecht nicht sein. Außerdem ist es ja auch mal ganz lustig, etwas zu lesen (und zu schreiben sowieso), das sich nicht an den gängigen Regeln orientiert.

Das war also der kleine Einblick in meine erste Veröffentlichung. Wenn ihr jetzt so richtig Bock habt, den Spaß zu lesen, könnt ihr es hier für Kindle kaufen. Für nur 99 Cent kann man das mal machen.

Making Of – Dewon Harpers Kriminalakten – Teil 1

So ein Blick hinter die Kulissen ist ja immer ganz interessant. Ich persönlich zumindest lese immer ganz gerne mal was darüber, wie Autoren so arbeiten, woher sie ihre Ideen nehmen und wie sie diese umsetzen. Deshalb poste ich ja auch monatlich kleine Inspirationen und Ideen hier im Blog. Warum also das Ganze nicht auch mal etwas größer aufziehen und mehr ins Detail gehen. Zum Beispiel mit meiner ersten Veröffentlichung:

DEWON HARPERS KRIMINALAKTEN

Wenn ihr den Spaß noch nicht gelesen habt, keine Angst, Spoiler werden sich hier kaum finden. Ihr könnt aber natürlich auch erstmal zuschlagen und das Buch für nur 99 Cent aufs Kindle laden.

DIE STADT

Am Anfang steht ja immer irgendeine Idee. Und diese Idee war in diesem Fall, einen Ort zu kreieren, der unzählige Möglichkeiten für absoluten Wahnsinn aber auch in der Realität verhaftete Geschichten bietet. So wurde die Stadt Lebingen geboren, die vor allem durch Verbrechen und Korruption besticht. Aber eben auch durch übernatürliche Phänomene und anderen Irrsinn. Ich wollte mir einfach keine Grenzen setzen. Allerdings funktioniert das nicht ganz so einfach, denn auch wenn die Geschichten selten miteinander verwoben sind, muss man ja irgendwie erklären, warum das alles in der gleichen Stadt passieren kann, ohne dass sich die Bewohner an den ganzen Kram erinnern und noch nicht völlig durchgedreht sind. Okay, man könnte sagen, dass die Bewohner alle durchgedreht sind, aber eben auf andere Weise. Es gibt also einen Kniff um diese Stadt, der aber noch nicht verraten wird, denn ihr sollt ja auch die nachfolgenden Bände lese. Ja, heiß machen kann ich.

DIE HANDLUNG

Die Grundidee war dabei, eine Figur innerhalb dieser Stadt zu haben, die jede Menge – um nicht zu sagen alle – Geschichten rund um die Stadt kennt. Ich dachte erst an einen Autor, aber das war mir zu langweilig. Irgendwann kam mir dann die Idee, dass diese Figur ihr Gedächtnis verloren hat und nichts außer den Geschichten im Kopf hat. Dewon Harper war geboren. Natürlich braucht es auch für diese Sache eine Erklärung. Warum hat der Erzähler sein Gedächtnis verloren? Woher kennt er all diese Geschichten? Und warum wird er verfolgt? So kam die Grundstory dazu, die zwischen den einzelnen Geschichten zum Tragen kommt. Zugegeben habe ich dabei zwei Fehler gemacht: Erstens habe ich mich für die Ich-Perspektive entschieden. Eigentlich mag ich die nicht wirklich. Weder beim Lesen noch beim Schreiben. Aber da ich die Figur so mysteriös wie möglich halten wollte, bot sich das irgendwie an. Der zweite Fehler war, dass ich die ursprüngliche Idee vielleicht etwas zu sehr ausgeweitet habe. Deshalb kommt diese zusammenhängende Story in den ersten Teilen nicht so recht in die Gänge und dient wirklich nur als Puffer zwischen den Kurzgeschichten. Aber ich verfolge einen Plan und weiß, wo die Sache hingeht. Das ist schon mal mehr, als ich über … so ziemlich alles andere sagen kann, was ich sonst so schreibe.

Um hier den Rahmen nicht zu sprengen, gehe ich auf die einzelnen Geschichten in einem zweiten Teil ein. Bis dahin könnt ihr gerne das Buch noch schnell lesen, indem ihr es für nur 99 Cent aufs Kindle ladet.

Dewon Harper ist da!

Nachdem ich es ja schon im letzten Blogpost angedeutet hatte, ist es jetzt soweit:

DEWON HARPERS KRIMINALAKTEN ist jetzt auf Amazon für Kindle erhältlich. Und zwar HIER.

Und das Beste ist: Der Spaß kostet nur 99 Cent.

 

Was macht ein Mann, der seine eigene Geschichte nicht kennt? Er erzählt erst mal alle anderen.

Dewon Harper wird gesucht. Er weiß nicht von wem. Er weiß nicht warum. Die Erinnerung an seine Vergangenheit ist aus seinem Gehirn gelöscht. Als Einwohner einer Stadt wie Lebingen, gibt es sicher schlimmeres, als sein Gedächtnis an die Verbrecher, Volltrottel und den Irrsinn zu verlieren, die diese Stadt regelmäßig heimsuchen. Allerdings tummeln sich in Dewon Harpers Kopf unzählige Geschichten, die sich um diese Stadt und ihre Bewohner drehen:

Müllwagenfahrer und Hippies werden zu Mordermittlern, eine Hitzewelle brütet über der Stadt, ein Künstler verzweifelt auf dem Weg zum Ruhm und ein Leichenbestatter kommt einem Geheimnis auf die Spur.

Während er sich in einem heruntergekommenen Motelzimmer versteckt hält, erzählt Dewon Harper diese Geschichten und mehr über die Stadt Lebingen, in der scheinbar alles möglich ist.

 

Es handelt sich also im engeren Sinne um Krimis mit einer sehr simplen Rahmenhandlung (die aber im weiteren Verlauf der Teile noch ausgebaut werden wird).  Der erste Teil dient erst mal dazu, die Leser an meinen Irrsinn heranzuführen und bietet einen lockeren Einstieg. Hoffe ich. Ganz zufrieden bin ich sowieso nie, aber das ist wohl das normale Problem des Künstlers.

Leider habe ich das Lesestartproblem nicht in den Griff gekriegt und das Buch öffnet sich mittendrin. Da der Amazon Kundendienst absolut nicht hilfreich war und ich selbst einfach zu doof bin, den Fehler zu finden, muss ich wohl damit leben. Aber wäre ja auch eigenartig gewesen, wenn bei mir mal was ohne Komplikationen verläuft.

Wenn ihr den selbsternannten Schriftsteller unterstützen wollt, könnt ihr das Buch HIER kaufen. Viel Spaß beim Lesen.

