Was von der Recherche übrig blieb: Die Apokalyptischen Reiter

Recherche gehört zum Geschäft. Vor der Schreibarbeit muss ich mich in viele Dinge reinlesen, damit meine Geschichten stimmig sind. Was dabei herauskommt, will ich ab jetzt in unregelmäßigen Abständen (also so alle 5 Jahre, wie es auf diesem Blog üblich ist) hier teilen. Dabei könnt ihr noch was lernen. Wenn auch nichts Nützliches, denn wer hat denn da schon Bock drauf …

Wir alle kennen sie. Die Reiter der Apokalypse. Tod, Krieg, Hunger und Pestilenz. Wobei man sagen muss, dass Pestilenz so eine Art Außenseiter ist, denn so richtig geklärt wurde eigentlich nie, ob es sich dabei wirklich um Pestilenz handelt oder es doch jemand völlig anderes ist. Die Beschreibung in der Bibel ist da sehr vage und es unterliegt der Interpretation des Beobachters, wer da eigentlich angeritten kommt, um das Ende der uns bekannten Welt einzuleiten. Vermutlich ist genau das der Grund, warum die Reiter seit jeher vor allem im Bereich der Kunst gerne herangezogen werden, um auf unterschiedlichste Art und Weise dargestellt zu werden.

Die apokalyptischen Reiter sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Kunst. Kein Wunder. Fröhliche Babys pinseln kann jeder. Tod und Verderben sind der heiße Scheiß, den jeder sehen will. Das war schon immer so. Die Menschen sind fasziniert vom düsteren, unheilverkündenden Monsteraufgebot, das nur im eigenen Kopf existiert. Künstlerische Freiheit gab es dabei schon immer. In einem Codex aus dem 15. Jahrhundert in der Universitätsbibliothek Heidelberg sieht man, wie Johannes das Buch der sieben Siegel öffnet und die apokalyptischen Reiter herbeiruft. Das ist selbstverständlich völliger Quatsch, denn wie wir alle wissen, kann nur ein Lamm die Siegel öffnen und die Reiter beschwören. Das ist ja das Gute daran, denn solange Lämmer nicht sprechen können, sind wir vor der Apokalypse absolut sicher. Natürlich wird die Wissenschaft irgendwann ein Lamm klonen und mit der DNA eines Motivationsredners kombinieren und dann haben wir den Salat. Aber bis dahin dürfte alles gut sein.

Die bekannteste und prägendste Darstellung war und ist wohl Albrecht Dürers Holzschnitt aus dem Jahr 1498. Gut, die Reiter da sehen nicht wie die heruntergekommensten Horrorgestalten aus, die jemals ein Pferd bestiegen haben, aber die Visualisierung des Beginns der Apokalypse hat sich bis heute in ähnlicher Form gehalten. Vor allem zu einer Zeit, in der viele Menschen nicht lesen konnten und sich darauf verlassen mussten, was ihnen erzählt wurde, was denn in der Bibel steht, war ein derartiges Bildnis sicher aufsehenerregend. Ich würds mir jedenfalls eher in den Flur hängen, als das langweilige Geschmiere von einem Picasso oder so.

Nachdem im Zweiten Weltkrieg die Fenster des Witticher Rathauses zerstört worden waren, beauftragte man Georg Meistermann damit, neue Rathausfenster zu kreieren. Da es sich zufällig um genau vier Fenster handelte und Meistermann dauerhaft an die Gräuel des Krieges erinnern wollte, wählte er als Motiv die apokalyptischen Reiter. Vermutlich auch als Abschreckung, weil da wirft dann sicher keiner mehr einen Stein durchs Fenster. Wer will schon von Krieg persönlich einen Stein zurück an die Birne geworfen kriegen?

Die Kunst hat natürlich auch dazu beigetragen, dass die apokalyptischen Reiter mit den Wesen in Verbindung gebracht werden, als die wir sie heute sehen. Tod, Krieg, Hunger und der andere Reiter halt, wer auch immer es nun wirklich sein mag. In der Bibel werden keine Namen erwähnt und es ist der Interpretation überlassen, um wen es sich handelt. Vielleicht meinte der Autor jemand anderen. Vielleicht hatte er einen Streit mit den Pferdezüchtern Hans, Paul, Wilhelm und Günther in der Nachbarschaft und wollte denen nur einen Denkzettel verpassen, indem er sie in dieses schlechte Bild rückt. Über die Jahre wurden Hans, Paul, Wilhelm und Günther einfach vergessen, weil ihre Pferderanch pleite ging und sie wegzogen und so wurden daraus die apokalyptischen Reiter.

Wir werden es wohl nie wissen. So richtig viel Mühe wurde offensichtlich ohnehin nicht in die ganze Geschichte hinein gesteckt. Ich meine, die Pferde haben nicht mal Namen. Aber gut, wir wissen immerhin, dass Tods Pferd Binky heißt.

Ein Gedanke zu “Was von der Recherche übrig blieb: Die Apokalyptischen Reiter

Laber mich voll, ich mag das.

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