Livingon – Armed and Dangerous

LIVINGON #5 – ARMED AND DANGEROUS – APR 2020

 

Alison Conary starrte in die Mündung der Waffe des One Armed Gun Man. Wayne Hill kniff die Augen zusammen wie ein Westernheld kurz vorm Shootout. »Auf diesen Trümmern hat sich alles verändert«, sagte er. »Ich hatte gerade meine Freiheit zurück. Es ist nicht leicht, in die Freiheit zurückzufinden. Ich wollte mir nur ein wenig Startkapital besorgen. Etwas, um auf die Beine zu kommen. Aber ihr musstet es mir verderben. Wegen euch habe ich meinen Arm verloren.«

»Uns trifft keine Schuld. Mein Partner ist bei der Explosion gestorben.«

»Schnauze!«

Der One Armed Gun Man schoss eine Kugel an Alisons Ohr vorbei.

»Die Nebenwirkungen allerdings sind äußerst positiv. Bevor ich dir eine Kugel direkt zwischen die Augen schieße, wollte ich dir mitteilen, dass ich dich zwar mehr hasse, als alles andere auf der Welt, aber trotzdem auf gewisse Weise dankbar bin.«

Er schoss. Die erste Kugel prallte von einem Stopschild ab. Die zweite Kugel traf die erste Kugel. Beide landeten vor Alison im Staub.

»Es gibt weltweit keinen besseren Schützen als mich. Und weil ich das dir verdanke, lasse ich dir die Wahl: Willst du durch einen direkten Schuss sterben oder soll es ein Trickschuss sein?«

Alison ging im Kopf ihre begrenzten Möglichkeiten durch. Eine Kugel im Kopf, blieb eine Kugel im Kopf, unabhängig davon, wie trickreich der Schuss ausfiel. Alison überblickte die Umgebung. Baufahrzeuge standen bereit, um den Schutt wegzuräumen, der vom Gebäude übrig geblieben war. Zwischen den Baggern und Lastwagen konnte sie sich verstecken. Sie brauchte eine Ablenkung.

»Die Bedenkzeit ist vorüber. Was darf es sein?«

»Ein Trickschuss.« Alison schluckte. »Auf mein linkes Ohr.«

»So spezifisch. Gefällt mir.« Wayne richtete den Revolver auf die Schaufel eines Baggers.

Er schoss.

Alison trat einen Schritt vor.

Die Kugel prallte von der Schaufel ab und rauschte an Alison vorbei. Wie sie gehofft hatte, durchschlug die Kugel die Tür eines Kipplasters und traf einen Hebel. Die Ladefläche des Lasters hob sich.

Schutt und Dreck begruben Wayne Hill bis zur Brust. Nur sein Kopf und der Arm mit dem Revolver in der Hand schauten aus dem Hügel heraus. Er drückte ab.

»Sechs Schuss«, sagte Alison. »Hast du nicht mitgezählt?«

»Wenn ich dich erwische!« Wayne wand sich in dem Berg.

»Es wird eine Weile dauern, bis du dich befreit hast.« Alison drehte sich um und ging. »Mit einem Arm gräbt es sich langsam.«

Wayne warf den Revolver nach ihr. Er verfehlte um einige Meter. Seine Zielgenauigkeit beschränkte sich auf Kugeln.

Die letzten Flammen im Polizeihauptrevier erloschen. Feuerwehrmeister Nathaniel Heading schaute sich die qualmenden Überreste an. Hier würde so schnell kein Gesetz mehr gehütet.

»Sir, wir vermissen Rekrutin Cove.«

Nathaniel schaute den Feuerwehrmann an. »Ihr habt sie doch wohl nicht alleine gegen die Flammen kämpfen lassen? Es war ihr erster Tag. Ihr hattet klare Anweisungen, sie in jedem Fall zu unterstützen und für ihre Sicherheit zu sorgen.«

Der Feuerwehrmann antwortete nicht.

»Sucht sie. Und findet sie. Lebendig.«

Cordelia Cove trug eine Atemmaske und lag in einem Krankenbett. Ihre Hände und Füße waren an das Bett gefesselt.

»Ganz ruhig«, sagte eine Stimme. »Die Fesseln und Atemmaske sind nur zu deinem Schutz.«

Aus den Augenwinkeln erkannte sie einen Mann in Polizeiuniform, eine Frau in Feuerwehrjacke und jemanden in weißem Laborkittel.