„Mach was!“ – Mit Bibliothek

Dieses Mal ist das Thema bei Poe und Herbas „Mach was!“ quasi genau richtig für einen selbsternannten Schriftsteller. Denn wir gehen in die BIBLIOTHEK. Ich hätte mich gerne noch mehr in dieser Geschichte ausgetobt, aber ich versuche immer, die Geschichten hier kurz zu halten, damit sie auch gelesen werden. Vielleicht greife ich die Idee aber noch mal auf, da sich damit noch mehr machen lässt, denke ich.

Zwischen den Regalen


Eddie schloss die große Tür zur Stadtbibliothek auf und haderte. Seit Jahrzehnten hatte niemand mehr das Gebäude betreten. Damals musste die Stadtbibliothek von Lebingen geschlossen werden, da niemand bereit war, Geld für die Bibliothek aufzubringen. Man hielt er für sinnlos, da in der Stadt zu neunzig Prozent Analphabeten lebten. Stattdessen sparte man das Geld lieber, um es im städtischen Casino auszugeben, damit jeder in der Stadt etwas davon hat. Als Eddie an den Bürgermeister von Lebingen herangetreten war, um darum zu bitten, dass er die Stadtbibliothek neu eröffnen dürfe, hatte er schallendes Gelächter geerntet. Nachdem sich der Bürgermeister beruhigt hatte machte er mit einem lockeren Handwischer klar, dass es ihm völlig egal war, was mit der Stadtbibliothek passierte und Eddie den Schlüssel zur Bibliothekstür zugeworfen.

An Eddies Seite stand seine beste Freundin Lorihn. Natürlich war es ihre Idee gewesen, die Stadtbibliothek neu zu eröffnen. Sie war die vermutlich belesenste Frau in der Stadt. Nein, sie war vermutlich die belesenste Person in der Stadt. Allerdings hatte sie berechtigte Zweifel gehabt, ob der Bürgermeister einer Frau den Schlüssel zur Bibliothek ohne eine Gegenleistung aushändigen würde. Je höher der politische Rang in der Stadt war, desto testosterongesteuerter war dessen Inhaber. Eddie hatte sie gefragt, da sie wusste, dass er sich zu allem überreden ließ. Er war ein netter Kerl, aber er konnte einfach nicht nein sagen, obwohl er wusste, dass ihn das andauernd in Schwierigkeiten bringen konnte. Immerhin las er viel, wenn auch ausschließlich Geschichten über Geister und Monster. Dadurch hatte er so eine Art Grundfurcht entwickelt, die sich durch eine Dauernervösität bemerkbar machte und ihn veranlasste, zu jeder Sekunde das schlimmste zu befürchten.

»Hier war bestimmt so lange niemand drin, weil der Ort verflucht ist«, sagte er.

Lorihn und Eddie gingen langsam zwischen den hohen verstaubten Regalen entlang. Die Regale erstreckten sich scheinbar endlos und verschwanden in der Dunkelheit, die sie umgab. Eddie und Lorihn suchten mit Taschenlampen nach einem Lichtschalter.

»Quatsch«, entgegnete Lorihn.

»Denk doch mal darüber nach. Warum sollte man ein so riesiges Gebäude einfach so ungenutzt lassen? Niemand hat sich hier rein getraut. Vermutlich treibt hier der Bücherwurm sein Unwesen.«

»Der Bücherwurm?«

»Ja, ein gigantischer Wurm, der sich durch die Bücherregale frisst und alle Besucher gleich mit.«

»Ich glaube kaum, dass wir uns darum Sorgen machen müssen.«

Sie gingen weiter zwischen den Regalen entlang. Es fiel ihnen schwer, nicht einfach stehen zu bleiben und in einem der unzähligen Bücher zu blättern.

»Ich habe das Gefühl, dass wir den Lichtschalter niemals erreichen werden«, sagte Eddie und leuchtete mit seiner Taschenlampe nach oben, wo sich in der Finsternis leicht die Umrisse eines Kronleuchters abzeichneten.

»Vielleicht sollten wir uns aufteilen. Dann finden wir ihn vermutlich schneller.«

»Tolle Idee. So fangen Horrorgeschichten immer an. Aber du hast ja nichts zu befürchten. Das hübsche Mädchen überlebt am Ende immer.«

Lorihn lächelte. »Ist es nicht etwas langweilig, wenn alles so vorhersehbar ist?«

»Nicht, wenn man sich vorher schon mehrmals in die Hose macht vor Angst. Da ist es schon fast eine Erleichterung. Du würdest es wissen, wenn du endlich mal eine Horrorgeschichte lesen würdest.«

»Ich sage dir was: Wenn du den Lichtschalter vor mir findest, lese ich eine von deinen Horrorgeschichten.«

Eddie grinste und nickte zustimmend. Er bog in einen der Seitengänge ab und ließ Lorihn allein.

Lorihn leuchtete mit ihrer Taschenlampe umher. Sie musste zugeben, dass es wirklich reichlich unheimlich war, sich alleine durch die Dunkelheit zu tasten. Hinter jedem Regal schien ein Schatten darauf zu warten, sie erschrecken zu können. Hin und wieder kam sie an einem kleinen Tisch vorbei, an dem man in Ruhe ein Buch lesen konnte. Ein alter Bücherkarren stand vor einem der Regale. Lorihn las die Titel auf den Bücherrücken. Es handelte sich offenbar größtenteils um Literatur über das Mittelalter. Ritter und Könige spielten darin eine große Rolle. Sicher nicht uninteressant und mit größerem geschichtlichen Hintergrund als Eddies Horrorgeschichten.

Der Kronleuchter flackerte auf. Ein oder zwei Birnen brannten durch, aber trotzdem wurde die Bibliothek erhellt und Lorihn konnte die Taschenlampe ausschalten. Sie dachte bereits jetzt mit Grauen daran, dass sie eine Horrorgeschichte lesen musste. Und das, wo sie doch diese unglaubliche Auswahl an wirklich interessanten Büchern zur Verfügung hatte. Sie beschloss, sich die kürzeste Horrorgeschichte auszusuchen, damit sie sich so schnell wie möglich auf den Literaturüberschuss stürzen konnte, der vor ihr lag.

Eddie kam zwischen den Regalen hindurch angeschlendert. »Endlich sieht man mal was. Wirklich beeindruckender Anblick.«

»Wo hast du den Lichtschalter gefunden?«

»Ich dachte, du hättest das Licht angeschaltet.«

»Lass den Quatsch. Das ist nicht witzig. Also, wo ist der Lichtschalter?«

»Ich habe wirklich keine Ahnung.« Eddie schaute sich nervös um. »Es sind die Bücherwürmer«, flüsterte er unheimlich.

»Ach, jetzt sind es schon mehrere Würmer.«

»Bestimmt tausende.« Eddie machte eine Pause. »Ich kann sie hören.«

»Quatsch. Das entspringt nur deiner Fantasie.«

»Wenn in einer Bibliothek die Fantasie nicht zum Leben erweckt werden kann, wo dann?«, fragte eine Stimme.

Eddie und Lorihn schreckten auf und drehten sich um. Hinter ihnen stand ein alter Mann mit grauem Bart in einem weißen Anzug.

»Wer sind Sie?«, fragte Lorihn überrascht.

»Ich bin der Bibliothekar.«

»Was machen Sie hier? Die Bibliothek ist seit Jahrzehnten geschlossen.«

»Ich wache hier.«

»Wachen?«

»Diese Bibliothek ist etwas besonderes. Natürlich ist jede Bibliothek etwas besonderes, aber diese hier ist ganz besonders besonders. Hier werden Geschichten wahr. Fantasien erwachen zum Leben. Wenn ihr in einem dieser unzähligen Bücher lest, werden die Bilder, die in eurem Kopf entstehen, real.«

»So ein Quatsch.«

Ein lautes Brüllen hallte zwischen den Bücherregalen hervor. Lorihn schaute sich erschrocken um. »Was war das?«

»Woher soll ich das wissen?« Der Bibliothekar setzte sich entspannt an einen der Tische und drehte ein Buch in seiner Hand. »Was habt ihr gelesen?«

»Nichts«, antwortet Lorihn überzeugt. »Nichts«, sagte sie erneut mit etwas weniger überzeugendem Klang. »Nichts«, seufzte sie und drehte sich zu Eddie um. »Was hast du gelesen, Eddie?«

»Nun ja, da lag dieses Buch. Es hatte einen komplett schwarzen Umschlag und keinen Titel. Es hat mich sozusagen angesaugt wie das Licht.«

»Das kann nichts Gutes bedeuten. Was stand in dem Buch?«

»Ich weiß nicht mehr genau. Es begann mit einem Monster, dass mit seinen langen Giftzähnen den Leuten das Blut aussaugt. Es hatte ein Dutzend Augen und vier Arme. Und es brüllte dauernd laut.«

Ein weiteres lautes Brüllen hallte durch die Bibliothek. Es klang näher, als beim letzten Mal. »So ungefähr brüllte es dauernd.«

»Was machen wir jetzt?«, fragte Lorihn den Bibliothekar.

»Ihr könntet Hilfe holen.«

»Wen sollen wir gegen ein Monster zu Hilfe holen? In der Stadt gibt es keine Monsterjäger.«

»Aber hier gibt es welche.« Der Bibliothekar schwang die Hand in einem Halbkreis herum. »Jedes dieser Bücher beinhaltet Helden und Bösewichte. Protagonist und Antagonist. Jeder böse Part hat einen guten Gegenpol. Gegen jede Bedrohung gibt es einen helfenden Helden. Lest. Nutzt eure Fantasie.« Der Bibliothekar legte das Buch zurück auf den Tisch, stand auf und verschwand zwischen den Regalen.

Das Brüllen war jetzt ganz nah. Eddie und Lorihn schauten sich an. Dann schauten sie den Gang entlang, der sich zwischen den Bücherregalen vor ihnen erstreckte. Ein Stampfen ließ die Regale erzittern. Bücher hüpften aus den Regalen. Ein grüner Fuß mit langen Krallen kam hinter einem der Regale hervor und trat einen der Tische weg. Ein zweiter Fuß stieß einen Bücherstapel um. Das Monster stand direkt vor ihnen. Nur wenige Meter entfernt. Es schaute Lorihn und Eddie mit seinen zwölf Augen an. Eddie schluckte hörbar. »Und jetzt?«

Das Monster riss sein riesiges Maul auf und zeigte seine langen Zähne, von denen der Speichel tropfte. Das Brüllen blies Lorihns Frisur durcheinander.

»Lauf«, rief sie.

Sie liefen zwischen den Regalen hindurch. Sie hörten das Stampfen hinter sich, aber trauten sich nicht sich umzudrehen. Nach wenigen Metern entschieden sich die Flüchtenden für unterschiedliche Richtungen. Lorihn spürte, dass sie alleine war. Sie schaute sich um. Weder Eddie noch das Monster waren zu sehen. Sie blieb stehen und stützte sich an einem Bücherkarren ab, um Luft zu holen. Ein Brüllen ließ sie das Luftholen vergessen. Das Monster schien weiter weg zu sein. Es ließ sich schwer einordnen, von wo das Brüllen kam und wie weit die Entfernung war. Sie wusste ja nicht mal, wie groß die Bibliothek überhaupt war. Lorihn guckte nach oben. Vielleicht konnte sie sich einen Überblick verschaffen, wenn sie auf eins der Bücherregale kletterte. Lorihn war nicht die sicherste Kletterin, aber die Regale standen fest auf dem Boden und boten genügend Stellen, um Halt zu finden. Lorihn zog Bücher aus dem Regal und ließ sie zu Boden fallen und trat in die freien Stellen im Regal. Während sie kletterte, fragte sie sich, wie oft jemand wirklich Bücher aus den oberen Regalreihen gelesen hatte. Vermutlich standen ganz oben die Bücher, die ohnehin nie ausgeliehen wurden. Die Lexika und veraltete Wörterbücher. Lorihn erreichte das Ende des Regals und schaute vorsichtig über den Rand des Regals. Der Anblick war überwältigend. Die Bibliothek war scheinbar tatsächlich endlos. Regale über Regale mit Büchern über Büchern erstreckten sich endlos in alle Richtungen. Es war, als wären alle Bücher der Welt hier versammelt. Das Monster und Eddie waren nicht zu sehen. Der Bibliothekar ebenfalls nicht aber das hatte sie auch nicht erwartet. Sie überlegte, ob sie nach Eddie rufen sollte, aber befürchtete, dass sie so nur die Aufmerksamkeit des Monsters auf sich ziehen würde.

»Was machst du da oben?«, rief Eddie stattdessen von unten.

Lorihn schaute nach unten und sah Eddie, der nicht größer als eine Maus zu sein schien. Sie war wirklich sehr hoch geklettert.

»Wo ist das Monster?«, fragte Lorihn und kletterte das Regal hinunter.