»Das ist interessant.« Der Kittel schaute sich Monitore mit Daten an. Er drehte sich um. Eine Frau schaute Cordelia an. »Mein Name ist Doctor Samantha Xero. Ich forsche im Bereich menschlicher Mutationen. Und du bist ein äußerst interessantes Subjekt.«

Cordelia versuchte zu sprechen, aber mehr als ein Gurgeln brachte sie nicht hervor.

»Versuche, ruhig weiterzuatmen. Deine Organe füllen sich mit Wasser. Vorübegehend wirst du auf das Atemgerät angewiesen sein. Aber ich arbeite an einer Lösung.«

Cornelia blubberte etwas. Doctor Xero legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter.

»Es war die richtige Entscheidung, sie herzubringen. Gute Arbeit, Stanley.« Sie widmete sich Juana. »Und was ist deine Geschichte? Polizistin? Verbrechensbekämpfung? Sich für das Gute einsetzen? Lobenswert. Aber was treibt dich an? Was ist dein Ziel? Kaffee?«

Juana brauchte einen Moment, um sich durch das Gewirr von Fragezeichen zu kämpfen. Sie suchte Hilfe bei Stanley. Er nickte.

»Ja«, sagte Juana und fügte ein »Danke« hinzu, weil sie das Gefühl hatte, dass es von ihr verlangt wurde. »Schon als Kind hatte ich Spaß daran, Rätsel und Gedächtnisaufgaben zu lösen. Kriminalfälle sind im Prinzip nichts anderes. Man merkt sich Informationen, verbindet sie miteinander und löst so ein Rätsel. Ich vergesse nie etwas. Deshalb bin ich wohl so gut darin.«

Doctor Xero reichte ihr eine Tasse Kaffee und trank selbst einen Schluck. »Interessant. Wärest du daran interessiert, deine Fähigkeiten ein wenig zu verstärken?«

Stanley nickte.

»Ja«, sagte Juana und fügte ein »Danke« hinzu, weil sie das Gefühl hatte, dass es von ihr verlangt wurde. Sie trank den Kaffee.

Zu viele Gedanken, um sie im Kopf zu sortieren, beschäftigten Alison auf ihrem Weg zurück zur Polizeiakademie. Was hatte die Explosion mit ihr angestellt? Und mit dem Einarmigen? Und warum? Was war das Besondere an dem Ort? Was hatte es mit dem Dröhnen auf sich?

Ein Schrei riss sie aus ihren Gedanken.

Zwei Verbrecher drängten eine wehrlose Frau in eine Ecke. Alison eilte zur Rettung. Bob und Bob widmeten ihr jede Aufmerksamkeit und wedelten mit Messern in ihre Richtung. Alison hatte auf der Polizeiakademie gelernt, wie man einen Angreifer mit einem Messer entwaffnet. Zwei Gegner waren eine größere Herausforderung. Sie musste einen nach dem anderen zu Boden bringen. Sie inspizierte den Boden. Die Bordsteinkante könnte helfen. Sie trat einen Schritt zurück. Bob und Bob kamen auf sie zu. Bob stolperte über die Kante. Alison packte Bobs Arm und beförderte ihn zu Boden. Den Schwung des stolpernden Bobs nutzte sie, um ihn gegen die Wand zu stoßen. Sie trat die Messer zur Seite und kümmerte sich um die alte Frau.

»Diese Stadt geht vor die Hunde«, sagte die Frau und presste ihre Handtasche an sich. »All die Verbrecher, die frei herumlaufen. Die Polizei ist völlig überfordert. Jemand muss das Gesetz in die Hand nehmen, sonst ist Livingon verloren.«

Alison dachte über die Worte der Frau nach. Wenn jemand das Gesetz in die Hand nahm, dann wohl am besten eine angehende Polizistin.

Wayne Hill grub mit seinem Arm. Er war noch nicht weit gekommen. Sich aus dem Schutt zu befreien, würde einige Stunden dauern. Jemand trat zwischen den Baufahrzeugen hervor. Wayne Hill schaute auf.

»Wer bist du?«

»Ich bin der Mann, der für deine neuen Fähigkeiten verantwortlich ist.«

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