»Ich habe es abgehängt. Aber ich glaube nicht, dass es uns in Ruhe lassen wird.«

»Wir brauchen Hilfe.«

»Was schlägst du vor?«

»Ich schätze, wir sollten den Rat des Bibliothekars befolgen und uns Hilfe aus den Büchern holen.«

Eddie schaute in den Bücherkarren. »Mittelalter«, sagte er. »Ein Ritter könnte sicher gegen das Monster kämpfen. Die haben schließlich auch mit Drachen gekämpft.«

»Historisch zwar völliger Quatsch aber der Versuch ist es wert. Fang an zu lesen.«

Eddie zog ein Buch aus dem Karren und schlug es auf. Er begann zu lesen. Nach einigen Sätzen hörten sie Schritte. Eddie legte das Buch weg.

»In der Schänke, lieg ich in der Tränke«, sang eine lallende Stimme. Ein betrunkener Mann in bunter Kleidung und mit Mütze auf dem Kopf torkelte auf Lorihn und Eddie zu. »Prosit auf das Bier, deswegen bin ich hier«, sang der Mann.

»Wer ist das?«, fragte Lorihn.

»Sein Name ist Jacop.«

»Und wie soll der uns helfen? Was hast du da wieder gelesen?«

»Entschuldige bitte. Ich konnte ja nicht ahnen, dass der Protagonist in dem Buch ein besoffener Barde ist.«

»Brüder, legt die Arbeit nieder, und schenk mir einen ein«, sang Jacop der Barde. Er hob die Laute von seiner Schulter und begann darauf etwas, das nicht ansatzweise an Musik erinnerte, zu spielen.

Ein lautes Brüllen veranlasste ihn aufzuhören, sich ängstlich umzugucken und zwischen den Regalen zu verschwinden.

»Das war ja nicht so erfolgreich«, stellte Lorihn fest. »Lass mich mal versuchen.« Sie griff nach einem Buch im Regal.

»Beeil dich«, drängte Eddie. »Das Monster ist in der Nähe.«

Lorihn las einige Sätze. Ein lautes Stimmengewirr unterbrach sie. Einige Sekunden später wühlte sich eine Horde Wikinger durch den Gang. Viele Haare und viele Felle schienen ein Gewirr zu bilden, aus dem lange Schwerter und Äxte hervorragten. Vor Lorihn und Eddie blieben sie stehen.

»Hm, schönes Mädchen«, sagte der scheinbare Anführer, »wo sind wir hier?«

»Wir brauchen eure Hilfe.« Lorihn kam direkt auf den Punkt. »Ein Monster verfolgt uns.«

»Sicher, schönes Mädchen. Aber vorher musst du etwas für uns tun.« Der Wikinger kam näher.

Lorihn wich zurück. Sie befürchtete, dass sie ein noch schlimmeres Monster erschaffen hatte. Der Wikinger fasste sie fest an der Schulter. »Wir werden eine Menge Spaß miteinander haben.«

»Ein Prosit auf die Rittersleute.« Der betrunkene Barde torkelte um die Ecke. »Ich will mich betrinken heute.« Der Barde erblickte die Wikinger und blieb stehen. Er kniff die Augen zusammen und streckte den Kopf vor. Ein Lächeln formte sich in seinem Gesicht. Er hob die Laute und begann erneut zu singen. »Ihr erscheint mir als feine Brüder, legt eure Waffen nieder, lasst uns nach dem Biere suchen, ich will Weib, Gesang und etwas Kuchen.«

Die Wikinger schauten den Barden an. Sie schauten sich an. Sie nickten sich zu. Erfreut schrien sie auf und schlossen sich dem Barden an. Sie sangen und suchten nach Bier. Sie verschwanden zwischen den Regalen und ließen Lorihn und Eddie alleine zurück.

»Ich habe das Gefühl, dass das so nicht funktioniert«, erkannte Eddie richtig.

»Du hast recht. Wir müssen wohl selbst kämpfen.«

»Was. Bist du verrückt? Das Monster zerfetzt uns in der Luft.«

»Ich habe eine Idee.« Lorihn schaute sich um. Auf einem der Tische lag ein Kugelschreiber. Sie griff nach einem Buch im Regal und schlug die erste Seite auf. Wie üblich, war die Seite blank und beschreibbar. Lorihn setzte den Kugelschreiber an und schrieb: »Das zwölfaugige Monster schaute den Helden an, der in seiner strahlenden Rüstung da stand und auf den Angriff wartete. Er hob sein Schwert und betrachtete sich selbst in der Klinge. Er strich sein Haar zurück und lächelte dem Monster zu. Das Monster brüllte und wedelte mit seinen vier Armen. Der furchtlose Held hob sein Schwert und stürmte auf das Monster zu. Der Name des Helden war Eddie.«

Eddie schaute an sich herab. Sein Körper wurde von einer Rüstung verborgen, die im Licht glänzte. In seinen Händen hielt er Schwert und Schild. Er schaute Lorihn erschrocken an. »Was hast du getan?«

»Ich habe dich zum Helden gemacht.« Sie hielt ihm das Buch hin. »Hier, jetzt musst du etwas über mich schreiben.«

»Was?«

»Mach mich zu einer Kriegerin, oder so. Dann treten wir gemeinsam gegen das Monster an.«

Eddie nahm das Buch und den Kugelschreiber. Er schaute Lorihn an. Dann warf er den Stift und das Buch so weit weg, wie er konnte. »Nein«, sagte er.«Ich mache das alleine.«

Lorihn wusste nicht, was sie entgegnen sollte. Sie nickte ihm zu. Er hob sein Schwert und verschwand zwischen den Regalen. Nach einiger Zeit hörte sie das Brüllen des Monsters. Gefolgt von Kampfgeräuschen.

»Gute Arbeit.« Der Bibliothekar stand hinter Lorihn. »Er hat das Monster besiegt.«

»Wirklich?« Lorihn zeigte ein halbherziges Lächeln.

»Du weißt, dass er es nicht überlebt hat.«

Lorihn nickte und wischte sich eine Träne weg.

»Du kannst ihn jederzeit wiedersehen. Du hast jetzt nichts mehr zu befürchten. Die Bibliothek gehört dir.« Der Bibliothekar ging den Gang zwischen den Regalen entlang. Er öffnete die große Doppeltür der Bibliothek. Grelles Tageslicht drang herein. Er verschwand in dem Licht und ließ Lorihn alleine in der Bibliothek zurück.

Lorihn schaute sich um. Nichts bewegte sich. Alles war still. Sie griff nach einem Buch und begann zu lesen.

„Mach was!“ – Mit der Farbe Gelb

Natürlich gibt es auch dieses Jahr wieder die Mitmachaktion für Kreative, von Herba und Pö. Und da ich mich für kreativ halte und meine Mutter auch sagt, dass ich kreativ bin, was bedeutet, dass das stimmen muss, mache ich natürlich wieder mit.

Das Thema dieses Mal lautet:

Die Farbe Gelb

Dazu gibt es – wie eigentlich immer – eine Geschichte aus der fiktiven Stadt Lebingen. Übrigens ist das eine fiktive Stadt in einer fiktiven Welt. Also haltet euch bitte nicht mit historischer Akkuratesse (heißt das so?) auf. In Lebingen ist alles zu jederzeit möglich.

Gelbes Fieber

Akindo stand auf der Reling der Yoitabi, ließ die frische Meeresluft durch sein schwarzes Haar wirbeln und atmete tief ein. Wie in den letzten Tagen üblich, roch es nach Fisch. Er konnte es kaum erwarten, endlich in Europa anzukommen und neue Gerüche kennenzulernen. Und vor allem den Fischgeruch aus der Nase zu kriegen. In Japan gab es täglich Fisch. Auf dem Schiff gab es täglich Fisch. Er wollte etwas Neues. Und wenn er es selbst erlegen musste. Hauptsache kein Fisch. Er war gespannt, was die Stadt Lebingen ihm zu bieten hatte. Sie galt als eine der fortschrittlichsten Städte der Welt. Im Endeffekt bedeutete das, dass in ihr verhältnismäßig wenig Leute täglich auf der Straße abgestochen wurden.

Die Sonne schien auf den Hafen herab, der nur noch wenige Minuten entfernt lag. Akindo würde gleich seine ersten Schritte auf europäischem Boden machen. Damit hätte er bereits den dritten Kontinent bereist. Das konnten nur die wenigsten Menschen von sich behaupten. Außer Bootskapitänen und deren Besatzung kamen die Leute nicht viel herum. Sie hatten wichtigere Dinge zu tun. Felder pflügen. Burgen bauen. Einfallende Horden abwehren.

Akindo hatte schon früh beschlossen, dass das nicht das Leben war, das er haben wollte. Er wollte nicht wie sein Vater ein Fischer werden, der den Rest seines Lebens damit verbrachte, in toten Meeresfrüchten rumzupulen. Er wollte die Welt und ihre Möglichkeiten entdecken. Zugegeben, die Welt bot weniger Möglichkeiten, als er vermutet hatte. Der kleine Umweg über Afrika hatte gezeigt, dass es den Menschen überall gleich beschissen ging. Immerhin hatte er den sandigen Kontinent betreten und somit mehr gekriegt, als er bei seiner Abfahrt erwartet hatte. Den Abstecher hatten sie nur gemacht, weil Professor Wong unbedingt eine Kiste Mücken mitnehmen wollte. Akindo hatte nicht gefragt, wozu er eine Kiste mit Mücken braucht. Er hatte Professor Wong erst auf dem Schiff kennengelernt und festgestellt, dass er zwar ein interessanter, aber auch äußerst eigenwilliger Charakter war.

Nur kurze Zeit später stellte Akindo fest, wie eigenwillig und stumm Professor Wong tatsächlich war. Aus Kostengründen teilte er sich ein Zimmer in einer heruntergekommenen Herberge mit dem alten Mann, der die meiste Zeit damit verbrachte, seine gelben Finger zu nikotinieren, indem er eine Zigarette nach der anderen rauchte. Während den Zügen an den Kippen beschwerte er sich über den Verlust seiner Kiste voller Mücken. Akindo traute sich immer noch nicht zu fragen, was er mit den Mücken vorgehabt hatte. Er vermutete, dass er vorhatte, aus Nikotin ein Mückenabwehrmittel zu entwickeln. Oder herauszufinden, wie lange es dauerte, bis Mücken in einem komplett von Zigarettenqualm vernebelten Raum voller gelber Tapeten das Zeitliche segneten. Akindo war sich sicher, das seine Zeit bald kommen würde, wenn er nicht an die frische Luft käme und ging zum Marktplatz. Von frischer Luft zu sprechen, war zwar etwas optimistisch, aber nach einigen Minuten hatte man sich daran gewöhnt und gewöhnte sich an den Modergeruch, der in den Straßen lag wie die Obdachlosen, die vermutlich schon bald den Geruch verstärken würden. In dem Viertel, in dem er mit dem Professor untergekommen war, hielt man offensichtlich nichts von Reinlichkeit und Hygiene. Gastfreundschaft war noch weniger zu erwarten. Auch wenn Akindo die Bewohner freundlich grüßte, wurde er nur schief angeschaut. Er ging etwas schneller, da er befürchtete, er könnte sonst im Unrat ertränkt werden, einfach nur, weil er sich zu nett für diese Gegend verhielt.

Auf dem Markt herrschte das erwartete Aufkommen von Menschen aller Klassen, jeden Alters und allen Geschlechtern. Schausteller unterhielten die Massen. Leute in Kostümen führten eine Art Theaterstück auf. So weit Akindo das verstehen konnte, ging es darum, wie man einen Menschen auf möglichst brutale Weise von seinen Innereien befreien konnte, die hier durch ein rotes Seil und einen Eimer zermatschter Kirschen dargestellt wurden. Die Zuschauer liebten es offensichtlich und jubelten jeder Kirsche einzeln zu.

Akindo widmete sich lieber den Marktständen, an denen sich Händler und Kunden über den sinnvollsten Preis für halbvergammeltes Obst stritten. Einige der Früchte hatte Akindo zuvor nie gesehen. Er kramte in seiner Tasche nach etwas Kleingeld und entschied, ein paar außergewöhnliche Exemplare zu kaufen, die so aussahen, als würde man nicht direkt Magenkrämpfe nach dem Verzehr kriegen, weil ihr Verfallsdatum schon seit Wochen überschritten war. Er ging zu einem der Stände, verscheuchte die Fliegen von einer Kiste, damit er darunter das Obst erkennen konnte. Die Fliegen drehten eine Runde und setzten sich auf eine andere Kiste. Vor Akindo surrte ein Schwarm Mücken durch die Luft. Vermutlich waren es die Mücken des Professors. Akindo beachtete sie nicht weiter und kaufte eine handvoll gelber Früchte aus der Kiste. Er hielt sich nicht mit langen Verhandlungen auf. Er wusste ohnehin nicht, was der Wert des Obstes wirklich war und der Wert des Europageldes war ihm auch nicht klar. Der Professor hatte versucht, ihm zu erklären, wie er die Währungen umrechnet, aber er war nicht gut darin und hatte sich seit seinem Aufenthalt in der Stadt darauf beschränkt zu schätzen, wie viel Wert er in der Hand hielt. Bisher hatte das immer funktioniert. Vermutlich bezahlte er immer viel zu viel und die Markthändler rieben sich schon die Hände, wenn sie ihn kommen sahen.

Er verabschiedete sich freundlich von dem Händler und handelte sich einen der üblichen Blicke ein, die diese Freundlichkeit ständig in der Stadt hervorrief. Der Händler schaute Akindo eigenartig an. Dann öffnete er seinen Mund und spuckte eine dunkle Flüssigkeit aus. Er warf Akindo einen hilflosen Blick mit seinen gelblichen Augen zu. Blut lief aus seiner Nase. Er begann zu zittern und brach zusammen. Um Akindo herum begannen mehr und mehr Leute es dem Händler gleich zu tun. Immer mehr Menschen fielen zitternd und schwarzes Blut spuckend zu Boden. Akindo schaute sich nervös um. Am Boden sterbende Menschenmassen waren vermutlich auch in Europa kein gutes Zeichen. Japans Hauptstadt hatte erst vor wenigen Jahren eine große Pockenepidemie überstanden. Europa hatte ebenfalls bereits eine lange Geschichte von Ausbrüchen unterschiedlicher Krankheiten, die die hiesigen Ärzte vor Rätsel stellten. Akindo hielt es für das beste, zurück zum Professor zu gehen.

Lebingen stand unter Quarantäne. Eine Epidemie von gelbem Fieber hatte die Hälfte der Bevölkerung in wenigen Tagen ausgerottet. Niemals hatte eine Seuche so schnell zugeschlagen. Akindo und Professor Wong saßen auf ihrem Zimmer. Akindo schob den Vorhang vor einem Fenster zur Seite und schaute hinunter auf die Straße. Schwarz gekleidete Gestalten, die ihre Gesichter hinter Schnabelmasken verbargen, streunten durch die leeren Straßen. Einer zog einen Karren hinter sich her, auf dem leblose Körper aufgestapelt wurden. Hin und wieder hielten sie an und warfen einen weiteren Körper auf den Karren. Akindo ließ den Vorhang zurücksinken und schaute Professor Wong an, der in der Ecke auf einem Stuhl saß und eine Zigarette rauchte. Er hatte behauptet, dass die Mücken für die Epidemie verantwortlich sein könnten. Auf die Frage, warum er eine Kiste Mücken mitgebracht hatte, bekam Akindo keine richtige Antwort. Zu Forschungszwecken, hatte Professor Wong gesagt. Was auch immer das bedeuten mochte. Seit dem Ausbruch schien er kein Interesse mehr an der Forschung zu haben. Immerhin hatte er offenbar genug Tabak für Jahre im Gepäck, damit ihm nicht langweilig werden würde. Ein lautes Pochen ließ Akindo aufschrecken. Bevor er sich fragen konnte, woher das Geräusch kam, flog die Zimmertür aus ihren Angeln und Gestalten in schwarzen Kutten und Pestmasken betraten den Raum. Ohne ein Wort zu sagen, gingen sie auf Professor Wong und Akindo zu.

Akindo versuchte die Fesseln an seinen Händen zu lösen. Die Pestmasken verstanden es, einen guten Knoten zu knüpfen. Das Seil lockerte sich kein Stück. Er schaute neben sich. Professor Wong stand seelenruhig da, ebenfalls an einen Stab gefesselt. Beide standen auf aufgestapeltem Holz. Die Pestmasken waren sich einig, dass nur die beiden Asiaten für den Fluch verantwortlich sein konnten, der über der Stadt lag. Die Männer mit der gelben Haut hatten die gelbe Seuche gebracht, die die Haut und die Augen eines jeden gelb werden ließ. Das Urteil für dieses Verbrechen war schnell gefällt worden. Ohne Prozess und ohne Akindo und Professor Wong eine Gelegenheit zu geben, sich zu verteidigen, waren die Scheiterhaufen aufgebahrt worden. Schnabelmasken mit brennenden Fackeln standen vor ihnen und warteten darauf, dass sie das Holz entzünden durften. Akindo vermutete, dass sie darauf warteten, dass die Pestmaske, die aus dem dicken Buch in seinen Händen vorlas, fertig war. Wenn er das komplette Buch vorlesen wollte, hätte er noch Tage Zeit, um sich zu befreien. Auf dieses Glück wollte er sich allerdings nicht verlassen. Er rubbelte das Seil an dem Pfahl auf und ab. Professor Wong machte weiterhin keine Anstalten, irgendetwas unternehmen zu wollen. Akindo fasste den Beschluss, ihn sich selbst zu überlassen. Im Idealfall hatte er hinterher ein Zimmer für sich alleine.

Der Vorleser sagte »Amen« und schlug das Buch zu. Er nickte den Pestmasken mit den Fackeln zu. Die näherten sich dem aufgestapeltem Holz. Akindo rubbelte schneller an seinen Seilen herum als je zuvor. Aber sie waren zu fest und zu dick. Es gab keine Möglichkeit sich zu befreien. Die Fackeln kamen näher. Akindo schaute Professor Wong an, der weiterhin seelenruhig an seinen Pfahl gefesselt da stand. Vermutlich war er sogar eingeschlafen. Außer rauchen und schlafen hatte er ohnehin nichts gemacht, seit sie in Lebingen angekommen waren. Vermutlich hatte er sich den Professoren-Titel selbst gegeben. Akindo konnte sich jedenfalls nicht vorstellen, wie dieser ketterauchende Langschläfer jemals irgendetwas auf die Reihe gekriegt haben könnte. Er hätte sich gewünscht, wenigstens an der Seite von jemandem zu sterben, der kein totaler Langweiler war und zumindest einen Versuch unternehmen würde, sich selbst und eventuell auch Akindo zu befreien.

Die Fackeln kokelten das Holz an. Der stechende Geruch stieg Akindo in die Nase. Immerhin besser als Fisch. Akindo schloss die Augen und atmete tief ein, so lange er noch nicht in eine schwarze Wolke des Todes eingehüllt war. Er hörte ein Geräusch und öffnete die Augen wieder. Das Geräusch war ein Tritt gegen eine Fackel gewesen, die eine der Pestmasken in Brand gesetzt hatte. Die Pestmaske kreischte laut und taumelte über den leeren Marktplatz. Akindo schaute sich überrascht um. Professor Wong stand inmitten der Pestmasken und trat und schlug um sich wie ein Shaolinmönch auf Klosterfreigang. Pestmasken flogen umher. Schwarze Umhänge rissen. Nach wenigen Sekunden stand nur noch der Professor. Er ging um Akindos Pfahl herum und trennte mit einem Handkantenschlag die Fesseln. Mit einem kurzen Blick gab er dem Jungen zu verstehen, dass es Zeit war, Lebingen zu verlassen.

Ein Mückenschwarm surrte über die Pestmasken hinweg und verfolgte die asiatischen Besucher auf dem Weg zur nächsten Stadt.

„Mach was!“ – Mit Geistern

Als ich gestern auf der Arbeit saß und wie immer versuchte, mich auf Dinge zu konzentrieren, die absolut nichts mit meiner stupiden, nervtötend langweiligen Kackarbeit zu tun haben, kam mir plötzlich ein Gedanke. „Ich muss dringend hier raus“, dachte ich. „Ich brauche einen neuen Job. Einen der mich nicht täglich einem Amoklauf näher bringt.“ Aber das nur so nebenbei. Denn mir kam noch ein weiterer Gedanke. Nämlich eine Idee zu einer Geschichte für Herbas und Poes „Mach was! – Mit Geistern“. Also habe ich mich gestern nach Feierabend hingesetzt, gekotzt bei dem Gedanken, dass ich am nächsten Tag wieder in den Kackladen muss, und dann angefangen zu schreiben. Das Ergebnis ist sicher nicht perfekt, aber mehr war in der kurzen Zeit dann halt nicht mehr drin.

Eine Schneefestgeschichte

Der erste Schnee rieselte auf Lebingen hinunter und blieb auf den Dächern der Altbauten liegen, die aneinandergereiht im heruntergekommenen Stadtteil Winding standen. Hier lebten die Armen und Kranken und Hungrigen, die sich keine Medizin oder Nahrung leisten konnten. Für sie alle leitete der Schnee eine lange Zeit der Kälte ein, der sie sich nur mit Hilfe von löchrigen Decken und nassem Feuerholz entziehen konnten.

Eberhard Skruhtsch hingegen schaute mit Freude zu, wie sich der Schnee auf seiner Fensterbank anhäufte. Für ihn bedeutete der Winter eine hervorragende Einnahmequelle. Eberhard lebte in Winding weil die Mieten so günstig waren und er hier ungestört an neuen Ideen feilen konnte, mit deren Hilfe es ihm möglich war sein Vermögen zu vermehren. Seine größte Schöpfung war das Schneefest, das er im letzten Jahr ausgerufen hatte. Die Bewohner von Lebingen, ob arm oder reich, waren immer auf der Suche nach einer guten Gelegenheit ihr Geld zu verprassen und sich im besten Fall dabei zu besaufen. Glühweinstände und Lebkuchengeschäfte boten im Winter die perfekte Gelegenheit dazu. Das erste Schneefest war ein Riesenerfolg gewesen. Eberhard rieb sich die Hände und dachte an den Profit, den er in diesem Jahr machen würde. Er schaute hinunter auf die Straße. An einer brennenden Mülltonne stand eine Gruppe von Obdachlosen in alte Lumpen gekleidet und versuchte, das Feuer in Gang zu halten, indem sie teile ihrer Kleidung hineinwarfen. Was für ein kläglicher Anblick. Eberhard wandte sich ab und setzte sich an den warmen Kamin, in dem ein prächtiges Feuer brannte. Er warf noch einen Holzscheit nach. Der Geruch von Mahagoni erfüllte den Raum. Eberhard heizte nur mit dem feinsten Holz, das man für Geld kaufen konnte. Er überlegte, ob er noch etwas Bambus nachwerfen sollte, aber entschied, damit noch etwas zu warten. Er starrte in die Flammen, dachte über das viele Geld nach, das ihm das Schneefest bescheren würde und döste in seinem Sessel ein.

Ein knackendes Geräusch weckte Eberhard aus seinen Träumen von Ruhm, Reichtum und Macht – also allem, was er bereits hatte. Vor dem Kamin stand eine Gestalt und stocherte mit einem Schürhaken in der Glut herum. Das Holz knackte, wenn die Flammen wieder Besitz von ihm ergriffen.

»Was machst du in meiner Wohnung?«, fragte Eberhard wütend.

Die Gestalt drehte sich um. Es war ein Junge, der, in ein weißes Bettlaken gewickelt, vor ihm stand und grinste. »O, du bist wach. Wurde auch Zeit.«

»Was machst du mit meinem Schürhaken?«

»Dein Feuer drohte auszugehen.«

»Was machst du mit meinem Feuer?« Eberhard stand auf. »Hau ab, Junge, bevor ich dir ein paar scheuer und dich in die Flammen stoße.«

»Mann, du bist echt ein Arschloch. Jakob Harley hat nicht untertrieben.«

»Jakob? Woher kennst du ›Kob‹?«

»›Kob‹? Er hat mir gar nicht gesagt, dass er so einen lustigen Spitznamen hat.«

»Er ist seit Jahren tot.« Eberhard musterte den Jungen. »Du warst zu dem Zeitpunkt nicht mal geboren.«

»Du weißt gar nichts, alter Sack. Also hör zu. Ich bin der Geist des vergangenen Schneefestes.«

Eberhard dachte kurz über das Gehörte nach und reagierte, wie jeder normale Mensch reagieren würde. »Hä?«

»Ich bin der Geist …«

»Ja, ja, ich habe dich beim ersten Mal verstanden, du freches Gör’. Aber ich verstehe nicht. Es gibt erst ein vergangenes Schneefest. Und Geister gibt es überhaupt nicht.«

»Gibt es wohl.«

»Gibt es nicht.«

»Gibt es wohl.«

»Gibt es nicht.«

»Wohl.«

»Nein.«

»Doch.«

»Nein … ach, lass den Quatsch.«

»Also gut. Ja, es gab erst ein Schneefest. Und ich war da. Mann, was für eine grandiose Veranstaltung. Mama hat mir Lebkuchen gekauft. Und Zuckerwatte. Und Papa hat sich mit Glühwein abgschossen und sich vollgekotzt. War ein lustiger Abend. Bis …«

»Bis was?« Auf Eberhards Gesicht hatte sich ein zufriedenes Grinsen bei den Ausführungen des Jungen gebildet, das jetzt verschwand und zu seiner ausdrucklosen Form zurückkehrte, die er immer an den Tag legte.

»Bis ich von den ganzen Irren bei der Glühwein-Happy-Hour totgetrampelt wurde. Und das ist allein deine Schuld, du Penner.«

»Wieso meine Schuld?«

»Weil du in deiner Geldgier nur noch mehr Glühwein verkaufen wolltest. Ich kenne den Trick. Habe ich bei meinem Limonadenstand auch immer gemacht. Wenn das Geschäft nur noch schleppend läuft, macht man die Kunden eben noch mal mit einem Rabatt heiß, damit sie danach doch wieder zum normalen Preis weiterkaufen.«

»Toller Trick, nicht wahr. Funktioniert immer.«

»Wenn man deshalb verreckt, ist es nicht mehr so toll.«

»Das ist nicht mein Problem, Junge. Deine Eltern hätten auf dich aufpassen sollen, statt sich sinnlos zu besaufen. Dann wärst du jetzt noch am Leben. Also such die heim und spuk da rum. Ich will noch etwas schlafen, bevor ich mich morgen um das Schneefest kümmern muss.«

Eberhard setzte sich wieder in seinen Sessel und schloss die Augen.

Eine schallende Ohrfeige weckte Eberhard unsanft aus seinen Träumen von Whirlpools voller nackter Thailänderinnen. Eine angezogene Frau schaute ihn mit ihren grünen Augen böse an.

»Wach auf, du Fettsack.«

»Hm? Was?« Fragte Eberhard schlaftrunken und mit den Gedanken noch im Whirlpool.

»Du warst ganz schön böse zum Geist des vergangenen Schneefestes.«

»Er wird es überleben.«

»Er ist bereits tot.«

»Ach ja. Na ja, was will man machen.«

Die Blondine seufzte. »Ich bin der Geist des diesjährigen Schneefestes.«

»Und was willst du? Wurdest du auch von ›Kob‹ geschickt?«

»›Kob‹? Er hat mir gar nicht gesagt, dass er so einen sexy Spitznamen hat.«

»Ja, ja, können wir dann zu dem Punkt kommen, wo du mir anbietest, dich für Geld frei zu machen?«

Die Ohrfeige schallerte heftiger als die Vorherige. Eberhard schüttelte den Kopf und hielt sich die Wange. »Ich bleibe wohl doch bei meinem Thailandurlaub.«

»Weißt du was?«

»Was?«

»Eigentlich sollen wir dir helfen. Jakob Harley meinte, du könntest gerettet werden. Wir könnten dich ändern. Aus dem Arschloch, dass du jetzt bist, einen netten Mann machen, der nicht in der Hölle in Ketten liegen und Scheiße schaufeln muss, bis in alle Ewigkeit. Aber du hast jede Scheiße verdient. Ich bin weg.«

Die Frau zog ihr Shirt hoch und zeigte Eberhard ihre prallen Brüste, die er nie kriegen würde. Dann verschwanden sie und ihre Brüste vor Eberhards Augen. Er guckte verwirrt auf den Kaminsims vor sich und das Foto von sich selbst und Jakob in jungen Jahren. »Wenn er mir helfen will, soll er halt selbst kommen und keine Pissblagen und Nutten schicken.« Er setzte sich wieder hin und döste ein.

Ein »Wach auf, du Arschloch« weckte Eberhard aus seinen Träumen von Badewannen voller Geld und Thailänderinnen in Bikinis aus Geldscheinen, die ihm mit Palmwedeln aus Aktien Luft zuwedeln. Vor ihm stand ein Mann in Ketten, in zerrissener Kleidung.

»›Kob‹? Bist du das?«

»Ja, bin ich«, sagte Jakob. »Musstest du den anderen Geistern wirklich von meinem Spitznamen erzählen? Alle machen sich über mich lustig.«

»Das solltest du doch gewohnt sein. Haben wir schließlich auch immer getan.« Eberhard konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, bei dem Gedanken an die bösen Sprüche, die ›Kob‹ sich immer hatte anhören müssen.

»Hör auf zu lachen, Eberhard. Ich bin in ernster Mission hier. Ich bin der Geist des zukünftigen Schneefestes.«

Eberhard verdrehte die Augen. »Sind wir dann bald fertig hier? Ich muss schlafen. Morgen ist ein großer Tag.«

»Lass mich dir nur zeigen, was aus deinem Schneefest wird. Dann kannst du tun, was immer du willst.«

»Also gut.«

Der Geist von Jakob schnippte mit den Fingern und sie standen in einem Einkaufszentrum. Eberhard schaute sich um. »Imposanter Laden«, sagte er. Sein Blick blieb an einem Banner kleben, das in großen Buchstaben ein »Frohes KonsumUmnachten« wünschte. »Was ist ›KonsumUmnachten‹?«

»Das ist das, was aus deinem Schneefest wird. Mit den Jahren wird es immer größer werden. In aller Welt wird man es feiern. Es gibt Schokoladenfiguren und die Leute schenken sich unützen Krempel und alle werden arm und feiern gemeinsam, obwohl sie sich hassen und kein Geld haben und die Selbstmordraten steigen, weil die Einsamen und Armen und Hungernden an diesem Tag besonders verzweifelt sind.«

»Also wird mein kleines Fest der absolute Hit und ich werde stinkreich und berühmt und kann so viele Thailänderinnen haben wie ich will?«

»Hast du mir nicht zugehört? Selbstmörder und so weiter.«

»Was interessieren die mich? Ich bin reich ohne Ende und kann tun und lassen was ich will.«

»Du bist einfach unverbesserlich, Eberhard.« Jakob schnippte mit den Fingern.

Eberhard wachte in seinem Sessel auf. Hatte er alles nur geträumt? Würde es gar kein KonsumUmnachten geben? Würde es nie Schokoladenfiguren mit seinem Gesicht geben? Das konnte er nicht zulassen. Von nun an würde er alles daran setzen, das Schneefest zum größten Fest aller Zeiten und zum weltweiten Phänomen zu machen. Er grinste zufrieden. Er hörte Gelächter von draußen. Er ging ans Fenster. Es waren die Obdachlosen. Trotz ihrer Armut schienen sie Freude zu empfinden. Heute, beim ersten Schnee, der das Schneefest einleitete. Waren sie bereits in der Stimmung, gemeinsam zu feiern, wie es später die ganze Welt tun würde. Eberhard öffnete das Fenster.

»He, ihr«, rief er zu den Obdachlosen hinunter. »Haltet die Fresse. Ich werde stinkreich sein und will schlafen.« Er warf einen Blumentopf nach den Obdachlosen. Zufrieden schloss er das Fenster und ging zu Bett um von seiner Zukunft voller Thailänderinnen in seinem Schloss aus Gold zu träumen. Mit dem Gedanken an eine rosige Zukunft schlief er ein.